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Full text of "Geschichte der Würzburger Universitäts-bibliothek bis zur Säkularisation..."

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GESCHICHTE 

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IRZBURGERÜNIVERSITÄTS-BIBLIOTHE« 

BIS ZUR SÄKULARISATION 
IN AUG URAL-DISSERTATION 

HOHEN PHl: , , I jj 

r«8L BArE«. JÜLIUSMAXIMILlAmj UNHERSIT/lT WORZBUB« 

EBUNGimo UKi i i;i)E 



OTTO HANDWERKER 

• 1» WOkihl'aii 



DER ALTE SAAL 



KGL. UNIVERSITATS-BIBLIOTHEK WÜRZBURG. 




NACH 
PLÄNEN BALTHASAR NEUMANNS ERBAUT UND EINGERICHTET 

1733—1724. 



GESCHICHTE 



DER 



•0 •• 



WURZeURGERUNIVERSimS-BieUOTHEK 



BIS ZUR SÄKULARISATION. 



INAÜGÜRAL-D IS SERTATION 

VKRFASST ÜNit DER 

HOHEN PHILOSOPHISCHEN FAKULTÄT 

DER 

KGL BAYER. JULIUS-MAXIMILIANS-UNIVERSITÄT WÜRZBURG 

ZUR 

ERLANGUNG DER DOKTORWÜRDE 

VOBGELEGT 

AM 23. JULI 1904 

VON 

OTTO HANDWERKER 

AUS WÜRZBUBG. 



WÜRZBURG. 

DRUCK DER KGL. ÜNIVERSITÄTSDRÜCKEREI VON H. STÜRTZ. 

1904. 



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irrmmFTj 



Harvard OoDege Library 

By Exchange 
University of 'vVurzburg 
jSEov, 28, 1904 



Inhalt. 



Seite 

Einleitung, Quellen, Literatur, Abkürzungen . . 1 — 8 

A. Die Bibliothek des siebzehnten Jahrhunderts. 

1. Kapitel. Gab es unter Fürstbischof Julius Echter vonMespel- 

brunn eine allgemeine Universitätsbibliothek? 9 — 17 . 

2. 9 Die Bibliotheca Academica Godefridiana . . . 18 — 29 

3. , Schicksale der Bibliothek während des schwedisch- 

weimarischen Interregnums 29—44 

4. , Von der Wiederherstellung der Universität bis 

zum Tode Johann Gottfrieds von Guttenberg 
(1636-1698) 44—50 

B. Die Bibliothek des achtzehnten Jahrhunderts. 

5. Kapitel. Die Neubegründung der Bibliothek durch Johann 

Philipp II. von Greiffenclau (1699—1719) . . . 51—65 

6. , Die Organisation der Bibliothek (1719—1746) . . 65—90 

7. , Vom Tode Friedrich Karls bis zum Ende der 

geistlichen Herrschaft (1746—1802) 90—124 

8. , Stand der Bibliothek beim Eintritte der Säkulari- 

sation 125—137 

Anhang. Verzeichnis der Bibliotheksbeamten (1712—1802) . . . 138—139 
Schema des Realkatalogs vom Jahre 1731 139 — 144 

Illustrationen: 

Der alte Saal der kgl. Universitäts-Bibliothek Würzburg 

(Titelbild). 

Exlibris des J. G. von Werdenstein 21 

Exlibris des Fürstbischofs J. Ph. von Greiffenclau ... 53 

Exlibris der Familie Fabricius 58 

Alte Universität, Klerikalseminar, Bibliothekgebäude (nach 

V. Horstig) 68 



Einleitung. 



Petzholdts Handbuch deutscher Bibliotheken vom Jahre 1853 
übermittelt am Schlüsse des der Würzburger Universitätsbibliothek 
gewidmeten Abschnittes die Kunde, dass Anton Ruland damals 
an einer Geschichte und Beschreibung der Bibliothek arbeitete. 
In der Tat ist noch ein Gesuch Rulands vom 6. Mai 1854 er- 
halten, worin er das k. Universitäts-Rektorat um Einsicht der 
dortigen Akten bittet, soweit sie die Bibliothek betreffen, und bei- 
fügt: ;, Andererseits wünscht der Unterfertigte, nachdem fast alle 
bedeutendere Bibliotheken ihre Geschichte veröffentlicht haben, 
auch die ' Geschichte der hiesigen Bibliothek zum Abschluss zu 
bringen und selbe für alle Wechselfälle zu wahren, da Niemand 
mehr leben dürfte, der selbe Geschichte, wie jene der mit ihr ver- 
einten Sammlungen so- genau kennen kann als der Unterfertigte, 
indessen mit seinem Abgange von der Bibliothek alsdann für 
immer verlohren seyn würden. Ein solcher Abschluss wird aber 
erst möglich, wenn der Unterfertigte die Überzeugung gewonnen 
hat, dass alle Quellen möglicher Benützung erschöpft seyen.^ Es 
ist tief zu beklagen, dass der Plan, zu dessen Durchführung 
Buland wie kein zweiter berufen gewesen wäre, nicht in Wirk- 
lichkeit umgesetzt wurde. Auch über Richtung und Umfang der 
Vorarbeiten fehlt uns jede weitere Kenntnis. 

So kam es, dass v. Wegele noch 1882 erklären musste: 
^Wir sind mit den vorhandenen Hilfsmitteln leider nicht im 
Stande, eine genaue Darstellung des Anwachsens der Universitäts- 
Bibliothek zu geben ^).^ 



1) Wegele, Fr. X. v., Geschichte der Universität Wirzburg I. S. 316. A. 1. 

1 



— 2 — 

Vorliegende Arbeit bedarf hiernach keiner weiteren Begrün- 
dung. Sie will in die Reihe der vorhandenen Schriften zur Uni- 
versitätsgeschichte eintreten, die Entwicklung des ältesten und 
allen Fakultäten gemeinsamen Instituts der Hochschule bis zum 
Ende der geistlichen Herrschaft schildern und durch den Einblick, 
den sie in das wissenschaftliche Leben der Universität jener Zeit 
gewährt, gleichzeitig als eine Art ergänzender Anhang an Wegeies 
grosses Werk sich anschliessen. 



Quellen. 



Die Registratur der k. Universitäts-Bibliothek bot 
an Originalakten, beglaubigten Abschriften und historischen Notizen, 
wenn auch nicht vollständiges und erschöpfendes, doch reichhaltiges 
und systematisch geordnetes Material, das durch mehrere Hand- 
schriften der Bibliothek wirksam ergänzt wurde. Hervorge- 
hoben seien hier die Acta Universitatis, ein im 18. Jahrhundert 
gefertigter Auszug der Akten des Rektorates und Senates aus den 
Jahren 1589 bis 1670, dann G. Seuff erts zweibändige, auf gründ- 
lichem Aktenstudium beruhende Geschichte der Universität in der 
ersten bayerischen Periode, deren erster Teil sich ausführlich 
über die ältere Zeit verbreitet, ferner die Materialien zur Ge- 
schichte der Universität, die sog. Reuss 'sehen KoUektaneen, eine 
ungemein vielseitige und gut gegliederte Sammlung von handschrift- 
lichen und gedruckten Nachrichten, endlich Oberthürs Auto- 
biographie. 

Die leider sehr unvollständig erhaltenen älteren Kataloge der 
Bibliothek wurden fleissig benutzt. Schätzbare Dienste leistete der 
vierbändige alphabetische Katalog, der 1782 fertiggestellt wurde 
und dann bis 1802 fortgeführt worden ist. Um Übersicht zu ge- 
winnen, wurde er auf Zettel abgeschrieben, dann durch Umlegen 
der Zettel in einen systematischen Katalog verwandelt. 

Eine Quelle gewissermassen monumentaler Art waren schliess- 
Hch die Bücher der Bibliothek selbst. Der gesamte ältere Bücher- 
bestand wurde auf Einband, Pressung, Signaturen, Exlibris, Ein- 
träge usw. genau durchsucht und dadurch eine Fülle ergänzenden, 
teilweise ganz neue Gesichtspunkte eröffnenden Stoffes gewonnen. 

1* 



pber dem Archive der Universität waltete, wie schon Wege le 
des öfteren geklagt hat, kein guter Stern. Die Akten des 
Rektorates und Senates der k. Universität enthalten nur 
sehr wenige über das Jahr 1802 zurückgehende Bestände, doch 
gaben sie immerhin über die Verhandlungen zur Rückgewinnung 
der vermeintlich nach üpsala entführten älteren Universitäts- 
bibliothek, wie über die Beziehungen der Bibliothek zu Buch- 
händlern und Buchbindern authentische Auskunft. Auch ist in 
mehreren erhaltenen Berichten das Bild der Anstalt, wie es die 
damalige Zeit schaute, überliefert. 

Die alte Registratur des Verwaltungsausschusses 
der k. Universität bewahrt die Universitätsrechnungen, die vor 
1632 nur sehr lückenhaft, von 1635 ab aber vollständig erhalten 
sind. Ausser diesen konnten noch zwei Rezeptoratamts-ProtokoU- 
bücher (Bestallungsbücher) benützt werden. 

Das k. Kreisarchiv Würzburg bot neben einigen für 
Personalfragen wichtigen Archivalien in den Rezeptorats-Sitzungs- 
protokollen, namentlich für die zweite Hälfte des achtzehnten Jahr- 
hunderts, eine ergiebige Quelle. 

Für einige speziellere Fragen wurden das Archiv des 
bischöflichen Ordinariats zu Würzburg, sowie die 
Kopialbücher des Hornschen Spitales in Dettelbach 
zu Rate gezogen. 

Den Vorständen der benutzten Archive, vor allem Herrn 
kgl. Oberbibliothekar Dr. Kerl er, dem hohen Senate der kgl. 
Universität, Herrn Verwaltungs-Ausschuss-Direktor, kgl. Geheimen 
Rat Dr. von Burckhard, Herrn kgl. Reichsarchivrat Göbl sei 
an dieser Stelle für ihr liebenswürdiges, hilfsbereites und hilfs- 
kräftiges Entgegenkommen herzlichster Dank gesagt. Insbesondere 
ziemt dieser Herrn Oberbibliothekar Dr. Kerl er, der zur Aus- 
führung des vorgetragenen Planes durch freundliche Zustimmung 
ermutigte, zur Registratur der Bibliothek wie zu den Bücher- 
räumen jederzeit freien Zutritt gewährte und der Arbeit fort- 
dauernd fördersames Interesse bewahrte. 



Literatur. 



Eine eingehendere Darstellung des allmählichen Heranwachsens 
und der inneren Entwicklung der Würzburger Üniversitäts-Biblio- 
thek wurde bisher nicht gegeben, wenn auch an kurzen Beschrei- 
bungen der Sammlung und kleinen, mehr oder minder richtigen 
Skizzen ihrer Geschichte in den Hand- und Adressbüchern der 
Universitäten und Bibliotheken, in den literarischen Reiseberichten 
des achtzehnten Jahrhunderts, in den Würzburger lokalhistorischen 
Arbeiten usw. kein Mangel ist. Auch die beiden umfangreichen 
Bearbeitungen der Geschichte unserer Alma Julia von Boenicke 
und V. Wegele und die sonstigen Schriften zur Geschichte der 
Hochschule bringen zwar eine grosse Zahl zerstreuter Notizen, die 
aber in ihrer Gesamtheit keineswegs ein vollständiges und durch- 
weg richtiges Bild vom Werdegang des Instituts gewähren. Für die 
Beamtengeschichte ist der Hof- und Staatskalender vom Jahre 1747 
ab ein verlässiger Führer. 

Die wichtigsten dieser Arbeiten sind folgende: 

Zeitungen, Neue, von gelehrten Sachen. Leipzig 1717. Nr. LXIX. 

Gründling, Nc. Hier., Vollständige Historie der Gelahrtheit. IV. Teil. Frank- 
furt u. Leipzig 1736. 

Strnvins, Bark. Gotth. und Jngler, Fr., Bibliotheca historiae litterariae. I. 
Jenae 1754. 

Strnvins, Bnrk. Gotth., Introductio in notitiam rei litterariae et usum biblio- 
thecarum . . . denuo exhibita. Wirceburgi 1768. 

Mensel, J. G., Teutsches Künstlerlexikon. I. IL Lemgo 1778. 1789. 

Annalen der deutschen Universitäten. Hsg. v. C. W. Justi und Sam. Mur- 
sinna. Marburg 1798. 

Klemm, G., Zur Geschichte der Sammlungen für Wissenschaft und Kunst in 
Deutschland. Zerbst 1837. 



— 6 - 

Vogel, E. Gast., Litteratur früherer und noch bestehender europäischer öffent- 
licher und Korporationsbibliotheken. Leipzig 1840. 

Koner, W., Statistik der Bibliotheken Deutschlands. == Zeitschrift des Vereins 
für deutsche Statistik. IL Jahrg. 1848. S. 901 ff. 

Petzholdt, Jul., Handbuch deutscher Bibliotheken. Halle 1853. 

Adressbuch der Bibliotheken Deutschlands mit Eiuschluss von Osterreich, 

.Ungarn und der Schweiz. Dresden 1875. 

Schwenke, P., Adressbuch der deutschen Bibliotheken. Leipzig 1893. = Bei- 
heft 10 zum Zentralblatt für Bibliothekswesen. 

Minerva, Jahrbuch der gelehrten Welt. Hsg. von R. Eukula und K. Trübner. 
II. Jahrg. 1892—1893. Strassburg 1893. 



ReisebcschreibuDg eines Gelehrten durch Franken. = Litteratur des kathol. 
Deutschlands I. Koburg 1778. 4. Stück. 

[Hassenkamp, J. Matth.], Briefe eines Reisenden von Pyrmont, Kassel, Mar- 
burg, Wtirzburg und Wilhelmsbad. Frankfurt und Leipzig 1783. 

Gercken, Phil. W., Reisen durch Schwaben, Bayern, angrenzende Schweiz, 
Franken . . . II. Stendal 1784. 

Hirsching, F. K. Glo., Versuch einer Beschreibung sehenswürdiger Biblio- 
theken Teutschlands. I— IV. Erlangen 1786—1791. 

Baader, Klem. Alo., Reisen durch verschiedene Gegenden Deutschlands in 
Briefen. IL Augsburg 1797. 



Boenicke, Chr., Grundriss einer Geschichte von der Universität zu Wirz- 

burg I. IL Wirzburg 1782—1788. 
Schneidt, Jos. Mar., Sicilimenta quaedam ad historiam universitatis Wirce- 

burgensis et in specie literaturam facultatis juridicae. Ep. I. — IV. V. 

Wirceburgi 1795—1798. 
ßuland, Ant., Series et vitae professorum ss. theoiogiae, qui Wirceburgi a 

fundata Academia . . . usque in annum MDCCCXXXIV. docuerunt. Wirce- 
burgi 1835. • 
Wegele, Fr. X. v., Geschichte der Universität Wirzburg. I. IL Wirzburg 1882. 
Kerler, Dtch., Die Universitäts-Bibliothek. = Alma Julia. Illustrierte Chronik 

ihrer dritten Säkularfeier. Würzburg 1882. S. 159. 
Auch die Rektoratsreden von JScherer, Wegele, Risch, Koelliker, Gerhard, 

Urlichs, Röntgen enthalten manchen kleinen Baustein. 



Gropp, Ign., Collectio novissima scriptorum et rerum Wirceburgensium. I. — IV. 

Frankfurt 1741. 1744. Wirtzburg 1748. 1750. Bd. IIL IV. a. u. d. T.: 

Wirtzburgische Chronik deren letzteren Zeiten. I. II. Wirtzburg 1748. 1750. 
Hoff- Stands- u. Staats-Calender, Neu eingerichteter, des Fürstlichen Hoch- 

stiffts Wirtzburg und Herzogthums Francken. MDCCXXXXVIL Würtzburg 

(1747), dann die folgenden Jahrgänge bis 1802 inkl. 



Schöpf, Grregor, Historisch- statistische Beschreibung des Hochstifts Würzburg. 
Ein Versuch. Hildburghausen 1802. 

Scharold, K. Gfr., Würzburg und seine Umgebungen. Würzburg 1836. 

Reuss, F. A., Kurzer Abriss einer Geschichte der Bücher- und 
insbesondere Handschriften-Sammlungen im vormaligen 
Hochstifte Würzburg. = Serapeum. Jahrg. VI. Leipzig 1845. 
Nr. 11 u. 12. \ 

Heffner, C. und Renss, F. A., Würzburg und seine Umgebungen. Würz- 
burg 1852. 

Heffner, C, id. lib. 2. A. ib. 1871. 

Braun, C, Geschichte der Heranbildung des Klerus in der Diözese Wirzburg. 
(I) IT. Wirzbmg 1889. Mainz 1897. 

Vorstehende Reihe gibt jedoch nur jene Werke an, welche 
für die Bibliotheksgeschichte der ganzen behandelten Zeit oder 
für einen grösseren Abschnitt derselben in Betracht kommen, die 
Literatur zu den Einzelfragen wird im Verlaufe der Darstellung 
verzeichnet. 



Abkürzungen. 



n. B. = k. Universitäts-Bibliothek Würzbarg. Folgt Angabe eines Faszikels, 

so ist immer die Registratur der Bibliothek gemeint. 
V. A. = Alte Registratur des k. Universitäts-Verwaltungsausschusses. 
S. A. = Rektorats- und Senatsakten der k. Universität. 
Kr. A. = k. Kreisarchiv Würzburg. 



Mat. = Materialien zur Geschichte der Universität (Reuss'sche Kollektaneen) 

U. B. 
Seuffert = Seuffert, G., Die Julius-Maximilians-Universität Würzburg vom 

22. November 1802 bis zum 1. Februar 1806. Band 1. (Ms., saec. 

XIX., U. B.) 



A. h. V. = Archiv des historischen Vereines von Unterfranken und Aschaffen- 
burg. 

Ser. = Serapeum, Zeitschrift für Bibliothekswissenschaft, Handschriften - 
künde und ältere Literatur. 

C. f. B. = Centralblatt für Bibliothekswesen. 

Die übrigen gekürzten Zitate, wie Wegele, Braun u. s. f., sind nach dem 

vorstehenden Literaturverzeichnis leicht zu lösen. 



I 



A. Die Bibliothek des siebzehnten Jahrhunderts. 



Erstes Kapitel. 

Gab es unter Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn 
eine allsemeiae Universitäts-Bibliothek ? 

Einer wenig wahrscheinlichen und nicht näher begründeten 
Überlieferung zufolge soll bereits Bischof Bertold von Sternberg 
im ausgehenden dreizehnten Jahrhundert den Plan zur Errichtung 
einer hohen Schule in Würzburg gefasst und die ersten einleitenden 
Schritte zu seiner Ausführujig veranlasst haben. Im ersten Jahr- 
zehnte des fünfzehnten Jahrhunderts entstand dann unter Bischof 
Johann von Egloff stein eine Universität, aber die allgemeine 
schlimme Lage des Hochstifts, finanzielle Not und missliche Ver- 
hältnisse mancherlei Art führten sie nach viel verheissenden An- 
fängen schon unter seinem Nachfolger langsamer Auflösung zu. 
Sie erlosch, un^ erst 1582 durch Julius Echter von Mespel- 
brunn zu neuem, kräftigem Leben zu erstehen. 

Über die Organisation und innere Einrichtung jener ersten 
Universität sind wir des Näheren nicht unterrichtet. Sicherlich 
aber standen ihr literarische Hilfsmittel, sei es als Privatbesitz 
der Professoren, sei es als öffentlicher, in irgendwelcher Art zu 
Gebote. Von der Neugründung Julius Echters ist dann vielfach 
und bis in die neueste Zeit hinein behauptet worden, dass sie von 
Anfang an mit einer allgemeinen Bibliothek ausgestattet gewesen 
sei. Als Stütze dieser Aufstellungen werden aber keineswegs ur- 
kundliche Beweise herangezogen, es klingt vielmehr fast durchweg 
mehr oder minder deutlich das eine Motiv aus ihnen vor: Eine 



— 10 - 

Universität ohne Büchersammlung ist nur schwer denkbar, also 
hat auch ein so erleuchteter Fürst, wie Bischof Julius es war, 
sicherlich seiner Stiftung die Waffen zum Kampfe der Geister 
nicht versagt^). 

Der Gedanke hat fürs erste viel Bestechendes. Julius Echter 
von Mespelbrunn war zeitlebens ein Bibliophile im besten Sinne 
des Wortes und hat, wie er als Privatmann der Echt ersehen 
Familienbibliothek zu Mespelbrunn fördersame Aufmerksamkeit 
zuwandte^), als Landesfürst in seiner Residenz auf dem Marien- 
berge eine bändereiche und kostbare Hofbibliothek gesammelt, 
deren Ruhm weithin verbreitet war. Er hatte auf deutschen, 
französischen, italienischen Hochschulen studiert, weite Reisen ge- 
macht und besass daher gründliche Einsicht in die Einrichtungen 
und Bedürfnisse einer Universität. Hätte er aber die Notwendig- 
keit erkannt, seiner Stiftung eine der Allgemeinheit der üniversi- 
tätsangehörigen gewidmete Büchersammlung zu schaffen, so wäre 
es seinem grossartigen Organisationstalente und seiner zähen 
Energie auch sicherlich gelungen, den Plan in Wirklichkeit umzu- 
setzen. 

Gleichwohl ist, soweit vvir sehen können, keine bestimmte 
urkundliche Nachricht oder sonstige irgendwie beglaubigte Notiz auf 
uns gekommen, die das Bestehen einer Universitätsbibliothek schon 
zu Lebzeiten des Neubegründers der Hochschule beweisen könnte. 

Weder die allgemeinen Statuten der Universität, noch die 
Statuten der theologischen und medizinischen Fakultät, die sämt- 
lich Wegele im zweiten Bande seiner Universitätsgeschichte wieder 
veröffentlichte^), noch die neuerdings zum Vorschein gekommenen 



1) Nur zwei zeitlich ziemlich weit auseinander liegende Stimmen seien 
erwähnt: Struvius (a. a. 0. S. 500) sagt: „. . . cuius origo non sine rationi- 
bus Julio itidem Episcopo attribuenda. Quum enim ille Academiam priorem, 
extinctam plane, a. 1582 instauravit, credi facile potest, maximum studiorum 
adminiculum, Bibliothecam, haud abs eo fuisse praetermissam**, und noch 1895 
meint P. Wittmann (Neue Würzburger Zeitung 1895, Nr. 231), es sei wider- 
sinnig anzunehmen, ,ein erleuchteter Fürst, wie Bischof Julius, habe zwar eine 
Werkstätte des Geistes ins Leben gerufen, das nötige Handwerkszeug aber 
nicht zur Verfügung gestellt.* 

2) Vergl. hierzu den Katalog der Echterschen Bibliothek mit Einträgen 
von der Hand der Fürsten (ü. B.). 

3) a a. 0. IL Nr. 70, S. 147-175, Nr. 71, S. 175—191, Nr. 72, S. 191—199. 
Die aus dem Jahre 1713 stammende Abschrift der allgemeinen Statuten zitiert 



— 11 — 

und von Oberbibliothekär Kerl er herausgegebenen Statuten der 
philosophischen Fakultät^) enthalten einen Hinweis. Die Acta 
Universitatis wissen ebenfalls von einer Universitätsbibliothek zu 
Julius' Zeiten nichts zu berichten, man müsste denn eine Notiz 
zum Jahre 1596 in diesem Sinne deuten wollen, die besagt, dass 
der abtretende Rektor seinem Nachfolger die in der Amtskiste 
der Universität verwahrten Akten, Schriftstücke und Bücher über- 
geben habe^). Unter den hier genannten Büchern sind aber ohne 
Zweifel schon nach den Bestimmungen der Statuten das Matrikel- 
buch, das Protokollbuch der Senatssitzungen nebst den Eassa^ 
büchern der Universität zu verstehen^), zudem würde man sich, 
wenn überhaupt die Universität als solche eine eigene Bücher- 
sammlung erhalten hätte, in jener Zeit sicherlich nicht mehr mit 
einer derart geringen Zahl von Bänden begnügt haben. 

Auch die alten Rechnungen geben keinen weiteren Aufschluss. 
Braun hat zwar an einen Ausgabeposten vom 15. Februar 1587, 
wo eine Kathedra und elf Bänke für die Liberei verrechnet werden, 
die Bemerkung geknüpft, es sei schon dadurch unwahrscheinlich, 
dass erst Johann Gottfried von Aschhausen zur Universitäts- 
bibliothek den Grund gelegt habe ^). Da aber die fraglichen Rech- 
nungen sich auf den ganzen Kollegiumsbau beziehen, also die Bau- 
und Einrichtungskosten für die Universitätsräume und das Seminar 
enthalten, kann die Liberei ebensogut dem Kiliansseminare wie 
der Universität zugehört haben. Auf ersteres müssen wir schliessen, 
da bei ihm schon frühzeitig Bücherbesitz nachweisbar ist und die 
Seminar-Statuten vom Jahre 1608 bereits ausführliche Anweisungen 
über die Geschäftsführung des Bibliothekars und die Ausleihe 
enthalten % 

Eine Durchsuchung der älteren Bestände der Bibliothek brachte 
die Frage der Lösung nicht näher. Es fanden sich zwar verhält- 

W.egele als im Archive des Verwaltungs-Ausschusses befindlich, sie wird 
aber in der IT.- Bibliothek verwahrt (M. eh. f. 413). 

1) Die Statuten der philosophischen Fakultät der Universität Würzburg 
in ihrer frühesten Fassung. Herausgegeben von (Dtch.) Kerl er. Würzburg, 
Stahel 1898. 

2) a. a. 0. Fol. 26. 

3) Statuten, Titulus V. Habet igitur magnificus dominus... bei Weg ele II. 
S. 159 ff. 

4) Braun I. S. 300. 

5) Abgedruckt bei Wegele II. S. 245, vergl. Braun I. S. 381. A. 2. 



— 12 — 

nismässig viele Bände, welche sich durch das Juliuswappen in 
Deckelpressung ^) oder durch handschriftlichen Vermerk als ehe- 
mals dem Fürsten bezw. der Hofbibliothek zugehörig erweisen, 
aber kein einziger von diesen kam schon zu Julius' Lebzeiten an 
die Universität. Sie kamen zunächst in die Bibliotheken des 
Kiliansseminars , der akademischen Marianischen Sodalität , der 
Jesuiten, dann verschiedener fränkischer Klöster und gingen erst 
mit diesen Sammlungen in den Besitz der Universität über. Be- 
sonders reich an solchen Juliusbänden war die Bibliothek des 
Würzburger Kapuzinerklosters, der sie teils von Julius selbst, teils 
von seinem zweiten Nachfolger, Philipp Adolf von Ehrenberg, 
einstens geschenkt wurden. Auch das Dominikaner- und Schotten- 
kloster zu Würzburg konnten sich grösserer Zuwendungen des 
Fürsten erfreuen. Andere Juliusbände, ehemals nach St. Stephan 
zu Würzburg und Münster-Schwarzach gehörig, tragen keinen be- 
sonderen Schenkungsvermerk. Ein Werk (Johannes Chrysostomus, 
Tomus primus operum omnium, Paris 1570) zeigt auf dem Vorder- 
deckel in ziemlich roher Ausführung das Echtersche Familien- 
wappen, auf das Titelblatt schrieb Julius eigenhändig: Julius 
Echter a Mespelbron Decanus Wirceb. Canonicus Mogunt. MDLXX. 
Auch Martin Eisengreins Postilla Catholica von 1576 trägt auf 
Vorderdeckel und Schnitt die Auszeichnung der Juliusbände. Wann 
diese Bücher zur Universität gekommen sind, lässt sich nicht mehr 
sicher nachweisen; sie werden wohl einer der Klosterbibliotheken 
zugehört haben, die 1803 mit der Universitätsbibliothek vereinigt 
wurden. Jedenfalls sind sie in dem älteren Kataloge der Biblio- 
thek, der bis 1802 fortgeführt wurde, noch nicht verzeichnet. 

Von diesen auf Julius zurückgehenden Beständen kann also 
nicht behauptet werden, dass sie der Fürst selbst seiner Hoch- 
schule geschenkt habe, auch lässt sich aus ihnen Aufschluss über 
das Alter des Instituts nicht gewinnen. Ein weiteres Buch der 
Bibliothek würde endliche Klarheit bringen, wenn die Kunde, die 
es vermittelt, authentisch wäre. Es handelt sich um Euclidis 
elementorum liber primus. Item Heronis Alexandrini vocabula 
quaedam geometrica: ante, hac nunquam edita graece et latine. 
Per Cunradum Dasypodium. Argentinae [MyliusJ 1571. Auf dem 



1) Leitschuh gibt eine eingehende Beschreibung eines solchen Bandes 
(C. f. B. 13 S. 110). 



— 13 — 

Titelblatte, unter dem Impressum, steht geschrieben: Bibl. Acad. 
Herb. 1592, was nichts anderes bedeuten kann, als dass das Werk 
im angegebenen Jahre der Bibliothek der Universität Würzburg 
gehört haben soll. Der erwähnte ältere Katalog der Bibliothek 
nennt diese Ausgabe nicht. Das in den dreissiger Jahren des 
verflossenen Jahrhunderts angelegte Inventar (Standortskatalog) der 
griechischen Literatur führt dann das Werk unter den Oktav- 
bänden mit Nummer 58 auf, aber seltsamerweise ohne Provenienz- 
vermerk, während gerade die beiden folgenden Einträge das be- 
zeichnende A (= Bibliotheca academica) zeigen. Und doch haben 
die betreffenden Bände die gleiche Inschrift wie der Euclides, nur 
die dort vorhandene Angabe des Zugangsjahres fehlt. Diese 
Datierung ist in der Universitätsbibliothek nicht gebräuchlich 
gewesen. Im 18. Jahrhundert wurde, von verschwindend wenigen 
Ausnahmen abgesehen, keinerlei Besitzvermerk in die Bücher ein- 
getragen, im 17. Jahrhundert hat man die angegebenen Worte 
beigeschrieben. Aber von 1050 derart ausgezeichneten Bänden 
sind ausser dem Euclides nur noch zwei datiert. Bei dem einen 
ist angegeben, dass das Buch zu den Neuerwerbungen des Fürst- 
bischofs Johann Gottfried von Aschhausen gehörte und zur näheren 
Erklärung das Jahr 1621 beigesetzt, durch das zweite soll das 
Gedächtnis einer Schenkung seines Nachfolgers, die im Jahre 1627 
erfolgte, festgehalten werden. 

Dazu kommt, dass bei zwei weiteren auf dem Titelblatte des 
Euclid-Bandes eingetragenen, wahrscheinlich dem 17. Jahrhundert 
angehörigen Besitzvermerken die Zunamen der Bucheigner und die 
Datierung sorgfältig radiert sind, während der angeblich ältere 
Eintrag der Universitätsbibliothek unversehrt blieb, dass überhaupt 
Schriftzüge und Tinte zu dem angegebenen Jahre gar nicht stim- 
men wollen, so dass sich gegen die Echtheit des Eintrags Ver- 
dachtsgründe in Menge erheben, die in ihrer Gesamtheit nicht ge- 
statten, auf den Euclid-Band allein die Hypothese des Bestehens 
einer Universitätsbibliothek schon im letzten Jahrzehnt des 16. Jahr- 
hunderts aufzubauen. 

Als wenige Jahre nach Julius Echters Tod sein Nach- 
folger der Universität eine eigene akademische Bibliothek ver- 
schaffte, wurde sie in den Rechnungen als die neue bezeichnet und 
es könnte daraus gefolgert werden, die Sammlung sei nach dem 
Willen des Begründers getrennt von einer älteren, schon bestehen- 



— 14 — 

den Universitätsbibliothek aufgestellt und verwaltet worden. Ein 
Grund hierzu Hesse sich allerdings schwer ersehen, da die Bücher 
kein Geschenk, kein Erbe waren, sondern nur auf des Fürsten 
einsichtige Anordnung hin aus Universitätsmitteln erworben wurden. 
Im Kollegiumsbaue hatte das Seminar und die Universität ge- 
meinsame Unterkunft gefunden. -Wenn durch die gewählte Be- 
zeichnung überhaupt ein Gegensatz ausgedrückt werden sollte, 
würde dadurch lediglich die neue Bibliothek im Kollegiumsbaue 
von der älteren, nachweisbar schon lange bestehenden Bücherei des 
Seminars unterschieden worden sein. Aber es sollte wohl nur das 
Neuartige hervorgehoben werden, wie sich ja auch für das ganze 
Gebäude die Bezeichnung der neue Bau jahrhundertelang erhielt 
und die Universitätskirche noch heute die Neubaukirche heisst. 

Dass von einer älteren akademischen Bibliothek, die selbst- 
verständlich die neue Sammlung in sich aufgenommen hätte, hier- 
bei so gar keine Rede ist, dass für Unterkunft, Einrichtung und 
alles sonsthin Nötige so von Grund auf erst gesorgt werden musste, 
lässt im Gegenteile die Vermutung nicht allzu kühn erscheinen, 
dass die Hochschule eine der Gesamtheit der Universitätsange- 
hörigen gewidmete Büchersammlung vorher überhaupt nicht besass. 

Die allgemeine Lage der Universität und die eigenartige Ver- 
fassung, die ihr der Gründer gegeben, machte sie ja auch, in der 
ersten Zeit wenigstens, nicht unbedingt nötig. 

Kirchliche Interessen haben die Hochschule ins Leben gerufei? 
und ihr den streng konfessionellen Charakter gegeben. Auf Aus- 
bildung eines gesinnungstüchtigen und gut gebildeten Klerus, der 
die vordringende neue Lehre zurückdämmen sollte, war es vorzugs- 
weise abgesehen. Darum stand auch das Collegium Chilianeura, 
das eigentliche Klerikalseminar, im Mittelpunkte der ganzen Neu- 
gründung. Praecipuum universitatis huius membrum wird es von 
Julius genannt ^). Schon bei der ersten Einrichtung erhält es einen 
angemessenen Büchervorrat und entsprechende Studierräume, der 
Seminarbibliothekar in den Statuten vom Jahre 1608 eine eigene 
Instruktion 2). 

Neben das Kiliansseminar trat das Collegium divae Mariae 
Virginis, dessen Insassen nach .heutigen Begriffen die Gymnasial- 



1) 1604. Januar 3. bei Wegele II. S. 227. 

2) Vergl. oben S. 11, bes. Anm. 5. 



— 15 — 

und Lycealfächer studierten. Auch dies besass schon frühzeitig 
eine eigene Bücherei, die 1608 bereits einen namhaften Umfang 
erreicht zu haben scheint^). 

Das Kiliansseminar sollte anfänglich nach der Meinung des 
Stifters auch Studierende anderer Fächer neben den jungen Theo- 
logen aufnehmen und so die Funktion eines Klerikalseminars mit 
der eines allgemeinen Universitätskonviktes vereinigen. Bald aber 
stellten sich ünzuträglichkeiten mancherlei Art ein, so dass für 
nicht-adelige Juristen ein eigenes, schon 1597 erwähntes Juristen- 
haus eingerichtet wurde , über das wir recht wenig unterrichtet 
sind, und für die adeligen Studenten aller Fakultäten 1607 
das CoUegium nobilium neugestiftet wurde. Ob für das adelige 
Seminar eine besondere Büchersammlung angelegt wurde, bleibe 
dahingestellt. Es stand ihm wohl die Bibliothek des Kilianssemi- 
nars zur Verfügung, mit ihm war es ja, gleichwie die Auditorien, 
Amtszimmer und Festsäle der Universität, in einem Baue unter- 
gebracht. 

Die Reihe der mit der Universität in Verbindung stehenden 
Institute schloss das Knabenseminar, Collegium pauperum, nach 
unten ab. Boenicke erzählt*), nach seiner Gewohnheit ohne 
Quellenangabe, dass Julius für jegliches dieser Kollegien eigene 
Bibliotheken anlegen und unter anderen nützlichen Büchern mit 
den damaligen schönsten Ausgaben der griechischen und römischen 
Schriftsteller versehen liess. Was Boenicke von der „öffentlichen 
Bibliothek^, die Julius sammelte, aus Gropp mitteilt^), bezieht 
sich auf die Hof-, nicht auf eine allgemeine Universitätsbibliothek. 

Die beiden Hauptfakultäten der Universität, die philosophische 
tind die theologische, waren den Vätern der Gesellschaft Jesu über- 
geben worden. Für die Professoren dieser beiden Fakultäten er- 
richtete man zwar erst im Anfange des 18. Jahrhunderts eigene 
Spezialbibliotheken im Jesuitenkollege, dafür stand ihnen aber von 
Anfang an die reiche allgemeine Bibliothek des Ordenshauses zu 
Gebote. Schon im Stiftungsbriefe des Würzburger Jesuitenkol- 
legs vom 27. Juni 1567 verspricht der Gründer, Bischof Frie- 
drich von Wirsberg, für Bereitstellung einer entsprechenden Biblio- 



1) Vergl. Braun I. S. 331 A. 2. 

2) a. a. 0. I. S. 48. 

3) a. a. 0. I. S. 53. 



— 16 — 

thek Sorge zu tragen ^). Die Büchersamtnlung wurde durch Ankäufe, 
Geschenke, Erbschaften rasch vermehrt und hatte bis 1632 bereits 
einen solchen Umfang erreicht, dass ihre Verluste in der Schweden" 
zeit mit 4000, nach einer zweiten Meldung mit 6000 Bänden er- 
setzt wurden^). 

Weniger günstig in dieser Beziehung scheinen in der ersten 
Zeit die Juristen und Mediziner gestellt gewesen zu sein. Eine 
Bibliotheca juridica wird zwar 1697 erwähnt ^), über ihr Alter und 
ihre Bestände mangelt aber jede weitere Nachricht. Die medizi- 
nische Fakultät trat am letzten in Wirksamkeit, nicht vor 1593 % 
und hatte noch im ganzen 16. Jahrhundert sehr geringe Frequenz. 
Von einer besonderen Fakultätsbibliothek ist nichts überliefert. 

Schon zu Lebzeiten Julius Echters waren also im Universitäts- 
verbande Büchersammlungen der Kollegien vorhanden, besassen 
die Professoren der philosophischen und theologischen Fakultät jn 
der Jesuitenbücherei Ersatz eigener Fakultätsbibliotheken; so mochte 
der Besitz einer weiteren, allgemeinen Universitätsbibliothek nicht 
sofort und unbedingt nötig erscheinen. 

Dass einer hohen Schule die allgemeine Bibliothek fehlt, da- 
gegen grössere oder kleinere Büchereien der Kollegien • und Fakul- 
täten vorhanden sind, ist ja eine in der älteren Bibliotheksgeschichte 
nicht gerade seltene Erscheinung^). Für Würzburg kommt noch 
in Betracht, dass eine Entwicklung, wie sie viele der deutschen 
Universitätsbibliotheken zeigen, nämlich dass sie sich an die Artisten- 
fakultäten anlehnen und aus deren Büchersammlungen hervor- 
wachsen®), durch die eigenartige Verfassung der Hochschule, die 
eben den Jesuiten die philosophische Fakultät übergab, ausge- 
schlossen war. 

An der Universität Freiburg im Breisgau, deren allgemeine 
und Fakultäts-Statuten sich Julius hatte schicken lassen, um sie 



1) Abgedruckt bei Wegele IL S. 55 ff. 

2) Vergl. Kapitel IV. 

3) V. A. Hauptrechnung 1697. 

4) Vergl. Wegele I. S. 290 .ff. 

5) Vergl. Kohfeldt, Gst., Zur Geschichte der Büchersammlungen und 
des Bücherbesitzes in Deutschland. = Zeitschrift für Kulturgeschichte VII. 1900. 
S. 325 ff. 

6) Keussen, Hm., Beitrag zur Geschichte der Kölner Universität. = West- 
deutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst. XVII. 1899. S. 315. 



J 



— 17 — 

als Muster zu benützen ^j, bestand allerdings seit der ersten Hälfte . 
des 16. Jahrhunderts eine allgemeine Büchersammlung, in welche 
die schon lange vorher begründete Bibliothek der Artisten-Fakultät 
nebst anderen kleinen Bibliotheken aus Stiftungshäusern übergingt). 
An der 1549 begründeten Universität Dillingen dagegen, die nebst 
den mit ihr verbundenen Lehr- und Erziehungsanstalten seit 1563 
unter der Leitung der Jesuiten stand und dadurch zu einem Ver- 
gleich mit der Würzburger Hochschule in mancher Hinsicht ein- 
lädt, bestanden wohl von Anfang an Bibliotheken der Kollegien, 
die allgemeine Universitätsbibliothek aber scheint ihren Anfang 
erst 1607 durch ein Legat des Pfarrers Lindemayr genommen zu 
haben ^). 

Der Würzburger Theologieprofessor Christophorus Marianus 
schrieb im Jahre 1604 einen schwungvollen und gehaltreichen 
Panegyrikus auf die damals bereits dreissigjährige Regierung Julius 
Echters, in dem er sich wohl ausführlich über die fürstliche 
Hofbibliothek auf dem Marienberg äussert, über die Bibliotheks- 
verhältnisse der Hochschule aber gründlich ausschweigt. Auch die 
kurze Erläuterung des dem Werke beigegebenen Leipolt sehen 
Stiches spricht nichts von Büchersälen*). 

Endlich hat P. Louys Jacob in seinem Traicte des plus 
heiles bibliotheques publiques et particulieres, qui ont est6 e qui 
sont ä present dans le monde. Premiere partie. Paris 1644, S. 203 
die Bemerkung Anton Sanders wiederholt, dass Julius Echter 
drei durch Umfang und Inhalt ausgezeichnete Bibliotheken errichtet 
habe, ein Zitat, das seitdem des öfteren wiederholt worden ist. 
Ohne besonderen Wert auf die Nachricht zu legen, sei erwähnt, 
dass auch wir drei auf Julius zurückgehende Büchersammlungen 
sicher nachweisen konnten, seine Hof bibliothek nebst den Büchereien 
des marianischen und des KiUans-KoUegs. 

1) Albrecht, J. J., De siogularibus academiae Albertinae in quamplures 
meritis. Friburgi 1508. S. 41. — Vergl. Wegele 1. S. 2B2 ff., Kerler, 
a. a. 0. S. 5. 

2) Schreiber, H., Geschichte der Albert-Ludwigs-Universität zu Frei- 
burg im Breisgau. I. Freiburg 1868. S. 48. IL ib. 1868. S. 153 flF. 

3) Vergl. Specht, Thom., Geschichte der ehemaligen Universität Dillin gen 
(1549-1804). Freiburg i. B. 1902. S. 9, 438, 449, A. 4, 480. 

4) Marianus, Christophorus, Encaenia et Tricenualia Juliaua; sive 
Panegyricus ; dicatus honori, memoriaeque . . . Julii, Episcopi Wirceburgensis . . . 
Wirceburgi 1604 (auch in Gropps Sammlung aufgenommen). 



— 18 — 
Zweites Kapitel. 

Die Bibliotheca Acadetnica Qodefridiana. 

Während die Hochschule zu Lebzeiten ihres Neubegründers 
neben den Kollegienbibliotheken und der gewissermassen die Biblio- 
thek der philosophischen und theologischen Fakultät repräsentieren- 
den Bücherei des Jesuitenkollegs keine der Allgemeinheit der Uni- 
versitätsangehörigen gewidmete Büchersammlung besessen zu haben 
scheint, erstand ihr eine solche wenige Jahre nach dem Tode 
Julius Echters durch die Einsicht und Tatkraft seines Nachfolgers. 

Johann Gottfried von Aschhausen war schon seit 1609 
Fürstbischof von Bamberg, 1617 wurde er auch auf den Würzburger 
Bischofsstuhl erhoben. Er, der selbst zu Würzburg Student ge- 
wesen war, bezeigte der Universität während der kurzen Dauer 
seiner Regierung fortdauernd freundliches Wohlwollen, das sich 
freilich nach Lage der Sache im wesentlichen nur durch fördern- 
den Schutz dessen, was Julius geschaffen, äussern konnte. 

Johann Gottfried hatte schon dem Bamberger Jesuitenkolleg 
reiche Bücherschätze verschafft ^) und dadurch bewiesen, wie hoch 
er den Besitz einer ausgewählten Bibliothek zu schätzen wusste, 
auf seine Initiative hin wurde auch die Universität Würzburg in 
den Jahren 1619 — 1622 mit einer stattlichen und reichhaltigen 
Büchersammlung ausgestattet. 

Kunde von der erfolgten Neu-Gründung geben die Acta Uni- 
versitatis, die zum Jahre 1627 die Notiz verzeichnen^): Mentio 
incidit bibliothecae , quam reverendissimus atque illustrissimus 
Princeps Godefridus pro liberalissimo suo erga literarum studia 
affectu, maximis sumptibus Academiae comparavit et in loco uni- 
versitatis etiam reponi procuravit, ut Academicis subsidio esset, 
quam senatus Academicus judicavit per constitutum bibliothecarium 
provideri ac disponi omnino necessum fore, idque Rev. Celsitudini 
S. insinuandum esse^^ 

Die Universitäts-Rechnungen der Jahre 1619 mit 1622^) be- 
stätigen diese Nachricht und gewähren einen ziemlich genauen Ein- 

1) Weber, H., Johann Gottfried von Aschhausen. Würzburg 1889. S. 69. 
Derselbe, Geschichte der gelehrten Schulen im Hochstifte Bamberg. II. 
S. 315 ff. 

2) Fol. 45 r. 

3) V.-A. Universitäts-Rechnung, 1 — 4. 



— 19 - 

blick in die Begründung und erste Einrichtung der „Newen Biblio- 
theca". Den Grundstock der heutigen Universitäts- Bibliothek 
bildeten demnach ein Teil des literarischen Nachlasses des Augs- 
burger und Eichstädter Domherrn Johann Georg von Werden- 
stein, eine vom Würzburger Domvikar Paul Wenger den vier 
Bettelorden legierte Büchersammlung, eine kleine Zahl protestan- 
tisch-theologischer Literatur, endlich eine umfangreiche von Johann 
Baptist Welser in Augsburg erkaufte Bibliothek. 

Johann Georg von Werdenstein^) entstammte einem 
schwäbischen, nunmehr erloschenen Adelsgeschlechte und war ge- 
boren im Jahre 1542. Schon 1563 trat er in das Augsburger, 
1567 in das Eichstädter Domkapitel ein. Als Kantor und Senior 
starb er am 3. November 1608 zu Eichstädt und fand seine 
Grabstätte im Mortuarium des dortigen Domes. 

Zu einer umfassenden Bildung, die er sich auf deutschen, 
französischen und italienischen Hochschulen erworben hatte, ge- 
sellte sich bei Werdenstein eine seltene Geschäftsgewandtheit, 
so dass ihn die Herzöge Albrecht V. und Wilhelm V. von 
Bayern, wie der Bischof von Eichstädt, zu ihrem Rate ernannten. 
Mit Gelehrten in und ausser Deutschland unterhielt er einen aus- 
gebreiteten Briefwechsel und unterstützte die wissenschaftlichen 
Bestrebungen anderer vielseitig durch sein Wissen und seine all- 
zeit oflfene Hand. Sein eigenes Studium war auf die historischen 
Wissenschaften, insbesondere die Genealogie gerichtet. 

Werdenstein erwarb sich mit bedeutenden Kosten und 
vielem Fleisse eine an Zahl und Inhalt ungewöhnlich stattliche 
Büchersammlung , darunter auch zahlreiche Handschriften , wie 
z. B. den bekannten lateinischen Codex purpureus der Evangelien in 
München. Librorum fere omnium insatiabilis helluo nennt er sich 
selbst, omnem suani substantiam profundit in libros sagt sein 
Freund Occo von ihm ^) ; als regiam prope suppellectilem litterariam 
bezeichnet Oefele seine Bibliothek^). Im Jahre 1592 verkaufte 

1) Straus, Andr., Vir! scriptis, eruditione ac pietate insigDes, quos 
Eichstadium vel genuit vel aluit. Eichstadii 1799, S. 445—448. — Bau- 
mann, F. B., Geschichte des AUgäus. III. S. 513. — Grauert, Hrn., Dante 
in Deutschland. VI. = Histoi-.-polit. Bl. 120. 1897. S. 797—802. — Rüeger, J. J., 
Chronik der Stadt und Landschaft Schaffhausen. Hsg. I. 1884. Einltg. S. 27—34 
(von Baechtold). 

2) Rüeger, a. a. O. S. 29. 

3) Scriptores Rer. Boic. I. S. 308. 

2* 



— 20 - 

er diese an Herzog Wilhelm von Bayern und übergab sie auch 
wirklich noch in diesem Jahre. Ein Brief an J. J. Rüeger 
vom 9. November 1592 besagt: ;,Die ganze Bibliothek sei bereits 
nach München abgeführt, mit Ausnahme der Bücher, welche er 
sich zu seinem Privatgebrauche vorbehalten und neu angeschafft 
habe; denn ohne Bücher könne er nicht leben, gleich den Jägern, 
die, obgleich schon oft gebüsst, ihre Lust nicht lassen können^ ^). 
So hatte denn auch der Unermüdliche, obgleich seine letzten 
Lebensjahre durch physische und psychische Leiden schwer ge- 
trübt waren, bei seinem sechzehn Jahre später erfolgten Tode 
wieder einen bedeutenden Büchervorrat angesammelt. Ein Teil 
davon blieb in Eichstädt zurück^), ein anderer wurde im Jahre 
1621 um 3000 fl. durch Adam von Werdenstein in Eichstädt 
an die Würzburger Hochschule verkauft^). Lx welchem Verwandt- 
schaftsverhältnis der Verkäufer zu dem Verstorbenen stand, bleibe 
hier dahingestellt. Die Stammtafeln der Werdensteiner nennen 
einen Bruderssohn Johann Georgs namens Adam, als dessen Ge- 
burtsjahr 1574 angegeben wird*). Aus der Korrespondenz mit 
J. J. Rüeger aber erhellt die Existenz eines Sohnes, der eben- 
falls diesen Namen trug ^). Adam von Werdenstein war 
fürstlicher Rat und Oberbaumeister zu Eichstädt und stiftete als 
solcher im Jahre 1627 6000 fl. zu sieben Stipendien für arme 
Schüler zu Eichstädt^). 

Ein kleiner Teil der für Würzburg erkauften Bestände, 220 
Bände, befindet sich noch heute in der Bibliothek. Sie tragen 
das bekannte Exlibris Werdensteins in verschiedener Grösse 
und Ausstattung; bisweilen ist auch handschriftlicher Besitzver- 
merk beigeschrieben. 

Für den nimmer erlahmenden Sammeleifer des Mannes zeugt 
es, dass ein guter Teil dieser Werke erst in den letzten Jahren 



i) Rüeger, a. a. 0. S. 30. (Die Briefe Werdensteins an Rüeger 
— 99 Stück — befinden sich in der Baseler Bibliothek, codd. G. I. 44 u. 45.) 

2) Grauert a. a. 0. 

3) V.-A. Univ.-Rechnung 3. 

^) Bucelinus, Gabr., Germania topo-chrono-stemato-graphica sacra et 
profana. II. Aa. 5. 

5) Rüeger a. a. 0. S. 34. 

6) Sax, Jul., Die Bischöfe und Reichsfürsten von Eichstädt. IL 1885. 
S. 515. 



— 21 — 

vor seinem Tode erschienen ist. Aber er sammelte nicht nnr 
Bücher, er studierte sie auch, wie die zahlreichen verbessernden 
und ergänzenden Noten beweisen, die er mit seiner zierlichen 
Handschrift beifügte. In Gelehrtenkreisen stand er in hohem An- 
sehen lind die ihm befreundeten Männer der Wissenschaft beeilten 
sich, ihm ihre neuesten Werke zu überreicbeiL So befinden sidi 
unter den Werdensteinbüchern Dedikationsexemplare seiner Augs- 




Exlibris des J. G. von Werdenstein (verkleinert). 



burger Freunde Marcus Welser, Occo, David Hoeschel, 
dann des Rechtsgelehrten, Philologen und Historikers Nikolaus 
Reussner und des Statthalters im königlichen Anteil von Schles- 
wig-Holstein, Heinrich Rantzau. 

Die 220 Werdenstein-Bände enthalten überwiegend griechische 
und römische Literatur und historische Schriften. Auch die anderen 
Wissenschaften sind, wenn auch im einzelnen nur durch wenige 
Bände, vertreten. Den Druckwerken schliessen sich zwei Hand- 



1 



— 22 — 

Schriften an, Sigmund Meisterleins Augsburgsche Chronik, 
saec. XV., nnd Valentin Salamons Adelich Wernauischer 
Stammbaum, saec. XVI ^). 

Von der Bibliothek Paul Wengers haben sich spärlichp 
Beste erhalten, nur wenige auf ihn zurückgehende Bände konnten 
nachgewiesen werden. Die Bücher waren testamentarisch den vier 
Bettelorden zu Würzburg überwiesen worden, von diesen erkaufte 
sie die Universität im Jahre 1621 um 400 fl. ^). 

Paul Wenger war Doravikar zu Würzburg und hatte die 
Ordines minores am 13. September 1553 durch Weihbischof Georg 
Flach ^), das Subdiakonat am 23. September desselben Jahres er- 
halten. Damals war er schon Domvikar. Noch 1617 ist er in den 
Protokollen des Domkapitels als Senior Vicarius genannt*). Im 
Jahre 1620 scheint er gestorben zu sein. 

Seine Büchersammlung stellte nach den wenigen, heute noch 
erkennbaren Resten eine Art Familienbibliothek dar, da sie auch 
die Bücher einiger Verwandten in sich aufgenommen hatte, so 
jene des Domvikars M. Sixtus Volhardus Wenger^) und des 
Hadrianus Wenger. Ersterer ist auch sonsthin bekannt, da 
ihn das Domkapitel 1580 berief, um mit den jungen Domherrn 
Ciceros Officia zu lesen, Dialektik, Rhetorik und Grammatik zu 
repetieren. Er gab allerdings bereits 1582 das Amt wieder auf ^). 

Noch weniger Kenntnis besitzen wir von der letzten Erwer- 
bung jener Zeit, der „lutherischen Bibliothek^. Die dafür erlegten 
29 fl. bilden den einzigen im Jahre 1622 für Bibliothekszwecke 
verausgabten Posten'). Man hielt augenscheinlich die Bibliothek 
und ihre Einrichtung vorläufig für abgeschlossen. 

1) M. eh. f. 97 u. 256. 

2) V.A. Univ.-Rechnung 3. 

3) Archiv des bischöflichen Ordinariats Würzburg, Liber Ordinandorum. 
Die Priesterweihe erhielt W. nicht. 

4) Kr. A. Protokoll des Domkapitels vom Jahre 1617. 

5) Wenger. Volhardus Sixtus, vicaiius in summo templo, wurde ordiniert 
am Samstag vor Trinitatis, 15. Juni 1585 (Liber Ordinandorum a. a. 0.). 

t) Wegele I. 185 u. Scharold, Beiträge zur älteren und neueren 
Chronik von Würzburg. Würzburg 1821. S. 292—294. Eine ehemals ihm ge- 
hörige Handschrift (Mp. th. o. 17a) kam erst mit den Jesuitenbüchem an die 
Universität. 

7) V.-A. Univ.-Rechnung 4. 



— 23 — 

Die Universität erkaufte die Bücher von dem fürstlichen 
Kellerschreiber Johann Tücher^), der in späteren Jahren auch 
das Amt eines Mundschenks überkam. Die Sammlung kann schon 
nach dem gezahlten Preise nicht allzu umfangreich gewesen sein, 
über ihre Bestände mangelt jegliche Nachricht. Immerhin ist es 
für die Beurteilung des wissenschaftlichen Betriebes beachtens- 
wert, dass man es für nötig hielt, die als Hochburg des Katholi- 
zismus gedachte Universität auch mit protestantisch-theologischer 
Literatur, um solche kann es sich nach der Angabe der Rechnung 
nur handeln, zu versehen. 

Den Hauptteil der neugegründeten Universitätsbibliothek 
machten nach der Kaufsumme die von Johann Baptist Welser 
zu Augsburg erworbenen Bücher aus. Im Jahre 1619 wurden an 
ihn 3123 fl. 5 Jl 7 ^ ausbezahlt, 1621 die zweite und letzte Rate 
von 3000 fl. entrichtet 2). 

Die Welser waren durch ihre kostbaren Büchersammlungen 
bekannt. Der Augsburger Stadtpfleger Marcus Wels er, der 
sich durch seine Arbeiten in der Geschichte, wie in der Alter- 
tumsforschung einen angesehenen Namen erworben hat, besass eine 
reichhaltige Bibliothek, die nach seinem 1614 erfolgten Tode zum 
grössten Teile seiner Vaterstadt zufieP). Sein Bruder Anton, 
Propst zu Freising, Spalt und Isny, hatte sich gleichfalls zu seinen 
gelehrten Studien eine ausgesuchte Rüstkammer des Wissens ge- 
schaffen. Auch ein zweiter Bruder, Matthäus, konnte sich zahl- 
reichen Bücherbesitzes erfreuen. 

Noch im Todesjahre des Stadtpflegers brach das ehedem so 
reiche und einflussreiche Haus zusammen und Matthäus Welser 
musste die^ folgenden sieben Jahre im Gefängnisse verbringen. 
Sein ältester Sohn, Johann Baptist, verkaufte die nach Würz- 
burg gekommenen Bücher, die der Rest der Privatbibliothek der 
Augsburger Wels er gewesen zu sein scheinen, wenigstens befinden 
sich Werke darunter, die einstens dem Marcus Welser und 
seinem Bruder Matthäus von den Verfassern verehrt wurden*). 



1) Kr. A. Standbuch 289a, S. 83. 

2) V.-A. Univ.-Rechnung 1 u. 3. 

3) Mezger, G. C, Geschichte der vereinigten kgl. Kreis- und Stadt- 
Bibliothek in Augsburg. Augsburg 1842. S. 13 f. 

4) H. e. q. 156, Ma. q. 12. 



— 24 — 

Ein immerhin beträchtlicher Bruchteil dieser Weiserbücher ist 
in den rund 800 älteren Bänden der Bibliothek noch zu erkennen, 
welche die Inschrift Bibliothecae Academicae Herbipolensis bezw. 
Ex Bibliotheca Academica Herbipolensi tragen und weder der 
Werdenst einschen noch der W eng er sehen Sammlung an- 
gehören. 

Im achtzehnten Jahrhundert wurden zwat* die Schenkungen 
Greiffenclaus durch ein eigenes Exlibris ausgezeichnet, auch 
sind unter einigen Fürstbischöfen die Zugänge der betreffenden 
Jahre durch Einpressen des fürstlichen Wappens auf dem Buch- 
deckel kenntlich gemacht, zur Unterscheidung der Bücher diente 
die dem Buchrücken aufgeklebte, aus Buchstaben und Zahlen zu- 
sammengesetzte Signatur, aber dass die Bücher gerade der Uni- 
versität Würzburg gehörten, war weder durch Stempel noch durch 
Druck oder Schrift ausdrücklich festgestellt. Ein Bedürfnis war 
ja auch weniger gegeben, da die Bibliothek in jenen Zeiten strengen 
Präsenzcharakter trug. Ausnahmen gab es allerdings. Unter den 
heutigen Bibliotheksbeständen befinden sich noch 12 Bände, denen 
nachweisbar im achtzehnten Jahrhundert Eigentumsvermerk der 
Bibliothek beigeschrieben wurde. Ihre geringe Zahl, auf 1200 un- 
bezeichnete Bände trifft erst ein bezeichneter, bietet nur Bestätigung 
der Regel, zudem kann der Vermerk besonderen Gründen sein 
Entstehen verdanken, z. B. bei Überweisung eines Geschenkes 
oder bei dem seltenen Falle einer Entleihung nach Hause einge- 
tragen worden sein. 

Diese zwölf Bände heben sich deutlich von etwa 1050 Bänden 
älterer Literatur ab, denen der oben erwähnte Besitzvermerk der 
Bibliothek beigeschrieben ist. Bei letzteren weisen Schriftzüge und 
Tinte in das siebzehnte Jahrhundert. Zwei Hände lassen sich 
unterscheiden, von denen wieder die eine weitaus die meisten Ein- 
träge vollzog, so dass es den Anschein gewinnt, als ob der ganze 
Bestand der Bibliothek zu einer gewissen Zeit durchgängig mit 
dem Besitzvermerk der Bibliothek versehen worden wäre. Schon 
an sich liegt die Annahme nahe, es sei dies in engem Zusammen- 
hange mit der Begründung des Instituts und in der ersten Freude 
des neuen Besitzes geschehen, zumal auch mehrere lUlnde den er- 
klärenden Zusatz: Godefridiana tragen, einer sogar die Datierung 
1621 aufweist. Dazu kommt, dass die Bibliothek in der zweiten 
Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts, wie später auszuführen ist, 



— 25 — 

sich nur verschwindend geringen Zugangs erfreuen konnte, sowie 
dass sich unter den so bezeichneten Büchern gerade der frühere 
Besitz Werdensteins und Wengers und zwei den Welsern 
dedizierte Werke befinden. All diese abgerechnet, bleiben noch rund 
800 Bände übrig, die zum grössten Teile der Literatur des sech- 
zehnten Jahrhunderts angehören, 154 = 20 ®/o sind in den Jahren 
1600—1615 gedruckt, ihnen schliessen sich noch 17 Bände an, 
die in den drei folgenden Jahren die Druckerpresse verliessen. 
Nach dem Jahre 1618 ist aber keines der hier einschlägigen Werke 
erschienen ^). Dieser Umstand findet durch die Annahme, dass wir 
hier Teile der 1619—22 durch Aschhausen begründeten Bibliothek 
vor uns haben, zwanglose Erklärung, während eine spätere Datierung 
das auffällige plötzliche Abbrechen mit dem Jahre 1618 und das 
Fehlen der Literatur der folgenden Jahrzehnte zuvor aufzuhellen 
hätte. Endlich besitzt die Bibliothek auch noch direkte Zeugen 
dafür, dass die Einträge schon vor der schwedischen Invasion 
vorgenommen waren, in einigen mit Bibliothecae Acad. Herbipol. 
bezeichneten, zum Teil auf Wenger und Werdenstein zurück- 
gehenden Bänden, welche in den stürmischen Tagen des schwedisch- 
weimarischen Zwischenreichs der Universität entfremdet wurden 
und ihr erst in späterer Zeit wieder zufielen^). Die 800 Bände 
sind also dem Bücherschatz der Bibliothek vor der Schwedenzeit 
zuzuweisen. 

Da für die Jahre 1622 — 82 von weiteren Erwerbungen keine 
Kunde erhalten ist, da die Bücher Werdensteins und Wengers 
durch Exlibris bezw. Inschrift herausgehoben sind, da die Bücher 
der Wels er nach den beiden Dedikationsexemplaren keine Aus- 
zeichnung trugen und da sie ohnehin den Hauptteil der neuen 
Bibliothek ausgemacht haben müssen, haben wir in diesen 800 
Bänden Teile der von Johann Baptist Welser erkauften 
Sammlung vor uns. 

Ihrer Zusammensetzung nach gehören sie zu zwei Dritteln 
der theologischen, griechisch-römischen und neulateinischen Lite- 
ratur an. Historische Schriften sind in ziemlicher Zahl darunter; 
ihnen schliessen sich wenige Werke aus den juristischen, philo- 
sophischen und medizinisch-naturwissenschaftlichen Disziplinen an. 

1) Ein 1619 erschienener Band wird nicht mitgerechnet, weil er nach- 
weisbar durch ein Geschenk Phil. Adolfs v. Ehrenberg 1625 in die Bibliothek kam. 
^) Yergl. hiezu die entsprechenden Ausführungen des folgenden Kapitels. 



— 26 — 

Letztere sind besonders schwach vertreten. Einige Inkunabeln 
fehlen nicht. Auch zwei Handschriften des fünfzehnten Jahr- 
hunderts sind zu nennen, eine Übersetzung der Summa Johannis 
Friburgensis 0. Praed. und Plautus et Persius, welch' letztere 
später in die Bibliothek des Juliusspitals kam und erst mit dieser 
zur Universität zurückkehrte^). 

Insgesamt wurden in den vier Jahren 1619 — 1622 für die 
neue Bibliothek 10354 fl. 1 ff 15 -^^ frk. aufgewendet, wovon 
9552 fl. 5 a: 7 4 auf Bücherkauf, 322 fl. 1 ff 25 ^ auf Trans- 
portkosten und 479 fl. — U 1 ^ auf die Auslagen für Ausgestal- 
tung der Bibliothekräume trefifen^). 

Im November 1619 kommt die erste Büchersendung von Augs- 
burg an. Es sind 27 Stübiche (Fässer) im Gewichte von 151 
Zentnern. Die Fuhrleute erhalten für jeden Zentner 2 fl. Fuhr- 
lohn (= 308 fl. 3 ff 10 /5j) und freie Zehrung im „Baumgarten^ 
(5 fl. 5 ff 21 /^). Die Bücher, 7 Fuhren, kommen zunächst in 
die fürstliche Wage und werden von da ins Kollegium geschafft 
(2 fl. 1 ff 12 4), wo ein Büttner die Kästen aufschlägt (5 ff 12 ^) 
und 6 Knaben beim Auspacken behilflich sind (2 ff 24 n%). Im 
November 1620 trifft dann der Rest des Welser-Werdenstein- 
Kaufs in 6 Stübichen von Eichstädt ein (Unkosten 4 fl.). 

Zunächst scheinen zwei geräumige Zimmer für Bibliotheks- 
zwecke adaptiert worden zu sein. Die Fenster dieser neuen Biblio- 
thek wurden durch sechs Drahtgitter geschützt. Die innere Ein- 
richtung bestand in dreizehn Bücherkästen, drei langen Tafeln, 
sechs grossen Pulten, zwölf „gelehnterten^^ Stühlen, einer langen, 
15 Schuh hohen Stiege und zwei kleineren Leitern. 

1621 wurden dann zwei weitere Gemächer zur Bibliothek hin- 
zugezogen und mit den nötigen Kästen, Tischen, Pulten versehen. 
Im gleichen Jahre noch wurden 50 kleine und eine grosse ein- 
gefasste Tafel angeschafft und ;,gemalt^. Sie werden wohl an den 
Gestellen und Tischschränken angebracht worden sein und den 
Buchstaben oder die Nummer des einzelnen Gefaches angegeben 
haben. Starke, beschlagene Eichentüren schlössen die Räume sicher 
gegen aussen ab. Die Schreinerarbeiten besorgte Kaspar Mack, 
die Schlosserarbeiten Karl Braun. 



1) M. eh. f. 37 u. 155. 

2) Gropp teilt mit, dass bis 1632 über 20000 fl. für die Bibliothek 
ausgegeben worden seien, bringt aber keine Belöge dafür. 



- 27 — 

Die Bibliotheksräiime befanden sich in dem für die Hörsäle 
und Amtszimmer der Universität bestimmten Nordflügel des Kolle- 
giumsbaues. Ihre Lage ist durch zwei Angaben der Kechnungen 
genauer bestimmt, nach denen sie in der Nähe des Auditoriums 
der Juristen und zwar in einem Obergeschosse Unterkunft ge- 
funden hatten^). 

Auch ein eigener Bibliothekar wird genannt, M. Georg Nies, 
Vikar des Stifts Neumüuster. Er kann allerdings auch Bibliothekar 
des Seminars gewesen sein und als solcher gleichzeitig die erste 
Einrichtung der neuen Bibliothek überwacht und die Aufstellung 
der Bücher vorgenommen haben. Auf keinen Fall blieb er lange 
im Amte, denn nach dem erwähnten Senatsbeschlusse des Jahres 
1627 waren sich damals die Professoren schlüssig, dass die Anstalt 
zur Pflege und Nutzbarmachung dringend eines eigenen Aufsehers 
bedürfe und beschlossen, dem Fürsten eine entsprechende Bitte 
vorzutragen. 

Die Benutzung scheint nach Art der älteren Bibliotheken da- 
durch ermöglicht worden zu sein, dass man den einzelnen Pro- 
fessoren den Zutritt mittelst eigener Schlüssel gestattete. Die 
durch die Rechnungen belegte Anschaffung einer grösseren Anzahl 
Schlüssel zu den Bibliotheksräumen findet wenigstens dadurch ihre 
natürliche Erklärung. 

Die heute noch nachweisbaren 1050 Bände ältesten Bücher- 
besitzes der Bibliothek geben sicher auch nicht annähernd ein 
vollständiges Bild von dem Umfange und der Zusammensetzung der 
Sammlung in jener Zeit. Ankaufspreis, Gewicht und Raumbedarf 
ineinander gerechnet, müssen es mindestens 5000 Bände gewesen 
sein, vermutlich waren es beträchtlich mehr. 

Am 12. Januar 1623 starb Johann Gottfried von Aschhausen, 
dessen verständiger Initiative die neue Gründung vorzugsweise zu 
danken war. Seine Verdienste um die Bücherei der Hochschule 
sind die längste Zeit über nicht entsprechend gewertet worden. 
Boenicke weiss nichts davon zu berichten. Noch 1871 teilt 
Koelliker mit, es sei nach einer mündlichen Äusserung des Ober- 
bibliothekars Ruland überhaupt nicht einmal festgestellt, dass die 



1) Im Jahre 1620 musste der juristische Hörsaal der durch die Neu- 
einrichtung der Bibliothek bedingten Umbauten wegen eine neue Türe eriialten. 
1621 ist von Schlüsseln zur ^äussern tbür ad gradus** die Rede. 



-- 28 — 

Universität bei der Einnahme Würzburgs durch die Schweden 
(1631) schon eine eigene Bibliothek hatte ^). 

Heffner befand sich auf der richtigen Fährte, als er im 
gleichen Jahre eine kurze Skizze der Bibliotheksgeschichte mit den 
Worten einleitete: „Sie erhielt unter dem Nachfolger des Stifters, 
Julius, dem Fürstbischöfe Johann Gottfried von Aschhausen, nach- 
weisbar durch den Ankauf eines bedeutenden Teiles der wertvollen 
Bibliothek des Augsburger Domherrn Johann Georg von Werden- 
stein einen ansehnlichen Zuwachs ../'^). Da die Acta Universi- 
tatis aus dem Besitze und durch ein Geschenk Heffners an die 
Universität kamen, hat er sicherlich seine Behauptung auf diese 
begründet. Da er aber den Quellennachweis nicht beisetzte, ist 
die Mitteilung zunächst unbeachtet geblieben. Wegele hat dann 
erstmals die entscheidende Stelle der Acta Universitatis im Wort- 
laute wiedergegeben^), während Braun die Posten der einschlägigen 
Rechnun^n im Auszuge verwertete*). 

Über die Schicksale der Bibliothek in den ersten zehn Jahren 
nach dem Tode ihres Begründers sind wir des Näheren nicht 
unterrichtet. Die mehrfach angeführte Notiz der Acta Universi- 
tatis eröffnet allerdings keine glänzende Perspektive auf eine viel- 
seitige Wirksamkeit^). Auch muss es dahingestellt bleiben, ob die 
Bitte der Professoren um Aufstellung eines eigenen Bibliothekars 
bei dem Fürsten geneigtes Gehör fand. Immerhin hat Philipp 
Adolf von Ehrenberg, der Nachfolger Johann Gottfrieds von Asch- 
hausen, der Anstalt ein gewisses Wohlwollen entgegengebracht und 
hat, wie er dem Würzburger Kapuzinerkloster Büchergeschenke 
überwies, so auch den Bücherschatz der Universität durch Geschenke 
vermehrt. 

Überhaupt war der jungen Bibliothek ein ruhiges und stetiges 
Anwachsen nicht vergönnt, denn stürmische Tage harrten ihrer. 



1) Koelliker, A. v., Zur Geschichte der medizinischen Fakultät an der 
Universität Würzburg. Rektoratsrede. 1871. S. 9. A. 1. 

2) Heffner, Karl, Würzburg und seine Umgebung, ein historisch-topo- 
graphisches Handbuch . . . Hsg. 2. A. Würzburg 1871. S. 348. 

3) a. a. 0. I. S. 316. 

4) a. a. 0. I. S. 423. 

&) Die erhaltenen Rechnungen des Marianischen Kollegs (Univ.-Haupt- 
rechnungen) ans den Jahren 1628, 1624, 1623, 1680 verzeichnen ausdrücklieb, 
dass keine Bücherkäufe für die neue Bibliothek gemacht wurden. 



— 29 - 

Schon wütete ja in deutsclien Gauen der Krieg, der wenige Jahre 
später seine Greuel auch in das Frankenland und seine Haupt- 
stadt Würzburg tragen sollte. 



Drittes Kapitel. 

Schicksale der Bibliothek während des schwedisch- 
weimarischen laterregnums. 

Am 15. Oktober 1631 öfifnete Würzburg dem siegreich vor- 
dringenden Schwedenkönig die Tore. Am 18. Oktober nahm Gustav 
Adolf den Marienberg mit stürmender Hand. Kostbarkeiten aller 
Art, darunter wertvolle literarische, die man zum Teile erst auf 
das feste Schloss geflüchtet hatte, wurden die Beute des Siegers. 

Professoren und Studenten hatten beim Herannahen der Feinde 
die Stadt verlassen, die Universität war verödet und blieb es auch 
während der ganzen Dauer der schwedischen Okkupation und des 
anschliessenden weimarischen Interregnums, obwohl der Gedanke 
an ihre Wiederbelebung — wenn auch in veränderter Gestalt — 
von den neuen Machthabern ernstlich ins Auge gefasst war und 
niemals ganz aufgegeben wurde. 

Die Schlacht bei Nördlingen setzte der Regierung Bernhards 
von Weimar ein rasches Ziel. Am 14. Oktober 1634 wurde 
Würzburg von den kaiserlichen Truppen besetzt, am 23. Dezember 
hielt Fürstbischof Franz von Hatzfeld seinen Einzug in die wieder- 
gewonnene Stadt. ;^Das alte Würzburg trat wieder in Wirksam- 
keit, was dazwischen lag, war wie eine wesenlose Lufterscheinung 
verschwunden." Im Herbste 1636 konnte auch die Universität 
ihre Tätigkeit wieder aufnehmen. 

Über die Schicksale der Bibliothek in diesen Jahren kriege- 
rischer Wirren fehlen authentische Aufzeichnungen. Wurde sie 
beim Anmärsche des Feindes dem vermeintlich sicheren Schutze 
des Marienbergs anvertraut und teilte so das Geschick des Uni- 
versitäts-Archivs, das bei der Erstürmung des Schlosses zugrunde 
ging?^) Oder blieb sie im verlassenen Universitätsgebäude zurück 

1) V.-A. Üniv.-Rechnung 5. 



— 30 — 

und wijrde so erhalten, vielleicht absichtlich geschont für die 
Zwecke der neu zu errichtenden Hochschule? 

In der Stadt erhielt sich die Tradition, die Bibliothek sei 
gemeinsam mit der kostbaren Hofbibliothek Julius Echters nach 
Schweden gewandert. So berichtet Gropp^): „Der Universität 
allda gehabte treffliche Bibliothek, welche über 20000 fl. gekostet, 
ist anfänglich annotirt, hernach hinweg und, wie man insgemein 
davon geredt, neben der Echterischen, in Fürstlich Bambergischen 
Hof noch übergebliebenen kostbahren Bibliothek in Schweden ge- 
führt worden." 

Zwar die Schenkungsurkunde Gustav Adolfs, datiert Würtz- 
burg den 6. November 1631, sagt ausdrücklich^): „Wir Gustav 
Adolph . . . thun hiemit kund, dass Wir aus sonderlicher, gnaedig- 
ster Neigung , unserer Academie Upsal , die allhie aufm Schloss 
vorhandene Bibliothek mit aller Zubehör, wie das Nahmen haben 
mag, gnaedigst geschenket, und zu deren Behuf unserm Hof- 
Prediger Magister Johan, solche zu registriren und darauf obacht 
zu haben, gnaedigst anbefohlen . . .", woraus klar hervorgeht, dass 
es sich hier nur um die Schlossbibliothek handelt. Auch bestätigt 
dies zehn Jahre nach der Katastrophe Johann Baaz^) mit den 
Worten: „... In Franconia ex Arce Herbipolensi fuit Bibliotheca 
Episcopi et Ducis ibidem. . . . Hanc rex sibi reservavit capta arce. 
. . . Totam hanc Bibliothecam rex noster Upsaliam ablegavit . . ,^ 

Verfolgen wir die vielerörterte Frage zunächst historisch! 
Völlige Aufklärung schien nach dem Versagen der einheimischen 
Quellen die Erkundigung an Ort und Stelle, wohin die Beute ge- 
schafft sein sollte, zu versprechen, und so schlug denn auch die 
Universität Würzburg diesen Weg ein, als sie in der ersten Hälfte 
des verflossenen Jahrhunderts der Sache mit Energie und Ausdauer 
näher trat. Es handelte sich aber dabei nicht bloss um eine 
historische Untersuchung, sondern man glaubte zugleich auf Grund 
der längst verjährten Bestimmungen des westfälischen Friedens ein 
Recht auf Rückgabe des Verlorenen feststellen zu können. 

i) Wirtzburgische Chronick I. 452. 

2) Anonymi in Bibliothecae Upsalensis historiam . . . stricturae. Upsaliae 
1746 (Verf. Andr. Norrelius). S. 6 f., abgedruckt bei: LeitscLuh, F., 
Zur Geschichte des Bticherraubes der Schweden in Würzburg (C. f. B. 13. 
1896 S. 104 flf.). 

3) Inventarium Sueco-Gothorum . . . Lincopiae 1642. S. 684. Vergl. 
Leit schuh a. a. 0. 



— 31 — 

Die Verhandlungen, die von 1823 bis 1827 und dann wieder 
von 1842 bis 1847 andauerten, haben eine ausführliche Darstellung 
nach den Originalakten der Universität ^) gefunden in der Abhand- 
lung des k. Universitäts-Sekretärs Seufferth: ,,Die Reklamation 
der im dreissigjährigen Kriege nach Schweden entführten Bücher 
und anderer Literalien der Julius-Maximilians-Universität Würz- 
burg aktenmässig dargestellt"^). 

Die erste Anregung kam im Januar 1823 bei der bevor- 
stehenden Vermählung des Kronprinzen Oskar von Schweden mit 
der herzoglichen Prinzessin von Leuchtenberg Josephine Maxi- 
miliane Eugenie und zwar gab sie der damalige k. b. Archiv- 
beamte Johann Samuel Klüber, dessen begeistertes Interesse für 
die Rückgewinnung der entführten Schätze ein nachhaltiges war 
und sich in mehreren Abhandlungen in Druck und Schrift und 
zahlreichen briefhchen Anfragen, Mitteilungen und Anregungen 
äusserte^). Die Verhandlungen stockten 1827 auf die Nachricht 
des schwedischen Geschäftsträgers, Herrn von Wahrendorfif, hin, 
dass gar keine alten Manuskripte oder bayerische Original-Akten 
in den Bibliotheken Schwedens vorhanden seien. Nach fünfzehn- 
jähriger Unterbrechung kam die Sache 1842 wieder in Fluss. In 
den folgenden Jahren wurden dann durch die Vermittlung des 
apostolischen Vikars, Herrn von Studach, die schwedischen Archive 
und Bibliotheken nach fränkischen Literalien durchsucht, aber 
auch jetzt ergab sich im wesentlichen ein negatives Resultat. Es 
konnte lediglich festgestellt werden, dass sich in der Universitäts- 
bibliothek Upsala mehrere Hundert Bücher befänden, „sämtlich 
wohl konditioniert und vornen auf dem Schilde mit Titel versehen, 
nebst den Worten: Julius Episcopus Wirceburgensis et Franconiae 
Orientalis dux in goldenen Buchstaben und die meisten überdies 
auf dem Deckel mit dem fürstbischöflichen Wappen in Farben 
geziert^ *). Ein Verzeichnis dieser Bücher, auf das der akademische 



1) S. A. VII. 4, 4, 5 (vergl. a. Ü.-B. Fase. 35). 

2) A. h. V. X. 1850. Heft 2 u. 3. S. 206—263. 

3) Dr. J. Sam. Elüber, k. Archivrat zu München^ war geboren am 
29. August 1776 zu Wehrda bei Fulda, studierte zu Erlangen Jurisprudenz, 
widmete sich sodann dem Archivdienste und lebte zuletzt in Erlangen im Ruhe- 
stande. Dort starb er im August 1842. 

4) Aus einem Briefe von Studachs vom Jahre 1842, abgedruckt bei 
Seuffert a. a. 0. S. 250. 



— 32 — 

Senat damals glaubte verzichten zu können, fertigte Pius Witt-^'^ 
mann auf einer Forschungsreise im Sommer 1890 und veröffent- "^ 
lichte es unter dem Titel: „Würzburger Bücher in der k. schwedi- ^o 
sehen Universitätsbibliothek zu Upsala" ^). In der kurzen Vor- >^ 
rede glaubt er auf das Bestimmteste versichern zu können, dasa- '^^ 
bayerische Urkunden und Literalien in Schweden nicht mehr hinter-.iS 
liegen, dass dagegen der grösste Teil der ehemaligen Würzburger -s. 
Universitäts- Bibliothek unter den Beständen der Carolina - u 
rediviva zerstreut zu Upsala noch vorhanden sei. Ein Beweis m 
für die Behauptung, dass diese Bücher einstens gerade der Uni- ki 
versitätsbibliothek zugehörten, wird jedoch nicht erbracht, nicht s^^^, 
einmal versucht, abgesehen von der einzigen Nummer 192: Eusebius .,r.^ 
Caesariensis , Chronicon. Venetiis 1483. 4®, die den Vermerk ^e 
trägt: Bibliothecae academiae Herbipolensis. Mit Recht bezweifelte ,, 
daher Oberbibliothekar Kerler die Richtigkeit der beweislosen t , 
Behauptung^). In seiner Entgegnung^) machte Wittmann als ^^ 
Begründung seiner Hypothese namhaft: Sämtliche Werke, in weisses .,r, 
Leder gebunden, stellen sich als Teile einer ehemals zusammen- ,^ 
gehörigen Bücherei dar. Fast alle Bände haben eingepresst das , 
Wappen und die Anfangsbuchstaben des F. B. Julius, gehören 
daher entweder zur Hof- oder Universitäts-Bibliothek. Letzterer 
sind sie wohl zuzuweisen, weil die Hofbibliothek 1600 grössten- 
teils verbrannte, femer durch ihren Inhalt, da die Bücher dem 
Wissensgebiete sämtlicher Fakultäten entnommen sind, endlich 
nach der Tradition zu Upsala. 

Da die Bücher beim Brande der Hofbibliothek sich in einem 
vom Feuer nicht ergriflFenen Lokale befinden konnten, da die 
Sammlung so überwiegend theologische und juristische Werke ent- 
hält, dass sie auch nicht für die Zwecke der bescheidensten Uni- 
versitätsstudien bestimmt sein konnte, da endlich Wegele bei 
den umfangreichen Vorarbeiten zu seiner Universitätsgeschichte 
nicht den geringsten Hinweis auf eine Universitätsbibliotheks- 
gründung durch Julius gefunden, wies Kerler auch hiernach noch 
die Aufstellungen Wittmanns zurück*), zumal der Oberbiblio- 
thekar von Upsala in einem Briefe vom 27. IL 1891 erklärte, 

1) A. h. V. 34. 1891. S. 111-161. 

2) Neue Würzburger Zeitung 1891. Nr. 95. 

3) Neue Würzburger Zeitung 1891. Nr. 109. 

4) ibid. 



— 33 — 

sicli nicht erinnern zu können, dass in den aus der fürstlichen 
Bibliothek stammenden Büchern die Zugehörigkeit zur Universi- 
tätsbibliothek vermerkt sei. Allerdings fügte er vorsichtig bei: 
^N4i.tiürlich ist es möglich, dass sich in einigen eine solche Anno- 
tation vorfindet^ ^). 

Das Jahr 1895 brachte noch ein Rückzugsgefecht Witt- 
ma.Tins, der erklärte: ;,es lag mir nur daran zu konstatieren, 
welche und wie viele Würzburger Bücher noch vorhanden 
seien^ und meinte, man habe es hier vielleicht trotz Wegele mit 
einer gemeinsamen Hof- und Universitätsbibliothek zu tun^). 

Angeregt durch dieses Wiederaufleben der alten Kontroverse, 
unternahm es F. Leitschuh, die Frage einer erneuten Prüfung 
zn unterziehen durch seine Studie: ;,Zur Geschichte des Bücher- 
raubes der Schweden in Würzburg^ *) , in welcher er sich jedoch 
nicht auf die zu Upsala bewahrten Werke beschränkt, sondern 
die wechselvollen Schicksale des durch die schwedischen Eroberer 
zerstreuten Würzburger Bücherschatzes auch sonsthin verfolgt. 
Für Upsala h^,lt er es schon durch den Wortlaut dier Schenkungs- 
urkunde Gustav Adolfs und den zitierten Bericht von Baaz für 
entschieden, dass es sich hier nur um die Hof- bezw. Schloss- 
bibliothek handeln kann, und geht weiter auf die durch Witt- 
mann- Kerler angeregten strittigen Punkte nicht ein. 

Was diese betrifft, so dürfte zunächst der von beiden Seiten 
versuchte Schluss aus der gegenwärtigen Zusammensetzung auf 
die ehemalige Bestimmung nicht angängig sein. Denn wir haben 



1) ü. B'. Fase. 35. 

2) Neue Würzburger Zeitung 1895. Nr. 231, 234, 266. — Im übrigen be- 
stritt W. Doch, dass von Studach seinen Bericht auf Autopsie gegründet 
habe. Studach schreibt zwar Stockholm 1852. IL 13. (U. B. Fase. 85): .be- 
treffend die „Würzburger Bücher** in der Uniyersitäts-Bibiiothek zu Upsala, 
die ich verflossenen September während eines Besuches der Bibliothek in Ge- 
sellschaft des Prof. bist, in Brunn, Dr. Dudik, wieder gesehen, berichtige 
ich, dass sie sämtlich der Bibliothek des Fürstbischofs Julius angehört haben." 
Die erste Mitteilung Studachs aber (ibid., vergl. auch Seuffert a. a. 0. S.250) 
war folgendermassen eingeleitet: „Seit ein paar Tagen habe ich einen Brief 
aus Upsala, an eine hochgestellte Person gerichtet, in meinen Händen, der 
unter anderem folgendes enthält: „Die gedruckten Bücher, von denen 
wir (die Universitäts-Bibliothek zu Upsala) mehrere Hunderte besitzen, sämt- 
lich wohl konditioniert usw." 

3) C. f. B. XIII. 1896. S. 104 ff. 

3 



- 34 — 

hier keineswegs die ganze Bibliothek in unversehrtem Zustande 
vor uns , sondern zweifelsohne nur ein Bruchstück der Beute ; 
namentlich das Fehlen der klassischen Autoren ist nicht auffällig, 
da nachweisbar für Königin Christina Bestandteile der Sammlung 
ausgeschieden wurden ^). Im übrigen aber wird die Tatsache, 
dass die in Upsala befindlichen Bücher ehedem der Schloss- nicht 
der Universitäts-Bibliothek gehörten, heute nicht mehr bezweifelt 
werden. Der oben wiedergegebene Wortlaut der Schenkungsurkunde, 
das fast gleichzeitige Zeugnis von Baaz, die Deckelpressungen und 
Inschriften der Bücher selbst sprechen dafür. Der grosse Brand 
vom 29. März 1600 legte ja auch nur den nördlichen Teil 
des Schlosses nebst der Kirche in Asche, während gerade der 
südliche, vom Feuer verschonte Teil nach der erhaltenen In- 
schrift kurze Zeit vorher von Julius ;,ad Hibernandum et Biblio- 
thecam construendam" erbaut worden war ^). Zudem hätte ja 
auch der tatkräftige Fürst in den fast zwei Dezennien seiner 
Kegierung, die ihm nach der Brandkatastrophe noch vergönnt 
waren, das Verlorene längst wieder erneuern bezw. ergänzen 
können. Von einer vermächtnisweisen oder sonstwie vollzogenen 
Überweisung der Hofbibliothek an die Universität ist nirgends 
etwas überliefert, im Gegenteile der Fortbestand bis zur schwedi- 
schen Invasion gerade durch die Berichte über die Erstürmung 
des Marienbergs und die folgenden Ereignisse erwiesen. Was 
endlich die von Witt mann ins Feld geführte Tradition zu 
Upsala anlangt, so berichten die älteren Geschichtsschreiber der 
dortigen Bibliothek nichts Spezielles und auch die neueste Bear- 
beitung beschränkt sich darauf, von der Angliederung der ;,bisko- 
pliga biblioteket i Würzburg^^ zu reden ^). 



1) Das Verzeichnis Wittmanns führt 748 Werke in 509 Bänden an, 
davon gehören 258 zur theologischen, 157 zur juristischen, 134 zur medizini- 
schen, 84 zur historischen Literatur. Der Rest verteilt sich auf verschiedene 
Gehiete. Der Zeit nach entstammen die Werke überwiegend der zweiten 
Hälfte des 16. Jahrhunderts. 

2) Loefen, Walther v.. Die Feste Marienberg und ihre Baudenkmale. 
Würzburg 1896. S. 27 ff. — Christ. Marianus, der Umfang und Gehalt der 
Sammlung 1604 ausführlich schildert, weiss von grossen, bei dem Brande er- 
littenen Verlusten der Bibliothek nichts zu berichten. (Marianus, Christ., 
Encaenia et Tricennalia Juliana . . . Wirceb. 1604. S. 46 ff.) 

3) Annerstedt, Claes, Upsala universitetsbiblioteks historia intill kv 
1702. Stockholm 1894. S. 13. 



— 35 — 

Auch an die Bibliothek der Domkirche zu Strengnäs^) kamen 
Stücke der Würzburger Beute. Dr. Johannes Matthiae, seit 
1643 Bischof daselbst, ehemals Lehrer der Königin Christina, er- 
wirkte von ihr einen Teil der geraubten Werke als Geschenk für 
seine Domkirche und mehrte diese Gabe durch mehr als 200 Bände 
aus seiner eigenen Sammlung, die er wohl auch der Königin zu 
verdanken hatte ^). Heinrich Aminson gibt im Supplement zu 
seiner Beschreibung der Bibliothek ein Verzeichnis der durch Dr. 
Matthiae zugekommenen Bestände, worunter sich zehn Werke 
fränkischer Provenienz befinden. Zwei davon, der Bibliothek Julius 
Echters zugehörig, können nach den vorhergehenden Ausführungen 
hier übergangen werden. Sechs weitere aber sind ausdrücklich 
als ehemaliges Eigentum der Würzburger Universitäts-Bibliothek 
bezeichnet^), nämlich 

1. Joannis Caluini Commentarii In omnes Pauli Apostoli 
Epistolas atque etiam in Epistolam. ad Hebraeos. Adjunximus 
Eiusdem Authoris Epistolas Canonicas . . . Geneuae 1580. In 
fronte manu scriptum est: Ex bibl. Acad. Herbip. {F. 74.) 

2. Flores Historiarum Per Matthaeum Westmonasteriensem 
coUecti : Praecipue de Rebus Britannicis : Ab exordio mundi usque 
ad annum domini MCCCVn. Et Chronicon Ex Chronicis, Ab Initio 
Mundi Usque Ad annum Domini MCXVIH. deductum: Auetore 
Florentio Wigorniensi monacho. Cui accessit Continuatio Usque Ad 
Annum Christi MGXLI per quendam eiusdem coenobii eruditum. 
Francofurti. 1601. In fronte manu scriptum est: Bibliothecae Aca- 
demicae Herbipolensis. (F. 76.) 

3. Manuale Pastorum. Sacrorum Canonum auctoritatibus, 
Patrum sententijs, et sanctorum episcoporum exemplis refertum . . . 
Auetore Marco Antonio Genuense Neapolitano. Romae. 1606. 

In fronte manu scriptum est: Bibliothecae Accademicae Herbi- 
polensis. (Q. 27.) 

4. luonis Episcopi Carnotensis Epistolae. Eiusdem Chronicon 
De Regibus Francorum. Parisiis. 1585. 

1) Aminson, H. , Bibliotheca templi cathedralis Strengoesensis . . . 
descripta. Stockholmiae 1868. Supplementum ib. eod. a. — Ruland, A., Die 
Bibliothek der Domkirche in Strengnäs. = Ser. 26. 1865. S. 289 ff. 

2) Aminson a. a. 0. praef. IV. 

3) Aminson a. a. 0. Sppl. p. LXXVIII. XCVIII. XCIX. sq. CXI. 
CXXXVIII. CLV. 

3* 



— 36 - 

In fronte manu scriptum est: Bibliothecae Academicae Herbi- 
polensis. (Q. 7.) 

5. Veterum Scriptomm. Qui Caesarum Et Imperatorum Grer- 
manicorum Res Per Aliquot Secula Gestas, Literis Mandarunt, 
Tomus unus. Ex bibliotheca JustiReuberi... Francofurti. 1584. 

Bibl. Acad. HerbipoL (F. 96.) 

6. Annales Witichindi Mönachi Corbeiensis, Familiae Bene- 
dictinae : Editi De Fide Codicis manuscripti, et e publicato exem- 
plari alicubi aucti. Addita est breuis appendix de familia et rebus 
gestis Palatinomm Saxoniae, e Chronico GFozecensi. Item Historia 
Henrici Leonis, Ducis Saxoniae et Bauariae, excerpta de Annalibus 
Helmoldi, Arnoldi, et Saxonia Krancij. Studio et opera Reineri 
Reineccii Steinbemii. Francofurti. 1577. 

Acad. Herbipol. (F. 96.) 

Wittmann^) führt diese sechs Werke am Schlüsse seines 
Bücherverzeichnisses, nach einer Mitteilung des dortigen Biblio- 
thekars Isak Fehr, wieder auf, sie scheinen also bei der grossen 
Brandkatastrophe des Jahres 1864 erhalten geblieben zu sein. 
Der angegebene Eigentumsvermerk ist der an der Würzburger 
Universitätsbibliothek in den älteren Zeiten übliche, somit ist 
wohl klar, dass die sechs Bücher einstens ihr gehörten. A. Ruland, 
der offenbar eine Wegführung oder auch nur Beraubung der Uni- 
versitätsbibliothek durch die Schweden nicht annehmen zu dürfen 
glaubt, vermutet^) einen zweimaligen Besitzwechsel: die Bücher 
kommen zuerst in die Bibliothek des Bischofs Julius, also in die 
ehemalige Schlossbibliothek, und wandern dann mit dieser nach 
Norden. Unter Beschränkung auf die Jahre 1619 — 1631 mag die 
Möglichkeit gerne zugegeben werden, dass Werke der Universitäts- 
bibliothek -leihweise auf das Schloss kommen konnten und dann 
das Schicksal der dortigen Bücher teilten. 

Nach Leitschuh ^) darf man sich durch den Eintrag nicht 
zu der Annahme verführen lassen, als stammten einzelne der 
Bücher aus der UniversitätsbibHothek ; es könnte hier vielmehr 
nur von der Jesuitenbibliothek die Rede sein, da an diese etwa 
6000 Bände der fortgeführten Beute wieder zurückgegeben wurden. 



1) a. a. 0. S. 161. 

2) a. a. 0. S. 301. 

3) a. a. 0. S. 107. 



— 37 — 

. Dass diese Begründung überzeugend sei, lässt sich nicht be- 
haupten. Gerade die Jesuitenbücher konnten ja wieder erbeutet 
sein oder ihre Bibliothek am gründlichsten geplündert, was alles 
eine Bevorzugung der frommen Väter erklären würde. Durchaus 
aber schliesst diese die Möglichkeit der Plünderung anderer Bücher- 
schätze nicht aus. Überdies haben die Jesuiten, mochten sie auch 
noch so nahe mit der Universität verbunden sein, ihre Bücher nie 
als Eigentum der Akademie bezeichnet, sondern mit ^^Collegii 
Societatis Jesu Herbip.^ oder ähnlich signiert. 

Der Bücherbesitz von S'trengnäs gibt den Beweis, dass nicht 
Wie aus Würzburg entführten Bücher, trotz des ausdrücklichen 
Schenkungsbriefs Gustav Adolfs nicht einmal die ganze Hofbiblio- 
thek nach Upsala kam. Sie erreichte ja erst nach fünf Jahren 
ihren Bestimmungsort in verstümmelter Form. Ein Teil war für 
Königin Christinas Privatbibliothek genommen worden, manches 
in andere Hände geraten^). 

Königin Christina nahm bei ihrer Abdankung im Jahre 1654 
ihre Bibliothek ins Ausland mit. Nach ihrem Tode kam diese 
reiche Sammlung von Büchern und Handschriften an die Familie 
Ottoboni und durch Alexander VHI. 1689 an die Vaticana. Ein 
Katalog wird in der k. Bibliothek zu Stockholm bewahrt. Er ist 
nach 1649 verfasst und umfasst zwei Foliobände, von denen der 
eine die Handschriften (1208 Nummern) enthält. B. Dudik gibt 
in seinen ;,Forschungen in Schweden für Mährens Geschichte, 
Brunn 1852^ Auszüge daraus. Mit einiger Sicherheit lässt sich 
nur eine einzige Handschrift für Würzburg in Anspruch nehmen: 
;,Der Bischöfe zu Würzburg Beschreibung von dem ersten St. Kilian 
an, auf Laurenz den 61sten^^^). 

Christina selbst verschenkte manche der ihr gehörigen Bücher 
an befreundete Gelehrte und öffentliche Anstalten Schwedens, gar 
manche wurden ihr entwendet. Andere Werke kamen ins Land 
als Beute der heimkehrenden Generale. Wie viele von diesen 
Büchern aus Würzburg entstammten und was ihr ferneres Schick- 
sal gewesen, lässt sich niemals wieder vollständig und mit Sicher- 



i)Annerstedt, Claes, a. a. 0. S. 13: „. . . Fem är skulle dock förflyta, 
innan det nädde sin urspraogliga bestämmelseort, och da i ett stympadt skick, 
i det on del dessförinnan afsöndrats för drottniog Kristioas eget bibliotek och 
äfven ätskilligt kommit att stanna i andra händer . . .'^ 

2) Deutsche Werke in Folio, 2 S. 87. 



— 38 — 

heit feststellen ; dass aber auch solche darunter waren, mag ausser 
den angeführten von Strengnäs noch folgendes Beispiel beweisen. 

Unterm 25. Dezember 1750^) berichtete der kaiserliche Resi- 
dent C. T. V. Antivari aus Stockholm an Fürstbischof Karl Philipp 
von Greiffenclau, dass er auf der dortigen Bücherauktion die Werke 
des Clemens Romanus habe einkaufen lassen, die sich durch 
Deckelpressung und eigenhändigen Eintrag des Fürsten als einstiges 
Eigentum Julius Echters herausstellten. Karl Philipp nahm die 
angebotene Rücksendung dankend an^). 

Dass gar manche der im Kriegsgetümmel zerstreuten Bücher 
Deutschland gar nicht verliessen, sondern sich unter den ^theils 
distrahirten , verzogenen und zerstreuten, theils verrissenen, theils 
zerstümpelten, theils auch gar entwendeten und verloren wordenen" 
Akten, Urkunden, Büchern u. dergl. befanden, von denen eine 
spätere fürstbischöfliche Verordnung spricht, ist nach Lage der Sache 
klar. Um nur ein Beispiel anzuführen : ein Band der bischöflichen 
Schlossbibliothek befindet sich heute in der k. Bibliothek zu Bam- 
berg^). Allerdings ist hier Vorsicht geboten, da die Würzburger 
Bibliotheken auch nach dem schwedisch-weimarischen Interregnum 
noch Verluste erlitten. So wies Rdf. Ehwald*) darauf hin, dass 
die Gothaer Bibliothek einen Band besitzt, der nach dem einge- 
klebten Exlibris zu den dem Jesuitenkollege nach der Schlacht 
von Nördlingen zurückgegebenen Büchern gehört. 

Die Bibliothek zu Gotha spielt in der Frage überhaupt eine 
gewisse Rolle, da, während Ernst IL für seinen Bruder Bernhard 
die Regierung in Franken führte, wertvolles literarisches Besitztum 
aus den Würzburger Bibliotheken nach Sachsen gewandert sein 
soll. Demgegenüber hat Rdf. Ehwald neuerdings konstatiert^), 
dass sich in Gotha im ganzen nur zehn oder elf Würzburger 
Bücher, lauter Papierhandschriften, befinden, und dass an Ernst 
weder aus der Schloss-, noch aus der Universitätsbibliothek, noch 
sonst einer Würzburger etwas gekommen ist. Ein Verzeichnis 
dieser ;, Würzburgischen Handschriften in der Bibliothek zu Gotha" 



1) ü. ß. Fase. 35. 

2) ibid. 

3) Leitschuh a. a. 0. S. 110. 

4) Ehwald, Rdf., Geschichte der Gothaer Bibliothek. -= C. f. B. 18. 1901. 
S. 434 ff., hier S. 460. 

ö) a. a. 0. S. 440. 



- 39 - 

hat schon Reuss^) gegeben; von den dort aufgeführten Werken 
sind inzwischen (1883) zwei: das Album alumnatus nobilis Juliani 
Würzeburgici und die Matricula seminarii Würzeburgici dem k. b. 
Staatsarchive zurückerstattet worden. Aus Privatbesitz allerdings 
hat Ernst in Würzburg Bücher erworben, so namentlich zahlreiche 
dem A. Kahl gehörige, der vielleicht mit einem der Baumeister 
des Universitätsbaues identisch ist. 

Die allzeit geschäftsklugen Engländer wussten sich gleichfalls 
die günstigen Konjunkturen zunutze zu machen, so kamen Würz- 
burger Bücher nach Oxford und London. 

Die Geschichte der Bodleiana weiss von grossartigen Schen- 
kungen des Erzbischofs Land zu erzählen, deren erste, vom 22. 
Mai 1635, der Bibliothek fast 500 Nummern zubrachte, unter 
denen sich 46 lateinische Manuskripte aus Würzburg befanden^). 

Der Katalog der Codices MSS. Laudiani ^) verzeichnet zahl- 
reiche Handschriften deutscher Provenienz, namentlich aus dem 
Cistercienserkloster S. Maria in Eberbach, sowie der Karthause 
auf dem Michaelsberg bei Mainz. Er lässt auch den grössten Teil 
der erwähnten Würzburger Werke erkennen: 28 Handschriften 
und das Reysersche Missale*). 19 Pergamentcodices theologischen 
Inhalts entstammen der Dombibliothek ^), über die Hälfte davon 

1) A. h. V. VII. Heft 2. S. 178 ff. 

2) ,A. D. 1635—1640. The Register for these years preseots a connected 
series of benefactions on the part of Archbishop Land. On May 22, 1685, he 
sent to the Library the first instalment of his magnificent gifts of MSS. which 
consisted of 462 volumes and five rolls. Among these were 46 Latin MSS.^ 
'e Gollegio Herbipolensi (Würtzburg) in Germania sumpti A. D. 1631, cum 
Suecorum Regis exercitus per universam fere Germaniam grassarentur'. . . . 
One of the Würtzburg books rescued from the Swedish soldiery is a magnificent 
Missal printed on vellum by Jeorius Ryser in 1481, with illuminated initials . . .'* 
(Macray, W. Dünn, annals of the Bodleian library, Oxford. London, Oxford, 
and Cambridge 1868 S. 61 u. 65.) 

3) Catalogi codicum manuscriptorum bibliothecae Bodleianae IL 1 conf. 
H. 0. Coxe. Oxonii 1858. Codices MSS. Laudiani latini et miscellanei. 

4) VergL hierzu Zangemeister, C, Bericht über die im Auftrage der 
Kirchenväter-Kommission unternommene Durchforschung der Bibliotheken Eng- 
lands. = Wiener Sitzungsberichte, phil.-hist. Kl., 84. 1877. S. 485—584. 

5) a. a. 0. Codices Laudiani Latini 41, 42, 92, 96, 101, 102 (?), 115. Cod. 
Miscell. 92, 120 (?), 124, 126, 135, 139, 256, 271, 275, 284 (?), 418, 580. Der 
grösste Teil der Dombibl., der fast ein Jahrhundert auf dem Boden der Dom- 
kirche yerborgen und vergessen geruht hatte, wurde bekanntlich im Jahre 1717 
durch einen glücklichen Zufall wieder gefunden. 



— 40 — 

werden dem IX/X. Jhrdt. zugeschrieben. Das KoUegiatstift Haug 
steuert , einen Pergamentcodex *) , das Jesuitenkollegium sieben 
Papierhandschriften des ausgehenden 16. und beginnenden 17. Jahr- 
hunderts bei ^) , darunter die Kopie der Gründungsurkunde des 
Kollegs vom 19. Mai 1568 und Orationes in coUegio Herbipolensi 
annuatim habitae de rebus ibidem gestis ab anno fundationis ejus 
scilicet A. D. 1568, ad annum 1619 incl. Eine Handschrift end- 
lich gehörte ehedem der Universitätsbibliothek zu^): * 

Codex membr., in folio, if. 142, sec. XV., quondam biblio- 
thecae Academiae Herbipolensis. 

1. Kalendarium sec. usura Ord. Minorum ad eccl. Herbipol. 
aptatum fol. 1. 

2. Martyrologium per anni circulum, praecipue ex Usuardo 
monacho confectum. fol. 8. 

Tit. 1 „De prologis diversis super opus Martyrologii 

per quos apparet, quantam diligentiam sancti et antiqui 

ad compilacionem hujus opusculi habeant.^^ 

Incip. ;,Notandum, quod licet multi operam dederint ad 

compilandum^^ 

Sequuntur 

a) Chromatii et Heliodori epistola ad S. Hieronymum, 
cum response, fol. 8. 

b) Praefatio, quae in pluribus libris ascribitur Bedae 
super opere Martyrologii, plures autem ipsam ex- 
cerptam ex libris beati Augustini. fol. 9b. 

c) Epistola seu Praefatio Usuardi monachi ad Carolum 
regem super opere Martyrologii. fol. 10. 

d) De arte inveniendi, qualiter sit pronuncianda luna 
qualibet die secundum numerum supra positum singulis 
litteris in martyrologio, et ubi singulis annis littera 
mutetur. fol. 11. 

Noch ein anderes englisches Institut besitzt Manuskripte Würz- 
burger Provenienz, das britische Museum. Sie kamen dahin aus 
dem Eigentum des unermüdlichen und opferwilligen Sammlers, 



a. a. 0. Cod. Lat 100. 

2) a. a. 0. Cod. Miscell. 27, 29, 335, 339, 341, 638, 744. 

3) a. a. 0. Cod. Miscell. 425. 



— 41 — 

Thomas Howard, Earl of ArundeP), der sie, auf einer diplomati- 
schen Mission an Kaiser Ferdinand II. begriifen, während eines 
vorübergehenden Aufenthalts in Würzburg im Mai 1636, erwarb. 
W. B. V. Rally verzeichnete einige bibliographische Notizen über 
die in Betracht kommenden Handschriften *). Alten Besitz der 
Universität haben wir nicht vor uns. 

Schliesslich birgt die Würzburger Bibliothek in sich 
selbst noch Material für die Tatsache ihrer Beraubung in 
jenen stürmischen Tagen. Verschiedene Werdensteinbände 
waren nach dem grossen Kriege in anderen Besitz übergegangen 
und kamen erst im 18. bezw. 19. Jahrhundert mit den Büchern 
des Hauger-Dechanten Braun, der Jesuiten, des Klosters Schwarzach, 
des Juliusspitals an die Universität zurück. Datiert sind zwei 
der Wengerschen Bibliothek entstammende Bände*), die schon 
im Jahre 1633 in Händen Privater erscheinen. Besonders lehr- 
reich ist ein auf dem Titelblatte ebenfalls mit Bibliothecae 
Academicae Herbipolensis ausgezeichnetes Werk, Joach. Du-Bellay, 
Les Oeuvres frangoises. Paris 1574, das auf der Innenseite des 
Yorderdeckels die Notiz enthält: Hie liber donatus F. Georgio 
Keller Herbip. Ord. Praem. Mon. Cell. prof. in exilio Saxo- 
Suedico, cum curam pastoralem perageret in Bühler ad Münster*) 
1634. Eestituatur suo tempore. Darunter schrieb der fromme 
Ordensmann offenbar unter dem frischen Eindrucke jener Schreckens- 
tage: 

Mors venit, est ratio reddenda, praemia danda; 
Poena luenda atrox; ah homo disce mori. 

Der gute Vorsatz der Rückgabe kam aber nicht zur Aus- 
führung, vielmehr wurde in späterer Zeit der Besitzvermerk der 
Universitätsbibliothek mit kräftiger Hand durchstrichen und dar- 
über der Name des neuen Besitzers, Kloster Oberzell, gesetzt. 
Erst durch die Säkularisation wurde das Buch der Universität 
zurückgegeben. Die angeführten Beispiele beweisen zugleich die 



1) Vergl. über ihn: Edwards, Edw., Lives of the founders of the 
British Museum ... I. London 1870. S. 172 ff. 

2) Dreizehnter Jahresbericht des Hist. Vereins von ünterfr. für das Jahr 
1842-1843, Beilage III. S. 26-28. 

8) L. gr. 0. 72, 78. 
4) Bei Earlstadt a. M. 



— 42 — 

im vorigen Kapitel ^) aus inneren Gründen abgeleitete Behauptung, 
dass der Vermerk Bibl. Ac. Herb, den Büchern der Bibliothek 
schon vor der Schwedenzeit beigeschrieben war. Mit Fug und 
Recht können daher zahlreiche weitere, dem heutigen Bücherschatze 
der Bibliothek wieder einverleibte Bände hier angereiht werden, 
die diesen Vermerk tragen, nach dem grossen Kriege Eigentum 
anderer geworden waren und teilweise erst nach langen Irrfahrten 
zur Hochschule zurückkehrten. 

In vorstehenden Ausführungen wurde dargelegt, dass die heute 
noch in Upsala nachweisbaren Bücher mit einer Ausnahme nicht 
der Universität Würzburg, wohl aber der fürstlichen Hofbibliothek 
zugehörten. Andererseits konnten weit zerstreut in Upsala, Strengnas, 
Oxford ehemalige Bestandteile des Bücherschatzes der Würzburger 
Hochschule festgestellt, auch an wieder zur Universität zurückge- 
kommenen Bänden die Beraubung der Bibliothek während des 
schwedisch- weimarischen Zwischenreiches nachgewiesen werden. 
Aber es bringt dies nicht völlige Klarheit über den Umfang der 
Schädigung, die das Institut erlitt. 

Glücklicherweise lässt sich die Frage, wenn auch nicht ziffern- 
mässig, aus Würzburger Quellen der Lösung näher bringen. Der 
Weg, so naheliegend er scheint, wurde bisher noch nicht be- 
schritten, nur Wegele hat einen durch die Acta Universitatis 
überlieferten Senatsbeschluss vom 13. September 1644^), der die 
Dekane der einzelnen Fakultäten abwechselnd mit der Aufsicht 
über die Bibliothek beauftragt, dahin gedeutet, dass dadurch der 
Fortbestand der Bibliothek ausdrücklich und in einer Weise kon- 
statiert wird, aus welcher hervorgeht, dass sie durch die Okku- 
pation wenig oder gar nichts gelitten hat^). 

Verstärkt wird der Eindruck dieser Nachricht durch einen 
Posten der Universitätsrechnungen, wo bereits unterm 2. Januar 1640 
Ausgaben an Schreiner und Eisenkrämer für Renovatur in der 
akademischen Bibliothek vorgetragen werden*). Eine solche be- 
stand also schon wenige Jahre nach der Restitution der fürst- 
bischöflichen Regierung. Dass sie aber geraubt und wiederge- 
wonnen oder aus anderweitiger Beute ersetzt war, wie etwa jene 

1) Kap. IL S. 24-26. 

2) A. U. Fol. 56 V. 

3) I. S. 370 f. 

4) V.-A.-Hauptrechnung 5. S. 27. 



- 43 — 

des Jesuitenkollegs , oder aber einem grossartigen Geschenke 
ihre Wiederbelebung verdankte, dafür besteht nicht der geringste 
Anhaltspunkt; die Annahme von NeuanschaiFung vollends ist durch 
die erhaltenen Rechnungen ausgeschlossen, sie verbot sich schon 
von selbst durch die finanzielle Lage der Universität. 

Dazu kommt, dass eine lange Reihe von Büchern, die sicher 
schon vor der schwedischen Invasion Eigentum der Bibliothek 
waren, heute noch in ihr verwahrt werden. Was über Bandzahl 
und Art der durch Asch hausen begründeten akademischen 
Bibliothek, also über die Werdenstein-, Wenger- und Welser- 
Bücher im vorigen Kapitel gesagt werden konnte, beruht durch- 
weg auf Feststellungen an dem heutigen Besitzstande der Biblio- 
thek. Allerdings können diese 1050 Bände nur den bei weitem 
kleineren Teil dieser Büchersammlungen darstellen, die Verluste 
der Bibliothek waren also recht beträchtliche, wenn auch von 
einer Wegführung der gesamten Bestände keine Rede sein kann. 

So gingen auch an der Universitäts-Bibliothek die Wirren 
des Krieges nicht spurlos vorüber, auch sie erlitt starke Einbusse 
an ihrem Besitze , ein immerhin beträchtlicher Teil der Bücher 
aber blieb ihr erhalten durch das Zusammenwirken günstiger Um- 
stände, deren nähere Kenntnis sich uns entzieht. 

Was endlich Zeit und Umstände des Raubes anlangt, so lässt 
sich darüber mit Bestimmtheit nichts sagen. Es steht fest, dass 
auch das Universitätshaus von der Unbill des Krieges nicht ver- 
schont blieb. Gropp weiss gar zu berichten^), dass die biederen 
Würzburger selbst mit den Schweden die Mühe der Plünderung 
des Kollegiumbaues redlich teilten. Er erzählt, dass die Alumnen 
beim Herannahen der Schweden mit Erlaubnis der Jesuitenpatres 
aus dem Hause abzogen und allen Hausrat darinnen zurückliessen, 
;,welches alles den Schweden und anderen gemeinen Leuthen, 
die dieselbe, ohne alle Scheu heraus, und in ihre Häuser, ver- 
meinende, weilen es je dahin gehe, besser für sie, dann frembde 
zu seyn, getragen, zu Theil worden." 

Die immer rege Phantasie des Volkes, die auch heute noch 
das altehrwürdige Gebäude mit allerhand Spukgestalten bevölkern 
möchte, hat die Sage ersonnen, dass in einem Zimmer der Biblio- 
thek von Zeit zu Zeit ein graues Männchen mit einem Pack 



J) Gropp a. a. 0. I. 452. 



- 44 — 



Manuskripte unterm Arm sich sehen lässt. Es ist der Geist eines 
Bibliotheksdieners, der einst die Schätze der Sammlung den 
Schweden auslieferte und in gerechter Strafe immer wieder an die 
Stätte seines Verrates zurückgetrieben wird^). 



Viertes Kapitel. 

Von der Wiederherstellung der Universität bis zum Tode 
Johann Gottfrieds von Guttenberg (1636—1698). 

Nach dem Abzüge der Schweden und Weimaraner und der 
Rückkehr der alten Verhältnisse gingen noch lange Monate dahin, 
ehe die Universität daran denken konnte, ihre Tätigkeit neuer- 
dings zu beginnen. Erst im Herbste 1636 fanden wieder Imma- 
trikulationen statt, nahmen die Vorlesungen und akademischen 
Akte wieder ihren Anfang. Aber noch währte der grosse Krieg 
fort und legte dem Frankenlande, das noch unter den Nachwehen 
der vorausgehenden Sturmjahre seufzte, neue Opfer auf. Die 
Finanzlage der Hochschule war eine äusserst unglückliche, so dass 
die erste, die Zeit vom 22. Oktober 1635 bis Petri Cathedra 1637 
umfassende Rechnung der Universität nach dem schwedisch- 
weimarischen Interregnum mit Recht die traurige Überschrift 
tragen konnte: 

^Rechnung Über die veröde universitet mit deren incorporirten 
fürstlichen Julianischen beystiflftungen von mir Johann Martin 
Kirsingern nach Schwedischer Verfolgung widerumb angericht so 
mir übergeben alles zerritt und ohne nachricht, dan alles der 
gantze Archiv im Sturme und blutigem Übergang dess Schloss 
unser lieben Frauenberg zu grundt gangen ^).^^ 

Die Vernichtung oder Verschleppung des Universitätsarchivs 
machte eine Übersicht über die rückständigen Gelder und eine 
genaue Kenntnis der fälligen Beträge unmöglich. Böswillige 
Schuldner konnten nicht überführt werden, willige waren ausser 

1) Heffner a. a. 0. S. 350. 

2) V.-A. Rechnung 5. 



- 45 — 

stände zu zahlen. Noch 1638 klagt Kirsinger, dass Land und 
Leute gänzlich verderbt werden durch den Unfrieden und gar 
nichts einzubringen ist^). Der Universität fehlten daher die Mittel 
zur Wiedereröffnung der eingegangenen Kollegien und zur genügen- 
den Besoldung der Professoren. 

Eine beschränkte Zahl von Alumnen wurde vorläufig im Julius- 
spital untergebracht, die Professoren mussten sich mit reduziertem 
Gehalte begnügen. So erhielt z.B. Professor Wolfgang Upilio 
1644 76 fl. 4 ff 20 /^ auf Absehlag von seiner Bestallung aus- 
bezahlt^). Der Rechnungssteller fügte gleichsam zur Entschuldigung 
einer solchen Freigebigkeit erklärend bei, Upilio habe allein 
medizinische Kollegien gelesen*), auch sonst in den verflossenen 
Jahren wenig bekommen. Die Universitätsgebäude selbst hatten 
in der stürmischen Zeit gelitten und mussten durchgängig gründ- 
licher Renovatur unterzogen werden. Namentlich die Keller hatten 
auf die plündernden Scharen starke Anziehungskraft ausgeübt, -sie 
waren sämtlich erbrochen und ihrer köstlichen Habe beraubt*). 

Der Bibliothek der Universität war, wie im vorausgehen- 
den Abschnitte bereits dargestellt wurde, ein grosser Teil ihres ur- 
sprüngHchen Bestandes zu Verlust gegangen, eine immerhin be- 
trächtliche Anzahl von Bänden aber konnte in die neue Zeit 
hinübergerettet werden. Auch die Büchersammlungen der Kollegien 
hatten wenigstens teilweise die Kriegswirren überdauert. 

Zuerst hören wir hier von der Bibliotheca pauperum (gym- 
nasii), die im Dezember 1639 für die bescheidene Summe von 5 fl. 
durch den Pater Präfekt wieder iA Stand gesetzt wird. Der 
Bibliotheca Alumnorum, die wohl die Reste der Büchereien des 
Kiliansseminars und des Marianischen Kollegiums in sich ver- 
einigte, geschieht im folgenden Jahre Erwähnung, wo sie bei der 
Übersiedlung des Alumnats vom Juliusspital ins Pfauenhaus ge- 
schafft wird^). Dass auch diese Sammlungen in den vorausge- 
gangenen Jahren namhafte Verluste zu beklagen hatten, ist an 
sich wahrscheinlich und findet Bestätigung in einem Ausgabeposten 



1) y.-A. Rechnung 1638, angebunden an Rechnung 5. 
5f) V.-A. Rechnung 10. 

3) Nach dem 1643 erfolgten Abgänge Mch. Wagners, vergl. Wegele I. 
350 351. 

4) V.-A. Rechnung 5. 

5) V.-A. Rechnung 1640 (Nr. 6) S. 13. 



— 46 — 

des Jahres 1641, der besagt, dass Herrn Konrad Gabler, Vikar 
des hohen Domstifts, 4 tf. 22 ^ rückvergütet wurden, die er für 
vierzehn, der Bibliothek des Kiliansseminars zugehörige Bücher 
im ^Schwedischen Disturbio" ausgelegt hatte ^). 

Stärker als diese Sammlungen hatte die Bücherei des 
Jesuitenkollegs gelitten. Fürstbischof Franz von Hatzfeld 
aber erkaufte Tausende von den Schweden weggeführter Bücher, die 
das wechselvolle Kriegsglück dem kaiserlichen Heere wieder in die 
Hände gespielt hatte und überwies sie den so schwer geschädigten 
Jesuiten als Geschenk. Die dankbaren Väter wussten den fürst- 
lichen Schenkgeber zu ehren, indem sie diesen Büchern gedruckte 
Zettel einkleben Hessen, die vom Hergange Kunde geben. Eine 
stattliche Anzahl dieser ursprünglich ungefähr 6000, nach einer 
zweiten Version gegen 4000 Bände starken Bestände, wird noch 
in der Universitätsbibliothek bewahrt^). 

Weitere Bücher wurden zurückgewonnen mit der Bibliothek 
Dr. Johann Gelchsheimers, der 1632 durch Gustav Adolf 
in die neugeschaffene Verwaltungsstelle der Regimentsräte ein- 
berufen wurde, das Amt eines Lehenpropstes übertragen bekam 
und unter Bernhard von Weimar im Dienste verblieb. Nach 
der Schlacht von NördUngen floh er unter Zurücklassung seiner 
Bücher nach Schweinfurt ^]. Woraus seine Sammlung erwachsen 
war und wie sie verteilt wurde, ist nicht bekannt. 

Einzelne Bücher wurden auch freiwillig den früheren Besitzern 
zurückgegeben, man war aber hierbei nicht allzu ängstlich und 
selbst Klöster haben deutlich als Universitätsbesitz bezeichnete 
Bücher behalten, bis sie durch die Säkularisation zur Hochschule 
zurückkamen. 



1) V.-A. Rechnung 1641 (Nr. 7) S. 48. 

^) Die eingeklebte Notiz bat den Wortlaut: Franciscus D. G. Bamberg. 

et Herbip. Episcopus, Franconiae Dux, hunc cum alijs - ?^®Jl^* 1?L Hbrorum 

millibuB, plerösq. ä Suecis bello raptos a Caesar, milite iterum ereptos, et aere 
S. C. redemtos, munificentissimä clementissim^que donabat coUegij Societatis 
Jesu Herbip. Bibliothecae. verus illius Restaurator. Deus aeternum benefaciat. 

3) Scharold, C. Gottfr., Geschichte der k. schwedischen und herzogl. 
Sachsen- weimarischen Zwischenregierung im eroberten Fürstentum Würzburg, 
S. 62. Froher, P., Theatrum virorum eruditione clarorum . . . Noribergae 
1688. S. 1152. 



— 47 - 

Der Universitätsbibliothek wandte man schon frühzeitig Auf- 
merksamkeit zu und liess zunächst die Bücherräume gründlich in 
Stand setzen. Die Rechnungen der Jahre 1637 — 39 verzeichnen 
zahlreiche Ausgabeposten an Schlosser, Schreiner, Glaser, Eisen- 
krämer für Arbeiten in der Bibliothek. Bücherankäufe grösseren 
Umfangs schloss freilich die geschilderte Notlage der Hochschule 
aus. Bezeichnenderweise ist auch die eigene Position für Biblio- 
theksausgaben, die unter Aschhausen regelmässig wiederkehrt, 
jetzt aus den Rechnungen verschwunden. Ein bestimmter und 
ständiger Bibliothekar war für die Sammlung in jener Zeit nicht 
aufgestellt. Die Professoren empfanden dies selbst als nachteilig, 
daher beschloss der akademische Senat am 13. September 1644^), 
dass die Dekane der einzelnen Fakultäten abwechselnd die Auf- 
sicht über die Bibliothek übernehmen und die theologische Fakultät 
den Anfang machen sollte. Am 27. September gleichen Jahres 
wurde dann nachträglich der Gehalt des Bibliothekars auf sechs 
Gulden jährlich bestimmt^). 

Ob der Beschluss auch zur Durchführung gelangte, kann mit 
Bestimmtheit nicht entschieden werden, da direkte Nachrichten 
fehlen. Das Schweigen der Rechnungen, die den ausgeworfenen 
Jahresgehalt niemals erwähnen, läsfet eher das Gegenteil vermuten. 
Allerdings könnte auch ein Ausgabeposten des Jahres 1646, wo 
Christian Reisenmacher für Schreiberlohn und Einbinden eines 
Katalogs (die aufgenommene Sammlung ist nicht näher bezeichnet) 
1 fl. 1 ff 26 ^ ausbezahlt bekommt ^), dahin gedeutet werden, dass 
die Institution wirklich ins Leben trat und die geordnete Verwal- 
tung sich zunächst in der Neuverzeichnung des Bücherschatzes 
betätigte. 

Mit dem Jahre 1670 versiegen leider die Acta Universitatis, 
so dass wir für die Bibliotheksgeschichte des ausgehenden 17. Jahr- 
hunderts fast ausschliesslich auf die Angaben der Rechnungen 
angewiesen sind. Die Nachrichten fliessen recht spärlich und 
lassen erkennen, dass der zusammengeschmolzene Grundstock der 
Bibliothek in jener Zeit keineswegs eine beträchtliche Mehrung 



1) U. B. Acta Universitatis fol. 55 v. Senatus consultum, bibliüthecam 
in custodia habebunt domini decani facultatum alternatim, initiumque faciet 
facultas theologica. 

2) a. a. 0. fol. 56 r : bibliothecario constituti sunt pro salaria 6 floreni. 

3) 1646. III. 7. V.-A. Rechnung. 1646—1649 (Nr. IIa u. b). S. 143. 



- 48 — 

erfuhr, dass überhaupt von einem lebhafteren Interesse an der 
Anstalt keine Rede sein kann. Schuld daran trug die Ungunst 
der Zeiten. Nur schwer heilten ja die Wunden, die der grosse 
Krieg dem Frankenlande geschlagen hatte, und neue Drangsale 
blieben ihm auch jetzt nicht erspart. Verbot sieh so die Auf- 
wendung bedeutender Mittel für die Sammlung von selbst, kann 
von einem energischen Ausbau und raschen Aufschwung der ganzen 
Hochschule für die damalige Zeit nicht gesprochen werden, so 
darf doch andererseits nicht verschwiegen bleiben, dass die Fürsten 
der Erhaltung und Kräftigung ihrer Universität fortgesetzt leb- 
hafte Aufmerksamkeit zuwandten, vor allem Johann Philipp von 
Schönbom (1642 — 1673), seit 1648 zugleich Kurfürst von Mainz, 
der das von seinem Vorgänger Franz von Hatzfeld begonnene 
Werk der Erneuerung mit kräftiger Hand weiterführte, dann 
Peter Philipp von Dernbach (1675 — 1683), in dessen Regierungs- 
zeit die erste, mit würdiger Pracht gefeierte Säkularfeier der Alma 
Julia fällt, endlich Johann Gottfried H. von Guttenberg (1684—1698). 
Im Jahre 1650, in der ersten Jahresrechnung des neuen 
Rezeptors G. Ant. Ziegler, taucht die Position ;, Ausgab geldt wegen 
der Neuen Bibliothek" wieder auf, unter der zu Aschhausens Zeit 
die Auslagen für die neue akademische Bücherei verrechnet worden 
waren. Sie bleibt die ganze Amtsdauer Zieglers hindurch, also 
bis 1670, aber nur siebenmal in diesen einundzwanzig Jahren sind 
unter dem Titel auch wirklich Ausgabeposten verzeichnet, nämlich 
1655, wo ein grösseres Werk für die Bibliothek des Klerikal- 
seminars gebucht wird, dann in den Jahren 1661 und 1663 — 67, 
in denen Bücher im Gesamtbetrage von 505 fl. 1 ff 4 /^^ fr., darunter 
die Büchersammlung des Dompfarrers Christoph Seiz, „zur Neuen 
Bibliothek in das Seminarium Chilianeum'^ angeschafft werden. 
1661 vermittelt P. Erbermann den Kauf, in den übrigen Jahren 
Stephan Weinberger, Regens des Seminars, und sein Subregens 
Stephan Hof er. Für die Begründung einer ganz neuen Bibliothek 
lag kein Anlass vor, auch die geringen aufgewendeten Kosten 
sprechen dagegen, somit kamen die Bücher entweder in die Biblio- 
thek des Klerikalseminars oder in jene der Universität. 

Das Seminar war nach der Schwedenzeit den Jesuiten nicht 
mehr zurückgegeben worden, 1654 wurden zu seiner Leitung die 
Bartholomiten, Mitglieder des von Bartholomäus Holzhauser be- 
gründeten Instituts der in Gemeinschaft lebenden Weltpriester, 



- 49 — 

berufen. Die Bibliotheca Alumnorum ist, wie oben bereits erwähnt 
wurde, schon 1640 wieder genannt; sie mochte aber recht zusam- 
mengeschmolzen sein und bedurfte um so mehr des Ausbauens, als 
die Bartholomiten keine weitere Büchersammlung zur Verfügung 
hatten, während vordem die Jesuitenpatres jederzeit auf die reichen 
Bücherschätze ihres angrenzenden Ordenshauses zurückgreifen 
konnten. Ein Bericht vom Jahre 1654 fordert daher die Ausgabe 
von jährlich 50 Talern für Bücher in das Seminar. Nur grosse 
Studier- und Predigtwerke sollten angeschafft werden, diese selbst 
jederzeit Eigentum der Universität bleiben^). Die Vorsteher des 
Seminars schlössen die erwähnten Bücherkäufe grösstenteils ab, 
somit kamen die neuen Bücher wohl in die Seminarbibliothek. 
Da ja das Eigentumsrecht der Universität ausdrücklich gewahrt 
werden sollte, können diese Auslagen in gewissem Sinne auch als 
Aufwendungen für die Hochschule betrachtet werden. Überhaupt 
bestanden in jener Zeit zwischen den unter einem Dache befind- 
lichen Bibliotheken des Seminars und der Universität ziemlich 
enge Wechselbeziehungen, und noch im Anfange des achtzehnten 
Jahrhunderts wurden Bücherankäufe für die Universität unter den 
Ausgaben für das Seminar gebucht, gemeinsam mit Schulbüchern, 
Prämien und den Brevieren für die Weihekandidaten, auch musste 
der damalige Universitätsbibliöthekar Sigler den Schlüssel zu der 
seiner Aufsicht unterstellten Sammlung jederzeit beim Regens des 
Seminars holen; dieser hatte sogar bei der Auswahl der Bücher 
ein gewichtiges Wort mitzureden. 

Vom Jahre 1670 ab bis zum Ende des Jahrhunderts ver- 
zeichnen die Universitätsrechnungen keinerlei Ausgaben für Bücher 
zur akademischen Bibliothek. Doch beweisen wenigstens einige 
Posten in den Rechnungen der siebziger Jahre, dass man das In- 
stitut nicht gänzlich vergessen hatte. Im Jahre 1671 wird der 
Notar der Universität, Kilian Weissensee, und der Pedell, Johann 
Benkardt, beauftragt, die Universitätsbibliothek zu ordnen *und 
aufzunehmen. Sie verfassen ein Inventar über die Sammlung, das 
in doppelter Ausfertigung hergestellt wird. Die Arbeit wird mit 
24. flfr. und 3 Eimern Weins entlohnt 2). Im Jahre 1675 erhält 
dann Weissensee für zwei (alphabetische?) Kataloge 4 fl. 4ffi 14 />^ 



1) Braun II. 134. 

2) V.-A. Univ.-RechnuDg. 1671. S. 122, 194. 



— 50 -^ 

ausbezahlt^), 1677 2 Taler an Geld und 2 Malter Korn, weil er 
vdie Bibliothek ^^-perlustrirte und in Ordofung setzte" ^j. 

Endlich bringen die Bechnungen noch die recht ibeachtens- 
werte Notiz ^), dass sechs Studiosi Rhetorices am 10. September 
1697 1 .fl. 4 ff 6 /^ dafür erhielten, dass sie bei Veränderung der 
Schulen die Bücher aus der juristischen Bibliothek in die Biblio- 
.thek des Seminars trugen. Die Bibliotheca juridica, von der wir 
»hier zum ersten imd einzigen Male hören, war wohl die Bibliothek 
der juristischen «Fakultät, vielleicht auch die des Juristenhauses*), 
und scheint im angegebenen Jahre mit der ünivearsitätsbibliothek 
vereinigt worden zu sein. 

Geschenke von Seiten der Lehrer der Hochschule gingen der 
Bibliothek in jener Zeit zu, wenigstens befinden sich in ihrem 
heutigen Besitzstande Werke, die einst den damaligen Professoren 
Wolf gang U.pilio, Michael Wagner, Johann Albert Falck 
gehörten. 

Alles in allem genommen bot die Bibliothek an der Jahr- 
hundertwende ein keineswegs erfreuliches Bild, doppelt unerfreu- 
lich nach dem guten, verheissungsvoUen Grunde, den Johann 
Gottfried von Aschhausen gelegt hatte. Der Bücherschatz war 
durch ausgiebige Plünderung zusammengeschmolzen und erfuhr 
auch nach dem grossen Kriege, der die Finanzkraft der Universität 
auf lange Zeit hinaus lahm legte, keine nennenswerte Mehrung. 
Kein sachkundiger und berufsfreudiger Vorsteher leitete die Ge- 
schicke der Anstalt und vermittelte ihre Benutzung. So kann 
auch ihre Wirksamkeit nur eine sehr beschränkte gewesen sein. 

Bezeichnend für die Verborgenheit, in der die kleine Samm- 
lung jener Zeit ihr stilles Dasein fristete, ist die Tatsache, dass 
der scharfsichtige Beobachter H. v. Blainville, der in den Mai- 
tagen des Jahres 1705 zu Würzburg verweilte, von der Existenz 
einer Universitätsbibliothek keine Kunde erhielt und sich über den 
vermeintlichen Mangel einer solchen bass verwunderte*). 

1) V.-A. Univ.-Rechnung. 1675. S. 117. Der Katalog konnte leider eben- 
sowenig wie das obenerwähnte Inventar aufgefunden werden. 

2) V.-A. Univ.-Rechnung. 1677. S. 184, 198. 

3) V.-A. Univ.-Rechnung. 1697 (Ausgab geldt ins gemein). 

4) Vergl. Braun I. 368/369. 

ö) Blainville, H. v., Reisebeschreibung durch Holland, Deutschlancl 
nnd die Schweiz, besonders durch Italien, übersetzt von J. Tob. Köhler. I. 
Lemgo 1764. 



B. Die Bibliothek des achtzehnten Jahrhunderts. 



Fünftes Kapitel. 

Die Neubegründung der Bibliothek durch Jobann Philipp IL 

von Qreiffenclau (1699—1719). 

Nach grosszügigen Anfängen war die Bibliothek nur allzubald 
von einer verhängnisvollen Katastrophe heimgesucht worden, an 
deren Folgen sie während der ganzen zweiten Hälfte des 17. Jahr- 
hunderts dahinsiechte. 

Johann Philipp IL von Greiffenclau, seit 1699 Fürstbischof 
von Würzburg, erwies sich während der zwei Dezennien seiner 
Regierung allzeit als aufrichtiger Freund der Universität über- 
haupt; in ihm war aber auch für ihre Büchersammlung ein ver- 
ständiger Kenner, ein hochherziger und opferwilliger Gönner er- 
standen. An die Seite trat ihm mit Rat und Tat sein Weih- 
bischof Johann Bernard Mayer % Bischof von Chrysopolis, der 
ernst Student zu Würzburg gewesen war, später dort selbst den 
Katheder bestiegen hatte, und daher mit den Einrichtungen und 
Bedürfnissen der Alma Julia genau vertraut war. Dazu hatte er 
sich in der Welt umgesehen, besass reiche Bildung und literarische 
Neigungen. 

. So ward er es, wie überliefert ist^), der die Aufmerksamkeit 
des Fürsten erstmals auf das vernachlässigte Institut lenkte und 



ijReininger, N. , Die Weihbischöfe von Würzburg. = A. h. V. 
18. 1865. S. 258 ff. 

2) Gropp, Colleotio ü. 761. 

4* 



- 52 - 

ihn nachhaltig dafür zu interessieren verstand. Mit diesem Be- 
richte stimmen die Angaben der Rechnungen, wohl über ein , die 
uns Mayer immer wieder, auch unter den Nachfolgern Greiflfen- 
claus, bis in die letzten Jahre seines gesegneten Lebens, für die 
Wohlfahrt der Bibliothek besorgt zeigen und als Vermittler wert- 
vollen Zuwachses. 

Drei Dinge taten vor allem not. Der vorhandene Bestand 
war durch entsprechend ausgewählten Zugang angemessen zu er- 
gänzen und die Sammlung auf einen achtunggebietenden Umfang 
zu bringen. Zur Verwertung des so Gewonnenen war sodann ein 
geschäftstüchtiger Bibliothekar unentbehrlich. Der erhoffte günstige 
Einfluss auf den Betrieb der Wissenschaften liess sich durch eine 
liberalere Benützungsordjiung anbahnen. Die Aufgaben wurden 
richtig erkannt und energisch durchgeführt. 

In der umfangreichen ;,Faustischen Bibliothek" und zahl- 
reichen Zuwendungen aus seiner privaten Büchersammlung über- 
wies Johann Philipp der Universität ein wahrhaft fürstliches Ge- 
schenk. Die ^Faustische Bibliothek" war einst Eigentum des 
Assessors am Reichskammergerichte zu Speyer, Johann Salentin 
Paust von Stromberg, der einem altadeligen rheinischen 
Geschlechte entstammte, welches mit Friedrich Dieterich Faust 
von Stromberg, Würzburgischen Geheimen Rat und Amtmann zu 
Arnstein, 1724 im Mannesstamme ausstarb. Die letzten Glieder 
der Familie finden wir eng mit Würzburg verknüpft: Der Vater 
ebengenannten Friedrich Dieterichs, Franz Ernst Faust von Strom- 
berg, war Würzburgischer Oberamtmann zu Hassfurt und Eltmann, 
und seine Brüder, Philipp Ludwig und Franz Georg, Domherren 
zu Würzburg. Auch ihr Oheim Franz Ludwig hatte schon dem 
Kapitel angehört und war bis zur Würde eines Dompropstes 
emporgestiegen. Durch sie wurde jedenfalls die Erwerbung der 
hinterlassenen Bibliothek ihres Vetters in die Wege geleitet. 

Johann Salentin Faust von Stromberg war geboren im 
Jahre 1593. Nach vollendeten Studien fungierte der junge Doktor 
juris sechs Jahre am mainzischen, hierauf zwei Jahre am bayeri- 
schen Hofe als Rat und wurde sodann zum Assessor an das Reichs- 
kammergericht nach Speyer berufen. In dieser Stellung verblieb er 
vier Jahrzehnte hindurch, trat zuletzt in den wohlverdienten Ruhe- 
stand und starb am 21. Januar 1666. Zehn Jahre nach seinem Tode 
erschien zu Nürnberg bei Johann Hoffmann der hinterlassene Traktat 



— , 53 - 

De critni Biblis, dessen EinleituDg, ein Epibiphium Domini Autboris, 
kurzen Aufgcfaluss über des Verfassers Lebeosschicksale gibt*). 
Legt dies Werk Zeugnis ab von grÜDdlicher Gelehrsamkeit und 
der praktischen Erfahrung eines arbeitsreicben Lebens, so gewährt 
die ausgesuchte und reichhaltige, nicht auf seine Fachwissenschaft ' 
beschränkte Buch er Sammlung einen noch tieferen Einblick in das . 
stille Streben des vielseitigen Mannes. ■ . . 

Die Bücher tragen a)if dem Vorderdeckel in goldenen, zn- 
neilen auch schwarzen Lettern die Initialen des Besitzers I, S, F. 




Fig. 2. 
Exlibris des F.-B. Johann Philipp II. ' 



1 Greiffenclan [yerkleinert). 



V. S. , darunter in gleicher Ausführung das Jahr des Erwerbs. 
Einigemal findet sich auch handschriftlicher Besitzvermerk auf 
dem Titelblatte. Johann Philipp von Greiffenclan Hess ausser- 
dem sein eigenes von Jobann Salver gestochenes Exlibris ein- 
kleben : Über einer Fantasielandschaft tragen vier in Wolken 
schwebende Genien das Wappen des Fürstbischofs gen Himmel, 
In der Hand des einen flattert ein Spruchband mit der Inschrift: 
bEx Lib. R""* et Geis"' D"' D['''] Joanis Philippi Ep. Prino. 
Herbipolensis," 

') Vergl. auch Witte, Henning, Diarium biographicum . . . Gedani 
1688 (1666. I. 21). — Humbraeht, Vom Rheinischen Adel, Talielle 21. 



— 54 — 

Ein Katalog der Saminlung ist, wenn er überhaupt jemals 
vorÄanden war, nicht erhalten geblieben. Doch lässt er sich aus 
den heütigeni Bestanden der Universitätsbibliothek noch rekon- 
struieren, freilich nur itoit annähernder Vollständigkeit ; denn sicher- 
lich sind hierhergehörige Werke durch Dubletfenverkauf oder 
sottstwie der Bibliothek im Laufe der Zeiten wieder entfremdet 
worden. 

1400 Bände der Sammlung sind noch heute dem Bücher- 
schatze der Bibliothek einverleibt. Zwei Drittel davon gehören der 
juristischen Literatur an. Am stärksten, mit 550 Bänden, ist 
das römische Recht vertreten. Die historischen Fächer sind eben- 
falls recht gut bestellt; die ausserdeutsche Geschichte, auch die 
Geographie erscheint besonders berücksichtigt. In der Theologie 
sind neben einer Reihe von Bibelausgaben katholisch-dogmatische 
und einige patristische Werke vorhanden. Auch griechische, 
römische, neulateinische, französische, italienische Schriftsteller, 
philologische , mathematisch-physikalische , kriegswissenschaftliche 
und medizinische Schriften fehlen nicht, wenn auch ihre Zahl 
nicht allzugross ist. Dazu kommen noch ein Dutzend Inkunabeln 
und zwei Papierhandschriften. Die eine stellt ein Konvolut ver- 
schiedener Druck- und Handschriften dar, die zumeist dem 16. 
Jahrhundert angehören und sich überwiegend auf die Stadt Worms 
beziehen^). Die zweite ist Caroli Heistein Hechingensis Methodus 
examinandi conscientiam ad confessionem generalem (saec. XVH)^). 

Neben dieser so umfangreichen und gehaltvollen Schenkung 
überwies Johann Philipp der Bibliothek noch eine stattliche Reihe 
trefflicher Werke aus seinem Privatbesitz. Gegen 400 Bände, aus- 
gezeichnet durch das geschilderte Exlibris oder durch ein Super- 
Exlibris, das in Goldpressung des Fürsten von Kranz und Spruch- 
band umrahmtes Wappen zeigt, lassen sich jetzt noch nachweisen^. 
Neben einigen Inkunabeln sind es überwiegend juristische und 



1) M. eh. f. 102. 

2) M. eh. o. 7. 

3) Auch von diesem Gesehenke bat die Bibliothek auf die angegebene 
Weise sehen manches wieder verloren, so fand sich z. B. ein von Greiffenclaa 
der Universität gescbenktes Diurnale et commune Sanctorum in der Yerlassen- 
Schaft des Regierangsrates Martinengo (Ser. XIX. 880). Ein anderes Ge- 
schenk des Fürsten, der Novus Atlas 1635, befindet sich jetet in der BibKotbek 
des bischöflichen Knabenseminars Gbtlianenm n. s. f. « 



— 55 — 

geographisch-historische, auch theologische Werke, denen sich noch' 
eine Anaahl Schriften von Athanasius Kircher anschliessen. Viele 
grosse, monumentale Werke befinden sich darunter, unter anderen 
die Bibliothecä, maxima veterum patrum, des Surius Vita Sanc- 
torum, die Acta Sanctorum bis zum sechsten Bande des Jimi, 
des Baronius Annales ecclesiastici, die Decisiones recentiores selec- 
tae Sacrae Rotae Romanae ree. Prosp. P'arinaccio, endlich Lon- 
dorps Acta publica und schriflftliche Handlungen der römischen K. 
Maj. und des H. r. Reichs* Auch drei bemerkenswerte Papier- 
handschriften sind hier zu nennen : Die Plena informatio de statu 
monasteril Hortani (Hördt), dann Marci Ludtwig Nova Polygraphia 
und ein Spiegel derer vergangenen und gegenwärtigen Kriegs- und 
Friedenshandlungen, sämtlich dem 17. Jahrhundert angehörend^). 

Weder von der Bibliothek Faust von Strombergs noch von 
diesem Geschenke lässt sich der Zeitpunkt der Überweisung an^ 
die Universität genau feststellen, d<ich fällt sie sicherlich erst in 
die zweite Hälfte von Greiflfenclaus Regierung. Am 28. August 
1717 gaben die Leipziger Neuen Zeitungen von Gelehrten Sachen^) 
der gebildeten Welt bereits Kunde von der Munifizenz des Fürsten, 
während ein Teil der von ihm geschenkten Bücher erst in den 
Jahren 1714/15 die Druckerpresse verliess. 

War die Bücherei Faust von Strombergs vornehmlich 
dem juristischen Fache der Bibliothek zugute gekommen, so 
brachte eine weitere auf Greif fenclaus Anordnung für die 
Universität erkaufte Sammlung reiche Schätze historischer Art, 
die Bibliotheca Fabriciana, oder, wie sie bisweilen präziser genannt 
wird, die Bibliotheca Fabriciorum, wohl die bedeutendste Erwer- 
bung jener Zeit, einst von Johann Wolfgang Fabricius und 
seinem Sohne Franz in langjährigem liebevollen Sammeln an- 
gelegt. 

Johann Wolfgang Fabricius'*) war geboren am 17. Juni 
1604 zu Windsheim in Franken als Sohn des dortigen Arztes, 
späteren brandenburgischen Leibarztes Hieronymus Fabricius. 
Frühzeitig bezog er die Hochschule, studierte zu Altdorf, Strass- 



1) M. eh. f. 71, 96, 0. 4. 

2) 1717. Nr. LXIX. S. 557/558. 

3) Würzburger wöchentliche Anzeigen von gelehrten und anderen gemein- 
nützigen Gegenständen. 11. 1798. S. 41 ff. u. S. 190 ff. 



- 56 — 

hurg und Marburg ^) und . trat dann in Würzburgisclie Dienste. 
Nach kurzer Verwendung als Amtskeller auf dem flachen Lande 
wurde er 1636 nach Würzburg in die fürstliche Kanzlei berufen 
und am 27. September gleichen Jahres zum Lehen-Sekretariat-Amt 
feierlich verpflichtet^). Als Lehenschreiber fungiertie er sodann 
fast dreissig Jahre hindurch^). 

Sein Sohn Franz Fabricius, der 1661 zu Würzburg unter 
Franz Friedrich And lers Präsidium sich den Doktorgrad der 
Eechte erworben hatte*), wurde 1665 sein Nachfolger. Er führte 
den Titel eines Lehen-Propstes, 1672 erfolgte seine Ernennung 
zum fürstbischöflichen Räte, 1J591 starb er. 

In seinem Nachlasse befand sich eine reichhaltige Bibliothek, 
die nach den erhaltenen Bucheinträgen von Vater und Sohn gleich- 
massig gepflegt war, und eine umfangreiche KoUektaneensammlung 
zur fränkisch-würzburgischen Geschichte, letztere grösstenteils von 
Johann Wolfgang mit rastlosem Fleisse zusammengetragen. 

Die Sammlung blieb zunächst im Besitze der Erben, erlitt 
dabei allerdings durch schlechte Verwaltung, sowie durch Be- 
schädigung ausgeliehener Werke nicht unbedeutenden Schaden. 
Später erhielt sie der nachmalige Universitäts-Bibliothekar G. C. 
Sigler zu Aufsicht und Gebrauch. Auch dem Genealogen Hum- 
bracht wurden in dieser Zeit auf fürstlichen Befehl einige 
Manuskripte zur Verfügung gestellt. Obwohl man also höchsten 
Orts über den Gehalt der Sammlung nicht im Unklaren war, 
drohte sie dennoch für Würzburg verloren zu gehen. Schon war 



1) Vergl. M. eh. q. 32. 

2) Kr. A. Lehenbuch 16 c. VI. Feud. Julü. Die Innenseite des Vorder- 
deckels enthält einen handschriftlichen Eintrag von Fabricius Hand über den 
Vorgang. 

3) Wann er starb, müssen wir dahingestellt sein lassen. J. P. A. Holz- 
heimers Würzburgisches Dienerbuch (Kr. A. Standbuch 289a S. 89) gibt folgende 
Daten: 1636 Johann Wolfgang Fabricius cess. 1663. — 1664 Johann Wilhelm 
Fabricius cess. eo. Ao. — 1665 Franz Fabricius primo intitulatus Lehen-Probst 
ist 1672 Rath worden, obijt 1691. — Noch am 20. X. 1664 verehrt ihm aber sein 
Schwager J. G. Walther die im gleichen Jahre erschienene Chronica der Statt 
Frankfurt. 

4) Schneidt, Jos. Mar., Sicilimenta . . . S. 77. Bei dieser Gelegenheit 
Hessen Freunde und Verwandte die üblichen Glück wunschgedichte drucken, 
darunter befindet sich eine Ode Gratulatoria Patris Joh. Wolfgangi Fabricij 
Feudo. Secretarij Herbipolensis Ad Filium. 



— 57 - 

der Fürst bereit, seine Zustimmung zum Verkaufe ausser Landes 
zu geben, als Sigler, unterstützt durch Weihbischof Mayer und 
Geheimrat Jakob, ihren Wert so beredt und überzeugend darzu- 
stellen wusste, dass Johann Philipp sich entschloss, sie für die 
Universität ankaufen zu lassen^). Am 21. Februar 1716 erging 
an den Universitäts-Rezeptor der Befehl ;, denen Fabricischen Erben 
für die von denenselben in das Seminarium erkauffte Bibliothec^ 
tausend Gulden fränk. zu zahlen*); am 27. März wurde die Kauf- 
summe an Barbara Benedicta ,Fabricius entrichtet*).. Die 
Bibliothek wurde ausgefolgt und fand in einem eigenen Gemache 
des Universitätsbaues Aufstellung. Der Kaufbrief hatte aber auch 
das Versprechen „guter Accomodation eines von der Verkäuferin 
ernennenden capablen Subjecti^ enthalten, ein Versprechen, dessen 
Erfüllung lange auf sich warten liess, und das mehrere Jahre hin- 
durch, den Verbleib der Bibliothek bei der Universität ernstlich 
gefährdete. 

Nach dem Tode Johann Philipps wandte sich die Fabri- 
cius an das regierende Domkapitel und forderte Rückgabe oder 
Erfüllung des Vertrags. In der Sitzung vom 18. August 1719 
meinte dann der Dechant, bei Vergebung der Kellerei Dettelbach 
könne man sich der Verpflichtung entledigen, das Kapitel aber 
beschloss: „Weilen nit bekant, ob und was Supplicantin vor ein 
Subjectum heyrathen würde, und ob selbes zu der Vacatur Dettel- 
bach anständig, als werde es sich für diessmahl nit schicken, 
jedoch were das Begehren dem künfiftigen Herrn Regenten als 
eine contractmässige Schuldigkeit zu recommendiren und der suppli- 
cirenden Tochter inzwischen dahin zu bedeüthen, sich um eine 
capable Person umzusehen ^^*). Vier Jahre später erneuerte die 
Barbara Benedicta Fabricius ihr Gesuch, der Kontrakt war 
also noch nicht erfüllt ; ob er später erfüllt wurde, ist unbekannt, 
doch legt die Tatsache, dass die Fabricische Bibliothek sich 
noch bei der Universität befindet, immerhin die Annahme nahe, 
dass es der Tochter gelang, ^die capable Person^ zu finden und 



1) Bericht Sigler 8. Ü.-B. Fase. 203. (Kopie.) 

2) Ü.-B. a. a. 0. 

3) V.-A. Haupt-Rechnung 1715. 

4) Protokoll des Domkapitels 1719. Fol. 153/154; abgedruckt u. a. bei 
Wegele a. a. 0. II. 315. f., vergl. Scharold, C. Gfr., Würzburger Biblio- 
theken. = A. h. V. VI. 3., S. 183 ff. 



— 58 — 

der regierende Fürst das Versprechen seines Vorgängers 
einlöste. 

Über den damaligen Umfang der Sammlung unterrichtet ein 
Bericht Siglers^). Sie bestand aus etwa 1000 Stück zum Teil 
sehr seltener Druckwerke historisch - genealogischer Art. Den 
kleineren, aber wertvolleren Teil bildeten die Manuskripte. Be- 
sonders hervorgehoben wird eine vier Folianten umfassende Kollek- 
tion fränkischer Ehe- und sonstiger Famiiienkontrakte im Ori- 
ginale. Insgesamt waren es 50 Bände mit Originalschriften, Ab- 
schriften, ürkimdenkopien, Gelegenheitsdrucken älterer Zeit u, a. 




EstlbrEs der Familie Fabricina ('/i nat. GrSsse). 



über die fränkische Staats-, Adels-, Kirchen- und Gelehrtenge- 
Bchichte. 

Was zunächst die Bibliothek betrifft, so lassen sich rund 
400 Bände, kenntlich durch handschriftlichen Eintrag*), bezw. 
durch das eingeklebte Kupfersticliwappen der Familie Fabricius 
heute noch sicher nachweisen. Sie gehören überwiegend den histo- 
risch-geographischen und juristischen Disziplinen an. Dazu kom- 
men einige Inkunabeln und an Handschriften Martini Hoffmauni 

1) ». ». 0. 

3| SuiD Joannis Woifgangi FHbi'icii (Oatro-) Franei bei«. Satn es libris 
Francisci t'abricü U. J. D. ConBÜ. et Feud. Pra«p. Herb. bezw. BJbliotheca 
Fabriuiana Herbipolenais oder ex Bibliotheca Fabriciomm. 



— 59 - 

Annales Bambergen&es, saec. XVI. und die Chronica der Stadt 
Xürnberg, saec. XVI. ^) 

Ein wenig glückliches Geschick waltete über der KoUektaneen- 
saftiinlung. Ein Teil kam an den ersten Lehrer der Geschichte 
der Würzburger Hochschule, P. Johann Seyfried, S. J., und in 
die von ihm begründete und von seinem Nachfolger P. Adrian 
Dan de, S. J., ausgebaute historische Bibliothek des Jesuiten- 
kollegs, die zum Handgebrauche des Geschichtsprofessors be- 
stimmt war. Dort wurden diese Bestände ergänzt und fortgeführt, 
im Jahre 1764 teilweise neu geordnet, umgebunden und mit 
Registern versehen. Ein Anonymus ^ei«s in den Würzbürger 
wöchentlichen Anzeigen von gelehrten und anderen gemeinnützigen 
Gegenständen 1798 Nr. 24 zu berichten, dass P. Grebner, der 
Nachfolger Daudes, dem damaligen Lehen-Registrator J. Oct. 
Salver die Werke zeigte, dass dieser glaubte, sie gehörten als 
ein kostbarer Schatz vielmehr in die fürstliche Lehen-Registratur 
als in die Hände eines Jesuiten, und ganz in der Stille gehörigen 
Ortes Anzeige erstattete, worauf eine hochfürstliche Kommission 
die bist. Bibliothek bei den Jesuiten plötzlich obsignierte, aber 
Verschiedenes, von Grebner rechtzeitig auf die Seite Geschafftes, 
abgängig fand. Inwieweit diese Darstellung zutreffend ist, müssen 
'wir atrf sich beruhen lassen, indessen die Tatsache, dass sich nach 
dem Ableben Bönickes unter seinen Büchern ;,bis an die 
20 Manuskriptenbände, teils in folio, teils in quarto, grösstenteils 
die Aufschlüsse über die vaterländische Geschichte enthaltend . . . 
zu der historischen, von den Jesuiten zurückgelassenen Bibliothek 
gehörend . . .^ vorfinden und von Bibliothekar Feder für die 
Universitäts-Bibliothek reklamiert werden, lässt es wahrscheinlich 
erscheinen, dass der grösste Teil bei der historischen Bibliothek 
blieb und ihre weiteren Schicksale teilte^). Nach der Aufhebung 
des Jesuitenordens wurde die Bibliothek den jeweiligen Geschichts- 
professoren zur Obhut und Benutzung überlassen und in das Uni- 
versitätsgebäude transferiert. Im Jahre 1794 sprach man • zwar 
prinzipiell ihre Einverleibung in die allgemeine Bibliothek aus, 
aber noch im Jahre 1800 befand, sie sich in einem eigenen, von 
der Universitätsbibliothek weitentfernten Zimmer, ganz in Unord- 

1) M. eh. f. 73, q. 19. 

2) Bericht Federa 1805. VIII. 21. — S. A. VII. 3, 5. ü. B. Fase. 280 
(Abschrift). 



— 60 — 

nung und ausser Gebrauch, zudem wurde gar manches Werk 
verraisst. 

I)er kleinere Teil der Sammlung war in der Universitäts- 
bibliothek zurückgeblieben, aber auch seiner sollte sie sich nicht 
in ruhigem Besitze erfreuen können. Er erregte die Aufmerksam- 
keit Joh.. Oktavian Salvers, der zu erwirken verstand, dass auf 
fürstlichen Befehl in zwei Lieferungen 1753 und 1768 verschiedene 
Bände an den Lehenhof hinausgegeben wurden. Nach Salvers 
Tod bemühte sich Bibliothekar Feder um die Rückgewinnung 
des Verlorenen, wie es scheint schliesslich mit günstigem Erfolge, 
wenigstens befinden sich die vier in der erhaltenen Quittung 
vom 29. Februar 1T68 aufgezählten Manuskripte wieder in der 
BibUothek^). 

Über Wanderung und Verbleib der einzelnen Bände erschöpfende 
Auskunft zu geben, wird wohl niemals wieder gelingen. Während 
die Universitätsbibliothek im Jahre 1798 ^) noch nicht ein halbes 
Dutzend mehr ihr Eigen nennen konnte, hat sich heute wieder 
eine stattliche Reihe derselben in ihr vereinigt. Es sind, soweit 
wir sehen können, die folgenden, die teils vollständig von Johann 
Wolfgang Fabricitis gesammelt vnirden, teils in ihren Grund- 
lagen auf ihn zurückgehen. 

L CoUectio chronicorum Franconiae. (M. eh. q. 96.) 

2. Familiarum nobilium secundum ordinem alphabeti prima 
pars. (M. eh. f. Y-} 

3. Familiarum nobilium pars tertia. (M. eh. f. y.) 

4. Reichsritterschaftliche Akten und Urkunden -Abschriften 
(teils Druck, teils Schrift). (M. eh. f. 76.) 

5. Sammlung von Ehebriefen und Familienverträgen verschie- 
dener adeliger Familien in Franken, saec. XV.— XVII. 

(M. eh. f. 89.) 

6. Repertorium über Lehen, Lehen-Revers und Lehenmachung 
des Hochstifts Würzburg. . (M. eh. f. 103.) 

7. Series nominum episcoporum, praepositorum , decanorum 
et capitularium ecclesiae cathedralis Wirceburgensis ab anno 1514 
ad annum 1629. (M. eh. q. 29.) 

8. CoUectio circa episcopatum Herbipolensem. 

(M. eh. f. 262.) 

.1) U.-B. Fase. 218. — Es sind die Handschriften M. eh. f. 74, 76, 89, q. 32. 
2) WQrzb. wöchentl. Anzeigen a. a. 0. 



— 61 — 

9. CoUectio privilegiorum et statutorum pontificiorum et impe- 
ratoriorum pro episcopatu Wircebargensi et ducatu Franconiae. 

(M. eh. q. 72.) 

10. Collectio documentorum et instrumentorum variorum terri- 
torium et jura episcopi Herbipol. concernentium. (M. eh. q. 88.) 

11. Collectio circa ecclesiam cathedralem Wirceburgensem. 

(M. eh. q. 73.) 

12. Collectio circa parochias et varia loca sacra. 

(M. eh. q. 74.) ; 

13. Manuscriptorum collectorum de academia seu universitate 
Herbipolensi nee non seminario clericorum volumen. 

(M. eh. f. 259.) 

14. Collectio circa ecclesias collegiatas et equestres. 

(M. eh. f. 266.) 
15 — 18. Collectio circa monasteria ordinis Cisterciensis »(M. 
eh. f. 258), S. Benedicti (M. eh. f. 260 u. q. 85), circa ordinem 
Carthusianuin et ordines mendicantes. (M. eh. f. 264.) 

19. Collectio de Bamberga in statu circuli Franconici. 

(M. eh. q. 92.) 

20. Privilegia et documenta Bambergensia. (M. eh. q. 94.) 

21. Collectio circa ecclesias, parochias et monasteria dioeeesis 
Bambergensis. (M. eh. q. 93). 

22. Collectio circa territorium Brandenburgense. 

(M. eh. f. 261.) 

23. Collectio circa oppida Kissingen et Kitzingen. 

(M. eh. f. 263.) 

24. Kopialbuch des Huttenschen Spitals zu Amstein, saec. XVI. 

(M. eh. f. 74.) 1) 

25. Landgerichtsordnung des Burggraftums Nürnberg etc. . . . 
(teils Druckwerke, teils Handschriften). (M. eh. f. 69.) 

26. Fabriciana (M. eh. q. 32), ein Konvolut von Druckschriften 
und Manuskripten des XVI. u. XVII. Jahrhunderts, die sich auf 
die Familie des J. Wfg. Fabricius beziehen, oder von ihm eigen- 
händig geschrieben worden sind. Sie wurden wahrscheinlich erst 
von Bibliothekar Dr. Feder in einem besonderen Bande vereinigt. 

Den würdigen Schluss der Gr ei flfenclau sehen Anschaflfungen 
bildet die im Jahre 1717 auf fürstliches Dekret hin vom Kecepto- 



) Gehörte nach der Sal verschen Quittung zur Fabricius-Bibliothek. 



— 62 — 

rat für 160 fl. fr. erkaufte Bibliothek des Hornschen Spitals in 
Dettelbach^). Nur klein an Zahl der Bände war sie bedeutungs- 
voll durch ihren inneren Wert. Das Dettelbacher Spital hatte 
einst Dr. Johann Hörn, Domherr zu Augsburg, Propst zu Feucht- 
wangen und päpstlicher Protonotar, gegründet und seinen Ver- 
waiudten empfohlen. Ihrem fördernden Schutze und ihren Zustif- 
tungen verdankte das Spital viel, nicht in letzter Linie seine 
Bibliothek. Schon Dr. Kilian Hörn, einst Professor zu Wien, 
als Dechant zu St. Stephan in Bamberg gestorben am 26. Juni 
1510, hatte ihr testamentarisch eine Zahl wertvoller Bücher über- 
wiesen^). Umfangreicher war die Büchersammlung, die ihr .durch 
Gearg Hutter, einen nahen Verw^andten des Gründers und ^Mit- 
aufrichter^ des Spitals, zufiel. Georgius Pilegius Taurivadensis, 
wie er sich bisweilen nach der Sitte der Zeit mit latinisiertem 
Namen schrieb, stammte aus Ochsenfurt am Main. Sein Gross- 
vater mütterlichersQits war Nikolaus Hörn, Leibarzt des Mark- 
grafen Albrecht Achilles von Brandenburg, der Vater des Spital- 
stiftera. Hutter studierte zu Leipzig^) und wurde dann Kanonikus 
des bekannten Stifts St. Gumbrecht zu Ansbach. Er starb im 
Jahre 1531*). Aus Geschenken seiner Verwandten, Erbschaften 



1) V.-A. üniv.-RechnuDg 1717. Die Nachrichten über das Hornsche Spital 
za Dettelbach sind den beiden Kopialbiichern des Spitals entnommen, deren 
Einsicht in der liebenswürdigsten Weise gestattet wurde. Sie sind zum Teil 
schon verwertet in: Denzinger, J., Historisch-topographische Beschreibung 
der Stadt Dettelbach. = A. h. V. XIV. 2, S. 1 ff. bes. 73 ff. 84, 85. 

2) Über die Persönlichkeit Kilian Hörn s und sein Legat unterrichtet des 
Näheren ein eigenhändiger Eintrag G. Hutters in der Inkunabel : J. t. j. c. f. 1 
(Digestum vetus Venetiis 1482 cura J. Herbort de Seligenstadt Alemanni.) 

8) Die Matrikeln der Universität Leipzig. Hsg. v. Erler. L 490. B. 21. 
IL 330, 345. — 1522 holte er sich nach Med er er zu Ingolstadt den theologi- 
schen Doktorhut (Medererj J. Np., Annales Ingolstadienses 1. Ingoist. 1782. 
S. 114). Die Ankündigung seiner Disputation, die unter Ecks Präsidium 
stattfand, wird in der Bibliothek noch bewahrt, doch trägt sie das Datum 
1528. n. 17. 

•») Schon 1516 ist er Kanonikus. Hossmann, Veit Erasmus, Kurlze 
Beschreibung S. Gumprechts Stifft Onoltzbach 1612, weiss von ihm keinen 
Sterbetag zu nennen, führt aber nach ihm einen Johann Hutter von Ochsen- 
furt, der hl. Schrift Doktor, Chorher und Senior t 24. IV. 1531 auf, was wohl 
auf einen Irrtum beruht, da ein an der Aussenmauer des Dettelbacher Spitals 
angebrachter Denkstein unter den beiden (redenden) Wappen des , letzten 
Stifters*, Matthias Hörn und Hutters die Inschrift trägt: ,A. Dni 1531 Am 
Tag Mariae Magdalenae verschied der ehrwirdig und hochgelert her Georg 



— 63 — 

und darch gelegeatKcbe Ankäufe^) hatte er eich eine nicht uube- 
trächtliche Bibliothek erworben, die aus seinem Nachlasse an die 
Familienstiftung fiel. 

Ausser diesen grösseren Zuwendungen konnte sich das Horn- 
sche Spital auch mancher Geschenke erfreuen, von denen hier 
nur 4as zweite Würzburger Missale, ein Pergamentdruck genannt 
sein mag, das der Würzburger Domherr Karl von der Thann 
1491 stiftete 2). 

Insgesamt brachte die Dettelbacher Bibliothek der Universität 
rund 100 Bände Inkunabeln und Drucke der ersten Jahrzehnte 
des 16. Jahrhunderts, dann 8 Pergament- und 13 Papierhand- 
schriften. 

Membranen sind: Sermones de tempore et de Sanctis, saec. 
XII. (Mp. th. f. 76) ; Biblia latina, Salomonis Proverbia, Ecclesiastes, 
Cantica Canticorum, saec. XIII. (Mp. th. q. 7.); Joannis filii Sera- 
pionis medicina practica a Geraldo ex arab. in lat. translata, 
saec. Xin. : Joaßes Mesue grabadin i. e. compendium secretorum 
medicamentorum Ibb. 11.; saec. XIII. (Mp. med. f. 1.); Missale 
Herbipolense, saec. XIV. (Mp. th. f. 102.); Jacobi de Voragine 
Historia Lombardica, saec. XV. ine. (Mp. th. f. 35.); Brevia^ium 
Wirceburgense , saec. XV. (Mp. th. q. 61 und o. 11.); Breviarium 
Ordinis Cisterciensis, saec. XV. (Mp. th. o. 2.). Die Papierhand- 
schriften ^) gehören durchweg dem 15. Jahrhunderte an, enthalten 
Teile der Bibel, dann theologische und philosophische Werke, 
Schriften von Cicero, Juvenalis, Terentius u. s. f. Hervorgehoben 
sei der Liber de natura rerum vom Jahre 1456 mit kolorierten 
kleinen Federzeichnungen von Menschen, Tieren, Pflanzen usw. 

Die Dettelbacher Bücher schliessen die Reihe der grossen 
Neuerwerbungen der Bibliothek unter Johann Philipp von Greiffen- 



Huter Doctor Senior im Stift Oaolczpach Mitaufrichter des Spitals.** Als 1583 
Matthias Hörn eine neue Zustiftung bestätigt erhielt, war nach dem WoHlaute 
der Urkunde Hutter schon gestorben. 

1) So steuerten zu seiner Buchersammlung bei seine Verwandten, Nikolaus, 
Matthias, Konrad und Kilian Hörn und der Würzburger Domvikar Michael 
Rummel. Daneben erwarb er sich käuflich zahlreiche Bände, besonders aus 
dem Nachlasse seines 1516 verstorbenen Mitkanonikus J. Eifelstadt, die er 
durchschnittlich für 1 fl. per Band erkaufte. 

2) Vergl. Ser. I. 1840. S. 100 (V.). 

3) M. eh. f. 47, 49, 60, 65, 68, 77, 87, 88, 124, 150, 190, 227, o. 8 (?). 



— 64 — 

claus Regierung^). Der Umfang der Sammlung hatte sich verdoppelt, 
sie hatte einen universelleren Charakter gewonnen, ihr innerer 
Gehalt war durch literarische Schätze mancherlei Art bedeutend 
erhöht. 

Der verständige Fürst trug aber auch rechtzeitig Sorge für 
entsprechende Verarbeitung und Verwertung des Gewonnenen, 
indem er der Anstalt einen eigenen Bibliothekar als Vorstehet 
setzte. 

Seine Wahl fiel auf G. Konrad Sigler und war eine durch- 
aus glückliche. Sigler hatte zuerst als Geheimsekretär und Ar- 
chivar dem Abte von Fulda gedient und war dann nach Würzburg 
gekommen, wo er Sekretär des geistlichen Hates wurde. Im Jahre 
1712 führt ihn die Universitätsrechnung erstmals als Bibliothekar 
mit einem Jahresgehalte von 100 fl. auf. Sigler besass biblio- 
thekarischen Blick — der Erwerb der Fabricius-Bibliothek ist 
wesentlich seinem energischen Eintreten zu danken — und an- 
erkannte Geschäftsgewandtheit, so dass ihn der damalige Dom- 
dechant v. Hütten 1717 auch mit der Katalogisierung der wieder 
aufgefundenen Domhandschriften beauftragte^). Über sein amt- 
liches Wirken sind wir wenig unterrichtet. Sein Geschäjftskreis 
waf freilich beschränkt, wie sein Gehalt. Von regelmässigen 
und systematischen Ankäufen war keine Rede, der Zuwachs er- 
folgte lediglich auf dem Wege des Geschenkes und Gelegenheits- 
kaufs. Die oben berichteten grossen Ankäufe werden ganz be- 
zeichnend in der Universitätsrechnung unter dem Titel ;,Ausgab 
gel dt für Brevier- undt andere bücher zur Bibliotheca^ gebucht 

1) Die Universitätsbibliothek besitzt etwa 80 Bände der Bibliothek 
Erhards von Maggenthal zu Hechsenacker, die nachReass (a.a.O. 
S. 177), der irrtümlich auch die Werdenstein-Bücher erst in dieser Zeit zugehen 
lässt, unter Greiffenclau erworben sein sollen. Sie entstammen aber wahr- 
scheinlich der Bibliothek eines der säkularisierten fränkischen Klöster (Earthause 
Würzburg?) 

2) Nach einem Briefe des Fr. Victorius im Codex ital. 188 Nr. 550 der 
Hof- und Staatsbibliothek München, dd. 1718. Febr. 15. Vergl. Leipziger Neue 
Zeitungen von Gelehrten Sachen auf das Jahr 1717. a. a. 0. — Eine schriftstelleri- 
sche Leistung von ihm ist bekannt, die 1711 anonym zu Schweinfurt erschienene 
Schrift G. C. S. Epistola ad uirum plurimum reuerendum eruditissimumque 
D. J. L. H. S. S. Th. D. de Congressu Acadeniico-theologico Fuldae instituto. 4^ 
Adressat ist Dr. J. L. Hei big, Pfarrer zu Eitzingen, dem Sigler Nachricht 
gibt von der zu Fulda gegründeten Academia Historico-Theologico-Ecclesiastica. 
(Unschuldige Nachrichten. Leipzig 1712. S. 165.) 



- 65 — 

neben den Brevieren für die Weihekandidaten und den An- 
schafiFangen für die Seminarbibliothek und unter den Ausgaben 
für das Seminar. Überhaupt gehen von den einzelnen Posten 
dieses Titels während der ganzen zwanzig Jahre der Regierung 
Greiffenclaus ausser den beiden angeführten nur noch zwei weitere 
die Universitätsbibliothek an; 1713 wird 'ein Pergamentdruck des 
Theuerdank (Nürnberg 1617)*) und ein ^^altes Manuscriptum*' mit 
19 fl. 1 fr 3 4 verrechnet, und 1716 ;, verschiedene Bücher*' für 
72 fl. lU 14 /v^, aber beide Male besorgt nicht Sigler den An- 
kauf, sondern Weihbischof Mayer, der die gemachten Auslagen 
rückvergütet erhält. 

Die Bibliothek befand sich noch im Nordflügel des üniversi- 
tätsbaues. Zu ihrer besseren Ausstattung schenkte der Fürst 1706 
einen silbernen Globus mit grossem Pulte ^). 

Von Katalogen wird nur ein Inventarium erwähnt. Die neuen 
Bücher erhielten ihren Einband bei Meister Fesenmayer. 

Was endlich die Benutzung betrifft, so bestand die gewiss 
rühmliche Absicht, die so bedeutend vergrösserte Sammlung auch 
weiteren Kreisen zugänglich zu machen und sie dem allgemeinen 
Gebrauche zu eröffnen. Es scheint aber, vermutlich aus lokalen 
Gründen, beim Vorhaben geblieben zu sein, wenigstens spricht der 
erwähnte, offenbar aus erster Hand informierte Artikel der Leip- 
ziger Neuen Zeitungen vom 28. August 1717 von der Verwirk- 
lichung dieses Gedankens als einer Tat der Zukunft. 



Sechstes Kapitel. 

Die Organisation der Bibliothek (1719-1746). 

Johann Philipp von Greiffenclau hatte die Grundlagen zu 
einer gedeihlichen Weiterentwicklung geschaffen. Seine drei näch- 
sten Nachfolger^) erwiesen der Anstalt fortdauernd ihre fürstliche 

1) Befindet sich in der Bibliotheksansstellung. — L. g. f. 5 b. 

8) y.-A. Univers.-Recbnung 1706. Ausgab geldt auff Buchdrucker undt 
Bindterlohn. 

3) Johann Philipp Franz von Schönbom 1719—1724. Christoph Franz 
von Hütten 1724—1729. Friedrich Carl von Schönbom 1729—1746. 

5 



— 66 - 

Huld, von' den Bibliothekaren war wenigstens einer ein Mann 
werktätiger Initiative, und noch wachte der alte Freund der 
Bibliothek, Weihbischof Bernard Mayer, von einem neuen Gönner 
tatkräftig .unterstützt, dem Hofkanzler Fr. Ludwig vonFichtel. 
So bieten die dreissig Jahre 1720—1750 ein Bild stetigen Fort- 
schritts, organischen Wachsens. 

Durch die zahlreichen Neuerwerbungen waren die Bücher- 
vorräte so bedeutend vergrössert worden, dass sich die alten 
Räumlichkeiten als durchaus unzulänglich erwiesen. Da die vor- 
handenen grösseren Räume bereits anderweitig belegt waren, schritt 
man zu einem Neubaue und wählte als Örtlichkeit die alten Spiel- 
säle der Universität, mit deren Umbau Balthasar Neumann, der 
später berühmt gewordene Erbauer des Würzburger Fürstenschlosses, 
beauftragt wurde. Die Spielsäle, im Erdgeschosse des westlichen 
Flügels des Universitätsbaues gelegen, stellten eine langgedehnte, 
gegen den Hof arkadenförmig von zehn offenen Bögen begrenzte 
Halle dar. Am Südende führte eine Treppe zu den oberen Stock- 
werken, am Nordende eine zweite Treppe zu den Kellern. Sieben 
Bögen bezog Neumann in den Neubau ein und stellte unter Bei- 
behaltung der ursprünglichen Konstruktion eine spätgotisch ge- 
wölbte Doppelhalle her von 24,5 m Länge und 11 m Breite^). 
Aus je sieben hohen Fenstern strömt von der Strasse wie vom 
Hofe eine Fülle Lichtes in den Saal. Dunkel gehaltene, nach 
Neumanns Entwürfen kunstvoll geschnitzte Rokokoschränke mit 
zierlichen Aufsätzen decken die drei mächtigen Pfeiler und die 
Wände und verleihen dem weiten Räume stimmungsvollen Zauber. 
Sie wurden im Jahre 1722 von dem Altgesellen Johann Heinrich 
Wabelhost aus Reborg in Westfalen und seinen Mitgesellen 
hergestellt. ^Ess waren der gesellen neun, sie lasse sich, undt 
die Bibliodeck gott anbefohlen sein, dass er sie beschirme mit 
seiner handt, und sie behüte für feuer undt Brandt, Gott wolle 
dem fürsten, undt den Gesellen geben, dass Ewige himmlische 
freuden leben^^^). 

1) Vergl. Henner, Th., Altfränkische Büder. Jahrg. III. 1897. 

'^) Bei baulichen Reparaturen, welche 1889/1890 im alten Saale vorge- 
nommen wurden, musston 4ie Bücherregale entfernt werden. Auf der Rück- 
seite eines derselben fand sich ein Blatt Papier mit einer zeitgenössischen 
Aufzeichnung, welcher die obigen Mitteilungen entnommen sind. Das Schiift- 
stück selbst wurde, nachdem es kopiert worden, wieder an seiner Stelle ange- 
bracht, ü. B. Fase. 13. — Vergl. das Titelbild. 



- 97 - 

Globen in verschiedener Ausfühnmg und eine Armillarsphäre 
standen zum Gebrauche bereit und von den Wänden sahen Por- 
träts von zum Teil hoher künstlerischer Vollendung auf das viel- 
gescMftige Leben, das in der aufblühenden Anstalt pulsierte; Die 
Bildnisse Papst Gregor XIII. und der Bischöfe Julius Echter von 
Mespelbrunn, Johann Philipp Franz Graf von Schönborn, Christoph 
Franz von Hütten zierten schon in den ersten Jahren^) die ^neue 
Bibliothek^, ihnen reihten sich dann die der nachfolgenden Fürsten 
an, abschliessend mit dem letzten der Würzburger Fürstbischöfe, 
Georg Karl von Fechenbach. Bis auf das Bild Papst Gregor XIH. 
haben diese Ölgemälde heute die stilige wordenen Räume des ;, Alten 
Saales" verlassen und sechs von ihnen sind* in den Prachtbau des 
neuen Kollegiengebäudes hinübergewandert, wo sie einen sinnigen 
Schmuck der grossen Aula bilden. 

Nordwärts und südwärts schloss sich an den Bücher- und 
Arbeitssaal je ein kleines Nebenzimmer an, der Haupteingang war 
von Süden. Die gesamten Bau- und Einrichtungskosten beliefen 
sich auf rund 10000 fl. fränkischer Währung^). G^en Ende des 
Jahres 1724 wurden die neuen Bibliotheksräume eröffnet. 

Ein neues, prächtiges Heim war geschaffen, zum Segen der 
Bibliothek war aber auch eine neue Zeit angebrochen, die in der 
Fürsorge für das Institut neue Bahnen zu wandeln wusste. Vor 
allem trat die Personalfrage mit in den Vordergrund und wurde 
für tüchtige Leiter und hinreichende Hilfskräfte gesorgt. 



1) V.-A. Univ.-Rechnung 1724: ,160 fl. fr., ahn 200 fl. rhn., seind für 
St. Hochfürst], gnaden portrait In die Bibliothec, so Herr Copetzki verfertiget 
der Hochfürstl. Cammer . . . vergnügt worden. '^ 1725. „12 fl. seind von dem 
Contrafei Bischofen Juüj zu verfertigen dem Mahler Mickha zahlt. 48 fl. 

4 Rahmen zu den Portraits. 21 fl. 4 fi' 26 ^ Schreinerarbeit hinzu." 1726. 
,12 fl. dem Mahler Micka von dem Papst Gregorio XIII. zu copiren, so in die 
Bibliothek kommen.*' 

2) Die Universitäts-Rechnung 1723 trägt wohl auf S. 234 den Titel 
vor , Ausgab Geldt zur Herstellung der Newen bibliothec in Seminario So ahn 
verschiedene Handtv^erkhsleuth zahlt worden" , führt aber nichts auf, dagegen 
steht bei Titel „Ausgab Geldt ins Gemein" auf S. 323 der Posten: „7751 fl. 

5 ^ 12 /^ seind mit gndsten Vorwisen Sr. Hochfürstl. Gnaden zur Erbauung 
Einer Newen bibliothec für Zimmerleuth Mawrer Steinhawer Schlosser schmidt 
Glasern thüngem trexlern schreiner gitterstrikhern Und andern dergleichen 
Einsweilen bezahlt worden . . .** Die Rechnungen der folgenden Jahre bringen 
noch eine Reihe von Nachträgen im Betrage von ca. 300 fl. — Vergl. auch 
den beigegebenen Grundriss. ' 

5* 



-- 68 — 

Georg Eonrad S i g 1 e r hatte den Neubau noch erlebt und die 
Übersiedlung durch Ausfüllung einiger Lücken in den Bücher- 



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beständen sowie durch Vergeben von Reparaturen schadhaft ge- 
wordener Einbände vorbereitet. Aber bevor noch der Umzug 



— 69 — 

stattfinden konnte, entriss ihn der Tod im Spätjahr 1723 seiner 
Familie und seinem Wirken^). Wenn auch sein Geschäftskreis, 
wie bemerkt, ein beschränkter war, und Ton grösseren Katalog- 
arbeiten nichts berichtet werden kann, so bleiben doch dem ersten 
berufsmässigen Bibliothekar unserer Hochschule unvergessen seine 
Verdienste um den Erwerb wertvoller Büchersammlungen und seine 
treue Obhut über die ihm anvertrauten Schätze; Anregung und 
Anleitung zum Neubau werden ihm wohl auch zuzuschreiben sein. 
Als Anläufe zu einer planmässigen Vermehrung der Bücherbestände 
sind aus seinen letzten Jahren grössere Ankäufe zu berichten, 
auch sollte ein Antrag des Rezeptors Wenzel^) ihm einen eigenen 
Schlüssel zur Bibliothek verschaffen und dadurch grössere Be- 
wegungsfreiheit gewähren. Aus dem Berichte Wenzels ersehen 
wir auch die eigentümliche Stellung, die der Regens des Seminars 
zu der Bibliothek gewonnen hatte. Er hat die ganze Zeit über 
den Schlüssel zur Bibliothek in Verwahrung gehabt. In seiner 
Anwesenheit soll Sigler nach dem vorhandenen Inventarium vor 

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Übergabe des Schlüssels eingewiesen werden. Ihm oder dem 
Rezeptor soll bei künftigen Einkäufen eine ordentliche Spezifikation 
überreicht werden. Erwähnung mag noch finden, dass P. Joh. 
Seyfried im Jahre 1720 an der Einrichtung der Bibliothek mit- 
arbeitete ^). 

Der Tod Siglers, der mit den Beständen der Bibliothek 
genau vertraut gewesen, gerade in der kritischen Zeit vor Einord- 
nung der Bücher in die neuen Räume war für die Universität ein 
schwerer Schlag. Ein glücklicher Stern fügte es, dass zu seinem 
Nachfolger eine ausgezeichnete Kraft berufen wurde, Johann 
Georg von Eckhart. Eckhart, bisher hannoverscher Rat, 
Historiograph und Bibliothekar, hatte im Dezember 1723 aus 
Gründen, die hier unerörtert bleiben mögen, seine Schiffe hinter 
sich verbrannt, war aus Hannover unter Zurücklassung seiner 



1) V.-A. — Üniv.-Rchng. 1723. S. 268. ,50 fl. seindt dem bibliothecario 
Siegler pro qaart. trinitatis und craeis 1723 zahlt ..." S. 291 „1 Sf 15 ^ 
seind für 2 Taglohn die Bücher in des geistl. Raths Secretarij Sieglers seel. 
bebaosnng auff den Waagen und in dem Seminario hinan ff in die biblio- 
thec zu tragen zahlt worden. (Die Bibliothek befand sich demnach noch 
in einem Obergeschoss des Auditoriflügels.) 

2) 1721. XI. 16. (Ü.-B. Fase. 3). 

3) Mat. VII. Fol. 53. 



— 70 — 

Taihilie entfloHen und am 2. Februar 1724 im JesuitenkoUegium 
zu TCöln zum Katholizismus übergetreten. Fürstbischof Johann 
Philipp Franz von Sehönborn' suchte den verdienstvollen und ge- 
lehrten Mann, wie es heisst auf Anraten des P. Seyfried, für 
seine Hauptstadt zu gewinnen und Eck hart folgte seinem Rufe 
im März 1724 als Würzburgischer Hofrat, Hof- und üniversitäts- 
bibliothekar und Historiograph ^). Fürstbischof Christoph Franz 
von Hütten ernannte ihn dann unterm 4. Oktober 1724 
zum geheimen Rat und zog ihn zu Regierungsgeschäften bei. 
Zu den Professoren, die mit kleinlichem Neid auf die über- 
ragende Grösse des Mannes geblickt zu haben scheinen, vermochte 
er sich nicht zu stellen, auch sonstwie hat man ihm seine aus- 
gezeichnete Stellung und seine Herkunft als eines ;,auswendig 
Gebohmen^ ^) vielfach verdacht ; so suchte und fand er Ersatz in 
der dauernden Gnade seiner Fürsten und in seinen wissenschaft- 
lichen Arbeiten , die er auch in Würzburg eifrig fortsetzte. Es 
ist hier nicht der Platz, über die Lebensschicksale Eckharts 
ausführlich zu berichten und seine Verdienste um die germanische 
Philologie, die deutsche Geschichte und Altertumskunde, seine 
schöngeistigen • Neigungen und naturwissenschaftlichen Studien zu 
würdigen^). In Würzburg schrieb er ausser mehreren kleineren 
Abhandlungen die ;,Animadversiones historicae et criticae in J. F. 
Schannati dioecesim et hierarchiam Fuldensem, Wirceburgi 1727^, 
vor allem aber die ausgezeichneten, gross angelegten, leider Torso 
gebliebenen ^Commentarii de rebus Franciae orientalis et Episco- 
patus Wirceburgensis^S von denen 1729 die beiden ersten Bände 
auf Kosten der Universität erschienen*). Nur wenige Jahre konnte 



1) A}s Jahresgehalfc erhielt er vom Universitäts-Rezeptoratamt die be- 
trächtliche Summe von 680 fl. fr., dazu an Naturalien 2 Fuder Wein, 12 Malter 
Korn, 2 Malter Weizen, 2 Malter Küchenspeise (Erbsen und Linsen), 4 Metzen 
Gerste ; ferner eine einmalige Entschädigung von 240 fl. fr. an Umzugsgebühren, 
um die Übersiedlung seiner Familie zu ermöglichen. V.-A. Rec. Prot. Buch 
A. 78. 

2) Wegele IL 322 (aus dem Protokoll des Domkapitels pro 1727). 

3) Vergl. Allg. Deutsche Biogiaphie s. h. v. (Wegele) und die dort ange- 
gebene Litteratur, auch Gropp, Coli. IV. Vorrede p. V — VIII. 

4) Sie wurden in einer Aufläge von 1000 Stück gedmckt, für Subskribenten 
9 fl., später 10 fl. Mat. VII. Fol. 57. — V.-A. Rchng. 1729 : ,5907 fl. (fr.) 1 S 21 ^ 
seind für die fränck. Chronikh dann Papier und Frachtkosten theils Herrn 
Bibliothecario von Eckhart und anderen auszahlt worden." ibid. 1730. n20fl. (fr.) 



— 71 — 

der bedeutende Mann in Würzburg eine vielseitige und rühmens^ 
werte Tätigkeit entfalten, bereits am 9. Februar 1730 folgte er 
seiner Gemahlin im Tode nach und wurde in der Pfarrkirche zu 
St. Peter zur letzten Buhe beigesetzt. Seine beiden minderjährigen 
Söhne wurden nach des Vaters Tod in das Seminarium nobilium 
aufgenommen und widmeten sich späterhin dem Militärdienste, 
seine einzige Tochter hatte schon bei Lebzeiten der Eltern den 
geistUchen Stand erwählt, sie wurde im Kloster der Ursulinerinnen 
zu Würzburg eingekleidet am 29. September 1728, legte die Ordens- 
gelübde ab am 1. Oktober 1730 1). 

Zu dem Amte eines Bibliothekars war Eckhart in hohem 
Grade befähigt durch seine ausgebreitete Literaturkenntnis, seine 
bibliothekarischen Erfahrungen, speziell sein Wirken an der Biblio- 
thek zu Hannover. Er nahm auch sogleich nach seiner Berufung 
mit Eifer und Geschick die neue Aufgabe in Angriff und konnte 
schon im Mai 1724 dem Fürsten einen ;,Ohnmaasgeblichen Vor- 
schlag, die ordentliche Einrichtung der Bibliothec, und des Biblio- 
thecarii betr.^ einreichen^). 

Über die Einzelheiten seiner Amtsführung wird im folgenden 
näher berichtet. Als Bibliothekar begnügte er sich nicht damit, 
wie so manche G^Jehrten der damaligen Zeit, selbst zunächst an 
der Quelle zu sitzen, er hatte vielmehr von den Pflichten des 
Amtes eine hohe und schöne Auffassung, wie zwei Paragraphen 
des zitierten Vorschlags aufs beste dartun: 

^6*®. In dieser Zeit muss der Bibliothecarius die verlangte 
Bücher anzeigen, wann Er von dieser oder jener materie gefraget 
wird, weitere Nachricht geben, und, so viel möglich, den wiss- 
begierigen, was sie verlangen, anzeigen. 

7°^°. Mit Jüngeren Leuthen kan Er dann und wann erbau- 
liche Discurs halten, Ihnen die Hand-Bücher ihres Studii bekannt 
machen, dieselbe, wann sie vorhanden, vorzeigen, auch wohl etwa 

seind von dem Portrait Sr. etc. Gnaden (Hütten !) zu stechen zum Eckhartischen 
Buch Herrn J. W. Winter Kupferstecher in Nürnherg . . . zahlt worden." 

1) Mat. VII. 88 f. 

2) U. B. Fase. 3. Der Vorschlag ist in einem Originalentwurfe, einem 
korrigierten Entwürfe and zwei Abschriften mit den Resolutiones Celsissimi er- 
halten. Tenor und Schriftzüge des ersten Entwurfs weisen auf Eckhart hin, 
Als Verfasser wird er ausdrücklich bestätigt durch Fichtel (LT. B. Fase 3 
Eommissions-Protokoll v. 19. Febr. 1743). 



- 72 - 

einmahl die Woche aus denen neuen gelehrten Zeitungen mit 
Ihnen reden, der gelehrten nutzliche Vorhaben entdecken, von der 
Authorum Leben und meriten etwas erwehnen, und auf alle arth 
suchen, eine Lieb undEiffer zu guten Studiis erwecken.^ 

Eck hart hatte von Anfang an das Bedürfnis entsprechender 
Hilflskräfte betont und erhielt auch den Johann Baptist Löhlein 
als Skribenten zugeordnet. Löhlein^), mit der Bestallung der 
übrigen Universitätsskribenten ausgestattet, blieb nur drei Jahre 
im Amte. Im folgte Franz Joseph Landmann'). Den erbetenen 
Diener konnte Eckhart für die Bibliothek allein nicht gewinnen, 
wohl aber wurde noch im Jahre 1724 ein gemeinsamer Bezeptorats- 
und Bibliotheksfamulus in Hans Engiga aufgestellt, der dann 
vier Jahrzehnte lang seiner Doppelpflicht genügte'). Die Teilung 
sollte sich in der Folge als nicht gerade zweckmässig erweisen. 

Im Jahre 1728 wurde das Personal durch eine weitere, be- 
fähigte Kraft verstärkt, den damaligen Aktuar des geistlichen 
Rates, Nikolaus Anton Seiz aus Ochsenfurt; er sollte Eckhart 
in der Führung der Bibliotheksgeschäfte unterstützen*). 

Nach dem frühzeitigen Hintritte seines Vorstandes und Lehrers 
wurde er leitender Bibliothekar. Zum geistlichen Rat befördert 
und zum Doktor der Rechte promoviert, waltete er seines Amtes 
zwölf Jahre lang und erwarb sich um die Abrundung der Bücher- 
bestände nicht unbedeutende Verdienste. Als er Kanonikus des 
Stiftes Hang geworden, schied er 1742 aus seiner bisherigen Wirk- 
samkeit. Später wurde er Domkapitular zu Augsburg, wo er als 
Domscholastikus und Generalvikar am 4. Januar 1757 gestorben ist *). 



1) Eniannt 1724. V. 3 (V.-A. Froi-Buch A. 79). Gehalt: 30 fl. Bestallung, 
SB fl. 1 S^ 3 ^ Kostgeld, 6 Malter Korn, 6 Eimer Wein. 

2) 1727. X. 6. (V.-A. Reo. Prot..Buch A. 87). 

s) Sein Gehalt betrug urspr&nglich 20 fl. fr. und 4 Malter Korn, später 
wurde er wiederholt aufgebessert. 1734 auf 62 fl. 2 8" 8 ^, 1742 auf 83 fl. 
1 fif 4 ^ (V.-A. Üniv.-Rechngn.). 

4) Er erhielt für seine Dienste die für einen Alumnus nobilis zu zahlende 
Summe, dann 12 Eimer Wein, 3V2 Malter Korn, dazu Kost und Wohnung im 
3eminar. 

5) Ullrich, Ph. Emil, Reihenfolge der Kapitulare und Vikare des Stiftes 
Hang zu Würzbürg. = A. h. V. XXXI. S. 124. Er schrieb 1740 eine Analysis 
libri, cui titulus: Brevis Notitia Monasterii. B. M. V. Ebracensis ...(Schneidt, 
Sicil. 225.) 



— 73 — 

Sein Nachfolger wurde Franz Joseph Land mann, der mittler- 
weile auf eine sechzehnjährige Praxis zurücksehen konnte und 
die ganze Zeit über unter Seiz, wie es scheint ziemlich selb- 
ständig, als Aktuar amtierte. Hatten schon seinm Vorgänger 
anderweitige Verpflichtungen an durchgreifenden bibliothekarischen 
Arbeiten vielfach gehindert, so war dies jetzt in noch viel höherem 
Masse der Fall. Bei der damals beliebten Kumulation der Ämter 
vereinigte Landmann die bibliothekarischen Funktionen mit 
denen eines Landgerichtskonsulenten, später Ehe-Gerichts-Assessors. 
Dazu war er seit 1733 Uniyersitätssekretär (Notar) und überkam 
1747 auch noch die Syndikatsgeschäfte, worauf er den Titel eines 
Syndikus annahm. Kein Wunder, dass die Klagen über langsames 
Fortschreiten der Katalogisierui^ nicht enden wollen!^) 

Die Tielfachen Verhinderungen Landmanns durch Krank- 
heit und andere Pflichten gaben den Anlass, ihm Johann Andreas 
Brand aus Würzburg zur Seite zu stellen. Brand hatte die 
Studienjahre im Würzbui^er Seminare verbracht* und reiche Kennt- 
nisse, besonders im kanonischen Bechte und in den Geschichts- 
wissensdiaften gewonnen. Schon damals Lizentiat der Theologie, 
enrarb er sich später noch den Doktorgrad der Bechte und der 
hl. Schrift. 1744 wurde ihm die Professur der Kirchengeschichte 
für die Ahimnen des Klerikalseminars übertragen, worauf er 
mehrere Jahre Privatvorlesungen über die Kirchen-, Staats- und 
Keicbsgeschichte hielt ^). In die Bibliothek trat Brand im 
Januar 1743 ein und erhielt unterm 1. August 1744 das Dekret 
als Subbibliothekarius, ohne dadurch zu Landmann in ein be- 
stimmtes Subordinationsverhältnis zu treten; er hatte lediglich 
;,die Bibliothek-Mitobsorg und inspection"^). Vom Jahre 1747 ab 
wird er als zweiter Bibliothekar geführt. In seiner bibliothekari- 
schen Tätigkeit scheint der talentvolle und kenntnisreiche Mann 
namentlich auf die studierende Jugend anregend und leitend ge- 
wirkt zu haben*). 



1) Landmann bezieht als Aktuarius, auch die beiden ersten Jahre als 
Bibliothekar, den oben angegebenen Gehalt der Skribenten wie Löhlein; ab 
1744 jedoeh jährlich 240 fl. uud freie Wohnung im Petersbau. . 

a) V.-A. Rec. Prot. Buch A 121, 137. 

3) U. B. Fase. 282 u. Hof- u. Staats- Kalender. Brand erhielt pro Jahr 
100 fl., dazu freie Kost und Wohnung im Seminar. 

4) Oberthür, Leben Schmidts S. 41. 



— 74 — 

Die neu zugehenden Bücher erhielten bei dem üniversitäts- 
buchbinder, Meister Georg Joseph Fesenmayer ^), einen schönen 
und dauerhaften. Einband zu verhältnismässig billigem Preise. In 
Philipp Wilhelm Heinrich Fuggart war seit 1724 ein eigener 
hochfürstlicher Hof- und Universitätsbüchhändler aufgestellt*); frei- 
lich verlieh ihm dieser Titel weder rechtlich noch tatsächlich die 
ausschliessliche oder hauptsächlichste 'Lieferung des Neubedarfs 
der Bibliothek. In entfernterem Zusammenhange mit dieser stand 
endlich der Universitätsbuchdrucker Johann Jakob Christoph 
Kleyer, der im Jahre 1747 von Fürstbischof Anselm Franz von 
Ingelheim infolge seiner Zugehörigkeit zur Universität für seine 
gesamte Druckereiarbeit für sich, seine Gesellen und seine Nach- 
folger ;,von Schätzung und Steuer, Quartier, öffentlichen Er- 
scheinungen nnd übrigen bürgerlichen oneribus^ befreit wurde '^j. 

Als die Bibliothek nach völliger Instandsetzung des neuen 
Saales endlich dem allgemeinen Besuche geöffnet . werden' sollte, 
war natürlich das Bedürfnis fester Benutzungs- und Verwaltungs- 
bestimmungen gegeben. Sie sind niedergelegt in dem zitierten Vor- 
schlage Eckharts, der am 3. Mai 1724 zu Stalldorf von Johann 
Philipp Franz von Schönbom gutgeheissen wurde und enthalten 
im wesentlichen folgende Grundsätze: 

Die Bibhothek soll täglich vormittags und nachmittags jeder- 
mann offen stehen. (Nachträglich wurde die Öffnungszeit beschränkt 
auf Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Samstag, die einfallenden 
Feiertage ausgenommen, vormittags ^/2 9— 11 Uhr und nachmittags 
2 — 4 Uhr in den Wintermonaten, vormittags 8 — 11 Uhr und 
nachmittags 2 — 5 Uhr in den Sommermonaten, also auf 18 bezw. 
24 Wochenstunden)*). 

In dieser Zeit muss der Bibliothekar anwesend sein, die ver- 
langten Bücher herbeibringen lassen und überhaupt den Suchenden 
helfend und belehrend zur Seite stehen. 



1) 1780 zum erstenmal in den Rechnungen Universitäts-Buchbinder 
genannt. 

.2) S. A,, V. 9. 2, . 

3) Kr. A. Schuls. 137. (1747. IL 8.)— 1748. VI. 3. bestätigte Anselm 
Franz sein vorjähriges Dekret: „sie sollen von Bürgermeister a. Rath . . . 
auf keinerley Weiss mehr beschweret werden.* Vergl. auch V.-A. Rec. Prot. 
Buch A. 132, 139. 

4) Marginalnote im Vorschlag. 



— 75 — 

Das Personal besteht aus dem Bibliothekar, dem Skribenten 
und dem Famulns, der zugleich Diener des Rezeptorates ist. Der 
Bibliothekar allein führt den Schlüssel zur Bibliothek. In Ver- 
hinderungsfällen wird er vom Skribenten vertreten. 

Die Bibliothek ist Präsenzbibliothek. Ohne ausdrückliche 
fürstliche Genehmigung darf kein Werk ausgeliehen werden, nur 
der BibHothekar selbst kann sich nach Bedarf einige Bücher gegen 
Leihschein mit nach Hause nehmen. 

Ausserdem hatte Eckhart die Anschaffung der fehlenden 
grossen Werke und der neu erscheinenden Literatur betönt. Der 
Fürst forderte darauf Vorlage der jeweiligen Vorschläge und be- 
hielt sich die endgültige Entscheidung vor. 

Die Öffnungszeit wurde später mehrfach geändert. Es hatte 
sich bald die Gewohnheit herausgebildet, die Bibliothek nicht an 
den ursprünglich festgesetzten Stunden zu öffnen, sondern willkür- 
lich nach Bequemlichkeit, allerdings „fast täglichen^, wiie Seiz 
und Landmann auf erhobene Beschwerde hin zu ihrer Vertei- 
digung bemerken^). 

Die zweite Studienordnung des Bischofs Friedrich Karl von 
Schönborn verfügte sodann, nachdem schon in der ersten Redak- 
tion nachdrücklich auf die Bibliothek aufmerksam gemacht war, 
dass diese an fünf Wochentagen jß sieben Stunden zugänglich sein 
solle. Die Bestimmungen über das Ausleihen wurden ausdrücklich 
neuerdings bestätigt 2). 

Der organisatorische Geist Friedrich Karls verlieh der Biblio- 
thek endlich auch ein eigenes, erschöpfendes Statut. Bereits im 
Jahre 1743 wurde eine besondere Kommission niedergesetzt zur 
Prüfung der bestehenden Verhältnisse und möglicher Verbesse- 
rungen^). Unterm 15. Juli 1744 erging dann 

Seiner Hochffirstl. Gnaden Herrn, Herrn Friderich 
Carl, Bischoffen zu Bamberg und Wirtzburg, des Heil. 
Römischen Reichs Fürsten, und Hertzogen zu Francken, 
etc. etc. 



1) 1733. ü. B. Fa8c. 3 u. 216. 

2) Vergl. Wegele II. 347 (8), 390 (61), 391 (64) auch 368 (20). 

3) TJ. B. Fase. 3. Die Sitzungen fanden im Rezeptorate statt : 1743. 
Jan. 21. und Febr. 19. Mitglieder der Kommission waren Hoikanzler Fichtel, 
Regens Barthel, Hofrat Schild, Rezeptor Sündermahler, Bibliothekar 
Landmann, zu denen in der zweiten Sitzung noch Rezept.-Präsident Frei- 
herr V. Rotenhan und geheimer Referendar Freiherr v. Plettenberg traten. 



— 76 — 

Ordnung 

Wegen Dero Fürstl. Wirtzburgischen 

Universitats-Bibliothec. ^) 

Erstlich solle die Bibliothec alle Tage in der'gantzen Wochen zu 
eines jeden Studirenden freyen Zutritt und Gebrauch offen 
stehen, den eintzigen Mittwochen ausgenommen. Wann 

Zweytens in der Wochen ein Feyer-Tag einfallet, so solle der Mitt- 
wochen statt dessen angewendet, und die Bibliothec auf 
solchem Tag ebenmassig geöffnet bleiben. 

Drittens werden darzu in dem Winter Vormittag von halb Neun 
bis Eilff- und Nachmittag von halb Zwey biss Vier Uhren, in 
dem Sommer aber Vormittag von Acht biss Eilff, und Nach- 
mittag von halb Drey biss Fünff Uhren die Stunden der- 
gestalten Gnadigst benennet, dass obbemeldte Bibliothec solle 
offen, und auf Anmelden, jedermann ein freyer Zutritt seyn, 
wann derselbe sich darinnen nutzlich befähigen will, daliin- 
gegen aller unnützer Uberlauff und übermässige Curiosität 
nicht zu gestatten ist. 

Viertens solle einem jeden zugelassen seyn in denen darinnen vor- 
räthigen Büchern in wehrenden vorgemeldeten Stunden zu 
lesen und zu studiren, auch daraus, was ihm diensam ist, 
auszuschreiben. Hingegen ist 

Fünfftens unter willkühriger schwehrer Straff verbotten, in die 
Bücher selbsten etwas mit Dinten oder auch mit Rothel oder 
Bleystefft zu schreiben, oder zu zeichnen, deren Blätter zu 
einem Merckmahl zu brechen, noch weniger gar zu verreissen, 
oder selbige sonsten auf einige Weiss zu verderben. Und 
obschon 

Sechstens wegen deren Bücher, und dem Orth, wo solche befind- 
lich seynd, ein jeder in denen darüber gemachten bei der 
Bibliothec seyenden Catalogis sich sattsam ersehen kan, so 
sollen dieselbe nichts desto weniger denen, welche zu der 
Bibliothec bestellet, und in der zu derselben Oeffnung be- 
stimmten Zeit stats darinnen werden gegenwärtig seyn, be- 
gehret, auch selbigen nach dem davon genommenen Gebrauch 
wieder eingehändiget werden. 

1) U. B. Fase. 216. 



— 77 — 

8iebendens: Gleichwie nicht erlaubet ist einiges Bnch ans der 
Bibliotbec hinaus zu geben; Also hat derjenige, welcher in 
Herren-Diensten ist, und eines oder des anderen nach vorwalten- 
den Umstanden in seinem Hauss auf eini^ Zeit yonnothen 
hatte, bey denen, welche zn der Bibliotbec bestellet seynd, 
desshalben anzusuchen, die sodann nach der an seiner Be- 
hörde gethanen Anfrag ibme den Bescheid ertheUen werden, 
ob, und auf wie lai^ sie solches gegen einen ausstellenden 
Schein werden fibergeben d6r£fen. 

Achtens wird ein jeder, so die Bibliotbec besuchet, erinnert durch 
mfissiges Herumgehen in derselben, oder unnfitziges lautes 
Geschwätz oder disputiren andere, die lesen und studiren 
wollen, nicht zu stohren und zu hinderen, und so fem sie 
sich nicht bescheiden aufführen, hinausgeschaffet, und nicht 
mehr zugelassen werden, welcher aber 

Neuntens ein Buch aus der Bibliotbec zu entfremden sich schand- 
.lieh erfrechen w&rde, derselbe solle nebst Vorbehaltuug *der 
weitheren Bestraffung nicht nur fär Ehrloss erklahret, son- 
dern auch ipso facto aus Bischofflichem Gewalt biss zu der 
Wieder -Ersetzung excommuniciret seyn , und ohne eigener 
Bischofflichen Erlaubnuss davon nicht können absolviret werden. 
Ita Decretum unter Seiner Hochffirstl. Gnaden höchster Hand 
Unterschrift und beygedrucktem Dero Fürstlichen Geheimen 
Cantzley*Insiegel de Dato Schloss Wemeck den 15. Julii 1744. 

Bemerkenswert ist, dass § 1 die Bibliothek „jedem Studieren- 
den^ öffnet, doch waren auch die Beamten zur dienstlichen Be- 
nützung berechtigt. 1733 bezeichnet Friedrich Karl als Zweck der 
Bibliothek „allgemeinen Nutzen und bessere Aufnahme der Uni- 
versität" und auch sonst wird mit Vorliebe von der „Bibliotheca 
publica'' gesprochen. 

Gleichzeitig mit dieser, durch den Druck vervielfältigten Ord- 
nung wurde eine Instruktion für die Bibliothekare erlassen, die 
in sechzehn Paragraphen die obigen Bestimmungen ausführlich 
und erklärend wiederholt ^). Vor allem wird den Beamten ein- 
geschärft, an den bestimmten Tagen und Stunden auch wirklich 
zu erscheinen und bis zum Ende ;, beharrlich" zu verbleiben, den 



1) U. B. Fase. 1. Sie wurde nach dem KommisBionsprotokoU vom 
19. Februar 1743 (ü. B. Fase. 3) durch Hofkanzler Fichtel verfasst. 



— 78 — 

Besuchern mit freundlicher Bescheidenheit und gutem Willen ent- 
gegenzukommen, zumal jüngere Leute durch wissenschaftliche Ge- 
spräche in die Literaturgeschichte einzuführen; dagegen unziem- 
liches Benehmen- jeder Art energisch zu unterdrücken, damit ernst- 
haft Studierende nicht in ihrem löblichen Vorhaben gestört werden. 

In den Universitätsferien vom 1. Oktober bis 11. Dezember 
darf die Bibliothek geschlossen bleiben; falls aber ein fürstlicher 
Bat oder Beamter dienstlich Einlass begehrt, so soll ihm geöffnet 
werden. Die Bibliothekare erhalten einen Schlüssel zur Biblio- 
thek,' der gerneinschaftliche Bibliotheks- und Rezeptoratsdiener nur 
während der B;einigungsajbeiten. Auf Lücken im Bücherbestande, 
auf wichtige Neuerscheinungen, auf gelehrte Zeitungen haben die 
Bibliothekare rührige Aufmerksamkeit zu richten, sie dürfen aber 
auch jetzt noch nicht selbständig Einkäufe erledigen, sondern haben 
die Vorschläge dem Fürsten zu unterbreiten und dessen Entscheid 
mittels des Rezeptoratamtes zu gewärtigen. In speziellen Bibliotheks- 
an^elegenheiten soll einer der Bibliothekare zu den Sitzungen des 
Rezeptoratamtes zugezogen werden. Die Instruktion schliesst mit 
huldvollen Worten der Anerkennung und Aufmunterung. 

Sie hatte auch Vorlage einer Liste der ausgeliehenen Werke 
verlangt. Das Verzeichnis ist erhalten^). Es umfasst nur fünf 
Nummern und zeigt, dass die Bibliothek wirklich Präsenzbiblio- 
thek war. Ein Buch hat der Fürst selbst entliehen, eines die 
Höfmaler, eines Professor Daude, die beiden letzten (Vitruvius 
britannicus und Statues de Versailles) Neumann seit 19 Jahren. 
Auch in der Folge finden sich nur spärliche Erlaubnisscheine in 
den Akten, meist für Mitglieder des Domkapitels und Professoren 
ausgestellt. Die geringe Zahl ist bei der Umständlichkeit einer 
solchen Entleihung nur zu leicht zu begreifen. 

Hatte schon die Aufstellung ständigen . und hinreichenden 
Personals eine aufsteigende Entwicklung der Anstalt gewährleistet, 
so zeitigte eine weitere Massregel noch segensreichere Folgen, 
der Übergang vom Gelegenheitserwerb zum regelmässigen, plan- 
vollen Kauf. 

Ansätze davon finden sich bereits unter Siglers Verwaltung; 
auch hatte ein der Berufung Eckharts vorangehendes Prome- 
moria die Anweisung eines Fundus perpetuus pro amplianda et 

1) ü. B. Fase. 280. 



— 79 — 

conservanda bibliotheca publica gefordert^). Von Eckharts Ein- 
tritt an sind dann Jahr für Jabr Ankäufe in wechselnder Höhe 
zu verzeichnen. Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn soU 
die jährlich zu verwendende Summe mit 400 fl. fr. (500 fl. rhn.) 
festgelegt haben. Tatsächlich ergibt sich aus den Bechnungen für 
die Jahre 1729 — 46 ein Jahresdurchschnitt von 513 fl. rhn. für 
Bucherwerb, die angegebene Norm lässt sich aber nur herstellen 
bei der Annahme, dass Restkredite bezw. Überschreitungen auf 
eiixe längere Reihe von Jahren ineinander gerechnet wurden. 
Unter Christoph Franz von Hütten wurden 3395 fl. rhn. für 
Bücherankäufe ausgegeben % unter Friedrich Karls von Schönbom 
mehr als siebzehnjähriger Regierung insgesamt 8973 fl. 36 kr. rhn. 
dafür aufgewendet. Im einzelnen ergibt sich hier für das erste 
Jahrsechst ein Jahresmittel von 253 fl. rhn. ; für das zweite ein 
solches von 947 fl. rhn. ; von 1741 bis 1746 endlich 296 fl. rhn. % 
Aus den Rechnungen*) lassen sich wohl die aufgewendeten 
Summen genau bestimmen, ein sicherer Scbluss auf Bandzahl und 
Fachquotient der angeschafften Werke ist aber nicht möglich, da 



1) U. B. 


Fase. 3. 


2) 1724 


1872 fl. fr. 


1725 


353 fl. „ 


1726 


360 fl. , 


1727 


35 fl. , 


1728 


48 fl. , 


1729 


48 fl. , 



2716 fl. fr. 
= 3395 fl. rhn. 

3) Die Höchstsummen sind: 1731 798 fl. rhn.; 1736 625 fl. rhn.; 1739 
1568 fl. rhn.; 1740 2735 fl. rhn.; 1743 1060 fl. rhn. 

4) Über die Anschaffungen geben die Universitäts-Hauptrechnungen der 
betreffenden Jahre zunächst Aufschluss (V.A.). Ausserdem ist eine „Specificatio" 
der 1729—1758 erkauften Bücher vorhanden (ü. B. Fase. 138), die auf Befehl 
Adam Friedrichs von Seinsheim hergestellt wurde und die Abschriften der 
einschlägigen Rechnungsbelege enthält. Sie berechnet die Ausgaben nach 
Gulden rheinischer Währung, während die Hauptrechnungen fränkische Wäh- 
rung verwenden. Die „Specificatio** schliesst mit 18968fl. 35 kr. rheinisch ah. 
Diese Schlusssumme ist zwar die Summe der einzelnen Latera, diese selbst 
aber sind durchaus nicht mathematisch genau berechnet. Durch Fehler bei Um- 
rechnung der einzelnen Geldsortßn und sonstige Irrtümer mancherlei Art ist 
sie um ganze 3944 fl. 8 kr. zu hoch geraten, mithin auf 15025 fl. 4 kr. rhn. 
zu reduzieren. Auf Friedrich Karls Regierung entfällt davon die ohen ange- 
gebene Teilsumme. 



— 80 - 

ein guter Teil der Rechnungen nicht näher spezialisiert ist. Es 
lässt sich aber das Bestreben, das unentbehrliche Rüstzeug m(^- 
liehst für alle wissenschaftlichen Disziplinen bereitzustellen, nicht 
verkennen. Namentlich die bisher arg vernachlässigte medizinisch- 
naturwissenschaftliche Literatur erfährt steigende Aufmerksamkeit. 
Gelehrte Journale, wenn auch in geringer Zahl, werden gehalten ^), 
Dissertationen regelmässig gekauft. Die zweite Studienordnung 
Friedrich Karls befiehlt ausdrücklich, die Würzburger akademischen 
Schriften in je zwei Exemplaren der Bibliothek einzuverleiben ^). 

Für die Bedürfnisse der Vorlesungen und Übungen, speziell 
in der juristischen und medizinischen Fakultät, finden eigene kleine 
Büchersammlungen zum täglichen Gebrauche in einzelnen Hörsälen 
Aufstellung *). 

Die Anschafifungen geschehen in der Hauptsache im Buch- 
handel und auf Auktionen. Das Auswahlgeschäft besorgen die 
Bibliothekare, daneben reichen die Fakultäten Wunschlisten ein. 
Die Vorschläge gehen zunächst zum Fürsten, der sich die end- 
gültige Entscheidung vorbehalten hat. Bezeichnend für das Inter- 
esse an der Bibliothek ist die Tatsache, dass Friedrich Karl sich 
selbst aktiv an der Auswahl beteiligte*). Den etwas langsamen 
Gang der Nachschaffungen wussten die Gönner der Anstalt, nament- 
lich Weihbischof Mayer und zahlreiche Professoren, bald dadurch 
zu beschleunigen, dass sie die Bücher selbst erkauften, zur Biblio- 
thek lieferten und sich dann die Auslagen rückvergüten liessen. 

Der Buchhandel entwickelte sich in Würzburg trotz der ge- 
gebenen günstigen Bedingungen nur langsam. Der meiste Bedarf 
wurde noch im Beginn des 18. Jahrhunderts bei den fremden 
Buchhändlern gedeckt, welche die Messen besuchten und bald ihre 
Vorräte für die übrige Zeit des Jahres in festen Lagern am Orte 
bargen. Als dann Fuggart seine Handlung eröffnete, erging im 
Jahre 1724 ein Dekret gegen die Buchbinder und Buchdrucker, 
die auch ausser der Messzeit aus den verschlossenen Läden und 



1) 1738— 1742 waren z.B. abonniert: .Leipziger ord., dto. gelehrte, Bsah" 
bnrger Bericht, Hallischer Anzeiger." 

2) § 61, bei Wegele IL 390. 

8) V.-A. Hanptrechnang. 1735, 1737 etc. 

4) E. g. 1744. VI. 5. Der Fürst hatte bei Durchlesung einiger Auktions- 
kataloge mehrere vortrefifliche Bficher bemerkt, welche far die UniTersitftts- 
bibliothek angeschafft werden könnten (U. B. Fase. 3). 



— 81 — 

Gewölben der auswärtigen Buchhändler Bücher holten und so 
einen einträglichen Zwischenhandel trieben. Christoph Franz von 
Hütten bestätigte die vorhergehenden Dekrete und verfügte, dass 
künftighin kein fremder Buchhändler ausser gewöhnlicher Messzeit 
Handel treiben oder durch Kommission heimlich oder öffentlich 
Bücher verkaufen dürfe. Fuggart erhielt das Prädikat eines 
Hof- und Universitätsbuchhändlers und wurde zu seinem besseren 
Aufkommen für die zwei verflossenen und die zwei kommenden 
Jahre von allen bürgerlichen Lasten befreit^). Im Jahre 1746 
wurde dem Augsburger Buchführer Martin Veith die Errichtung 
einer weiteren Buchhandlung genehmigt^). 

Die Würzburger Handlungen erhielten jedoch nicht sämtliche 
Aufträge der Bibliothek; die Reihe der liefernden Firmen war 
vielmehr eine ziemlich grosse, ausser den genannten besonders 
Weidmann, Leipzig, dann Lochner und Mayer, Nürnberg, 
Boulanger, Wien, Briffaut, Wien, Becker, Erlangen, der 
wandernde Dissertationenhändler Grünbaum u. a. m. ; daneben 
wurden die Auktionen im Haag und in Frankfurt fleissig besucht, 
selbst von Rom und Venedig Bücher bezogen. 

Im Oktober 1731 reiste geistlicher Rat Seiz zu Schiff nach 
Frankfurt und wusste dort in fünftägigem Aufenthalt aus der 
berühmten Bibliothek des gelehrten Frankfurter Schöffen und 
Bürgermeisters, Kunst- und Münzensammlers und Bibliophilen 
Zacharias Konrad von Uffenbach schätzenswerte Bestandteile um 
512 fl. 4ff 3 ^ fr. für Würzburg zu gewinnen'). Besondere Be- 
deutung erhielt der Kauf dadurch, dass acht Manuskripte zur 
fränkischen Geschichte miterworben wurden, nämlich vier Exem- 
plare der Fries-Reinhardschen Chronik, eine Abschrift von Johann 
Episcopius Büchlein von der Statt Würtzburg 1569; ferner ein 
Chronicon Fuldense, annexis ecclesiae ejusdem traditionisbus, saec. 
XVI./XVII. , dann Gesetze des geistlichen Gerichts im Stifft zu 
Wurtzpurgk — Schwabenspiegel, saec. XV. ; endlich ein Pergament- 
codex, Liber memorialis Ecclesiae Angelorum, Monachorum ord. 
Cartus. Civitatis Herbipolensis, saec. XV. — XVH.*) 

1) 1724. I. 3. bezw. 1725. IL 5. S. A. V. 9. 2. Vergl. Seuffert 
a. a. 0. I. 4. Fol. 14. 

2) 1746. VI. 20. Kr. A. Mise. 593. 

3) V.-A. Hauptrechnung 1731 u. Specificatio a. a. 0. 

4) Vergl. Bibliothecae Uffenbachianae universalis t. III. Francofurti 1730. 
P. I. Sect. IV. Nr. 143. P. II. Sect. II. Nr. 56, 57, 58, 59, 60, 109. P. IL 

6 



— 82 — 

Der Kauf ganzer Bibliotheken trat zwar etwas in den Hinter- 
grund; günstige Gelegenheiten zur Abrundung der Bestände wurden 
aber geschickt wahrgenommen. So kam nach Siglers und Eck- 
harts Tod ein Teil ihres literarischen Besitzes an die Universität, 
durch den Nachlass zweier Würzburger Ärzte wurde die schwach 
vertretene medizinisch-naturwissenschaftliche Literatur angemessen 
verstärkt, umfangreichere Sammlungen gingen zu durch die Biblio- 
theken des Dechanten zu Haug, Dr. Philipp Braun, und des Pro- 
fessors der Medizin, Dr. Johann Sebastian Ettleber. 

Philipp Braun ^) war am 22. März 1654 zu Hollstadt in 
Unterfranken geboren, hatte das Gymnasium zu Münnerstadt, 
danach die Universität Würzburg bezogen und dort in rascher 
Folge die akademischen Grade erworben. Ein Jahr nach seiner 
Priesterweihe (26. März 1678) wurde er zum Subregens des Semi- 
nars ernannt, 1683 — ein mehrjähriger Aufenthalt in Rom liegt 
dazwischen — zum Regens, dazu versah er von 1684 — 1700 die 
Professur des Kirchenrechts an der Würzburger Hochschule. Von 
seinem Fürsten wurde er in den ehrenvollen Stellungen eines geist- 
lichen, später geheimen Rats und Generalvikars verwendet; im 
Stifte Haug, zu dessen Kanonikern er vom Jahre 1693 an zählte, 
stieg er zum Kustos, Scholasticus und Dechanten empor. Am 
1. Juni 1735 ist er gestorben. 

In dem Testamente vom 21. Mai 1733 hatte Braun verfügt, 
dass das Seminarium Alumnorum als Zeichen dankbarer Erinnerung 
seine Bibliothek für 500 ii. erhalten solle ^). Die bedungene Summe 
wurde 1736 vom Receptoratamte an das Testamentariat ausbezahlt 
und damit die Sammlung für die Universität erworben^). Mehrere 



Sppl. II. Nr. 62 auf Seite 112, 315, 316, 317, 318, 344, 540. Ausserdem wurden 
nach Angabe der Specificatio in dieser Zeit noch an Handschriften erworben: 
1730 „literae £ccardi Mstae 9 Batzen*', 1737 vom Buchhändler Steinmarck in 
Coburg, ,ein altes geschriebenes Buch von Wirtzburgischen Sachen, kostet 
mit Gailius symph. proc. 7 Thlr." 

1) Athanasia. N. F. 12. 1840. S. 513—532. Ulrich a. a. 0. S. 117. 

2) Athanasia. a. a. 0. S. 534. 

3) Bund 200 Bände, kenntlich an eigenhändigem Eintrage Brauns, sind 
noch in der Bibliothek vorhanden. Es mag jedoch, da durch die Bibliothek 
Faust V. Strombergs das juristische Fach gut besetzt war, ein grosser Teil 
der Sammlung sofort als Dubletten ausgeschieden worden sein. Auch lässt 
sich nicht mehr feststellen, was durch die späteren Dublettenverkäufe abging. 



- 83 — 

Hundert Bände, überwiegend juristischen Inhalts, konnten dadurch 
der Bibliothek einverleibt werden. 

Ebensoyiele Bände medizinisch-naturwissenschaftlicher Literatur 
enthielt die Bibliothek Dr. Johann Sebastian Ettlebers, eines 
geborenen Würzburgers, der erst 1738 zum Professor der Insti- 
tutiones medicae berufen worden war und bei seinem frühzeitigen 
Tode, am 5. März 1742, seine Familie in den misslichsten Ver- 
mögensverhältnissen zurückliess. Der Bischof bestimmte, wie 
Bönicke mitteilt^), selbst den Preis, den er nicht sowohl nach 
dem Werte dev Bücher, als nach den Verdiensten des Verstorbenen 
und der Grossmut seinen Erben eine Wohltat zu erweisen, ab* 
mass. 535 fl. 8 Batzen fr. (669 fl. 25 kr. rhn.) wurden im Jahre 1743 
^zu behueff deren Creditorum weylandt Herrn Doctoris Medicinae 
Ettlebers '^ an die eigens aufgestellte Kommission ausbezahlt^). 

Drei Jahre später stand der Bibliothek der Erwerb einer 
weiteren wertvollen Sammlung in nächster Aussicht®). Unterm 
3. März 1746 bot nämlich der Oberhofprediger Brückner in Gotha 
die Bibliothek des im Vorjahre verstorbenen gelehrten S.-Gotha- 
ischen Oberkonsistorial-Vizepräsidenten und verdienten Bibliothekars 
Ernst Salomon Cyprian unter Beischluss des gedruckten Katalogs 
und der handschriftlich verzeichneten Nachträge für 7000 Taler 
zum Kaufe an. Der Fürst zeigte hiezu grosse Lust und ordnete 
Bibliothekar Land mann zum Augenschein nach Gotha ab. Wie 
ernst es Friedrich Karl mit den Verhandlungen war, geht schon 
daraus hervor, dass Landmann sich bereits erkundigen musste, 
„ob und wie diese Bücher am wohlfeilsten anhero könnten über- 
führt werden^. Am 23. Juni 1746 berichtet der Abgesandte, dass 
die Zahl der Bücher ungefähr 5000 Stück beträgt, darunter 944 
Folianten, durchgängig im Einband wohl erhalten. Der grösste 
Teil besteht in Werken heterodoxae fidei und für den geforderten 
Preis könnten für sämtliche Fakultäten verschiedene einschlägige 
Werke angeschafft werden, dennoch wird der Ankauf empfohlen, 
weil es eine der vollständigsten Sammlungen in der polemischen 
Theologie und der zugehörigen Kirchengeschichte ist, weil die 
Bibliothek die Pariser Ausgabe der Kirchenväter enthält und weil 
es „nicht auf die Vielheit sondern auf den selectum librorum an- 



i) a. a. 0. II. 104. 

2) Quittungen 1743. VII. 28. und 1744. III. 5. (Specificatio a. a. O. S. 63). 

3) TT. B. Fase. 204. 

6* 



— 84 — 

kommt und eine derartig vollständige Spezialbibliothek nicht jeder- 
zeit käuflich ist". Doch sollen nur 5000 Taler geboten werden. 
Die Akten geben keinen weiteren Aufschluss. OflFenbar brachte 
der bereits fünf Wochen später erfolgte Tod des Fürsten die Ver- 
handlungen für immer zum' Stillstand^). 

Von namhafteren Geschenken sind in dieser Periode wenige 
zu verzeichnen. Zwar trägt eine grössere Anzahl von Bänden in 
Deckelpressung das Wappen der Fürstbischöfe Johann Philipp 
Franz von Schönborn und Christoph Franz von Hütten, so dass 
die Annahme entstehen könnte, als handelte es sich hier um Gaben 
fürstlicher Huld oder testamentarisch überwiesene Bestände, allein 
die Rechnungen belehren uns hier, dass in jenen Jahren das 
Wappen des regierenden Herrn den Zugängen der Bibliothek ein- 
geprägt ward^). 

Rund fünfzig Bände mit dem Wappen des Hof kanzlers Fichte 1, 
die allerdings teilweise erst durch die Säkularisation mit den 
Büchern der Klöster Ebrach und Bildhausen, sowie des Würz- 
burger Schottenklosters an die Universität kamen, sind unter den 
alten Beständen zerstreut und werden wohl bei dem lebhaften In- 
teresse des Mannes an der Anstalt wenigstens zum Teil durch 
Schenkung dahin gekommen sein, daneben findet sich noch ehe- 



1) Zu einem Verkaufe der Bibliothek Gyprians im ganzen ist es über- 
haupt nicht gekommen. Gyprians Nachfolger, Schiftger, hat den Ankauf 
für die Gothaer Bibliothek, der Gypriao testamentarisch seinen aus 26 Folio- 
bänden bestehenden Briefwechsel, eine Sammlung von Briefen Melanchthons, 
mehrere Aldinen u. a. m. überwiesen hatte, verhindert. (Jacobs, Fr. und 
F. A. ükert, Beiträge zur älteren Literatur ... I. S. 27, 29.) Die Auktion 
der Bibliothek Gyprians erfolgte nach gütiger Mitteilung des H. O.-Bibl. 
Prof. Dr. E h w a 1 d-Gotha, dem auch an dieser Stelle ergebenster Dank aus- 
gesprochen sei, in vier Abteilungen von 1749 — 1754. (I. August 1749, 11. Mai 
1750, 111. August 1750, IV. 17. April 1754.) Die Auktion der beiden ersten 
Abteilungen fand im Gymnasium, die der beiden letzten auf dem Rathause 
statt. Der Auktionskatalog wurde vor einigen Jahren von Prof. Ehwald in 
der Bibliothek der Schlosskirche wieder aufgefunden. 

2) So verzeichnet die Rechnung pro 1727 unter dem Titel „Ausgaab geld 
für bücher und anderes zur Bibliothec'' den Posten „40 fl. dem Buchbinder 
Fesenmayer von etlichen Büchern zu binden und die Hochfürstl. Wappen 
darauf zu machen zahlt.** Rund 50 Bände mit dem Wappen Schönborns, über 
300 mit dem Huttenschen lassen sich noch nachweisen. Letztere gehören 
grösstenteils den medizinisch-naturwissenschaftlichen Fächern, der Geschichte 
und Literaturgeschichte an. 



— 85 — 

maliges Eigentum des Weihbischofs Mayer, Balthasar Neumanns, 
der Juristen Carlier und Sündermahler, der Mediziner Der- 
cnm und Beringer, der Bibliothekare Seiz, Landmann, 
Brand usw. Bestimmt nachweisen lässt sich nur ein Geschenk 
Beringers. der 1736 der Bibliothek neun grössere medizinisch- 
naturwissenschaftliche Werke überweist und dafür huldvollen Dank 
seines Fürsten erntet M. 

Es erübrigt noch von der Aufstellung und Bezeichnung 
der Bücher, sowie von den Katalogen zu berichten. 

Xach Eckharts treflflichem Plane ^) sollten die Bücher syste- 
matisch angeordnet werden, ^und zwar so, dass man in Unter- 
suchung einer Sache alle Zeit die Bücher, so davon handeln, bey- 
samen finden und sie nicht hin und wieder suchen dürffe^. Zu- 
nächst sollte der Realkatalog hergestellt werden, diesem der alpha- 
betische folgen. Auch die Drucklegung des Katalogs war bereits 
ins Auge gefasst. 

Die wissenschaftliche Anordnung des Bücherbestandes wurde 
auch wirklich durchgeführt und zum Kataloge langwierige Vor- 
arbeit gemacht, aber trotz mehrfacher Mahnungen*) war er noch 
nicht fertiggestellt, als Eckhart frühzeitig starb. Eine enorgiscbe 
Nachfrage Friedrich Carls im Februar 1731*) scheint den Abschluss 
beschleunigt zu haben, denn schon am 19. Mai 1731 konnte ginst- 
licher Rat Seiz melden, dass der Katalog bereits seit einigen 
Wochen ganz abgeschrieben sei. Als Ursache der Vurzögoruiig 
wird der Umfang der 206 Bogen umfassenden Arbeit und der 
Mangel geeigneter Leute angegeben^). 

So war endlich der Realkatalog, der nach der gewühlten Auf- 
stellungsart zugleich als Standortskatalog diente , gescliafVen, der 
alphabetische Katalog ging freilich noch ab. Die Studii'uorduung 
vom Jahre 1731 verkündigte die Vollendung des Katalogs mit 
den befriedigten Worten, dass nunmehr die Bibliothek in oincn 
recht brauchbaren Zustand gesetzt sei. 

1) ü. B. Fase. 88. 

2) § 2, 3, 4 und 14 des zitierten , Vorschlags*. 

3) V.-A. Bescheidspunkte der Hauptrechnung 1725, 1728, auch noch 1730, 

4) U. B. Fase. 14. Friedrich Karl findet die lange Dauer der Arbeit um 
so verwunderlicher, ,als die Zahl deren Büchern nicht sonderbahr gross ist.*' 

5) ü. B. Fase. 14. — V.-A. Rec. Rechg. 1731. VI. 6. „14 fl. 4 U 3 ^ von 
dem Kataloge, so in 206 Bögen bestand, abzuschreiben. Dr. Seiz refundiert." 



~ 86 — 

Von den Bänden des Katalogs konnte keiner mehr gefunden 
werden, dagegen ist das ihnen zugmnde gelegte Schema erhalten 
geblieben *). Danach war der Bücherschatz der Bibliothek in sechs 
Hauptfächer geteilt: Theologia, Jurisprudentia, Medicina, Philo- 
sophia, Literae humaniores, Historia. Jedes dieser Fächer zerfiel 
wieder in zahlreiche, ziemlich fein gegliederte Ab- und Unterab- 
teilungen. Die Jurisprudentia war zunächst in J. canonica und 
J. civilis geschieden, die Philosophia in Philosophia stricte dicta 
und Mathesis, die Historia in H. ecclesiastica und H. profana. 
Sie vereinigte zugleich in sich die Geographia, Chronologia, Genea- 
logia, Historia literaria, naturalis et arteficialis. Die Literae 
humaniores schieden sich in Gramm atica, Poetica, Bhetorica. 
Schliesslich war noch für die Libri prohibiti gesonderte Aufbe- 
wahrung vorgesehen, 

Die Medizin, die Handschriften und die verbotenen Bücher 
scheinen in dem einen, die Literae humaniores in dem zweiten 
Nebenzimmer Aufstellung gefunden zu haben ^ die übrigen Fächer 
waren im grossen Saale verteilt. 

Einige Jahre nach Fertigstellung des Katalogs ging Seiz 
daran, die Bücher des erleichterten Auffindens wegen mit einer 
Signatur zu versehen. Er wählte hiezu eine zwischen dem fixierten 
und beweglichen System die Mitte haltende, merkwürdige Art 2). 
Jedes Buch erhielt zunächst ein schwarzbedrucktes, mit einer 
arabischen Zahl versehenes Schild; diese Zahlen liefen in jeder 
Formatklasse eines jeden Hauptfaches durch, und zwar trug im 
Anfang jeder Band eine eigene Nummer, Daneben aber bezeich- 
nete ein zweites Schild mit grossen, roten, lateinischen Buchstaben 
den Schrank, in dem das Buch verwahrt wurde. So gehören 
beispielsweise die Bücher A 1 fol. und F. 226 fol. beide zu dem 
gleichen Fache Theologie, welches Schrank A mit H umfasste. 
M 7 fol. und N 7 fol. sind verschiedene Bände desselben Werkes. 
Es ist der 7. Foliant des Hauptfachs Medizin, von dem die ersten 
Bände im Schrank M, die letzten im Schrank N stehen. Die ersten 
23 Folianten des Jus civile tragen die Signaturen Ql — 10, RH — 19, 
S 20—23 usw. 



1) Vergl. Anhang Nr. 2. 

2) Ursprünglich hatte er eine streng fixierte Signierung nach Schrank 
und Bücherbord vorgeschlagen (ü. B. Faso. 14). 



— 87 — 

Ein verhängnisvoller Fehler der Anlage war es, dass auf den 
Bücherborden wie im Kataloge am Schlüsse der einzelnen Unter- 
abteilnngen nicht genügender Raum für Neuzugänge frei blieb 
und dass man bei der Signierung der Bibliothek nicht springende 
Xummem verwendet hatte. Dadurch wurde bald das ursprüng- 
liche Schema fast völlig verwischt. Anfänglich suchte man sich 
damit zu helfen, dass verschiedene Werke dieselbe Signatur er- 
hielten und hinter- oder übereinander Platz fanden. Dann wurden 
die neuen Bücher am Schlüsse des Hauptfaches aufgestellt und nur 
im Kataloge an der gehörigen Stelle eingetragen, aber auch dieses 
Mittel versagte bald. So hatte man schon nach wenigen Jahren 
Unordnung auf den Büchergestellen und unvollständige Kataloge. 

Erst zwölf Jahre nach Vollendung des systematischen Bücher- 
verzeichnisses kam die Bibliothek in den Besitz eines alphabetischen 
Katalogs. ;, Unter gar elendigen Vorwänden und unbehelfiFlichen 
Aussflüchten", wie Hofkanzler Fichtel dem Fürsten berichtet, war 
trotz der grossen darauf verwendeten Kosten seine Fertigung 
immer und immer wieder hinausgeschoben worden. Die 1743 
tagende Kommission, deren bei der Bibliotheksordnung schon ge- 
dacht wurde, befahl endlich, den Katalog mit tunlichster Be- 
schleunigung herzustellen und ausser Brand noch einen Schreiber 
dazu zu verwenden. Landmann stellte die Ausführung innerhalb 
sechs Wochen in Aussicht. Tatsächlich erhielt im Oktober 1743 
der Ingenieur und Fähndrich Adam Adolph Schöpflein für ge- 
leistete Arbeit an der Herstellung und Kopierung des Katalogs 
72 fl. fr. ausbezahlt und meldete Fichtel im Juni des folgenden 
Jahres die Vollendung der Arbeit ^). Auch von diesem sauber und 
zierUch geschriebenen Kataloge sind nur noch Reste erhalten. Er 
litt am gleichen Fehler wie der wissenschaftliche, der engen Anlage, 
die nicht Raum für Nachträge Hess. Die Libri nupiter comparati 
wurden daher am Schlüsse der einzelnen Buchstaben nach der 
Reihe der Anschaffung verzeichnet. Bald wurde auch dies einge- 
stellt und die neuen Bücher, wie es scheint, lediglich im Zugangs- 
verzeichnisse aufgeführt. 

Damit waren die Katalogarbeiten vorerst abgeschlossen. 
Selbst der drängende Fichtel meinte, dass man vorläufig genug 
haben könne. Gleichzeitig wurde der alte Eckhartsche Vor- 



1) Mat. VII. Fol. 8. 



— 88 — 

schlag der Drucklegung des gesamten Bücherverzeichnisses von den 
Fakultäten wieder aufgenommen. Die Neuzugänge sollten in eigenen 
Supplementen verzeichnet werden. In der Instruktion wurde den 
Bibliothekaren ausdrücklich zur Pflicht gemacht, die Kataloge 
fortzuführen und die systematische Ordnung zu erhalten. Es wollte 
damit aber nie so recht klappen, auch mit der vollständigen 
Signierung des Bücherbestandes hatte es seine guten Wege. In 
späteren Jahren liess man das gewählte System gänzlich fallen. 

Schon im Jahre 1745 hatte sich der Büchervorrat derart 
gemehrt, dass die neuen Bücher aus Mangel an Platz unverschlossen 
in der Bibliothek liegen blieben. Der Fürst genehmigte daher 
Anschaffung neuer Schränke, Änderung der alten ^). 

Als Friedrich Karl von Schönborn nach einem tatenreichen 
und gesegneten Leben am 25. Juli 1746 die Augen zum ewigen 
Schlummer schloss, war die Bibliothek nach allen Richtungen hin 
organisiert und hatte bereits die Gestalt angenommen, die sie im 
wesentlichen bis zum Ende der geistlichen Herrschaft behielt. In 
prächtigem und geräumigem Lokale aufgestellt, von ständigen Be- 
amten nach festen' Grundsätzen verwaltet, verzeichnet, planvoll 
und regelmässig vermehrt und allgemein zugänglich, konnte das 
Institut endlich die beabsichtigte, befruchtende Wirkung auf die 
wissenschaftliche Arbeit der Dozenten und das Studium der Jugend 
gewinnen. Diesen Aufschwung hatte die Anstalt neben der dauera- 
den Huld der Fürsten vorzugsweise dem erfolgreichen Biblio- 
thekariate Johann Georg von Eckharts zu danken, der den 
Plan zu ihrer Organisation einsichtsvoll entwarf und deren Durch- 
führung energisch begann. 

Der Lohn der jahrelangen, zielbewussten Arbeit blieb nicht 
aus. Zwar lässt sich die gesteigerte Frequenz nicht statistisch 
festlegen, sie ist aber an sich schon wahrscheinlich bei dem frischen, 
aufstrebenden Geiste, der die Universität jener Zeit durchwehte, 
und leuchtet vor aus dem wachsenden Interesse der Professoren 
an der Anstalt, wie aus der Tatsache, dass neue Arbeitstische 
im Bibliothekssaale Aufstellung finden mussten. Durchreisenden 
Fremden wurde ;,die neue Bibliothek" gerne und mit Stolz als 
eine Sehenswürdigkeit der Stadt gezeigt. Der edle Wein, der den 
Besuchern dabei nach guter Frankensitte gastfreundlich kredenzt 



1) U. B. Fase. 13 und Kr. A. Schills. 96. 



— 89 — 

wurde, mag gar manches Mal die gemessene Anerkennung der 
Gelehrten in begeistertes Lob verwandelt haben ^). 

Schliesslich sei noch erwähnt, dass sich bereits Ansätze zu 
einem Verkehr von Bibliothek zu Bibliothek finden, indem Christoph 
Franz von Hütten 1727 von Herzog August Wilhelm von Braun- 
schweig-Wolfenbüttel den Codex epistolarum Sancti Bonifatii et 
aliorum pontificum et regum ad ipsum zur Benutzung durch Eck- 
hart erbittet und gesandt bekommt 2). 

Nach Gropp standen zu Friedrich Karls Zeiten Myriaden 
von Bänden auf den Bücherborden der Bibliothek, in Wirklichkeit 
zählte sie erst beim Tode des Fürsten rund 10000 Bände'). 

Geschichte und Jurisprudenz, an Zahl fast gleich, sind in 
dieser Zeit die bändereichsten Fächer. Die historischen Bestände, 
mit Kirchengeschichte und Hilfswissenschaften vereinigt, sind ver- 
hältnismässig am vollständigsten, namentlich für die mittelalter- 
liche Geschichte ist vortrefflich gesorgt. 

Bei den juristischen Disziplinen erscheint das Staatsrecht be- 
sonders bevorzugt, auch die ältere Literatur des römischen Rechts 
ist recht gut vertreten. 

Weniger glücklich ist die Theologie bedacht, doch zählt auch 
sie gegen 2000 Bände, darunter die Bibeldrucke von Fust und 
Schöfifer (1462), Koberger (1475) und sonst manch gutes und grosses 
Werk. 

Schwach bestellt sind Philosophie, Mathematik, Physik, die 
neben aristotelischer Philosophie auch Bayle , Leibniz , Wolff, 
Descartes, Newton, Kircher, Schott aufweisen; dann Medizin und 
Naturwissenschaften, namentlich Naturgeschichte, da sie im Grunde 
nur aus einigen wenigen botanischen Werken besteht. 

Auch die Literae humaniores haben einen ziemlich geringen 
Bestand. Für hebräische Sprachwissenschaft zeigt sich eine gewisse 
Vorliebe. Zahlreiche lateinische, auch griechische Schriftsteller 
werden bei der Geschichte aufgeführt. Von neuerer schöner Lite- 
ratur sind etliche französische, italienische, spanische, holländische 
Werke zu nennen, von englischen nur grammatikalische und lexiko- 

1) Vergl. die Rechnungen (Weinausgabe) z. ß. 1745. 

2) U. B. Fase. 234. 

3) Gropp, Collectio II. 190, 667. Für die nachfolgenden Aufstellungen 
wird der quellennaässige Nachweis im achten Kapitel erbracht. 



— 90 ~ 

graphische Schriften. Die Reihe der vorhandenen schönen deutschen 
Literatur ist mit dem schon erwähnten Pergamentdrucke des Theuer- 
dank vom Jahre 1517, dem Parzival und Titurel von 1477 und 
den lateinischen Übersetzungen vom Winsbecke (1604) und von 
Murners Schelmenzunft (1663) so ziemlich erschöpft. 

Im allgemeinen ist die Bibliothek reich an grossen, bände- 
reichen Werken. Die nicht sehr zahlreichen Inkunabeln sind nicht 
getrennt aufgestellt und verzeichnet, sondern unter die einzelnen 
Fächer zerstreut. Über die Handschriften existiert kein Verzeich- 
nis, sie sind auch an Zahl recht gering, darunter nur sehr wenige 
höheren Alters und allgemeiner Bedeutung. Auch eine eigene 
Abteilung für die Libri prohibiti besteht zu dieser Zeit, von zu- 
gehörigpn Werken lassen sich aber nur noch zwei nachweisen. 

Prozentual verteilen sich die Bestände auf die einzelnen Haupt- 
fächer wie folgt: Theologia 19 ^/o, Jurisprudentia 31 ®/o, Medicina 
6®/o, Philosophia 6®/o, Literae humaniores 8°/o, Historia 30°/o. 



Siebentes Kapitel. 

Vom Tode Friedrich Carls bis zum Ende der geistlichen 

Herrschaft (1746-1802). 

Die Grundlagen, auf denen die Bibliothek in der ersten Hälfte 
des achtzehnten Jahrhunderts aufgebaut worden war, erwiesen 
sich als tragkräftig, das gegebene Statut blieb in Kraft, die ge- 
wählten Verwaltungsprinzipien erhielten sich in Wirksamkeit. Das 
Interesse der Fürsten an der Anstalt war allzeit ein waches und 
reges und trat am schönsten zutage an Franz Ludwig von Er- 
thal, der 'sich durch weise Verordnungen ein gesegnetes Andenken 
in der Geschichte der Bibliothek schuf. Alles in allem genommen 
zeigt sich kein Stillstand oder Rück^^ang, auch kein tatenfrohes 
Aufstreben, wohl aber ein ruhiger Fortschritt, der vielfach Er- 
freuliches zu berichten gestattet. 

Hauptraum der Bibliothek war und blieb der grosse 
Saal, der wiederholt baulichen Reparaturen unterzogen werden 



— 91 — 

mnsste. Zu den beiden vorhandenen Nebenzimmern kam in der 
Mitte der sechziger Jahre ein drittes, dem südlichen vorgelagertes, 
das dadurch gewonnen wurde, dass man die ursprünglich innen 
emporführende Treppe gegen den Hof zu drehte und so zwei 
weitere Bögen zum Einbauen frei bekam. Das neue Gemach^), 
das auch den Zugang zur Bibliothek vermittelte, wurde zum 
Arbeitsraum für die Beamten und zum Lesezimmer bestimmt, 
während in dem alten Bibliothekarzimmer die Nessfellsche Maschine 
Aufstellung fand. Dies kunstreich und prächtig gearbeitete Werk 
des Autodidakten Georg Nessfell, ein kopernikanisches Plane- 
tarium, das von Adam Friedrich von Seinsheim für Würzbu/'g er- 
worben worden war und ursprünglich im fürstlichen Sclilosse ge- 
standen hatte, blieb das Prunkstück der Bibliothek bis zum 
Jahre 1792, wo es dem physikalischen Kabinete überwiesen wurde. 
Späterhin erwarb es das bayerische Nationalmuseum, in dessen 
Sammlungen es sich noch heute befindet^). Nach der Entfernung 
des Planetariums kehrten die Bibliothekare in ihr altes Zimmer 
zurück, das neue, zwar heizbare, aber wenig geräumige und massig 
helle Lokal fand als Lesesaal für die Studierenden Verwendung. 
Der rasch anwachsende Bücherschatz brachte immer wieder Raum- 
not, der man durch Aufstellung neuer Bücherschränke in den Lauf- 
gängen des grossen Saales und in den Nebenzimmern zu steuern 
suchte^). Im letzten Jahrzehnte vor der Säkularisation machte 
der Erwerb grösserer Bücherkomplexe die Einbeziehung des medi- 
zinischen und theologischen Hörsaales, die beide den bisherigen 
Räumen nördlich vorlagen und die zeitweilige Verwendung * der- 
selben als Bücherräume notwendig. Erst 1803 wurde dann das 
ehemalige Auditorium theologicum definitiv zur Bibliothek gezogen*). 

1) Zimmer 4 der Skizze (S. 68). Das Projekt lag bereits 1783 vor, 
1766 war der Bau vollendet, aber erst 1769 wurde die Maschine in der Biblio- 
thek aufgestellt. Gleichzeitig erhielten die Bibliothekare den Befehl, das Werk 
genauer zu studieren. Kr. A. Schuls. 101, 102, 113 u. V.-A. Riechg. 1766 S.280, 
dann U. B. Fase. 255. Prot, der BibliotheksEommissionssitzg. v. 13. Jänner 
1836 mit 2 zugehörigen Skizzen. Der Kontext des Protokolls hat die richtigen 
Bezeichnungen, die Skizze A aber hat Zimmer V und VI vertauscht. 

2) Neues Nationalmuseum Erdgeschoss, Saal 38. Vergl. Röntgen, C. W., 
Zur Geschichte der Physik an der Universität Würzburg. Rektoratsredo 1894. 
S. 12 f. 

3) Bericht 1778. IX. 3. Kr. A. Schuls. 105 u. a. m. 

4) Hirschin g a. a. 0. IV. 449, Fi-finkische Staats- u. gelehrte Zeitung. 
1804. Nr. 125. S. 511 f — Rezeptoratspräsident Graf Stadion schildert 1803 



— 92 — 

Die Zahl der Bibliotheksbeamten wuchs bis 1780 immer 
mehr an; in den letzten zwanzig Jahren des Jahrhunderts kehrte 
man dann wieder zu einfacheren Verhältnissen aber besserer 
Gliederung zurück. Zunächst stand der Universitäts-Syndikus und 
Konsistorialassessor Christ. Fr. Joseph Land mann nach dem 
Tode Friedrich Karls von Schönbom noch zwei Dezennien hindurch 
an der Spitze der Anstalt. Begreiflicherweise musste er sich bei 
seinen vielfachen Pflichten auf die Erledigung der laufenden Ge- 
schäfte beschränken und kann bei ihm von tiefergreifenden biblio- 
thekarischen Arbeiten nicht die Rede sein. 

Vorarbeiten zu einem neuen systematischen Kataloge und Aus- 
arbeitung einiger Fächer desselben brachte er dennoch zu Wege. 
Von seinem Fürsten wurde Landmann mit dem Prädikate eines 
Hofrats ausgezeichnet, auch in seinem Gehalte mehrfach erhöht^). 
Im Februar 1770 legte er wegen hohen Alters und schwächlicher 
Gesundheit die Syndikatsgeschäfte nieder und schon am 16. April 
desselben Jahres starb er nach 43 jähriger Dienstzeit in der 
Bibliothek 2). 

Sein Amtsgenosse Dr. theol. et jur. J. A. Brand wurde im 
Jahre 1750 zum geistlichen Rate und Fiskal ernannt und ging 
noch im gleichen Jahre auf Staatskosten nach Rom, um sich in 
der Praxis der römischen Kurie auszubilden^). Nach drei Jahren 
zurückgekehrt, fand er sogleich Verwendung in der geistlichen 
Regierung und wurde von da an den Bibliotheksgeschäften und* 
seinen Studien mehr und mehr entfremdet, wie* überhaupt nach 
der Sitte der Zeit eine sehr vielseitige Betätigung von ihm ver« 
langt wurde. So erhielt er 1755*) eine Gehaltserhöhung mit der 



(S. A. lY. 1) die Lokalverhältnisse mit folgenden Worten: .Das Locale der 
B. ist noch zur Zeit das beste, das in dem Universitäts-Gebäude gefunden 
werden konnte und besteht in einem gewölbten Saal im unteren Stock des 
Universitäts-Gebäudes,, einem Nebenzimmer für Bücher und 2 Zimmern für die 
Bibliothekare und zum Lesen. Allein dieser Platz ist dennoch zu eng, um die 
Bücher gehörig unterzubringen, dunkel und unangenehm, besonders ist das 
Lesezimmer so dunkel, dass es im Winter oft nicht brauchbar ist . . .'' 

1) Zuletzt erhielt er 400 fl. fr., 1 Fuder Wein, 12 Malter Korn, was von 
da ab Norm für die Bibliothekar- Bestallung wird; dazu kommt noch gewöhn- 
lich freie Wohnung. 

2) V.-A. Rechnung 1770. 

3) V.-A. Rec. Prot. Buch A. 167—169. 

4) V.-A. Rec. Prot. Buch A. 198. 



— 93 — 

Auflage, dass er ^^nebst Beyhaltung der Bibliothekariatsstelle die 
Criminalia und processus jurisdictionales auf der geistlichen 
Regierung, auch die Ihme etwann mildest zukommende professur 
und andere Verrichtungen dafür gebührend verrichten solle^. Den 
hier in Aussicht gestellten Lehrstuhl der Kirchengeschichte hat 
Brand freilich nicht mehr besteigen können. Oberthür weiss 
zu berichten, dass er das Opfer einer fein angelegten Kabale 
seines ehemaligen Lehrers Barthel geworden sei, der in dem 
vielversprechenden Gelehrten einen Rivalen fürchtete und ihn 
daher aus der Studierstube in eine andere Sphäre abzudrängen 
wusste^). 

Nachdem er noch wenige Jahre zuvor Kanonikus des Stiftes 
Hang geworden, erlag der kenntnisreiche und befähigte Mann am 
14. April 1761, erst 46 Jahre alt, einem frühzeitigen Tode^). 

Inzwischen war unter ausdrücklicher Anerkennung des durch 
die vielfachen Amtspflichten Landmanns und Brands ge- 
schaffenen misslichen Zustands der Bibliothek, unterm 14. Dezember 
1757 in dem ehemaligen Professor der hebräischen Sprache zu 
Helmstedt und kurfürstlich kölnischen Rate Carl Ignatius Antoni, 
zu dessen Gunsten vortreffliche Zeugnisse, allgemeine Bildung und 
Kenntnis der orientalischen Sprachen entschieden hatten, ein dritter 
wirklicher Bibliothekar aufgestellt worden^). Er nahm auch mit 
Eifer die neue Aufgabe in Angriff und errang sich durch ganz 
besonderen Fleiss und hohe Geschicklichkeit fürstliches Lob ; seine 
gründlich zerrütteten Vermögensverhältnisse nöjbigten ihn aber nach 
kaum dreijährigem Aufenthalt zu fluchtartigem Abschiede von 
Würzburg*). 

Da Dr. Brand wenige Monate nach Antonis Verschwinden 
starb, waren zwei Bibliothekarstellen neu zu besetzen, in die der 
Regierungs- und Landgerichts-Advokat Heinrich Willibald Ger- 



1) Oberthür, Leben Schmidts S. 41. 

2) Ulrich a. a. O. S. 126. 

3) Vorher bestand der Plan, zur Abhilfe einen Schreiber beizugeben. Er 
kam aber nicht zur Ausführung, wiewohl aushilfsweise Rezeptorats-Kanzlisten 
verwendet wurden. Auch Studierende scheinen beigezogen worden zu sein, 
wenigstens wird von Jos. Li Her S. J. berichtet, dass er 1748/49 Kandidat der 
Theologie und Adjunkt des Bibliothekars zu Würzburg gewesen (Jaeck, 
Pantheon. Nr. 89. S. 658). 

4) V.-A. Rec. Prot. Buch A. 202. — Kr. A. Schuls. 100, 101. 



— 94 — 

mershausen und der Alumnus clericus und Amanuensis Professor 
Barth eis, Philipp Joseph Martin, eintraten. 

Germershausen ^), ein diensteifriger, gebildeter und sprach- 
kundiger Mann, konnte sich bald der Einsicht nicht verschliessen, 
dass der Bibliothek mit Beamten, die ihr nur einen geringen Teil 
ihrer Zeit und Kraft geben konnten, nicht gedient sei. So ent- 
schloss er sich, seine Advokatur niederzulegen und sich ganz der 
Bibliothek zu widmen. In einer italienisch geschriebenen Eingabe 
setzte er den Fürsten in Kenntnis von seinem Entschlüsse, entwarf 
ein kurzes, scharfumrissenes Bild der gegebenen Verhältnisse und 
bat schliesslich zur Ermöglichung des Vorhabens um Gehaltser- 
höhung^). Adam Friedrich von Seinsheim gewährte die Bitte und 
Germershausen, auf den auch die vorgesetzten Universitäts- 
behörden mit besonderem Vertrauen blickten, wurde für die 
nächsten sechzehn Jahre die Seele der Bibliothek. Seine Haupt- 
kraft nahm der Verkehr mit dem Publikum in Anspruch, daneben 
fand er wenigstens noch Zeit, ein genaues und erschöpfendes Zu- 
gangsverzeichnis zu führen. Er starb am 18. April 1780^). 

Gleichzeitig mit Germersh ausen war Philipp Joseph Martin 
zum Bibliothekar berufen worden, trat jedoch das Amt erst am 
1. März 1766 an, nachdem er inzwischen auf längeren Studien- 
reisen nach Italien, Frankreich und Holland seine Kenntnisse er- 
weitert, dann aus den Händen seines Lehrers Barthel den Doktor- 
hut der Rechte empfangen hatte, auch als Kanonikus in das 
KoUegiatstift Haug, eingetreten war. Martin*) war unstreitig 
eine bedeutende Persönlichkeit von streng kirchlicher Gesinnung. 
Selbst der ihm durchaus nicht freundlich gesinnte Oberthür ge- 
denkt mit Achtung seiner gründlichen Beherrschung des kanoni- 
schen Rechts, seiner Geschäftsgewandtheit, seines Direktionstalentes. 
Allzu tief in die bibliothekarische Kleinarbeit hat er sich aller- 
dings nie eingelassen und sich allzeit mit einer gewissen Oberauf- 



1) Ernannt 1761. IX. 21. — V.-A. Rec. Prot. Buch A. 223 f. 

2) 1763. ü. B. Fase. 271. 

3) V.-A., Rec. Prot. Buch A. 239, u. 85, 1. Fol. 12; V.-A. Hauptrechg. 1780. 
<() Geboren zu Würzburg 10. Febr. 1736. Vom dortigen Elerikalseminar 

aus kam er noch vor seiner Priesterweihe in das Haus Bartheis als dessen 
Amanuensis, 1759 erwarb er den Baccalaureat der Theologie, 1764 den Doktorat 
der Rechte. In das Stift Haug trat er ein 1763, wurde Kapitular 1769, 
Kustos 1773. 



— 95 - 

fiicht und Beihilfe bei der Bücherauswahl begnügt. Freilich war 
sein Wirkungskreis auch ein sehr ausgedehnter. Schon seit dem 
Jahre 1766 war er geistlicher Rat. Anfangs der siebziger Jahre 
wurde er sodann in kirchlichen Angelegenheiten nach Rom und 
an den Wiener Hof gesandt und die glückliche Durchführung der 
Mission brachte dem gewandten Diplomaten von Papst Clemens XIV. 
die Würde eines päpstlichen Hausprälaten, von seinem Fürsten 
wnrde er zum geheimen Rate erhoben. Adam Friedrich ernannte 
ihn auch zum Konservator der Universität ^) neben dem Hof kanzler 
Habermann und zum Mitglied der Schulkommission. In letzterer 
Stellung suchte Martin der theologischen Fakultät nach Wiener 
Vorbild einen Direktor vorzusetzen, aber Mich. Ignaz Schmidt, 
dem dies gleich den übrigen Mitgliedern der Fakultät keineswegs 
zusagte, wusste den Plan zu vereiteln und den ehrgeizigen Mann 
zur Übernahme des neuzubesetzenden Direktoriums der philo- 
sophischen Schulen und des Gymnasiums zu bewegen. Das Jahr 1786 
brachte für Martin die Wahl zum Haugei* Dechanten, worauf er 
seine verschiedenen Ämter niederlegte, nur noch Konservator der 
Universität blieb. Schliesslich ist er in dem letzten Jahre der 
fürstbischöflichen Zeit der letzte Prokanzler der Alma Julia ge- 
worden. 

Er starb, 68 Jahre alt, am 23. November 1804. Von Interesse 
ist hier noch, dass Martin im Jahre 1768, um seinen biblio- 
thekarischen Eifer gegenüber der erhobenen Anschuldigung der 
Nachlässigkeit ins rechte Licht zu setzen, in seiner Stiftswohnung 
Privatvorlesungen über die Geschichte der Wissenschaften und der 
Bibliotheken hielt, denen er des Struvius Introductio in notitiam 
rei litterariae et usum bibliothecarura zugrunde legte. Über einen 
Kursus scheint er jedoch nicht hinausgekommen zu sein^). 

Ein Jahr nach Hofrat Landmanns Tod wurde der da- 
malige Hofmeister des adeligen Seminars Dr. Michael Ignaz 
Schmidt neben Germershausen und Martin als dritter 
Bibliothekar berufen, allerdings mit dem ausdrücklichen Bemerken, 



1) Vergl. hiezu § 64 der 2. Studienordnung Friedrich Karls, bei Wege le 
IL S. 392. 

2) VergU zu Martin: V.-A. Rec. Prot. Buch A 225, 248. B 61, Mat. VIII. 
fol. 65. VII. foi. 95/96, Kr. A. Mise. 598, ü. B. Fase. 271. Oberthürs Auto- 
biographie II. 78^83, 134 f. Ulrich a. a. 0. S. 127 Nr. 81. Schöpf S. 415 f. 
Boenicke IL S. 184 f. Huland, series S. 277 u. s. f. 



— 96 — 

dass die eine oder andere künftig erledigte Bibliothekariatstelle zu 
gunsten des Rezeptorates eingezogen werden solle ^). Schmidts 
Name ist der beste, dessen sich die Bibliothek in den Reihen ihrer 
Beamten rühmen kann, zugleich der des hervorragendsten Geschichts- 
schreibers der Deutschen im achtzehnten Jahrhundert. Der Lebens- 
gang des ausgezeichneten Mannes ist hinreichend bekannt und be- 
schrieben. In den zehn Jahren seines bibliothekarischen Wirkens 
zu Würzburg entfaltete er gleichzeitig als Professor der Reichs- 
geschichte an der Hochschule, als Rat an der geistlichen Regierung 
und namentlich als Mitglied der Schulkommission, in der er sich 
eine dominierende Stellung zu erringen wusste, eine äusserst viel- 
seitige und fruchtbringende Tätigkeit. In dieser Zeit erschienen 
auch die ersten Bände seiner Geschichte der Teutschen, die seinen 
Ruhm nachhaltig begründeten, aber auch seinen Verlust für Würz- 
burg verursachten. Im Oktober 1780 folgte nämlich Schmidt 
einem an ihn ergangenen ehrenvollen Rufe, nahm die angebotene 
Stelle eines Direktors ' des kaiserlichen Haus- und Staats- Archivs 
zu Wien an, und Franz Ludwig von Erthal Hess die bewährte und 
noch mehr verheissende Kraft begreiflicherweise nur sehr ungern 
ziehen ^). 

Um die Bibliothek erwarb sich Schmidt nicht unbedeutende 
Verdienste, indem er massgebenden Einfluss auf die Auswahl der 
anzuschaffenden Werke gewann und zugleich die studierende Jugend 
in seinem Sinne zu lenken und zur fleissigen Benützung des 
Bücherschatzes anzuregen wusste. Die englischen Philosophen, vor 
allem Hume, die protestantischen Theologen, die schöne franzö- 
sische, englische, deutsche Literatur empfahl er vor allem ^). 

Was höher anzuschlagen ist, seine Stellung gewährte ihm 
jederzeit Zutritt zu den Bücherräumen und ihre gerade im histo- 
rischen Fache vortrefflichen Bestände haben seine Studien und 



1) 1772. V. 22. V.-A. Rec. Prot. Buch A. 284. — Schmidt ist geboren 
am 29. Januar 1736 zu Arnstein, gestorben am 1. November 1794 za Wien. 
Vergl. Oberthür, Fr., Michael Ignaz Schmidts des Geschichtsschreibers der 
Deatschen Lebensgeschichte . . . Hanover 1802. Wegele I. S. 452, 453 u. s. f., 
dann Wegeies Artikel in der A. D. B. und die dort angegebene Literatur. 

2) Kerl er, Dtch., Die Berufung des Geschichtsschreibers M. J. Schmidt. 
= A. h. V. 40. 1898. S. 73 flp. — Sechs Briefe an M. J. Schmidt und von ihm. 
Mitget. V. M. Hahn. = A. h. V. 5. II. S. 121. 

3) Schwab, J. Bpt., Franz Berg. Würzburg 1869. S. 36 ff. Vergl. auch 
einen Bericht Zirkels (bei Braun IL S. 286.) 



— 97 — 

sein Hauptwerk nicht unwesentlich gefördert. Noch von Wien 
aus schrieb daher Schmidt die dankbaren, für die Bibliothek 

sicherlich ehrenvollen Worte: ;, Insonderheit aber wird mir 

allemal die Universitäts-Bibliothec .... in stäts frischen und an- 
genehmen Andenken bleiben. Obschon ich die Erlaubnis habe, 
aus der dahiesigen kaiserlichen zu verlangen, was ich immer 
brauche, so vermisse ich doch manchmal die erstere wegen seltener 
sonstwo nicht zu findender Piecen, die sie enthält" ^). 

Als der so dringend nötige systematische Katalog trotz der 
verhältnismässig grossen Zahl der Bibliothekare immer und immer 
nicht zustande kommen wollte, suchte man dem Mangel durch 
Aufstellung eines eigens hierfür bestimmten Beamten zu steuern 
und berief den Magister der Philosophie Johann Justus Herwig 
als Exspektant mit der halben Bibliothekarbestallung in die Biblio- 
thek 2). Herwig, der Sohn des evangelischen Oberpfarrers zu 
Waidenburg im Hohenlohischen , hatte zu Altdorf studiert und 
war sodann mehrere Jahre als Pfarrer tätig, bald aber verliess er 
Heimat und Amt und nahm die Stelle eines Würzburgischen 
Kommerzienrats an, um den seiner Aussage nach längst erwogenen 
Entschluss des Übertritts zur römisch-katholischen Kirche ausführen 
zu können. Die Konversion, deren Gründe nicht durchweg die 
lautersten gewesen zu sein scheinen, hat eine eigene kleine Lite- 
ratur hervorgerufen. Nach seinem Eintritt in die Bibliothek ent- 
warf er ein Schema des Realkatalogs, das aber nicht in allen 
Punkten Billigung fand. Statt ein neues auszuarbeiten, verlegte 
er sich ganz auf seine Professur der ^eleganten Literatur"^). 

Zum Gebrauche dieser Vorlesungen gab er 1774 einen dem 
Fürstbischöfe Adam Friedrich von Seinsheim gewidmeten Grundriss 
heraus, eine Kompilation, die in zwei Hauptteilen die Literatur- 
und Kunstgeschichte und die Ästhetik behandelt und nach sach- 
kundigem Urteil einen lesbaren Auszug aus guten, meistens fran- 
zösischen Schriftstellern gibt, von den deutschen Mengs, nicht aber 



1) 1781. IV. 11. an Rezeptor zur Westen (Abschrift) Kr. A. Schuls. 106. 
Rnland, Series S. 163, bemerkt hiezu «... hicque exaravit prima historiae 
Germanicae volnmina (quibas aeque ac commentariis, qnae iam olim Jo. G. ab. 
Eckard hie conscripserat, Bibliothecam nostram Germaniae splendoris fontom, 
a maJtis silentio praetermissum dixerim) . . .'^ 

2) 1772. IlL 11. V.-A. Rec. Prot. Buch A. 290. 

3) Kr. A. Schuls. 104. 

7 



— 98 — 

Winckelmann anführt^). Herwig wohnte in dem Hause des 
Ober^stleutnants M. A. Müller und dessen jugendlicher Enkel 
Neithardt von Gneisenau, der jene Jahre in Würzburg verlebte, 
schloss sich enge an den gelehrten und interessanten Mann an. 
Fünfzig Jahre später noch erinnerte sich Gneisenau dankbaren 
Sinnes, dass Herwig ihm von seinen Büchern gab, soviel ihm 
nützlich dünkte, unter anderen den Homer in deutscher Über- 
setzung. ^Da lernte ich die Ilias und Odyssee kennen,^^ schreibt 
der Feldmarschall, ;,und von daher stammt meine Liebe zu litera- 
rischen Beschäftigungen" ^). 

Herwig war nach allem ein heller Kopf, aber schwankender 
Charakter, und so wurde bald seine Stellung auch in Würzburg 
eine unhaltbare. Er erbat und erhielt vom Fürsten im Jahre 
1774 die Erlaubnis, auf einige Monate ausser Landes zu gehen, 
um mit Hilfe auswärtiger Freunde seine misslichen Finanzen zu 
regulieren, was er erst ausführen konnte, als der Fürst ihm 50 
Taler Vorschuss zur Auslösung seiner notdürftigsten Kleidung an- 
gewiesen hatte. Er ging,* um nicht mehr zurückzukommen. Nach- 
dem inzwischen seine Ehe auf Antrag der Frau wegen böswilligen 
Verlassens geschieden worden war und heftige Zeitungsartikel ihn, 
allerdings ohne Grund, des Diebstahls geziehen hatten, suchte er 
vier Jahre später um Wiederverwendung in Würzburg nach, ob- 
wohl er in der Zwischenzeit keine Miene gemacht hatte, seine 
Schulden abzuzahlen. Die Bibliothekare gaben ein ablehnendes 
Gutachten und der Fürst verfügte seine Entlassung. Der inzwischen 
aufgelaufene Gehalt wurde zur Befriedigung der zahlreichen Gläu- 
biger verwendet, in deren Auswahl er nicht gerade skrupelhaft 
gewesen war. Er kehrte später in seine Heimat zurück und 
starb als fürstlich Hohenlohe-Schillingsfürstscher Hofrat und Archivar 
am 14. März 1801 »j. 



1) Urlichs, C. L. v., Die Philosophische Fakultät der Universität Würz- 
burg. Rektoratsrede 1886. S. 6. 

2) Brief an die Gräfin Reden. Berlin 1825. I. 19 bei Pertz, G. H., Das 
Leben des Feldmarscballs Grafen Neithardt von Gneisenau. I. S. 7 ff. V. S. 513. 
Einblick in Hs. wissenschaftliche Tätigkeit vor der Würzburger Zeit geben die 
Briefe deutscher Gelehrten an den Herrn Geheimen Rat Klotz. Herausg. von 
J. J. A. V. Hagen. Cosmopolis 1773 zweyter Theil S. 60 ff. 

3) Mensel, Das gelehrte Teutschland. III. 5. A. Lemgo 1797. S. 271 f. 
(Verzeichnis seiner Schriften) IX. ibid. 1801. S. 576. 



— 99 — 

Das bisherige System der Verwendung vielbeschäftigter, unter 
sich unabhängiger Bibliothekare ohne bestimmte Diensteinteilung 
hatte gründlich versagt. Zwar die laufenden Geschäfte waren 
niemals ins Stocken geraten, aber für den inneren Ausbau der 
Bibhothek und ihre bessere Nutzbarmachung war nur sehr wenig 
geschehen. Zudem hatte der erste Versuch, weitere wissenschaft- 
liche Hilfskräfte heranzuziehen, vom Kostenpunkte ganz abgesehen, 
ein wenig ermutigendes Ende genommen. 

So ging man endlich zu einer strafferen Gliederung des Be- 
amtenkörpers über. Zunächst wurde in Anton Aloysius Welz ein 
Kanzlist bestellt. Als dann 1780 Germershausen starb und 
Schmidt nach Wien übersiedelte, wurde für beide Franz Simon 
als leitender Bibliothekar berufen, während Martin von jetzt ab 
sich mit der Oberaufsicht über die Anstalt begnügte. 

Franz Simon, ein geborener Würzburger, Priester und Ex- 
jesuit, hatte zu Heidelberg aus der Theologie defendiert. Später 
hielt er sich längere Zeit zu Ingolstadt auf und kam dann nach 
Würzburg, wo er am 25. XI. 1781 die erledigte Bibliothekarstelle 
Schmidts mit dessen halber Bestallung erhielt. Langjährige Tätig- 
keit war ihm nicht vergönnt, denn er starb schon am 17. 1. 1788, 
ohne bleibende Spuren seines Wirkens zu hinterlassen^). 

Als Martin Dechant zu Haug geworden, trat er bald vom 
Bibliothekariate zurück, an seine Stelle kam Dr. iur. Johann Philipp 
Gregel, der gleichzeitig zum ausserordentlichen Professor des 
Kirchenrechts ernannt wurde *). Er hatte seine Studien im Würz- 
burger Seminare gemacht und dann nach der Priesterweihe in 
mehrjährigem Aufenthalte zu Nancy, Göttingen und Mainz seine 
Kenntnisse vertieft. Schon 1791, als er nach dem Tode des Pro- 
fessors Endres die ordentliche Professur und gleichzeitig ein 
Kanonikat am Stifte Haug übernahm, resignierte er auf seine Biblio- 



1) Kr. A. Schals. 87, 110. V.-A. Rec. Prot. Buch. B. 19. Oberdeutsche 
allg. Literaturzeitung 1788 S. 295/296. 

2) Geboren zu Prölsdorf, B.-A. Hassfurt 1750. IV. 7, zum Bibliothekar 
ernannt 1787. X. 4., erhielt 1789 eine Zulage, ^weil er allein Bibliothekar sey**, 
dazu freie Wohnung, resignierte 1791. V. 19. — V.-A. Rec. Prot. Buch B. 58, 
71. — Kr. A. Schuls. 112. — Vergl. auch Ulrich a. a. 0. S. 133. Keller, 
G. J.y Beschreibung und Erklärung einiger Denkmünzen auf merkwürdige 
Franken ... Nr. 22. = A. h. V. 9, 2, S. 45 ff. — Schöpf a. a. 0. S. 413 
u. s. f. 

7* 



— 100 — 

tfaekarstelle, um sich gaoz dem Lehramte zu widmen. Er war ein 
tadelloser Charakter , ausgezeichneter Gelehrter und bewährter 
Praktiker. Nach der Reorganisation der Universität durch die 
bayerische Regierung verliess er den Katheder und ward später 
Regierungsrat und Referent für Kirchensachen. Hochbetagt ist er 
1841 gestorben. Der Bibliothek bewahrte er allzeit freundliches 
Gedenken und bat ihr noch testamentarisch seine reiche Bücher- 
sammlung, vornehmlich kirchenrechtlichen Inhalts, überwiesen^). 

Gr^gel hatte sich in kurzer Zeit eine gründliche Kenntnis 
der Bibliothek erworben und konnte bereits ein Jahr nach seiner 
Berufung einen ausführlichen Bericht überreichen, worin er die 
eigenartigen Verhältnisse, die sich in der Bibliothek herausgebildet 
hatten, eingehend schilderte und zugleich mit praktischen Besse- 
rungsvorschlägen hervortrat 2). Die Arbeit zeugt von gewissen- 
haftem Studium der Anstalt und verrät bibliothekarische Talente. 
Leider wurde der einsichtige Mann dem Institute allzubald wieder 
genommen, wenn ihm auch nach seinem Rücktritte ein gewisses 
Aufsichtsrecht wenigstens einige Zeit noch zugestanden war. 

Wie Gregel nach Simons Tode allein Bibliothekar gewesen, 
so erhielt auch sein Nachfolger, Dr. theol. Michael Feder ^), Pro- 
fessor der orientalischen Sprachen, später der Moral- und Pastoral- 
theologie, allein die Leitung der Anstalt und sie fuhr gut dabei. 
Feder war ein sehr fruchtbarer Schriftsteller und Übersetzer, doch 
beruhte seine Bedeutung wesentlich auf seiner redaktionellen Tätig- 
keit und auf den Kanzelreden, die er als Präses der akademischen 
Marianischen Sodalität hielt. Zum bibliothekarischen Berufe 
machten ihn eiserner Fleiss, umfassende Literaturkunde und reiche 
Sprachkenntnisse, anregendes und entgegenkommendes Benehmen 
den Studierenden gegenüber vorzüglich geeignet, und die Bibliothek 
wuchs auch unter seiner Amtsführung langsam, aber sicher an 
innerem Gehalte und planvoller Ordnung. 1799 erhielt er, schon 
einige Jahre vorher zum geistlichen Rate ernannt, statt der nach- 



1) ü. B. Fase. 79. 

2) Bericht dd. 1788. X. 27 (ü. B. Fase. 14). 

3) Geboren zu Ölungen (B.-A. Ochsenfurt) am 25. Mai 1754; er wurde 
im Würzburger Seminar gebildet, 1777 zum Priester geweiht, worauf er einige 
Jahre in der Seelsorge tätig war. 1785 erfolgte seine Ernennung zum Kaplan 
des Juliusspitals und zum ausserordentlichen Professor; am 7. XL 1791 zum 
Universitätsbibliotbekar. 



— 101 — 

gesuchten EntlassuDg und Versetzung auf eine Pfarrei eine Gehalts- 
zulage als Anerkennung seiner Verdienste ; auch nach der Säkulan* 
sation wurde er in den bisher innegehabten Stellen belassen, doch 
trat er 1805 von der Professur zurück und wurde schon 1811 
anch als Oberbibliothekar in den Ruhestand versetzt^). Körper- 
liche und seelische Leiden machten die letzten Lebensjahre zu 
wenig freundlichen. Er starb am 6. Juli 1824*). 

Seit dem Jahre 1778 war bei der Bibliothek wieder ein dem 
Bibliothekar untergeordneter Kanzlist angestellt. Der erste war 
Anton Aloysius Welz, der bei seinem Dienstantritt nach Abschluss 
der juristischen Studien bereits fünf Jahre praktiziert hatte und 
den Charakter eines kurpfalzbayerischen Hofrats trug, trotzdem 
sich noch weitere fünf Jahre lang lediglich mit der ^Exspektanz 
einer Kanzlistenstelle^ begnügen, d. h. ohne Gehalt Dienst leisten 
musste. Sechzehn Jahre hindurch war er in der Bibliothek ver- 
wendet und leistete ihr durch seinent unverdrossenen Fleiss bei 
den vielfachen Verhinderungen der Bibliothekare durch Kollegien, 
akademische Akte usw. schätzbare Dienste ; die Neuanlage des 
alphabetischen Bandkatalogs, der gerade zur Zweihundertjahrfeier 
der Universität fertiggestellt wurde, ist sein Werk. Ausserdem 
lag ihm die Aufsicht im Lesezimmer, die Ausleihe, der Verkehr 
mit dem Buchbinder, das Einstellen der Bücher ob. Der geschäf- 
tige, aber von Eitelkeit nicht freie Mann konnte die erstrebte 
Bibliothekarstelle trotz mehrfacher Versuche nicht erreichen, wurde 
vielmehr 1794 zum Rezeptorate zurückversetzt, späterhin zum 
Haushaltungsinspektor der beiden Seminarien befördert^). 

Aushilfsweise machte der Kanzlist Löhlein Dienst in der 
Bibliothek, neben ihm der Rechtskandidat Sebastian Stumpf; 
letzterer wurde 1795 definitiv als Bibliothekskanzlist ange- 



1) Der QaiesceDZ ging eine langwierige Disziplinaruntersachung voraus, 
die auch zeitlich ausserhalb des hier gestellten Rahmens liegt . . . iniurioso et 
fraudulento modo e Bibliotheca, munere saepissime in praefectos ingrato, 
dimissas . . . meliori sorte utique dignus fuit. Ruland, Series S. 194, 199. 

2) V.-A. Rec. Prot. Buch ß. 94 u. 8r, 1 Fol. 7. — Kr. A. Schuls. 103, 
109, 113, 127. — S. A. IV. 1. — Seuffert I. Kap. 3 Fol. 22; vergl. auch 
A. D. B. 8. h. V.; Ruland, Series S. 193—199; Felder, Gelehrten- Lexikon 
d. kathol. Geistlichkeit I. S. 210—213; Wegele I. S. 476, 486; Braun II. 
S. 304 u. s. f. 

3) Kr. A. Schuls. 87, 104, 105, 106, 109, 111, 113, 118, 126. 



- 102 — 

stellt ^). Vier Jahre später, nach seiner Berufung zum zweiten hoch- 
stiftischen Archivar, trat an seine Stelle als Sekretär der Kanonikus 
zu St. Stephan in Mainz, Johann Kaspar Goldmayer, der auch 
nach dem Ende der geistlichen Herrschaft noch lange Jahre als 
Professor und Oberbibliothekar an der Alma Julia wirkte^). 

Bezeichnend für die Anforderungen, die man damals an den 
jungen Bibliothekar stellen zu müssen glaubte, sind die empfehlen- 
den Worte, mit denen Professor Feder die Anstellung Stumpfs 
erbat: ;,.... Er ist ein stiller, im höchsten Grade fleissiger, mit 
der Geschichte und Literaturgeschichte schon ziemlich bekannter 
junger Mann, liest und spricht französisch, hat eine gute Hand- 
schrift, will italienisch und griechisch im künftigen Winter lernen, 
hat ein Vermögen von beyläufig 7000 fl., ist bereit auf eigene 
Kosten fremde Bibliotheken zu sehen und mit einem geringen 
Gehalte vorlieb zu nehmen; hat auch einen sehr guten Charakter : 
mit einem Worte, hat alte Anlagen zu einem recht geschickten 
Bibliothekar ..,''^), 

Der Diener blieb die ganze Zeit über der Bibliothek und dem 
Rezeptorate gemeinsam. In Anbetracht des hohen Alters des 
bisherigen Famulus wurde 1766 Moritz Killian als Diener auf- 
gestellt; Engiga starb auch schon im folgenden Jahre. Auf 
Killian folgte 1771 Johann Pfister, ein fähiger, erfahrener 
und unermüdlicher Mann, der 1793 eine besondere Instruktion 
mit Verpflichtung zum regelmässigen Reinigen und Heizen der 
Bibliothek erhielt*). Als er 1798 zum Zins- und Zehnt-Inspektor 
ernannt wurde, ward Christoph Zipf sein Nachfolger. Für die 
Bibliothek erwies sich die Teilung fortdauernd als ungünstig, da 
der Diener nur selten und da nur für kurze Zeit zu haben war. 
Aus einem Gutachten des Direktors Lurz ersehen wir, dass der 

1) Unterm 20. Juli 1795 erging sein Anstellungsdekret als Bibl.-Eanzlist, 
am 24. Januar 1799 wurde er zum Archivar ernannt. V.-A. Rec. Prot. Buch 
B. 150 u. Mat. VII. 119. 

2) Zum Sekretär ernannt am 22. I. 1799. V.-A. Rec. Prot. Buch B. 208. 

3) U. B. Fase. 14. In einem etwa gleichzeitigen Berichte fordert Feder 
allgemein als Vorbildung für einen Bibliothekargehülfen, er solle Französisch 
und Italienisch können und müsse ausserdem „ wenigstens einige Tinktur von 
der griechischen Sprache besitzen, indem ohne diese in der medizinischen 
Literatur schlechterdings nichts kann geleistet werden.'' 

4) Kr. A. Schul?. 119. — ü. B. Fase. 265. 



— 103 — 

Famnius ein ^litteratns^ sein sollte, der auch zu den KaDzlei- 
arbeiten des Rezeptorates herangezogen werden konnte^). 

Als Universitätsbuchbinder erscheint Georg Joseph Fesen- 
mayer bis zum Jahre 1750, wo er durch Jakob Vierheilig 
ersetzt wnrde, der 1764 die Personalfreiheit verliehen bekam und 
bis zu seinem im Jahre 1793 erfolgten Tode für die Universität 
arbeitete. Ihm folgte sein Sohn Sebastian Vierheilig. Die 
beiden Vierheilig waren eifrige und geschickte Meister, nament- 
lich Sebastian war ein wahrer Künstler in seinem Fache, so dass 
der Name des bescheidenen Mannes weit über Würzburgs Mauern 
hinaus mit Ehren genannt wurde und zahlreiche wissenschaftliche 
Journale die einzigartigen Prachtbände seiner Werkstätte feierten *). 
Bei den Bibliotheksarbeiten war freilich von solch kostbaren Ein- 
bänden nicht die Rede, immerhin nahmen selbst die einfach ge- 
haltenen noch einen verhältnismässig grossen Teil der an sich 
nicht hohen Jahressumme in Anspruch, so dass Franz Ludwig von 
Erthal 1785 bestimmte, künftighin die neuen Bücher nur mehr in 
halbenglischen Band zu binden, nur ausnahmsweise in Schweins- 
leder oder Halbpergament. Gleichzeitig wurden die Preise tarifiert 
mit 12 Batzen für den Folioband, 9 für den Quartband und 5 für 
den Oktavband ^). 

Dem Hof- und Universitäts-Buchhändler Fuggart war neben 
den Buchbindern, die immer noch die Alleinberechtigung zum 
Verkauf gebundener Druckwerke ansprachen, auch sonst unter der 
Hand Buchhandel trieben, ein neuer Konkurrent erstanden im 
Jahre 1746, wo der Buchführer Martin Veith aus Augsburg ein 
fürstliches Dekret zur Errichtung einer Buchhandlung bekam. 
Fuggarts Geschäft ging mehr und mehr rückwärts, und als der 
Vater Würzburg verlassen hatte ;,um in Goa eine Erbschaft zu 
erheben^, konnte auch der junge Fuggart den Verfall der Firma 
nicht aufhalten und sah sich schliesslich genötigt, den noch vor- 



1) V.-A. Schuls. 119. Das Gehalt des Dieners betrug 83 fl. 1 S 6 ^, 
6 Malter Korn, 6 Eimer Weiu, wozu 1793 eine Zulage kam. V-A. U.-Rechngn. 
u. Rec. Prot A. 278, 304. B. 114, 201. 

2) Hof- u. Staats- Kalender und Mat. VII. Fol. 183a, dann Stamminger, 
J. B., Würzburgs Kunstleben im achtzehnten Jahrhundert. = A. h. V. 35. 1892. 

. S. 239 ff. 

3) 1785. XI. 8. Kr. A. Schuls. 108. — Von 1797 an wurden die Preise 
erhöht auf 2 fl. 4 Btz. bezw. 1 fl. 3 Btz. bezw. 7 Btz. - Kr. A. Schuls. 126 ff. 



— 104 — 

handenen Bücher vorrat käuflich an Fr. X. Rienner abzugebeii- 
Daraufhin ernannte der akademische Senat am 16. Januar 1769 
Joh. Jak. Stahel, der ursprünglich die Veithsche Handlung ver- 
waltet hatte, später sich selbstständig machte und 1763 auch die 
Kleyersche Universitätsbuchdruckerei erkaufte, zum üniversitäts- 
buchhändler. Nach seinem 1787 erfolgten Tode führte die Witwe 
die Geschäfte anfänglich allein fort, nahm aber 1791 ihren jüngsten 
Sohn Johann Kaspar und 1801 ihren Sohn Dr. Veit Joseph ins 
Geschäft auf. In letzterem Jahre übergab sie alles diesen beiden 
Söhnen, worauf der Senat das der Firma erteilte Privilegium für 
erloschen erachtete^). 

Inder inneren Entwickelung der Bibliothek in jener 
Zeit, namentlich in der Auswahl der Anschaffungen treten 
deutlich drei Perioden hervor. Ruhiges Fortschreiten in den ein- 
mal vorgezeichneten Bahnen unter Anselm Franz Grafen von Ingel- 
heim und Karl Philipp von Greiflfenclau (1746—54), intensivere 
Kultur, mannigfache Verbesserungen, Vermehrung des Bücher- 
schatzes im Sinne einer gemässigten Aufklärung unter Adam 
Friedrich Grafen von Seinsheim und Franz Ludwig von Erthal 
(1755—95), freundliches, durch die Missgunst der Zeiten freilich 
vielfach gehemmtes Wohlwollen unter Georg Karl von Fechenbach 
(1795—1802). 

Während der Regierungszeit Ingelheims und Greiffenclaus 
hielten sich die Aufwendungen im hergebrachten Jahresdurchschnitte 
von 400 fl. fr. Überwiegend wurde historische Literatur angeschafft, 
verschwindend wenig für die Naturwissenschaften, Sprachen und 
schöne Literatur. Die Medizin erhielt ansehnliche Verstärkung, 
als 1748 Professor Joseph Franz Oberkamp einem Rufe nach 
Heidelberg Folge leistete und bei seinem Abzüge für 400 fl. medi- 
zinische Werke zur Bibliothek lieferte, die er von einem, wie es 
scheint, für diesen Zweck ihm ausgehändigten Vorschusse erkauft 
hatte. Ausserdem fanden ziemlich zahlreiche Ankäufe statt, um 
dem Unterricht in der Zivil- und Militärbaukunst die nötigen 
Grundlagen zu schaffen, Dissertationen wurden regelmässig be- 
zogen, die ökonomische Literatur erfuhr steigende Beachtung, 



1) K. A. Mise. 593. — S. A. V. 9. 2. — Seuffert I. Kap. 4 Fol. 14. — 
£rinneruDgs8chrift aus Anlass des 150jährigen Bestehens des Hauses Stahel 
in Würzburg im Jahre 1903. 



— 105 — 

empfindliche Lücken in der Patristik und Kircbengeschicbte wurden 
durch direkten Einkauf P. Nebels S. J. in Paris ausgeglichen. 
Die Beziehungen, in die Würzburg durch den Subsidienvertrag zu 
Holland trat, wurden auch für die Bibliothek nutzbar gemacht, 
indem der zu Abrechnungszwecken entsandte Hofkammerdirektor 
Hess im Haag verschiedene Einkäufe mit beträchtlichen Posten 
vermittelte. Auch die ersten Einrichtungskosten zu dem neu er- 
richteten Kabinett für Experimental-Physik sind bei den Bibliotheks- 
ansgaben verrechnet. 

Die Verfassung der Bibliothek blieb unverändert. Eine Ein- 
gabe Landmanns während des römischen Aufenthalts Brands, 
die wie zu Eckharts Zeiten wieder einen Aktuar aufgestellt 
haben wollte, fand ebensowenig Gehör wie eine Bitte sämtlicher 
Professoren um Aufhebung des Ausleiheverbotes ^). Der systematische 
Katalog stak immer noch in den Vorarbeiten. Schliesslich sei 
noch erwähnt, dass die erneuerten und erweiterten Satzungen der 
Universität vom 4. November 1749 es den Professoren ausdrück- 
lich zur Pflicht machten, die Studierenden zum fleissigen Besuche 
der Bibliothek aufzumuntern^). 

Charakteristischeres Gepräge tragen die folgenden Jahrzehnte. 
Der Jahresetat für Bucherwerb blieb zwar unter Seinsheim in ur- 
sprünglicher Höhe bestehen; die Bestallungskosten dagegen stiegen 
gegen Ende seiner Regierung bis auf 1430 fl. im Jahre empor. 
Erthal, der bei aller weisen Sparsamkeit allzeitig ein verständiges 
Interesse an der Bibliothek seiner Hochschule zeigte, wusste bald 
die Personalausgaben zu beschränken und gleichzeitig zum Vorteil 
der Anstalt eine schon in den letzten Lebensjahren seines Vor- 
gängers angebahnte strengere GUederung des Beamtenkörpers 
durchzuführen, brachte dagegen die Ankaufssumme auf eine an- 
gemessenere, freilich immerhin noch bescheidene Höhe. Zunächst 
wurden im Jahre 1785 40 fl. fr. speziell zum Erwerb von 
Dissertationen angewiesen^), dann erhöhte ein fürstliches Dekret 
vom 8i November 1785 den Jahresetat um die Hälfte, also von 
400 fl. auf 600 fl. fr.*). Gleichzeitig wurde, um die Kaufkraft der 



1) ü. B. Fase. 256, 262. 

2) Bei Wegele IL S. 408. 

3) 1785. IX. 9. Kr. A. Schuls..l08, U. B. Fase. 3. 

4) a. a. 0. Franz Ludwig leitete seine Verfügung mit den schönen 
Worten ein: „Eine zum Wohlstand der Universität der wichtigsten und nöthig- 



- 106 — 

Bibliothek zu steigern, eine Vereinfachung des Einbandes anbe- 
fohlen und der angegebene Buchbindertarif mit den sehr massig ge- 
haltenen Ansätzen aufgestellt. 

Die Zahl der Lieferanten war noch immer eine recht beträcht- 
liche. Von auswärtigen seien ausser zahlreichen Firmen mit 
kleineren Posten die Nürnberger Lo ebner u. Mayer undFelsecker, 
sowie der Erfurter Dissertationenhändler Grünbaum erwähnt. Die 
Würzburger Geschäfte erhalten jetzt den Hauptteil der Aufträge, 
vor allem der üniversitätsbuchhändler Stahel und Tob. Göbhard 
Fuggarts Handlung löste sich schon anfangs der sechziger Jahre 
auf, nachdem, die Firma längere Jahre hindurch mit Zahlungs- 
schwierigkeiten zu kämpfen hatte, so dass die Universität 1756 
für eine uneintreibbare Schuldforderung von 1000 fl. nebst Zinsen 
sich durch Auswahl aus dem Bücherlager schadlos halten musste. 
. Von normiertem Rabatte findet sich keine Nachricht^), dagegen 
sind willkürliche Rechnun^sabzüge und Abrundung nach unten 
nicht selten. Im allgemeinen tritt eine rationellere Vermehrung 
mehr und mehr zutage, indem Dubletten mit in Zahlung ge- 
geben, Auktionen fleissig beschickt und kleine günstige Gelegen- 
heitskäufe geschickt zur Abrundung des Bücherbestandes benützt 
werden. So gewinnt die Bibliothek Teile der hinterlassenen Bücher- 
sammlungen des Reichsgerichtsassessors von Meckel in Wetzlar 
(1790), des Hofrats Böttinger in Bamberg (1771), (des fränkischen 
Kreis- Kassiers und Rechnungsrats von Hagen (1783?), des Frei- 
burger Theologieprofessors P. Engelbert Klüpfel (1786) u. a. m. 



sten Sachen ist ohnstreitig die Bibliotbek. Diese in bessere Aufnahm bey Meiner 
hohen Schule zu Würzburg zu bringen war schon länger Meine Angelegen- 
heit , . ,* Man hielt sich nicht peinlich an die angewiesene Summe, sondern 
vor 1785 wie auch nachher wurden Überschreitungen eines Jahres in den 
folgenden Jahren wieder eingeholt (vergl. hiezu Extractus ßeceptoratamts 
Relations Protocolli dd. 1766. XII. 22. U. B. Fase. 138). War jedoch die 
Summe nicht völlig verbraucht, so unterliess das Rezeptorat die entsprechende 
Benachrichtigung an die Bibliothekare (vergl. Greg eis Beriebt 1788. X. 27: 
Verbesserungen a. 5. — ü. B. Fase. 14). Weitere regelmässige Einnahme- 
quellen besass die Bibliothek nicht. Ein Vorschlag Martins nach dem 
Muster anderer Hochschulen von den Neuimmatrikulierten eine besondere 
Bibliotheksgebühr zu erheben, verhallte wirkungslos (1768. VIII. 25. — ü. B. 
Fase. 3). 

1) In der vorhergehenden Periode ist eine Notiz zu verzeichnen, wonach 
der Wiener Buchführer Briffaut 1747 ,10 pro Cento wie vorhero gewöhnlich 
rabattieret.** (Specificatio. U. B. Fase. 138.) 



— 107 — 

Die Auswahl der anzuschaffenden Bücher blieb im Grunde den 
Bibliothekaren allein überlassen, wenn auch formell noch Ge- 
nehmigung der Fürsten einzuholen war. Die Fakultäten machten 
von dem wiederholt in Erinnerung gebrachten Vorschlagsrechte 
nur sehr spärlichen Gebrauch.- So kam es, dass Rezeptoratspräsi- 
dent Graf Stadion im Jahre 1803 den in solcher Verallgemeine- 
rung allerdings anfechtbaren Satz aufstellte^), dass man nach den 
angeschafften Büchern von Epoche zu Epoche bestimmen könne, zu 
welcher Fakultät der Bibliothekar gehörte. 

Der rein geschäftliche Teil, also Bestellung, Bezahlung, Ver- 
rechnung, war dem Rezeptoratamte allein vorbehalten. Begreif- 
licherweise waren die Bibliothekare nur zu sehr versucht, den 
langsames Dienstweg zu umgehen und selbständig zu bestellen, 
wodurch es nicht gerade selten zu ärgerlichen Kompetenzkonflikten 
zwischen Rezeptorat und Bibliothekaren kam, die regelmässig mit 
Neueinschärfung der ursprünglichen Bestimmungen endeten. So 
geschah es auch im Jahre 1783^), wo Bibliothekar Simon auf 
eigene Faust Bücher im Gesamtwerte von 900 fl. rhn. direkt aus 
Paris bezog und dann die Rechnung dem Rezeptorate zur Aus- 
zahlung unterbreitete. Dieses protestiert gegen das Vorgehen, 
will aber dennoch das Konto zahlen, zum Ausgleich jedoch in den 
beiden nächsten Jahren nur je 200 fl. für Bücheranschaff^ungen 
verwendet wissen. Um das ;,Decorum^ nicht zu vergessen, wird 
das Sitzungsprotokoll durch einen Kanzlisten an Bibliothekar 
Simon überbracht. Er lehnt die Annahme ab und verweist auf 
geistlichen Rat Martin. Dieser hat aber an der Bestellung keinen 
Anteil und die Rechnung erst auf Drängen Simons hin unter- 
schrieben. Da sich Simon noch in Ausfällen auf das Rezeptorat 
ergeht, leitet dieses die Sache ad Serenissimum. Franz Ludwig 
missbilligt nun in einem Reskripte an das Rezeptorat Simons 
Verhalten, macht aber weise die Schärfe des auszusprechenden 
Verweises von der Beschaffenheit der gekauften Bücher abhängig. 
Gegen diese war allerdings nichts einzuwenden, es waren 93 Bände 
trefflicher französischer Werke, Montfaucon, Mabillon, Bouqüet u. a. 
Der. an sich wenig bedeutende Vorgang fand ausführlichere Dar- 

1) S. A. IV. 1. 

2) Kr. A. Schuls. 109. Ein ähnlicher Fall vom Jahre 1769, bei dem es 
sich um eine Lieferung Stahels handelte, wurde in gleichem Sinne erledigt 
(1769. IV. 22. u. 29. — U. B. Fase. 246). 



— 108 — 

Stellung, weil er einen schönen Einblick in den Geschäftsbetrieb 
der Bibliothek gewährt. 

Wenn auch die Fakultäten sich nicht gerade lebhaft am Aus- 
wahlgeschäfte beteiligten, so zeigten doch einzelne Professoren reges 
Interesse am Ausbaue der Anstalt, indem sie auf Lücken aufmerk- 
sam machten oder selbständig in ihr Fach schlagende Literatur 
beischafften und sich nachträglich die Ausgaben rückvergüten 
liessen. Die Theologen Oberthür und Berg, der Mediziner 
C. Csp. Siebold, der Naturwissenschaftler Vogelmann, der 
Mathematiker und Astronom Huberti seien hier besonders ge- 
nannt. Sie hatten allerdings zum Teil starkes persönliches In- 
teresse, da die so beigeschafften Werke häufig nur im Kata- 
loge der Bibliothek verzeichnet wurden, dann den Professoren 
zum ständigen Gebrauche überlassen blieben. So entstanden kleine 
Fachbibliotheken in dem 1757 errichteten astronomischen Obser- 
vatorium auf dem Turme der Universitätskirche ^) und im Natu- 
raliepkabinett^). Auch die von C. Csp. Siebold erkauften Bücher 
wurden ihm 1768 nach Eintrag in den Katalog bis auf weiteres 
belassen, ;,da sie zu seinem erst im Anfang stehenden Lehramt 
allzu nöthig seyn dörfften"*). 

Was den Gehalt des Zuwachses anbetrifft, so ist zunächst 
eine erhöhte Berücksichtigung der fremdsprachlichen, namentlich 
der französischen Literatur festzustellen. Gregel fordert aus- 
drücklich, keine Übersetzung mehr anzuschaffen, wenn sie nicht 
durch beträchtliche Zusätze und Verbesserungen das Original über- 
triffst, da es für Gelehrte schimpflich ist, wenn sie die Bücher 
nicht in der Originalsprache zu lesen imstande sind*). Als An- 
leitung zur Auswahl wird die Parole ausgegeben, nur solche 
Bücher auszusuchen, ;, welche in denen privat Bibliothecen so 
bald nicht anzutreffen, nicht aber solche, welche ohnehin 
überall zu haben seynd und in der Bibliothec nur den Platz ein- 
nehmen^).^ 



1) Reskript 1765. XII. 7., Kr. A. Schuls. 101. 

2) Reskript 1789. IL 3., U. B. Fase. 3. 

3) 1768. VIII. 23., ü. b. Fase. 3. 

4) Bericht 1788. X. 27. Verbesserungen a. 7. — U. B. Fase. 14. 

5) Extraetus Reeeptoratamts Relations ProtocoUi de 22. XII. 1766 
(ü. B. Fase. 138). 



- 109 — 

Im allgemeinen aber fuhr die Bibliothek unter den drei letzten 
Fürstbischöfen, wie ja die Universität überhaupt, unter der Flagge 
der Aufklärung ^). 

Eine stattliche Reihe von Bänden repräsentieren die Zugänge 
an encyklopädischer und bibliographischer Literatur, an Schriften 
zur Geschichte der Wissenschaften und VeröfiFentlichungen gelehrter 
Gesellschaften. An- die Genfer Ausgabe der Encyclopedie reiht 
sich die deutsche Encyklopädie von Roos und Köster, Nicolais all- 
gemeine deutsche Bibliothek und ihre Fortsetzung, die neue all- 
gemeine deutsche Bibliothek, die neue Bibliothek der schönen 
Wissenschaften und freien Künste. 

Geschichte mit Kirchengeschichte und historischen Hilfswissen- 
schaften erfreut sich noch immer der intensivsten Pflege. Schriften 
zur ausserdeutschen Geschichte, Landkarten und Reisen stehen im 
Vordergrunde. In der Kirchengeschichte gehen zahlreiche Schriften 
zur Geschichte der Jesuiten zu, dann die Acta Sanctorum und die 
Magdeburger Centuriatoren; unter der grossen Zahl der übrigen Zu- 
gänge sind viele protestantische Gelehrte vertreten, darunter Walch, 
Buddeus, Löscher, Schröckh, Semler. Im Januar 1794 erbat Feder 
die Erlaubnis zur Begründung eines neuen historischen Faches, das 
Res patriae genannt werden und die ;, vaterländischen Schriften^ 
enthalten sollte. Franz Ludwig erteilte bereitwillig seine Ge- 
nehmigung *) mit der speziellen Erlaubnis, für seltenere Werke ent- 
sprechend hoh^ Summen zu zahlen. In den Tageszeitungen sollte 
das Publikum zum Verkaufe einschlägiger Schriften aufgefordert 
werden. Der Umfang des Faches wurde sehr weit gezogen, so dass 
es nicht nur die Literatur der fränkisch-würzburgischen Geschichte 
enthielt, sondern auch alle in Würzburg gedruckten Werke in sich 
aufnahm. Unter Goldmayers Oberbibliothekariat in der ersten 
Hälfte des XIX. Jahrhunderts wurden die Res patriae wieder auf- 
gelöst und ihre Bestände zur Ausfüllung von Lücken anderer 
Fächer benützt, sie lebten aber, allerdings in viel späterer Zeit, 
wieder auf. 



1) Aus praktischen Gründen ist im folgenden die Zeit Georg Karls von 
Fechenbach schon mit einbezogen. Die quellenmässige Grundlage der Auf- 
stellungen gibt das folgende Kapitel. 

2) 1794. I. 29. ü. B. Fase. 3. — Die Auswahl wollte Feder mit Berg 
vornehmen, Boenicke, „als mit welchem schlechterdings kein Geschäft sich 
ausführen lässt*^, sollte ganz aus dem Spiele bleiben. Brief Feder s 1794.11. L 
ü. B. Fase. 14. 



— 110 — 

Besonders charakteristisch sind die Anschaffungen in Philo- 
sophie und Theologie. Neben den Engländern Cudworth, Hobbes, 
Locke, Home, Hume, Fergusson und Priestley stehen die Franzosen 
Voltaire, Rousseau und Montesquieu, dann Leibniz, Thomasius, 
Wolff, Mendelssohn. Die Encyclopedie sowie Nicolais allgemeine 
deutsche Bibliothek wurden schon in anderem Zusammenhange 
erwähnt. Gegen Ende des Jahrhunderts, seit Matemus Reuss 
die kritische Philosophie an die Würzburger Hochschule ver- 
pflanzte, überstrahlte der Name des grossen Denkers von Königs- 
berg alle anderen, Kant-Literatur wurde in recht beträchtlichem 
Umfange beschafft^). 

In der Theologie stehen die exegetisch-historischen Disziplinen, 
wie die Moraltheologie voran. Die protestantischen Gelehrten — 
nur Ernesti, Bahrdt, Buddeus, Michaelis, Mosheim, Walch, Jeru- 
salem, Henke seien genannt — nehmen einen breiten Raum ein. 
Bezeichnenderweise ist es Professor Oberthür, der 1788 Luther- 
drucke zur Bibliothek liefert, während Seminarregens Fahrmann 
ihr im folgenden Jahre seine protestantisch-theologische Disser- 
tationensammlung verkauft *). 

Die Jurisprudenz kann sich recht stattlichen Zugangs erfreuen. 
Am besten bedacht erscheinen Staatsrecht, Politik, Natur- und 
Völkerrecht, etwas vernachlässigt Kirchen-, Straf- und Lehenrecht. 
Für die Staatswissenschaft, Statistik, Ökonomie zeigt sich steigende 
Neigung. Dass Moser, Pütter, Lünig der Bandzahl nach ein starkes 
Kontingent des Zuwachses stellen, braucht nicht besonders betont 
zu werden. 

Minder glücklich ist noch immer die Medizin und die Natur- 
geschichte bedacht, etwas mehr hat man für Mathematik, Physik, 
Astronomie, Chemie übrig. Bemerkenswerte Anstrengungen zur 
Hebung der bisher vernachlässigten Disziplinen lassen sich zwar 
nicht verkennen^), und es stehen diese Bestrebungen in engem 
Zusammenhange mit dem beginnenden Aufblühen der medizinischen 



1) Vergl. Kantfeier der Würzburger Universität am 12. Februar 1904. 
Festrede, gebalten von Prof. Dr. Eülpe S. 5 ff., auch Jmno. Kants sämtlicbe 
Werke. Herausg. von C. Rosenkranz und F. W. Schubert. XII. S. 370, 
Wegele I. S. 471 ff 

2) V.-A. Hauptrechnung 1788, 1789. 

3) Vergl. Reskripte Franz Ludwigs dd. 1788. VIII. 12., XI. 10., 1789. II. 3. 
(U. B. Fase. 3, Kr. A. Schuls. 110). 



— 111 — 

Fakultät, aber nnr rein ziffermässig durch die Höhe der auf- 
gewendeten Summen ist die Parität hergestellt, an Umfang und 
Gehalt stehen die einschlägigen Zugänge hinter denen der anderen 
Hauptfächer zurück. Immerhin ist doch auch hier manch schönes 
Werk zu verzeichnen, so namentlich neuere französische medi- 
zinische Literatur und Buffons vielbändige Naturgeschichte. Der 
schätzbarste Besitz des Faches sind vier Bände des ^Malabarischen 
Indianischen Gartens", die der Würzburger Reichstagsgesandte 
V. Fechenbach im Jahre 1757 im Auftrage Adam Friedrichs von 
Seinsheim von Dr. Dieterichs zu Eegensburg um den ansehnlichen 
Preis von 800 fl. rhein. und einem Eimer guten Frankenweins für 
die Universität erwarb. Es handelt sich um eine aus dem 18. Jahr- 
hundert stammende handschriftliche deutsche Übersetzung der vier 
ersten Bände des berühmten Hortus Indiens Malabaricus, der von 
H. Adr. van Rheede tot Draakenstein mit einem zahlreichen Stabe 
von Mitarbeitern herausgegeben wurde und in zwölf Bänden mit 
794 Tafeln 1678-1703 erschien. Die Tafeln der Würzburger 
Handschrift, 238 an der Zahl, sind in wundervoll frischen Farben 
lebenswahr gemalt, nach Angabe der Rechnungen von der Hand 
des bekannten Blumenmalers Georg Dionysius Ehret ^) und er- 
regten schon im achtzehnten Jahrhundert die staunende Bewun- 
derung der sachkundigen Besucher der Bibliothek ^j. 

Auch die Philologie und die verwandten Disziplinen sind ver- 
hältnismässig schwach vertreten. Hebräische Sprachwissenschaft 
erfährt besondere Bevorzugung; die römischen Klassiker treten 
etwas hinter die griechischen zurück, Übersetzungen sind zahl- 
reich, Aristoteles, Plato, Homer, Ovid, Horaz, Virgil, Cicero er- 
freuen sich des stärksten Interesses. Der neapolitanische General 
Tschudi überschickte 1773 das Prachtwerk Le antichitä di Erco- 
lano als Geschenk an den Fürsten. Adam Friedrich überwies es 
der Bibliothek seiner Hochschule und Hess aus Universitätsmitteln 
eine goldene Tabatiere als Gegengeschenk senden ^). Durchaus er- 



1) Dictionary of National Biography XVII. 1889. S. 167. 

2) Brief Fechenbachs an Adam Friedrich, Regensburg 1757. IV. 20. 
Kr. A. D. 4, 14, Abschrift ü. B. Fase. 138. — Vergl. Kr. A. Schuls. 99. — 
V.-A. Hauptrechnung 1757. — Specificatio a. a. 0. S. 143, 144. — Brunet, 
Manuel V. Sp. 1080, 1081. — Biographie universelle ancienne et moderne. 
XXXV. S. 520 flp. — Hirsching a. a. 0. I. S. 277, 278. 

3) V.-A. Hauptrechnung 1773. 



— 112 — 

freulich ist die Beschaffung einer fast vollständigen Reihe' von 
Winckelmanns Werken. 

Von neuerer schöner Literatur werden französische Schriften 
am meisten gekauft. Racine, Moliere, Boileau, Lafontaine, de la 
Motte, Barthelemy, Fontenelle, Mercier, Marmontel, Flechier, 
Thomas, Saint Real, die französischen Gedichte Friedrich des 
Grossen sind hier vertreten; daneben stehen einige englische und 
italienische Werke, Young, der Spectator^ Shakespeare, Milton; 
Bocaccio, Algarotti. Mit der zugehenden deutschen Literatur ist 
es recht schwach bestellt. Von Schiller werden neben den Hören 
nur die historischen Schriften beschafft, von Herder nur die Ideen 
zur Philosophie der Geschichte der Menschheit; Lessing und Goethe 
sind überhaupt nicht vertreten, dagegen erfreut sich Wieland be- 
sonderer Aufmerksamkeit, der Teutsche Merkur, das Attische 
Musäum und die Gesamtausgabe seiner Werke sind vorhanden. 
Fügen wir noch Fesslers Mark Aurel, den Weisskunig und Myllers 
Sammlung deutscher Gedichte aus dem XIL, XIH. und XIV. Jahr- 
hundert (1784) hinzu, so sind die gesamten einschlägigen Zugänge 
schon aufgezählt. 

Die Zahl der Periodica wechselt in den verschiedenen Jahren. 
Einen Durchschnitt gibt ein Verzeichnis Gregeis ^), nach dem im 
Jahre 1788 folgende gelehrte Zeitungen und periodische Schriften 
gehalten wurden: die Jenaer allgemeine Literatur-Zeitung, die 
Oberdeutsche allgemeine Literatur-Zeitung, die Göttinger gelehrten 
Anzeigen, die Gothaer gelehrten Anzeigen, die allgemeine deutsche 
Bibliothek, das deutsche Musäum, Döderleins theologische Biblio- 
thek, die neuesten Religionsbegebenheiten, die Wiener Kirchen- 
zeitung, Schlözers Staats-Anzeigen, Schotts Bibliothek der neuesten 
juristischen Literatur, endlich das Göttingische historische Magazin 
von Spitler und Meiners. Gregel findet die Liste verhältnismässig 
zu gross, in späteren Jahren begnügte man sich auch mit einer 
geringeren Zahl und 1803 berichtete Feder sogar, dass seit 
mehreren Jahren nur die allgemeine Literatur-Zeitung von Jena 
und die Würzburger gelehrten Anzeigen gehalten wurden. Letztere 
hatten ihre Existenz grösstenteils auf Kosten des Bibliotheksfonds 
erlangt. Erst von 1789 ab wurden sie, nicht zum Schaden der 
Bibliothek, selbständig verrechnet. 



1) Bericht 1788. X. 27, Beilage (ü. B. Fase. 14). 



— 113 — 

Der umfangreichste Bücherkomplex, den die Universität in 
jener Zeit gewann, war die Bücherei des Würzburger 
Jesuitenkollegs, die nach der Aufhebung des Ordens der 
Universität überwiesen wurde. 

Die Würzburger Jesuiten besassen einen grossen und gehaltvollen 
Bücherschatz. Neben der bändereichen Hauptbibliothek hatten sie 
noch verschiedene kleinere Spezialbibliotheken aufgerichtet, so unter 
anderen die im Anfang des 18. Jahrhunderts entstandenen Bücher- 
sammlungen für die Professoren der philosophischen und theo- 
logischen Fakultät, die ja von Gründung der Universität an von 
dem Orden gestellt wurden, die Bücherei der fränkischen Mission 
nnd die besonders gediegene Bibliotheca historica^). 

Die tatsächliche Einverleibung dieser Jesuitenbücher in den 
Bestand der Universitätsbibliothek zog sich recht lange hinaus. 
Die eigentliche Jesuitenbibliothek wurde noch dreizehn Jahre nach 
Aufhebung des Ordens auf dem Boden des Universitätsbaues ver- 
wahrt^), und noch im vierten,/ 1791 erschienenen Bande seines Ver- 
suchs berichtigt Hirsching eine frühere Mitteilung dahin, dass 
sie getrennt von jener der Universität aufgestellt sei^). Augen- 
scheinlich trug die drückende Raumnot die Hauptschuld an der 
Verzögerung. 

Getrenntes und doch so ähnliches Geschick erfuhr die histo- 
rische Bibliothek*). Sie fand im Universitätsbaue, weit entfernt 
von der Universitätsbibliothek, oberhalb des KonferenzsasUes, ihre 



1) Über die Anfänge der Jesuitenbibliathek wurde schon im ersten Haupt- 
teile gehandelt, die Entstehung der historischen Bibliothek bei der Geschichte 
der Fabriciusschen Sammlung beschrieben. Für eine eingehendere Schilderung 
des allmählichen Anwachsens der verschiedenen Bibliotheken der Würzburger 
Jesuiten fehlen leider die nötigen Grundlagen. 

^) y.-A. Hauptrecbnung 1786: ,53 fl. seind dem Buchbinder Vierheilig 
für 53 Taglohn sämtl. Bücher der ehemaligen Jesuiten von dem Boden in die 
Zimmer zu verschaffen und zu numerieren ä 1 fl. pro Tag dann 20 fl. 4 Fi 28 ^ 
für 897« Taglohn a SV« Btz. pro Tag z«?ey Taglöhnern diese Bücher hin- und 
her zu tragen zalt." Die Zahlen geben zugleich ein ungefähres Bild von der 
Grösse der Bestände. 

3) a. a. 0. S. 177. 

4) Vergl. hiezu; Reskripte 1794. IL 3. u. 6., III. 1., 1795. III. 27. (ü. B. 
Fase. 3). Berichte 1800. VII. 24. VIII. 21. u. 27. (Kr. A. Schuls. 121). Bericht 
Feder 8 1803. I. (Beilage zum Protokoll des akademischen Senats vom 
13. Jänner 1803. Abschrift, ü. B. Fase. 37). Böen icke IL S. 102. Mat. IV. 
Fol. 268. 

8 



— 114 — 

Aufstellung und war zunächst den Professoren Grebner und 
Schmidt, später ihren Nachfolgern im Lehramte der Geschichte 
anvertraut. Schon 1788 regte Gregel Einverleibung in die Uni- 
versitätsbibliothek an^), die Sache kam aber erst in Fluss, als 
1794 das Fach der Res patriae neu geschaffen wurde. Franz 
Ludwig ging auf die vorgetragene Bitte Fe der s, zur Ausgestaltung 
des Faches einschlägige Werke herübernehmen zu dürfen, sofort 
ein und äusserte sich entschieden: ;,... Gleichwie es Mir übrigens 
sehr seltsam vorkömmt, dass jetzt nach aufgehobenen Jesuiten- 
orden eine Üniversitäts-Bibliothek und noch eine besondere histo- 
rische Universitäts-Bibliothek existieren soll; so bin ich gesonnen, 
die historische Bibliothek der Universitäts-Bibliothek einverleiben 
zu lassen, sohin dem Professor und Bibliothekar Feder die Auf- 
sicht allein zu übertragen . . ,^^). Bei der Erlaubnis zur Entnahme 
einzelner Werke blieb es aber zunächst und die historische Biblio- 
thek stand noch 1800 in dem angegebenen Zimmer, ohne Katalog, 
ganz in Unordnung und ausser Gebrauch. Dazu war, wie die 
Kunde ging, gar manches Werk abgängig. 

Im Spätjahr 1802 wurden sechs neue sog. Tafeln in den 
Laufgängen der beiden Langseiten des grossen Bibliotheksaales 
aufgestellt^) und dadurch die Möglichkeit der endlichen Trans- 
ferierung der Bibliotheca historica geschaffen. Allerdings blieben 
nicht unwesentliche Bestandteile immer noch in anderen Händen, 
sie konnten aber teilweise später zurückgewonnen werden*). 

Soweit es sich nach Inschriften, Aufdruck und Signatur er- 
kennen lässt, zählt die Universitätsbibliothek heute gegen 1000 
Bände ehemaligen Jesuiteneigentums unter ihren Beständen. Die 
Summe ist auffallend gering, auch bei der Annahme, dass ein 
grosser Teil der Jesuitenbücher sogleich den Dubletten überwiesen 
werden musste. 

In der Hauptbibliothek der Jesuiten fand, wie es scheint, 
Theologie und Geschichte besondere Pflege. Die Bücherei der 
philosophischen Fakultät enthielt überwiegend mathematisch-physi- 



1) Bericht 1788. X. 27. Verbesserungen a. 6 (ü. B. Fase. 14). 

2) Reskript 1794. II. 6. (ü. B. Fase. 3). Ruland, Series S. 122, beurteilt 
die Auflösung der Bibliothek recht bitter : ,,non prudenti sane eonsilio Federus, 
Bibliotheeae üniversitatis Praefectus, eonjungendo devastavit." 

3) Feder selbst berechnet ihre Fassungskraft auf 1400 Folianten. 

4) Vergl. das S. 59 von Boenickes Nachlass Mitgeteilte. 



— 115 — 

kaiische und philosophische Werke. Für die historische Bibliothek 
wurde natürlich vorzugsweise geschichtlich-geographische Literatur 
angeschafft. Von den übrigen Spezialsammlungen haben sich nur 
spärliche Reste erhalten. 

Neben den Druckwerken kam auch eine stattliche Reihe von 
Handschriften, allerdings teilweise erst nach vielen Jahren, an die 
Universität. Die historische BibHothek stellte hier das stärkste 
Kontingent. Der von Fabricius angelegten Sammelbände und 
ihrer Geschicke wurde bereits an anderer Stelle gedacht, eine 
ganze Reihe weiterer Manuskripte kann nur vermutungsweise auf 
die Bibliotheca historica zurückgeführt werden, die darnach ins- 
gesamt drei Membranen und 30 Papierhandschriften gestellt hätte, 
während aus der Bibliothek der philosophischen Fakultät fünf 
mathematische Kollegienhefte des Professors Wilhelm Cotel S. J. 
und ein Band kolorierter Federzeichnungen des bekannten Würz- 
burger Physikers und Mathematikers Kaspar Schott kamen. 

Die Hauptbibliothek des Ordenhauses brachte weitere zwölf 
Pergamenthandschriften, teilweise hohen Alters und wertvollen 
Inhalts, von denen hier nur ein Nekrologium des Klosters Lorsch 
(saec. XIII.) Erwähnung finden möge. Mittelbar, aus dem Universitäts- 
archive, gingen endlich im 19. Jahrhundert noch zwei Lehenbücher 
des Kollegs von 1584 und 1635 und der zweite, die Jahre 1742 
bis 1772 umfassende Teil der sogenannten Haus-Chronik der Jesuiten 
zu, deren erste Hälfte leider verloren ist ^). 



1) Aus dem Jesuitenkollege kamen insgesamt folgende Manuskripte : 
Hauptbibliothe^k. M. p. tb. f. m. 8 Bd. 1, 2, 5, 6; M.p.th. f. 34, 71, 85, 132, 
q. 49, 50 0. 17a; M. p. m. f. 4. q. 2; M. p. j. f. 9, 11; M. cb. f. 454, 457. 
q. 182. Historische Bibliothek. M. p. tb. f. 55, 148 (?), q. 62; M. cb. f. 
51, 67 (?), 81, 82 (?), 84 (?), 151 (?), 185, 187 (?), 248 (?), 258, 259, 260, 262, 
263, 264, 265, 266, q. 31, 72, 73, 74, 85, 88, 92, 93, 94, 95 (?), 96, 147, o. L 
Bibliothek der Philosophischen Fakultät. M. cb. f. 117, 118, 119, 
120, 139. Delin. 5. — Die angeführten Pergamentbandscbriften sind die folgen- 
den: Biblia latina c. glossis Gilberti Antissiod., saec. XIII. XIV., T. 1, 2, 5, 6 
(M. p. tb. f. m. 8). — Acta varia Sanctorum, saec. X. (M. p. tb. f. 34). — 
Seneca, L. Ann., flores ex epistolis S. sei., saec. XIIL— XIV. etc. (M. p. th. 
f. 55). — Augustinus, Aurel., confessionum Ibb. XIIL, saec. XL (M. p. tb. f. 71). 
-- Missale Wirceburgense, saec. XIV. (M. p. tb. f. 85). — Martyrologium 
Romanum. Necrologium Laurisheimense, saec. XIIL (M. p. th. f. 132). — 
Budolphus de Liebegk, pastorale novellum, saec. XIV. (M. p. th. f. 148). — 
Psalmi c. litaniis, saec. XIIL (M. p. tb. q. 49). — Mauricius Senonensis, Carmen 
de missa, saec. XII. (M. p. th. q. 50). — Ottonis episcopi Lucensis sententiae, 

8* 



— HC — 

Die kurze Regierungszeit Georg Karls von Fechenbach trägt 
wesentlich dasselbe Gepräge, wie die seiner beiden letzten Vor- 
gänger. Aus diesen Gründen, wie aus praktischen Erwägungen, 
wurden oben die Zugänge der Bibliothek vom Begierungsantritte 
Seinsheims bis zur Säkularisation gemeinsam gewertet. Im allge- 
meinen tritt verständige Schätzung des Instituts in verschiedenen 
Zügen deutlich zutage, so dass es wohl nur dem Drange der Zeiten 
zuzuschreiben ist, wenn nicht Grösseres geschah. Die jährliche 
Ausgabe für Bucherwerb hielt sich im Durchschnitt, von einer ein- 
maligen grösseren Ausgabe ganz abgesehen, über 700 fl. fr. ^). Rabatt 
ist regelmässig und bestimmt nachweisbar, und zwar gaben Fels- 
ecker-Nümberg 15®/o bezw. 10®/o, Grattenauer-Nürnberg und 
Palm-Erlangen je 10®/o, Stahel-Würzburg teils gar keinen, teils 
5°/o, Göbhard- Würzburg meist lO^/o. Der Rabatt wurde in 
summarischer Gegenrechnung verrechnet, d. h. nur ein Teil wurde 
gebucht, während der Rest zur Deckung der Porti und sonstiger 
kleiner Auslagen Verwendung fand^). Beziehungen der Bibliothek 
zu dem ebenso gelehrten als skrupellosen Handschriften-Händler 
Jean- Baptist Maug^rard, der in jenen Jahren für so manche 
Bibliothek verhängnisvoll wurde, lassen sich nicht nachweisen, 
wiewohl seine Anwesenheit in Würzburg als beglaubigt gelten kann *). 

Bei den Beamten vollzog sich eine bemerkenswerte Neuerung,' 
indem nach Welz' Abgang in Stumpf und seinem Nachfolger 
Goldmayer junge, vielseitig und gründlich gebildete Männer zum 
Kanzlisten bezw. Sekretär ernannt wurden, die Anspruch und 
Aussicht auf spätere Beförderung hatten. 

Das höchste Verdienst erwarb sich Georg Karl dadurch, dass 
er die hinterlassene Privatbibliothek Franz Ludwigs 
von Erthal für die Universität ankaufen Hess, 



8a©c. XIII. (M. p. th. q. 62). — Statuta Hospitalis Argentinensis, saec. XV. 
(M. p. m. q. 2). — Thomas de Celano, Vita b. Francisci rythmis germ. descr. 
s. Lamperto, saec. XIII. (M. p. th. o. 17a). — Juveualis, satirae c. scholiis; 
Persius, Aulus Flacc, satirae c. scholiis, saec. XIV. XV. (M. p. m. f. 4). — 
Decretallum ib. VI. c. comm., saec. XIV. (M. p. j. f. 9). — Calendarinm eccl. 
perpet., vocabularins juris canonici, saec. XIV. (M. p. j. f. 11). 

1) V.-A. Haaptrechnungen. Vergl. Bericht des Grafen S t ad i o n. S. A. IV. 1. 

2) Bericht Feders 1813. XII. 22. (U. B. Fase. 313). 

3) Vergl. Traube, L., Palaeographiache Forschungen. T. III. Jean- 
Baptiste Maug6rard von L. Traube und Rdf. Ehwald = Abhandlungen k. 
bayer. Akad. d. Wiss. IIL Kl. XXIII. 2. München 1904, bes. S. 829, 371. 



— 117 — 

Die Sammlung wmrde nach dem Tode Franz Ludwigs in einem 
eigenen Kataloge verzeichnet. Voraus gehen die Manuskripte, 
insgesamt 86, dann folgen die Druckwerke in alphabetischer Ord- 
nung, nach Abzug einiger Werke, die sich später als anderweitiger 
Besitz herausstellten, etwas über 2900 Nummern ^). Im Mai 1796 
ordnete Georg Karl den Kauf der Bibliothek für die Universität 
an, doch sollten die Handschriften ausgesondert werden. Feder 
und Professor Köl bestimmten ihren Wert auf 100 Taler, die 
dann von der Kaufsumme von 1500 fl. rbn. in Abzug gebracht 
worden. Die Manuskripte selbst kamen in die Hof bibliothek '). 
Die Bücher gehören zum weitaus grössten Teile der Literatur des 
18. Jahrhunderts, besonders dessen zweiter Hälfte an. Ihre eigen- 
artige Zusammensetzung lässt den Freund der Aufklärung, den 
gewissenhaften und gründlich informierten Staatsmann, den seelen- 
eifrigen Oberhirten deutlich erkennen. Im alten alphabetischen 
Kataloge ist nur ein kleiner Teil von ihnen nachgetragen, wohl 
deshalb, weil die steigende Raumnot der Bibliothek wie bei den 
Jesoitenbüchern so auch bei diesen Beständen die definitive Ein- 
ordnung in den Bücherschatz hinauszögerte. Vor allem hat man 
sich vor der Annahme zu hüten, dass die zahlreichen Bände der 
Bibliothek, die das Wappen Erthals am Einbände tragen, einstens 
seiner Privatbibliothek zugehörten. Es war vielmehr — wie in 
anderem Zusammenhange schon einmal erwähnt wurde — in der 
ersten Zeit Erthals, auch unter einigen seiner Vorgänger, jahre- 
lang geübter Brauch, den Neuzugängen der Bibliothek das Wappen 
des regierenden Herrn einprägen zu lassen^). ' 

Wenig Erfreuliches ist von der Ordnung der Biblio- 
theksbestände und ihrer Katalogisierung zu berichten. 

Die ersten, aus der Zeit Friedrich Karls von Schönborn stam- 
menden Kataloge waren bald unbrauchbar geworden, so dass sich 



1) Den Katalog besitzt die Universitätsbibliothek, er ist in Folio auf 202 
Blattern abgefasst und trägt auf dem Titelschilde den Vermerk: ^praes. d. 
löten julij 1795«. 

2) V.-A. Hauptrechnung 1796. — Reskript 1796. V. 17. (Kr. A. Schuls. 
118), Rec.-Prot. 1796. V. 25., VI. 4. (Kv. A. Schuls. 126). 

3) Vergleiche oben S. 84. Die Hauptrechnung 1768 enthält den ent- 
scheidenden Posten: „4 fl. 2. li 1 ^ von dem Wappen Sr. Hochfürstl. Gnaden 
zu stechen, und um solches auf die Bücher in die Bibliothek drucken zu können, 
dem Veit Riesing, Müntz-Gravier bezahlt.'' 



— 118 — 

Landmann an die Neubearbeitung des systematischen Bücherver- 
zeichnisses machen musste. Die von ihm verfassten Kataloge der 
Medizin und der Folianten des Jus civile sind noch erhalten, von 
der vorbereitenden Ordnung der Quartanten des Jus civile und 
der Folianten des Jus publicum gibt Landmann selbst Nach- 
richt^). Den Katalogen liegt ein von dem 1731er abweichendes, 
ziemlich fein gegliedertes Schema zugrunde. Die Signierweise ist 
die alte, die das einzelne Buch an ein bestimmtes Gefach fesselt. 
Die Titel folgen unmittelbar aufeinander, Nachträge müssen am 
Schlüsse der Abteilung verzeichnet werden. Dadurch trugen auch 
diese Kataloge den Keim rascher Abnützung in sich. So kam es, 
dass trotz dieser nachbessernden Tätigkeit Landmanns Martin 
schon 1768 das bezeichnende Urteil fällen könnte, dass der Cata- 
logus systematicus zwar fertig da liege, es wäre aber dieser in 
gegenwärtiger Bibliothek nicht zu gebrauchen ; der Catalogus alpha- 
beticus wäre vorhanden, jedoch aber auch besser einzurichten^). 
Germershausen suchte vorläufige Abhilfe zu schaffen, indem er 
über alle unter seinem Bibliothekariate zugehenden Bücher ein 
ausführliches Verzeichnis führte^). 

Fürstliche Dekrete vom Jahre 1768 befahlen energisch Fort- 
setzung der Katalogarbeiten, ohne nennenswerten Erfolg. Endlich 
erkannte man den tieferen Grund der Verzögerung, den schon 
Landmann gelegentlich*) treffend gekennzeichnet hatte, indem er 
schrieb, die Arbeit kann nicht zumAbschluss kommen, „dieweilen 
keiner aus denen Bibliothecariis von dem anderen dependiret, somit 
jeder nach seiner gemächlichkeit die Dienstleistung versehen hat^. 
Daher wurde Herwig als Hilfskraft eigens für die Katalogarbeit 
eingestellt, leistete allerdings in der Folge die erhofften Dienste 
nicht. Im Jahre 1777 erbot sich dann cand. med. Halberstädter 
zur Bearbeitung der Kataloge, ohne Entgelt zu beanspruchen. 
Das Rezeptorat führte in seinem ablehnenden Gutachten aus, die 
Arbeit sei langwierig und könne recht gut von einem Rezeptorat- 
amtskanzlisten unter Aufsicht der Bibliothekare ausgeführt werden^). 



3) Bericht 1761. IV. 18 (ü. B. Fase. 14). 

2) Rezeptoratamts-ProtokoU 1768. VIII. 25 (ü. B. Fase. 3). 

3) Reo. Prot. 1777. XL 8. (Kr. A. Schule. 104). 

4) Bericht 1750 ca. (ü. B. Fase. 256). 

ß) Kr. A. Schuls. 104; das Protokoll schliesst mit den Worten: „Übrigens 
könne man nicht unangemerkt lassen, dass man rezeptoratischerseits sehnlich 



I 



) 



— 119 — 

Wirklich machte Kanzlist Welz im Jahre 1778 einen Versuch zur 
Ausarbeitung des alphabetischen Katalogs, der Billigung fand, 
worauf Welz zur Bibliothek versetzt wurde und in vier Jahren 
die Arbeit vollendete^). 

Bei der zweiten Säkularfeier der Universität lag der neue 
alphabetische Hauptkatalog in vier mächtigen, mit dem einge- 
pressten Wappen Franz Ludwigs von Erthal gezierten Foliobänden 
fertig vor 2). 

Auf schönes und starkes Papier sauber und fleissig geschrieben 
und geräumig angelegt, stellt der Katalog eine anerkennenswerte 
Leistung dar, wenn auch mangelhafte Sprachkenntnis und Unvoll- 
ständigkeit der Vorlage gar manche Fehler verschuldeten. Nach 
den erhaltenen Notizen sollte Welz die Abschrift allein besorgt 
haben ; doch sind zum wenigsten grosse Partien des dritten Bandes 
von anderen Händen geschrieben. Der Grundkatalog, die Bestände 
der Bibliothek bei Anlegung des Kataloges enthaltend, hebt sich 
deutlich von den Nachträgen, den Zugängen nach 1782, ab. Der 
Katalog ist noch für die ursprünglich gewählte Signierweise ein- 
gerichtet, doch haben zahlreiche Titel des Grundkatalogs und fast 
sämtliche Nachträge nur noch die Schrankbezeichnung ohne Num- 
mer, viele geben nur das Format an. Die Wirksamkeit des Kata- 
logs endete mit der Säkularisation und der durch sie bedingten 
Neugestaltung der Bibliothek. 

Noch immer mangelte ein brauchbarer systematischer Katalog 
^md Unordnung riss mehr und mehr ein. Fächer, die bei der 
erstmaligen Ordnung der Bibliothek nur durch wenige Bände reprä- 
sentiert waren und ursprünglich mit Recht verwandten Disziplinen 
zugeteilt wurden, hatte man inzwischen ausgebaut. Manche Fächer 
waren auch über den zugedachten Raum hinausgewachsen, so dass 
freie Plätze in anderen Schränken zu ihrer Unterkunft heran- 



wünscfae, dass diese Arbeit annoch bey Lebzeiten des Bibl. Germersbausen 
vollbracht würde. ** 1778. IX. 6. begründet dann das Rezeptorat seine Bitte, 
Welz als Bibliothekskanzlist mit der Spezi alaufgabe Anlage des Katalogs 
aufzustellen, damit, „sonst wäre nach der zeitherigen, leidigen Erfahrung die 
Einrichtung dieser Katalogen nimmer zu erwarten** (Kr. A. Schuls. 105). 

1) Die Rechnungen 1778, 1779, 1781, 1782 verbuchen Auslagen für Katalog- 
papier, insgesamt 85 11. Der erste Versuch wird vorgelegt 1778. VI. 19. (Kr. A» 
Schuls. 105). 

2) Bericht Simons 1782. V. 24. (Kr. A. Schuls. 107). 



— 120 — 

gezogen werden mussten. Gregel entwirft ein anschauliches Bild 
der Verhältnisse, wie er sie bei seinem Dienstantritte vorfand^). 
Genealogische, heraldische, numismatische Werke sind unter der 
Profangeschichte zerstreut; chronologische, geographische Bücher, 
Atlanten, ältere Reisebeschreibungen sind ebenfalls bald bei der 
Profan-, bald bei der Kirchengeschichte, bald mit der Aufschrift 
Jus publicum zu finden. Lehen-, Kriminal- und deutsches Privat- 
recht, lateinische und griechische Klassiker haben weder eigene 
Aufschriften, noch stehen sie nebeneinander, sondern befinden sich 
oft an den entgegengesetzten Enden des Saales. Überdies ist auch 
innerhalb der einzelnen Fächer durch die vielen am Schlüsse an- 
gereihten Zugänge die ursprüngliche Ordnung völlig verwischt. 
Auf den Gestellen stehen die Bücher vielfach in doppelter Reihe 
hintereinander, andere sind darüber gelegt. Dazu ist man seit 
einer Reihe von Jahren davon abgegangen, die Bücher nach der 
alten Art zii signieren, so dass ungefähr V* der Bücher mit Buch- 
staben und Ziffern bezeichnet sind, die übrigen aber keine Be- 
zeichnung tragen. Unter solchen Umständen gehörte neben einer 
genauen Kenntnis des Bestandes und Lokales auch eine grosse 
Dosis Geschick und Geduld dazu, um ein durch den alphabetischen 
Katalog nachgewiesenes Buch auch wirklich zu finden. 

Gregel schiebt mit Recht die Hauptschuld auf das ursprüng- 
lich gewählte fixierende System, weil es die Bücher an dem ersten 
Standorte festlegte und von vornherein für Neuzugänge nicht Platz 
liess. Über die Grundlinien zu einer Neuordnung entwickelt er 
Gedanken, die uns stellenweise ganz modern anmuten: 

Der Realkatalog und die Stellung der Bücher in der Biblio- 
thek müssen völlig miteinander übereinstimmen. Er muss nicht 
nur die Klassen der Wissenschaften, sondern auch die nötigen Ab- 
teilungen und Unterabteilungen enthalten. Eine grosse Menge 
von Abteilungen sieht zwar sehr gelehrt aus, erschwert aber die 
Übersicht und ist schwer im Gedächtnis zu behalten. Die Bücher 
werden ohne jede Signatur nach dem gewählten Schema eingereiht ; 
im alphabetischen Kataloge wird nebst dem Formate des Buches 
die Hauptwissenschaft und der Zweig derselben angemerkt, zu 
dem es gehört. Wegen des Formatunterschiedes müssen die ein- 
zelnen Werke im systematischen Kataloge in den verschiedenen 

I) Bericht 17S8. X. 27. U. B. Fase. U. 



— 121 — 

Abteiiimgen nach dem Formate und zwar in chronologischer Ord- 
nung eii^etragen werden. Auf den Büchergestellen darf aber 
auch nicht allzuviel Raum für Einschiebsel frei bleiben, weil sonst 
die Bibliothek einem Kramladen mit leeren Schachteln ähnlich 
sieht und einen dürftigen Eindruck macht. 

Dass die Vorteile des alten Systems, namentlich die leichte 
Auffindbarkeit, mit denen des neuen vereinigt sind, wenn die 
Fachbezeichnungen auch zur Signatur verwendet werden und der 
Nachträge wegen springende Nummern eingeführt sind, übersieht 
Gregel völlig. An der Ausführung seiner Ideen hinderte ihn 
leider seine frühzeitige Abberufung. 

Im Jahre 1792 unterbreitete Kanzlist Welz^) einen Plan zu 
einem neuen Realkataloge, nach dem er die Bücher in 7 ordines, 
38 genera, 125 species einzuteilen und ohne Nummerierung syste- 
matisch aufzustellen gedachte. Obwohl er die dienstfreie Zeit zur 
Ausarbeitung verwenden wollte, kam die Sache doch nicht zur 
Ausführung. Ob der Fürst die erbetene Extrazulage versagte, ob 
das Schema keine Billigung fand, ob dem Verfasser doch die 
nötige gründliche wissenschaftliche Durchbildung fehlte oder ob er 
von den laufenden Bibliotheksgeschäften allzusehr in Anspruch 
genommen wurde, wissen wir nicht zu sagen. 

Auch über einen anderen einige Jahre vorhergehenden Ver- 
such ist uns keine weitere Kunde erhalten als der Ausweis der 
Rechnungen, dass Pro fesser Sehn ei dt gemachte Auslagen für 
einen mit fürstlicher Genehmigung zu verfertigenden systematischen 
Katalog der juristischen Literatur in der Bibliothek mit 28 fl. 
rückvergütet erhielt^). 

Gregeis Nachfolger, Feder, konnte sich gleichfalls der 
Einsicht nicht verschliessen, dass die Zustände unhaltbar geworden 
waren. Er machte sich zunächst an die Umstellung der Bücher 
und durfte bereits 1794^) berichten, dass vor seinem Dienstantritt 
kein einziges Buch systematisch gestellt gewesen sei, dass er aber 
bereits Ordnung in das literar-historische, philosophische, theo- 
logische, medizinische Fach gebracht habe. Den systematischen 



J) Bitte und Vorstellung mit 2 Beilagen, ü. B. Fase. 14. 
3) V.-A. Hauptrechnung 1785. 

3) Konzept (ü. B. Fase. 14). Die Datierung ist dureh den Inhalt der 
Eingabe bestimmt, in der Feder um Einstellung eines Gehilfen bittet. 



— 122 — 

Katalog hat freilich auch Feder nicht verfasst und die Biblio- 
thek musste ohne einen solchen in das neue Jahrhundert hinüber- 
gehen. 

Die Bibliotheksordnung blieb im wesentlichen unverändert 
in Kraft, nur das allgemeine Ausleiheverbot wurde teilweise auf- 
gehoben. Schon wiederholt hatte der akademische Senat vergeb- 
lich darum gebeten, Franz Ludwig von Erthal trug endlich der 
berechtigten Forderung Rechnung. Unterm 23. April 1785 erging 
das Reskript, dass den Professoren, aber sonst schlechterdings 
niemand ohne ausdrückliche fürstliche Genehmigung Bücher nach 
Hause ausgeliehen werden dürften, doch mit der Einschränkung, 
dass einem Professor niemals mehr als zwei, höchstens drei Autoren 
auf einmal und nicht über sechs Wochen verabfolgt werden sollten. 
Wenige Jahre später wurden Regens und Subregens des geistlichen 
Seminars den Professoren gleichgestellt ^). Als Ausleiheregister dien- 
ten vier Manualien für die vier verschiedenen Fakultäten, worin die 
Professoren eigenhändig quittierten, daneben fanden Leihscheine 
Verwendung. Die Ausleihe-Verzeichnisse waren vierteljährig dem 
Fürsten vorzulegen. Mit der ihm eigenen peinlichen Gewissen- 
haftigkeit bis ins kleinste überwachte Franz Ludwig die Aus- 
führung dieser Bestimmungen. So musste sich, um nur ein Bei- 
spiel anzuführen, der Professor Wiesner im Auftrage des Fürsten 
sagen lassen: ;,Ich sehe es gar nicht gerne, dass ein Buch, das 
zum Nachlesen für die Candidaten der Theologie, welche aus 
Armuth grössere Werke sich nicht anschaffen können, beständig 
in der Bibliothek seyn sollte, von einem Professor, welcher sich 
dasselbe billig selbst anschaffen sollte, längere Zeit in Händen 
behalten würde. Ich verlangte daher, dass er Wiests dogmatische 
Theologie IL und III. Band zurückgebe . . . ."^) 

Die Studenten blieben auf die Benutzung am Orte angewiesen. 
Interessant ist hier, dass die Schüler des Gymnasiums auch noch 

1) Kr. A. Schuls. 108. U. B. Fase. 222 u. 3. — Die Bibliothekare 
hatten allerdings schon vorher selbst BQcher mit nach Hause genommen und 
an andere verliehen. Die entsprechende Rüge blieb jedoch nicht aus (1768. 
Vm. 16. 23. 25. 29. ü. B. Fase. 3). 

'^) An die Einhaltung der kurzfristigen sechswöchigen Ausleihezeit wollten 
sich die Professoren nur schwer gewöhnen. Klagen der Bibliothekare wegen 
Überschreitung der Zeit kehren in den Akten immer wieder. Die Bibliothekare 
sahen jedoch streng auf Befolgung der Vorschrift, weil sie persönlich für zu 
Verlust gegangene Bücher haftbar gemacht waren. 



— 123 — 

nach der im Jahre 1794 erfolgten endgültigen Lostrennung des 
Gymnasiums vom Uniyersitätsverbande das gleiche Recht auf die 
Benützung der Bibliothek behielten, wie die Mitglieder der Uni- 
versität ^). 

über die Höhe und Richtung der Frequenz können 
leider genauere Angaben nicht gemacht werden, da die erwähnten 
Ausleihemanualien nicht mehr auffindbar waren und über den Ver- 
kehr im Lesezimmer keinerlei Aufzeichnungen gemacht wurden. 
Doch lässt sich aus gelegentlichen Bemerkungen der Bibliothekare 
immerhin feststellen, dass die Studenten wenigstens im letzten 
Viertel des Jahrhunderts die Bibliothek in immer steigender Zahl 
aufsuchten. So ist das Lesezimmer 1786 öfters „gestecktvoll 
Studenten^, 1792 spricht Welz von „dem von den Studierenden 
ganz ausserordentlich starken Besuch der Bibliothek^; 1793 be- 
richtet Feder: „das besuchende Personale hat sich in den letzten 
Jahren merklich gemehrt und besteht im Winter aus 20 zum Theil 
die spuren gerauchten tobacks mit sich tragenden Kandidaten." 
Schon ein Jahr später ist die Bibliothek so stark von Akademikern 
frequentiert, „als sie noch nie frequentiert worden ist"*). Dass 
ein grosser Teil dieser strebsamen jungen Leute nur dahin ge- 
kommen sei, um sich Unterhaltung zu verschaffen, wie Gregel 
pessimistisch meinte, wollen wir so ohne weiteres nicht zu unserer 
Meinung machen. Die „täglich zunehmenden nicht selten für das 
wenig geräumige Lesezimmer allzu zahlreichen Besucher" veran- 
lassten Goldmayer im Jahre 1800, eine eigene Lese- und Aus- 
leiheordnung auszuarbeiten, aus der zwei Punkte hier hervor- 
gehoben seien: „. . . 3. Niemand sollte Anspruch auf mehr als 
ein Buch auf einmal oder auch mehrere IBücher nacheinan- 
der in einem und demselben Vor- und Nachmittage machen . . . 
4. Sollte man, soviel möglich, darauf bedacht seyn, keinem 
Kandidaten ein Buch zu geben, dessen Inhalt nicht mit der 
W^issenschaft, welcher er sich widmet, übereinstimmt, philosophi- 
sche, historische, physikalische, technologische, vermischte Schrif- 
ten und die ewigen, allgemein nüzlichen Werke der Klassiker aus- 
genommen" ^). 



1) G. K. V. Fechenbach stellt dies ausdr&cklich fest: 1795. X. 30. 
ü. B. Fase. 226. 

2) Kr. A. Schuls. 109, 116. CT. B. Fase. U. 
8) ü. B. Fase. 14. 



— 124 — 

Eine stete Steigerung im Zuspruche der Studierenden lässt 
sich nach allem nicht verkennen. Anders lag die Sache bei den 
Professoren. I>ass sie das Lesezimmer weniger zahlreich auf- 
suchten, seitdem sie Bücher nach Hause entnehmen durften, ist 
leicht verständlich, aber auch die Ausleihe nahmen sie nicht all- 
zustark in Anspruch, was Gregel darauf zurückführt, dass sie 
selbst grossenteils bedeutende Büchersammlungen besassen, dann 
aber auch mit den in der Bibliothek vorhandenen Beständen ihres 
Faches nicht hinlänglich vertraut waren ^). 

Geöffnet war die Bibliothek in sehr liberaler Weise 20 
Wochenstunden in den Wintermonaten, 27 Va Wochenstunden im 
Sommer *). 

Im kleinen und wenig hellen Lesezimmer für die Studierenden 
hielt der Kanzlist (Sekretär) Aufsicht, das Bibliothekarzimmer war 
zugleich Lesezimmer für die Professoren und sonstigen Honora- 
tioren. Ein Schiebfenster ermöglichte die Überwachung der Be- 
sucher vom Bibliothekarzimmer aus. Auch eine Art Handbiblio- 
thek war eingerichtet in den sogenannten Kurrentbüchern, in- 
dem die meist gelesenen Bücher zu sofortigem Gebrauche am 
Eingange des grossen Saales auf besonderem Gestelle zusammen- 
gestellt wurden^). 



1) U. B. Fase 14. 

2) Hirsching a. a. 0. L S. 276. 

3} In den Bibliotbeksbetrieb des ausgebenden 18. Jahrhunderts gebeo 
folgende einem Berichte Feders vom 7. IX. 1813 (U. B. Fase. 313) ent- 
nommene Ausführungen interessante Einhlieke. 

^. . . Die gebundenen Bücher wurden nach ihren Fächern aufgestelH, 
therls in Schränken, die zwar verschli essbar, aber auch ohne Schlüssel ieieht 
zu öffnen sind, wie der Augenschein beweisst; theils in offenen, auf den drey 
Tisehschränken angebrachten Stellagen und Aufsätzen, und zwar öfters, weil 
es an Platze so sehr mangelte, in doppelten hintereinander stehenden Reihen, 
über welche wieder andere, als dazu gehörige Theile, quer gelegt wurden. 

Nun kamen, jähr aus, jähr ein, besonders aber im Winter mehrere, 
grösstentheils junge Leute, die man theils als Akademiker kannte, theils aber 
nicht ab solche kannte, mit Schanzlaufern bekleidet, Bücher zum Lesen ver- 
langend, und im äussern Lesezimmer dieselbe lesend. Der Regel nach,' hatte 
der Secretär ganz allein die äussern Lesegäste zu besorgen, während der Bi- 
bliothekar für die Professoren und andern Honoratioren im Arbeitszimmer 
sorgen musste. Ich sage — der Regel nach — wenn nämlich kein gesetz- 
liches Hinderniss eintrat, und beyde anwesend seyn konnten. Trat ein 
solches Hinderniss ein, so musste Einer für beyde Art von Gästen sorgen 



— 125 — 
Achtes Kapitel. 

Stand der Bibliothek beim Eiotritte der Säkularisation. 

Neunzig Jahre waren verflossen, seit Johann Philipp von 
Greiffenclau durch die Berufung Siglers zum Universitätsbiblio- 
thekar die aufsteigende Entwickelung der Bibliothek inauguriert 
hatte, als die Säkularisation der weltlichen Herrschaft der Würz- 
burger Bischöfe ein jähes Ziel setzte. Bereits am 3. September 
1802 rückten bayerische Truppen in Würzburg ein, am 28. November 
verabschiedete sich Georg Karl von Fechenbach in würdigen, väter- 



nnd eine aof alles sich erstreckende Aufinerkaamkeit ward um so weniger 
möglich. 

unmöglich konnte der Secretftr jedes von jedem gebrauchte Werk sogleich 
an seinen Platz zurückstellen; er stellte also diese Werke, die man Gurrent- 
Bücher nannte, auf dem ersten im Saale angebrachten Tischschranke auf, deren 
Zahl sich auf 100, öfters wohl auf noch mehrere belief, und nur, wenn Ferien 
heranrückten, wurden sie wieder an ihren gehörigen Platz gestellt. Gieng also 
die Bibliothek auf, so liess man die Gäste an diesen Schrank gehen, und, was 
ihnen anständig war, davon nehmen. Kaum war ein Theil befriedigt, so 
drang ein anderer in den Saal, Bücher verlangend, die bisher nicht waren ge- 
lesen worden. Diese musste der Secretär entweder aas dem hintersten Zimmer, 
oder aus dem Arbeitszimmer, oder von den Wand- und Mittelschränken, 
meistens nach geschleppter und angelegter Leiter aus hohen Fächern heraus- 
nehmen. Die Gäste . . . nahmen sich die Freyheit, sich an die Schränke, an 
die Tischschränke, an die Fenstergesimse zu begeben, auf welch' letzteren die 
von den Professoren zurückgeschickten oder von denselben verlangten Bücher 
niedergelegt waren, jene, bis man Zeit hatte, sie wieder aufzustellen; diese, 
bis sie abgeholet wurden . . . 

Dem Secretär konnte wohl nicht zugemuthet werden ... die von abge- 
gangenen Gästen hingelegten Bücher sogleich in den Saal zurückzubringen, 
zumahlen im Winter. Ebensowenig konnte ihm zugemuthet werden, dass er 
im Lesezimmer währendem Winter, wo er daselbst die ungesundeste Luft 
einathmete, stets bleiben, und sich nicht, um sich zu erholen, in das ge- 
räumigere und weniger besetzte Arbeitszimmer begeben sollte. Demnach waren 
die Lesegäste öfters alleine, die freylich von dem Arbeitszimmer aus, durch 
ein Fensterchen, aber doch auch nicht imm^r, und bey dem schwachen Lichte, 
den dieses Fensterchen zumahlen im Winter und beym Regenwetter gewähret, 
nur sehr unvollkommen konnten beobachtet werden. Wenn Morgens um 11 Uhr 
ein juridisches Gollegium gelesen ward, oder wenn auf öffentlicher Strasse 
etwas vorgieng, das die Neugierde reizte, so nahm die Anzahl der Lesegäste 
ab, so dass öfters nur einige oder nur einer da war . . / 



— 126 — 

liehen Worten von seinen bisherigen Untertanen; das Bistum 
Würzburg nebst seinem Nachbarhochstifte Bamberg und anderen 
Gebieten war infolge des Luneviller Friedens und nach den Be- 
schlüssen des Reichsdeputationshauptschlusses an Kurbayern ge- 
fallen. 

Eine neue Zeit brach herein, deren kühne Reformen nicht 
zuletzt der Universität galten und die hohe Schule Julius Echters 
von Grund aus umgestalteten. 

Auch die Bibliothek bot schon nach wenigen Jahren ein völlig 
verändertes Bild. Die Büchersammlungen zahlreicher aufgehobener 
fränkischer Klöster und Stifter wurden ihr zugewiesen und das 
bisher an Manuskripten und Inkunabeln verhältnismässig arme 
Institut gewann dadurch einen selten reichen Schatz altehrwürdiger 
Handschriften und kostbarer Frühdrucke, während sich gleichzeitig 
der Bücherbestand um die Hälfte vermehrte. Zudem zog dieser 
ausserordentliche Zugang eine gänzliche Umgestaltung der Biblio- 
thek, Einteilung in siebzig Fächer, Anlage von Fachkatalogen 
nach sich. So ist die Säkularisation auch für die Bibliotheks- 
geschichte von epochaler Bedeutung^ 

Ein Rückblick auf das achtzehnte Jahrhundert zeigt die Biblio- 
thek fortgesetzt als Gegenstand liebevoller Pflege der Fürstbischöfe, 
die sich in den ersten fünfzig Jahren mehr auf Abrundung 
des Bücherbestandes, Unterkunft der Bücher und Organisation 
richtete, in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts besonders durch 
Aufwand höherer Mittel und Benutzungserleichterung betätigte. 
Insgesamt waren bis 1802 für Bibliothekszwecke 123000 fl. fr. 
aufgewendet worden, die in nachstehender Tabelle nähere Er- 
läuterung finden. 



- 127 — 



Änfwendangen für die Bibliothek*). 



Titel 



1619-1698 



1699-1802 



Bäcberkauf . . . 
Smband .... 
Sonst sächL Ausg. - 


10058 fl. 

19 fl. 

837 fl. 


— ff23^fr. 
1 ef 15 ^ fr. 
4ttl7^fr. 


37341 fl. 

5717 fl. 

i 11418 fl. 


4 ai 18 ^ fr. 
3 er 19 ^ fr. 

2 ff 7^ fr. 



SäcU. Ausgaben . 
Personl. Ausgaben 



10915 fl. IS 7 ^ fr. ! 54477 fl. 4 ff 26 ^ fr. 
30fl.6ff21^fr. I 57321 fl, 5 ff 16 ^ fr. 



Summa 

47399 fl. 5 ff 15 ^ fr. 

5736 fl. 5 8 4 ^ fr. 

12256 fl. 1 ff 6 ^ fr. 

65393 fl. — ff 19 ^ fr. 
57353 fl. 1 ff 1 ^ fr. 



Summa | 10946 fl. 2 ff 10 ^ fr. 111799 fl. 4 ff 24 ^ fr. ! 122746 fl. 1 ff 20 ^ fr. 



^) Die Angaben sind aas den Univeraitäts-Hauptrechnungen gezogen, die 
jeweils ab Petri Cathedra (11.22.) laufen. Ober das Rechnungswesen der Universitftt 
vergl. Braun LS. 414 ff. Die Rechnungen der Jahre 1619—1624 und 1628 
führen die Bibliotheksausgaben unter eigenem Titel auf. Dieser verschwindet 
bezeichnenderweise nach dem schwedisch-weimarischen Interregnum, um, von 
einem kurzen Wiederaufleben in den Jahren 1650 — 1670 inkl. abgesehen, erst 

1723 dauernd wiederzukehren. In der Zwischenzeit werden Bücherkäufe bei 
den Buchausgaben des Seminars mitgebucht. Buchbinderkosten und andere 
sächliche Aufwendungen sind auch nach 1723 noch teilweise unter anderen 
Positionen zerstreut, dagegen werden Heratellungskosten von Eckharts Com- 
mentarii de reb. Fraise, or., sonstige Drucksachen, sowie die Korrespondenz- 
und anderen redaktionellen Auslagen für die Würzburger Gelehrten Anzeigen 
(bis 1789) bei der Bibliothek verrechnet. Sie wurden aber in obige Aufstellung 
nicht einbezogen. 

Was speziell die persönlichen Ausgaben angeht, so besteht dafür von 

1724 ab ein eigener Titel, der 1778 mit dem der sächlichen Aufwendungen 
zu einem verschmolzen wird. Der Gehalt Siglers, später des Kanzlisten 
Welz, der Sekretäre Stumpf und Goldmayer, ist bei der Bestallung der 
Rezeptoratsbeamten vorgetragen. Diese Summen sowohl wie der halbe Gehalt 
des gemeinsamen Rezeptorats- und Bibliotheksdieners sind eingerechnet, da- 
gegen wurde die Bestallung des Universitäts-Arithmetikus (vergl. Sehn ei dt, 
Sicil. S. 195, Seuffert I. Kap. 4. Fol. 4, Wegele I. 431), der aus unbe- 
kannten Gründen bei den Bibliotheksgehältern mitverrechnet wurde, abgezogen. 

Der normale Bibliothekargehalt betrug von 1755 an 400 fl. fr., 1 Fuder 
Wein, 12 Malter Korn jährlich, dazu kam häufig freie Wohnung. Die Reich- 
nisse an Naturalien, freie Wohnung und Kost wurden in unserer Tabelle nicht 
in Anschlag gebracht. 

Die Buchbinderkosten = 12^0 der Aufwendungen für Bucherwerb, können 
keine hohen genannt werden, zumal da die Bücher einen soliden und schönen 
Einband erhielten. 

Bei den , sonstigen sächlichen Ausgaben" nimmt die Erbauung und Ein- 
richtung der neuen Bibliothek 1722/1724 mit rund 10000 fl. allein den grössten 
Teil der aufgewendeten Summen in Anspruch. 



— 128 — 

Namhafte sächliche und persönliche Aufwendungen waren also 
für das Institut gemacht worden, allein für ca. 40000 fl. Bücher 
nebst umfangreichen Schenkungen und der Bücherei der Jesuiten 
waren zur Bibliothek des siebzehnten Jahrhunderts hinzugekommen. 
Ziflfermässiger Nachweis über Umfang und Zusammensetzung des 
Bücherschatzes beim Eintritte der Säkularisation lässt sich aber 
nur schwer erbringen. 

Von systematischen oder StandortsKatalogen konnten nur die 
Kataloge der medizinischen Werke und der Folianten des Jus 
civile aufgefunden werden, aber sie sind nicht über die sechziger 
Jahre hinaus fortgeführt und geben zudem nur einen kleinen Aus- 
schnitt aus dem Gesamtbestande. Als einzige Quelle blieb der 
yierbändige alphabetische Katalog (Erthal-Katalog) übrig, der zu 
dem gewollten Zwecke vollständig abgeschrieben werden musste, 
indem jedes Werk auf einem besonderen Zettel verzeichnet wurde. 
Dieser so gewonnene alphabetische Zettelkatalog wurde dann durch 
Aneinanderreihen der zusammengehörigen Titel in einen systema- 
tischen umgeordnet. Hierbei ergab sich zunächst eine Scheidung 
in zwei Hauptgruppen. 

Gruppe I, Bestand der Bibliothek bei Anlegung des Katalogs, 
umfasst den Grundstock des Katalogs, die Einträge der Katalog- 
schreiber, weitaus den grössten Teil der Bibliothek. 

Gruppe II, Zugänge der Bibliothek von 1782 — 1802, vereinigt die 
von verschiedenen Händen nachgetragenen Neuanschaffungen vom 
Jahre der Vollendung des Katalogs bis zur Säkularisation. Diese bedeu- 
tet zugleich das Ende seiner Wirksamkeit, da er von da ab, durch den 
Zugang der Klosterbibliotheken, die Neuordnung und ümsignierung 
der Bibliothek unbrauchbar geworden, nicht mehr fortgeführt wurde. 

Die erste Gruppe gliedert sich wieder in zwei Teile, in solche 
Werke, die mit den alten Bibliotheksignaturen versehen sind, und 
solche, denen diese fehlen. Bei letzteren lässt sich eine doppelte 
Schicht deutlich unterscheiden, je nachdem es sich um ältere Be- 
stände handelt, denen die Signatur nur durch einen Irrtum des 
Katalogschreibers oder Unvollständigkeit seiner Vorlage fehlt, oder 
um neuere Zugänge, deren Erwerb in eine Zeit fällt, wo man 
bereits angefangen hatte, von dem ursprünglichen Ordnungs- und 
Signierungsprinzip abzugehen. 

So wurden die durch Abschrift erhaltenen Zettel nach folgen- 
dem Schema gelegt: 



129 — 



I. Bei Anlegung des Katalogs vorhandene Bücher: 

a) signierte Werke, 

b) unsignierte Werke, 

a) ältere Bestände, 

fi) Anschaffungen 1760 ca. und 1782. 
n. Nachträge des Katalogs (Zugänge 1782 — 1802). 
Dadurch ergaben sich die nachstehenden Tabellen. Die erste 
Tabelle bringt in zwei Kolumnen die zur ersten Hauptgruppe ge- 
hörigen Werke , erst ohne die Unterabteilungen b ß , dann mit 
Einrechnung derselben. Die alte Einteilung der Bibliothek liegt 
ihr zugrunde, die unsignierten Werke wurden in gleicher Ordnung 
mitgezählt. Die zweite Tabelle enthält in selbstgewähltem Schema 
die zu Ib/J und II gehörigen Bände. In der dritten Tabelle end- 
lich wird versucht, eine Gesamtsumme aus sechs möglichst weit 
gewählten Summanden zu ziehen. Die im alten Fache Historia 
enthaltenen naturwissenschaftlichen , literarhistorischen , philologi- 
schen Werke sind hier nicht mehr unter Geschichte und Geographie 
verrechnet, sondern an entsprechender Stelle eingefügt^). 

I. Bestand der Bibliothek 1760 ca. und 1782. 



G 1 a 8 s i s 



Volumina 
1760 ca. 



Volumina 

1782 



I. Theologia 

IL Jnrisprudentia 

Jus canonicum 

Jus civile 

Jus publicum 

III. Medicina 

IV. Philosophia 

Fhilosophia 

Mathesis 

V. Literae humaniores 

Grammatica, Poötica, Rhetorica .... 
VI. Historia 

Historia ecclesiastica 

Historia profana cum Geogr. Chron. Gen. \ 
Historia liier, natur. artefic I 



2049 

411 
2153 

822 
832 

370 
310 

904 

819 
2463 



2109 

467 
2249 
1020 

899 

425 
326 

954 

927 
3062 



Summa 



11133 



12438 



i) Es werden jedoch hier nur die rein ziffermässigen Resultate mitgeteilt, 
eine ausführlichere Darstellung und Würdigung des in Tab. I und II ent- 
haltenen Materials wurde im VI. und VII. Kapitel versucht. 

9 



130 



II. Zugänge der Bibliothek. 



Fach 



Vor 1782 an- 
geschaffte, 

nach 1750 er- 
schienene 
Bände 



1782—1802 

angeschaffte 

Bände 



I. Encyklopädie , Allgemeines. Literaturge- 
schichte 

II. Theologie 

historische ' 

systematische 

praktische 

III. Jurisprudenz 

Kirchenrecht 

Römisches und deutsches Recht, Straf- 
recht etc 

Staatsrecht, Politik, Völkerrecht . . . 
Staatswissenschaften 

IV. Geschichte und Geographie 

Eirchengeschichte 

Profangeschichte . . 

Geographie und hist. Hilfswissenschaften 
V. Philologie 

Allgemeine und Orient. Philologie 
Alte Sprachen und Literaturen . 
Neuere Sprachen und Literaturen 
Archäologie und Kunst. . . . 

VI. Philosophie 

VII. Mathematik, Naturwissenschaften 
VIII. Medizin . 



292 

19 
29 
12 

56 

96 

177 

21 

108 
238 
.47 

7 

21 
22 
13 
55 
25 
67 



413 

259 

95 

103 

64 

268 
236 
143 

200 
590 
161 

35 
149 
207 

33 
193 
338 
142 



Summa 



1305 



3629 



III. Bestand der Bibliothek im Jahre 1802. 



Fach 



Bände 



I. Encyklopädie, Allgemeines, Buch- und Bihliothekswesen, 

Geschichte der Wissenschaften 

IL Theologie 

III. Jurisprudenz 

IV. Geschichte, Geographie 

V. Philosophie, Philologie 

VI. Mathematik, Naturwissenschaften, Medizin 

Summa 



905 
2566 
4447 
4326 
2059 
1764 

16067 



— 131 — 

Anspruch auf absolute Richtigkeit können und wollen diese 
Zahlen nicht machen. Sie beruhen ja nicht auf Zählungsresultaten 
' jener Zeit, nicht auf Angabe von Standorts- oder systematischen 
Katalogen, sondern lediglich auf dem alphabetischen, der zudem 
von Fehlern nicht frei ist, Mehrfacheintragungen unter verschie- 
denen Schlagworten enthält, Bandzahl häufig nicht beisetzt und 
i bei den nicht mit Signatur versehenen Büchertiteln Beibände von 
I selbständigen Bänden nicht unterscheiden lässt. Soweit es an- 
gängig war, wurden diese Fehlerquellen vermieden, so dass die 
Tabellen eine möglichst genaue Rekonstruktion des Bücherschatzes 
und zwar in Buchbinderbänden darstellen dürften. Zur Kontrolle 
stehen einige Notizen zu Gebote. Im Frühjahr 1803 beginnt Dom- 
kapitular und Rektor Magnificus Graf Stadion in seinem Be- 
richte an den Kurfürsten Maximilian Joseph von Bayern über die 
Universitätsanstalten in den kurfürstlichen Landen in Franken die 
Beschreibung der Würzburger Universitätsbibliothek mit der An- 
gabe, dass sie nach Mitteilung der Bibliothekare in etwa 15000 
Bänden bestehe^). Feder selbst kündigt 1803^) an, dass sich die 
Bibliothek durch die hinzukommenden Büchereien der Klöster um 
die Hälfte vergrössern werde ; ein von ihm gefertigter Conspectus 
totius apparatus librorum, qui asservatur in Bibliotheca Universi- 
tatis Wirceburgensis, scriptus XIII. Martio anni MDCCCVI. schliesst 
dann mit 25448 Bänden ab»). Ferner gibt Feder 1804 den Besitz 
der Bibliothek an medizinischen Büchern mit 784 Bänden, an Werken 
über die Naturgeschichte mit 444 Bänden an. Nach unserer Auf- 
stellung zählte allerdings die Medicin 1782 schon 899 Bände, wozu 
dann bis 1802 noch 142 Bände kamen, doch ist hier zu berück- 
sichtigen, dass das alte Fach Medicina auch die Botanici und 
Chymici umfasste, mithin eine bedeutende Zahl naturwissenschaft- 
licher Werke in sich schloss, die für Feder ausschieden. Alles 
iii allem genommen erhellt doch aus diesen gelegentlichen Bemer- 
kungen, dass die gemachten Aufstellungen den tatsächlichen Ver- 
hältnissen sicherlich sehr nahe kommen, wahrscheinlich sind sie 
infolge der geschilderten Verfassung des Katalogs durchgängig 
etwas zu hoch geraten. Die Jesuitenbücher und die Bibliothek 
Erthals konnten allerdings nicht vollständig eingerechnet werden. 

1) S. A. IV. 1. 

2) 1803. XII. 1. ü. B. Fase. 36. (Abschrift aus den S. A.) 

3) ü. ß. Fase. 314, Abschrift aus: S. A. VII. 3, 1. 

9* 



- 132 — 

Ein nicht unbeträchtlicher Teil von ihnen war aber auch nicht im 
Kataloge verzeichnet, nicht in den eigentlichen Bibliotheksräumen auf- 
gestellt, also dem Bücherschatze nicht organisch eingegliedert, nicht 
der Benutzung zugänglich, und kann daher ruhig ausser Ansatz bleiben. 

Üfcer die Handschriften war kein Katalog vorhanden. Ihre 
Zahl blieb gering bis zur Säkularisation, die dann allerdings der 
Bibliothek Schätze reichster Art zuführen sollte. Mit einiger Be- 
stimmtheit können vor 1802 im Besitze der Bibliothek nur 121 
Manuskripte nachgewiesen werden, darunter 29 Pergamenthand- 
schriften. Die von Fabricius angelegten, in der historischen 
Bibliothek fortgeführten Kollektaneenbände sind dabei inbegriffen, 
wiewohl ein Teil davon erst 1805 der Bibliothek tatsächlich zurück- 
gegeben wurde. Im einzelnen ist des grössten Teils der Hand- 
schriften schon im. Verlaufe der Darstellung gedacht worden; bei 
einem Fünftel etwa lässt sich nur die Zugehörigkeit zur Bibliothek 
des achtzehnten Jahrhunderts, nicht aber Zeit und Veranlassung 
des Zugangs feststellen. Zu nennen sind hiervon drei auf Tri- 
themius zurückgehende Bände ^) — bei zweien derselben vermutet 
Unland, dass sie durch Sigler zur Bibliothek kamen ^) — , dann 
Burchardus Wormatiensis ep. decretum, saec. XII. ^) und Bemoldus, 
chronicon, a. 1 — 1100, saec. XH^). 

Die Universitätsrechnungen verzeichnen wiederholt Hand- 
schriftenkäufe, ohne diese näher anzugeben^). 

Um das Bild des Bücherschatzes noch schärfer zu umschreiben, 
sei noch der Kritik Würzburger Gelehrter und dem Urteile aus- 
wärtiger Besucher aus dem letzten Viertel des Jahrhunderts das 
Wort gegeben. 

Im Jahre 1783®) ordnete der akademische Senat eine aus dem 

1) M. p. th. f. 64b, M. eh. f. 151. q. 27. 

2) Vergl. den Brief Siglers anCyprian vom Jahre 1716, abgedruckt 
bei Reuss a. a. 0. S. 178. Nach dem auf S. 65 wiedergegebenen KechnungB- 
posten des Jahres 1718 scheinen sie jedoch zunächst an Weihbischof Mayer 
und erst durch diesen an die Universität gekommen zu sein. 

•^) M. p. j. q. 2. 

4) M. p. h. f. 1. 

5) z. B. in den Jahren 1713, 1737, 1771, 1782, 1794. 

6) U. B. Fase. 314, Bericht an den akad. Senat. Koncept, ohne. Datierung. 
Aus inneren Gründen ist die Wirksamkeit der Kommission vor 1785 zu setzen; 
das Jahr 1783 ergibt sich, weil in diesem Jahre Oberthür und Senft 
Dekane ihrer Fakultäten waren (vergl. Hof- und Staatskalender 1783). 



- 133 — 

Dekan der theologischen Fakultät, Professor Oberthür, und dem 
Dekan der medizinischen Fakultät, Professor Senft, bestehende 
Kommission ab, um den Zustand des Büchervorrates zu unter- 
suchen und zuerst jene Bücher, welche die Literatur überhaupt 
und die meisten Wissenschaften gleich angehen. Die Kommission 
findet auch im äusseren Zustande der Bibliothek manches ver- 
besserungsbedürftig und kommt bezüglich ihres Auftrages zu dem 
Schlüsse, dass an Akademieschriften, gelehrten Zeitungen, auch 
Journalen, viele gute Werke vorhanden sind, die wenigsten aber 
ganz; von Encyklopädien und Schriften zur Gelehrtengeschichte 
wird noch manches wichtige Werk vermisst, auch einige wissen- 
schaftliche Zeitschriften sind noch zu halten. 

Kurze Zeit, nachdem Gregel zur Leitung der Bibliothek be- 
rufen worden war, arbeitete er ein ausführliches Promemoria über 
den damaligen Zustand der Bibliothek aus mit Vorschlägen zur 
Verbesserung^). Eingangs wird erwähnt, dass bei der Fruchtbar- 
keit des Jahrhunderts an gelehrten Produkten und bei der geringen 
zur Verfügung stehenden Summe von vorneherein klar sei, 
dass es in der Bibliothek noch an vielen einheimischen und noch 
mehr an ausländischen wissenschaftlichen Werken fehlen müsse. 
Im zweiten Teile stellt Gregel als Grundsatz für die Vermehrung 
auf: ^möglichst grösster Nutzen mit möglichst grösster Spahrsam- 
keit^^ und knüpft daran die treffenden Worte: „Leuthe, welche 
gedankenlos über den Mangel einzelner Werke schreyen, oder mit 
Ungestümm verlangen, dass alle in ihr Fach einschlagende brauch- 
bare Bücher angeschafft werden, scheinen entweder das Verhält- 
niss der Mittel zum Zweck nicht einsehen zu wollen, oder den 
kleinen Fleck vom grossen Reiche der Wissenschaften, welchen sie 
zu bearbeiten haben, gerade als den Mittelpunkt und als den vor- 
züglichsten Theil des Ganzen zu betrachten . . ► ." Im einzelnen 
werden dann folgende Ausstellungen gemacht: der Vorrat an 
älteren Büchern, besonders an theologischen, philosophischen und 
an Kommentatoren über das römisch-bürgerliche Recht ist zwar 
verhältnismässig sehr beträchtlich, dennoch sind Lücken, nament- 
lich in der neueren Literatur vorhanden. Diese Lücken, die schon 
aus der Unmöglichkeit, alle wichtigen Werke anzuschaffen, ent- 
stehen mussten, sind noch dadurch vermehrt worden, dass ohne 



1) 1788. X. 27. ü. B. Fase. 14. 



— 134 — 

Rücksicht auf das Ganze vorzüglich. das historische Fach bedacht 
wurde. Seit 15 bis 20 Jahren hat man weder für das Kirchen- 
noch für das Lehen- oder Kriminalrecht 40 fl. verwendet. Auf 
manche erst aufblühenden Fächer, wie Statistik, Staats-, Land- 
und Hauswirtschaft, hat man versäumt, Bedacht zu nehmen. Be- 
sonders schwach sind die Naturwissenschaften vertreten. Kein 
einziges vollständiges Werk über die Naturgeschichte ist vorhanden. 
Botanik ausgenommen stehen auch wenige einzelne Schriften über 
die beiden anderen Reiche der Natur zu Gebote. Auch von eng- 
lischen Werken ist nichts, von italienischen nichts Brauchbares in 
der Bibliothek zu finden. Dagegen ist die Zahl der gelehrten 
Zeitungen und periodischen Schriften verhältnismässig zu gross. 

Der erwähnte Bericht des Grafen Stadion vom Jahre 1803^) 
fasst das Urteil über die Bibliothek in die Worte zusammen; 
;,.... ohne bey weitem in dem Zustande zu seyn, der eigentlich 
zu wünschen wäre, ist sie sowohl ihrer Zahl, als ihrem Gehalte 
nach, besser als die Bibliotheken mancher anderen Universitäten, 
und immer ein wichtiges Subsidium sowohl für die Lehrer als die 
Studierenden der Universität . . .^. Für Geschichte, besonders 
die des Mittelalters, sind die meisten und die besten Werke vor- 
handen, das Fach der Naturgeschichte, Naturlehre und der damit 
verwandten Wissenschaften ist am weitesten zurück. Im allgemeinen 
ist zu beklagen, dass fast jeder Bibliothekar beim Ankaufe vor- 
züglich das Fach bedachte, in dem er am besten zu Hause war. 

Aus dem folgenden Jahi'e (Januar 1804) ist ein Bericht Pro- 
fessor Kleinschrods an den akademischen Senat erhalten, dem 
eine von Feder aufgestellte Übersicht beiliegt ^). 

Kleinschrod resümiert kurz und bündig: Bestens ist be- 
setzt Geschichte mit ihren Hilfswissenschaften, ziemlich befriedigend 
Theologie, Rechtswissenschaft, Literaturgeschichte, dürftig Medizin, 
Naturgeschichte, Physik, neuere Philosophie, Kameral- und Finanz- 
wissenschaft, und besonders griechische Literatur. 

Feder führt dies etwas weiter aus mit folgenden Worten: 
^Das historische Fach war schon längstens in derselben am besten 
bestellt. Dasselbe hat durch Vereinigung der Klosterbibliotheken 
beträchtliche Zuw^ächse erhalten, so dass es, wenn man es mit den 



1) S. A. IV. 1. 

2) S. A. VII. 3, 1. Abschrift. U. B. Fase. 314. 



- 135 — 

Hülfswissenschaften .... yerbindet, das zahlreichste ist ... Am 
dürftigsten sind bestellt die Medizin, die Naturgeschichte, die 
Physik, die griechische, unter den Jesuiten so sehr vernachlässigte 
Literatur. Zwar mag, wenn man blos auf die Auslagen sieht, für 
Medizin und Naturgeschichte ebensoviel verwendet worden seyn, 
als für jede andere Hauptsparte. Allein mit dem Anwüchse beider 
Wissenschaften steht der dahin einschlagende Vorrath von Büchern 
in keinem Verhältnisse . . . .^ 

Von Urteilen Auswärtiger aus dieser Zeit sei an erster Stelle 
erwähnt die ^ Reisebeschreibung eines Gelehrten durch Franken", 
die im ersten Band der ^Literatur des katholischen Deutschlands" 
Aufnahme fand. Der Bericht ist kurz, anerkennt den Umfang 
des Bücherschatzes, seine ständige Vermehrung, das treflf lieh be- 
stellte historische Fach und die lange Öfinungszeit der Bibliothek ^). 

Im Anschluss an die zweite Säkularfeier der Universität er- 
schienen die ;, Briefe eines Reisenden von Pyrmont, Cassel, Mar- 
burg, Würzburg und Wilhelmsbad. Frankfurt und Leipzig 1783", 
deren Verfasser, der Professor der Mathematik und morgenländi- 
schen Sprachen an der Hessenkasseischen Universität Rinteln, 
J. Matth. Hassenkamp, als Delegierter seiner Hochschule an 
jenen Ehrentagen der Alma Julia zu Würzburg weilte, und von 
den prunkenden Festen, der Gastlichkeit und Blüte der Würz- 
burger Universität genug des Rühmlichen zu erzählen wejss. Er 
geht über die Bibliothek mit den kurzen aber vielsagenden Worten 
hinweg: ;,Mittwochen den 7ten August (1782) Vormittags war philo- 
sophische Promotion; darauf besahen wir die noch nicht völlig in 
Ordnung gebrachte Universitäts- Bibliothek, worinnen auch ein 
grosses schönes Orrery stand, das dem auf der Leydener Biblio- 
thek befindlichen nicht viel nachgab."^). 

Den Beschluss mögen einige weitere der damals so beliebten 
wissenschaftlichen Reiseberichte machen. 

Gercken^) fasste sein Urteil dabin zusammen, dass die 
Bibliothek nicht sehr zahlreich ist, doch viele gute und wichtige 

1) Literatur des katholischen Deutschlands ... I. Kohurg 1776. 4. Stück. 
S. 107. 

2) S. 205. Nach den Acta Seculi Secundi Academiae Juliae Wircehurgensis 
(Verf. Syndikus Schrück, S. A. IV. 3, 2) geschah die Besichtigung schon 
am 30. Juli nach der theologischen Defension und in Anwesenheit des Forsten. 
Das Orrery ist die Nessfeilsche Maschine. 

3) a. a. 0. IL S. 349. 



— 136 -- 

Werke . besitzt, aber noch mehr Lücken aufweist, und schliesst mit 
den Worten: ;Jch habe also hier nur eine schlechte Erndte gehabt.^ 

Hirschings^) Ansicht über die vorhandene historische, 
juristische , medizinische , naturwissenschaftliche Literatur deckt 
sich mit der oben wiedergegebenen, über die theologischen Werke 
fällt er ein sehr absprechendes Urteil: „. . . . für die Theologie 
ist hier nichts zu suchen, denn diese enthält sonst nichts als etwan 
ein halb Schock aus der Mode gekommener dogmatischer und 
exegetischer Schriften und den Sauerteig manches hochwürdigen 
Mannes . . /^ Dann wird die Armut an alten Handschriften er- 
wähnt und der Besitz kostbarer Drucke, da mit der Bibliothek 
;,so ?u sagen auch die fürstliche vereinigt^^ sei. Speziell angeführt 
sind von Handschriften Burchardi Wormatiensis Canonum Ibb. XVI. 
(Mp. j. q. 2) und Trithemii Opera varia (M. p. th. f. 64b), an 
alten Drucken die Bibel von Schöfifer 1462, von Coberger 1475 
und Reissers Missale, von kostbaren Werken der Hortus mala- 
baricus und der Pergamentdruck des Theuerdanck ; das Vorhanden- 
sein von Montfaucon, Muratori, Voltaire und Rousseau wird eigens 
festgestellt. 

Baader^) meint: „Sie kömmt freilich der Universitätsbiblio- 
thek in Ligolstadt lange nicht gleich, enthält aber doch viele 
seltne und kostbare Werke, über welche ein sehr vollständiges 
Bücherverzeichnis vorhanden ist . . /^ Im einzelnen, auch in der 
Hervorhebung literarischer Schätze und Seltenheiten schliesst er 
sich enge an Hirsching an^). 



1) a. a. 0. I. S. 275. 

2) a. a. 0. II. S. 232 f. 

3) Von kürzeren Notizen seien noch folgende erwähnt : Abraham Jakob 
Penzel, der im Jahre 1774 auf Kosten des Fürstbischofs zu Würzburg lebte, 
aber sich durch Weibergeklatsch bald genötigt sah, die Stadt wieder zu ver- 
lassen, sagt am Schlüsse der Vorrede zum dritten Bande seiner Straboüber- 
setzuDg: «Der freye Zutritt, den ich zu allen Bibliotheken, sonderlich zu der 
so sehr schönen Universitätsbibliothek hatte, machte mich in Lectur und 
Kenntniss der monimentorum des mittlem Zeitalters vollkommner**. (Zu Penzels 
Würzburger Aufenthalt vergl. Mat. VlI. Fol. 9 und die dort verzeichnete 
Literatur, auch Büschings Wöchentliche Nachrichten III. Jahrg. 1775. S. 227 
bis 229). — Fr. Ant. Vitale weiss von seiner 1779 vollzogenen Reise zu be- 
richten: ,. . . Publica Bibliotheca instructissima est libris tum rei diplomaticae, 
tum juris publici . . ." (Journal von und für Deutschland 1784. May VI. 
S. 541). — Die anonym erschienenen „Bemerkungen auf einer Reise durch 
Deutschland und die Niederlande, in den Jahren 1779, 1780 und 1781" melden 



— 137 — 

Wir haben den Zitaten nichts hinzuzufügen. Die einzelnen 
wiedergegebenen Urteile sind im allgemeinen gewiss richtig ge- 
schaut und erfahren nähere Beleuchtung durch die gegebenen 
Tabellen und die speziellen Bemerkungen der vorhergehenden 
Kapitel. 

Überblicken wir nochmals den zurückgelegten Weg, so sehen 
wir die Bibliothek im siebzehnten Jahrhundert nach vielversprechen- 
den Anfängen einem langwierigen Siechtum verfallen. Zu Beginn 
des achtzehnten Jahrhunderts erweitert ein tatkräftiger Fürst ver- 
ständig die vorhandenen Grundlagen und seine Nachfolger tun 
treulich das Ihre. Die Bestände werden, wenn auch mit nicht 
gerade bedeutenden Mitteln, doch regelmässig vermehrt, nach festen 
Grundsätzen verwaltet und zu ausreichender Zeit für die Benützung 
am Orte zugänglich gemacht, in den letzten Jahrzehnten wird der 
Hauptklasse der Benutzer, den Professoren, auch die Entleihung 
nach Hause gestattet. Wenn auch an Zahl zurückstehend hinter 
mancher ihrer glücklicheren Schwesteranstalten und verhältnis- 
mässig arm an literarischen Cimelien, ist die Bibliothek durch 
ihre ausgewählten Bestände immerhin eine wirksame Stütze für. 
den Betrieb der Wissenschaften und liefert zugleich durch ihre 
Geschichte den Beweis, dass man auch in Würzburg redlich be- 
müht war, am Fortschritte der Wissenschaften nach besten Kräften 
teilzunehmen. 

^urz: „. . . Die Universitätsbibliothek ist vorzüglich im historischen Fache 
sehr vollständig. Der Bibliothekar derselben und eine der grössten Zierden 
dieser Universität ist der berühmte Geschichtschreiber Deutschlands, Michael 
Ignaz Schmidt, ein Mann, auf den seine Nation stolz zu seyu Ursache hat . . .'' 
(BernouUis Sammlung kurzer Reisebeschreibungen. Jahrg. 1784. Bd. XIII. S. 149). 
— Die Annalen der deutschen Universitäten von Justi und Mursinna, 
Marburg 1798, bieten nichts Neues. 



Anhang. 



Verzeichnis der Bibliotheksbeamten. 

1712—1802. 

a) Bibliothekare. 

Sigler, G. Cr., 1712 bis 1723. 

Eckhart, J. G. V., 1724. III. 29, bis 1730. IL 9. 

Seiz, Nik. Ant, 1730 bis 1741. 

Land mann, Chr. Fr. Jos., 1741 bis 1770. IV. 16. 

Brand, J. Andr., 1744. VIIL 1. bis 1761. IV. 14. 

Antoni, C. Ign., 1757. XIL 14. bis 1760. 

Germershausen, H. WllL 1761. IX. 21. bis 1780. IV. 18. 

Martin, PhiL Jos., 1761. IX. 24. (1766) bis 1786. XIL 13. 

Schmidt, Mch. Ign., 1771. V. 22. bis 1780. X. 3. 

Simon, Fr., 1781. XL 25. bis 1788. L 17. 

Gregel. Phil., 1787. X. 4. bis 1791. V. 18. 

Feder, Mch., 1791. XL 7. bis 1802 (1813). 

b) Kanzlisten (Aktnare, Sekretäre). 

Löhlein, J. Bpt. 1724. V. 3. bis 1727. 
Landmaun, Chr. Fr. Jos., 1727. X. 6. bis 1741. 
Welz, Ant. Alo., 1777. XL bis 1794. 
Löhlein, J. Csp., 1794 bis 1795. 
Stumpf, Seb., 1795. VIL 20. bis 1799. L 22. 
Goldmayer, J. Csp, 1799. L 22. bis 1802 (1838). 

c) a. o. Hilfsarbeiter. 

Seyfried, J., S. J., 1720. 

Seiz, Nik. A., 1728. IL 20. bis 1730. 



— 139 — 

Brand, J. Andr., 1743. 

Schöpflein, A. A., 1743. 

Li Her, Jos., 8. J., 1748—1749. 

Landmann, G. W. F., 1750. 

Herwig, J. J., 1772. IIL 1. bis 1778. IL 28. 

Stumpf, Seb., 1794. XL l. bis 1795. VIL 20. 

d) Diener. 

Engiga, Hs., 1724 bis 1767. VIL 18. 
Killian, Mr., 1766. IL 7. bis 1771. XL 5. 
Pfister, J. G., 1771. XL 5. bis 1798. IL 16. 
Zipf, Chr. 1798—1802. 



Schema des Realkatalogs vom Jahre 1731. 

Das Schema ist auf vier undatierten Foliobläitern überliefert, die in der 
Registratar der U.-B., Fase. 14, bewahrt werden und einem Berichte des Biblio- 
thekars Seiz aus dem Jahre 1731 beiliegen. 

Nach Überschrift und Schlussbemerkuog ist das Schema ein von dem 
Katalogverfasser berichtweise für den Fürsten verfasster summarischer Aus- 
zug aus dem systematischen Kataloge der Universitätsbibliothek Würzburg, 
also kein Entwurf, sondern Abschrift aus dem schon gearbeiteten Kataloge. 
Da die Bibliothek im 18. Jahrhundert nur einmal vollständig systematisch ver- 
zeichnet wurde und zwar in dem 1731 fertig gestellten Kataloge, ist die Da- 
tierung gegeben. Mit der Einteilung des Schemas stimmen auch die Auf- 
schriften der Bücherschränke des alten Saales und die Aufeinanderfolge der 
aus dem vierbändigen alphabetischen Kataloge (Erthal-Katalog) erkennbaren 
Büchersignaturen genau überein, ausgenommen die Fächer Medicina, Jus civile, 
Jus publicum, die nachweisbar in späterer Zeit von Landmann umgeordnet 
und neusigniert wurden. 

Verfasser des vorliegenden Auszuges ist der „compilator**, also Bibliothekar 
Seiz; die Einteilung selbst aber geht auf v. Eckhart zurück, der ja die 
Bücher der Bibliothek systematisch ordnete, aber noch während der Vorarbeiten 
zum Kataloge starb (vergl. S. 85 ff., 117 ff.). 

Bispositio Catalogi Librorum Bibliothecae Universitatis Hevbipolensis. 

üt ordo ä viris literatis passim probatus in dispositione librorum obser- 
varetur, non indecorum visum fuit, celebriorum hac in parte Bibliothecarum 
systemata, praesertim Vaticanae et Cassanatensis Romanarum, ac Garnerianum 
Parisiensis imitari, nisi quando vel loci situs vel librorum apparatus, vel ratio 
commodioris aut utilioris usus aliud postularet. Hinc facta est Divisio generalis 



— 140 — 

in classes sex, quarum l.ma Theologiam, 2.& Jurisprudentiam, 3.» Me- 
dicinam, 4.^ Philosophiam, 5.^ Literas Hamaniores, 6.^ demum 
Historiam complectitur, dum reliquae omnes Disciplinae ad has referuntur. 

Singulae autem Classes in sua Capita, Capita in Titulos subdivisa sunt, 
eoque ordine, ut in Distributione Capitum Materiae digniores et priores tem- 
pore in inventione humana posterioribus et minus dignis, in Titulorum verö 
coordinatione universalia particularibus, genera speciebus, totum parti praepo- 
neretur, unde etiam a rudibus primo intuitu summaria totius scientiae idea 
percipitur. 

Porrö cum inter fructus Catalogi rite concinnati potissimus sit Historiae 
Literariae Cognitio, ne in hoc quidquam ad eruditionem desideraretur, inter 
auctores singulorura Titulorum temporis ordo servandus fuit, et ideo Veteres 
a Medij aevi scriptoribus, bi a recentioribus secernendi, onmes verö habita 
denuo annorum, quibus floruerunt, et editionum exacta ratione ponendi erant. 

Theologia. 

Bis ita praemissis ä Theologia initium duccndo, summa ipsius divisio est 
in 12 Capita, quibus l.o Sacra Biblia, 2.o eorumdem Exegetae, 3.o Sum- 
morum Pontificum Epistolae et Decreta, 4.o Concilia et Synodi, 
5.0 Ss. Patres, 6.o Theologi Scholastici, 7.o Polemici, 8.® Morales, 
9.0 Concionatores, lO.o Ascetae, ll.o Lyturgici, 12.o Disciplina 
Ecclesiastica continetur. 

Et inter Sacra ßiblia quidem primum locum obtinent Polyglotta, 
sequuntur, quae unguis sacris scripta sunt, Hebraica, Graeca, tum La- 
tina, Germanica, Italica, Gallica, Slavonica etc. 

Inter Exegetas praeeunt oeconomiae etConcordantiae s. scrip- 
turae, succedunt Commentatores in universam scripturam, ad haec qui 
Vetus Testamentum tantum, qui Novum Testamentum tantum, et 
denique qui singulas eorundem partes interpretati sunt, quibus ultimo loco 
Expositores Epistolarum Canonicarum accedunt. Epistolae sum- 
morum Pontificum collocatae sunt juxta seriem temporum, quibus Eccle- 
siae universali praefuerunt. 

In Dispositione Conciliorum praecedunt Collectiones omnium 
Conciliorum; bis addita sunt separatim Concilia Universalia, Natio> 
nalia, Provincialia et diversorum Episcopatuum Synodi Dioecesanae. 
SS. Patres divisi sunt in 3 Titulos, quorum l."s Bibliothecas Patrum, 
2.W8 Patres Graecos, S.usLatinos secundum aetatem, qua vixerunt, continet. 

Theologi Scholastici incipiunt a Magistro Sententiarum, et usque 
ad nostra tempora aetatis ordine servato deducuntur. 

Polemici pro diversitate hostium, quos impugnarunt, 6 Titulis äbsol- 
vuntur, 1.0 qui adversus Im pios et Atheist as, 2.o qui adversus Infidel es , 
3.0 qui adversus Haereses in genere, 4.o qui contraHaereses Antiquiores, 
5.0 qui contra Recentiores fi duobus saeculis natas, facta subdivisione 
eorum, qui contra Hussitas, Lutheranos, Zwiuglianos,Anabaptistas, 
Calvinianos, Ubiquitarios, Jansenismum etc. et 6.o qui particu- 
^ares raaterias fidei Catholicae propugnärunt. 



— 141 — 

Moral es ceterique omoes in tot Titulos, quot diversas materias per- 
tractant, dispertiri oportuit, quibus Complementi loco Dogmatica et Disciplina 
Ecciesiastica finem imponit. 

Jnrisprndentia. 

Jurisprudentiae duae sunt partes Principes, Canonica et Civilis, 
ä duobus finibus, quos spectant, separatae. 

Canonica proinde in 8 Capita digesta est, quorum primum Lexica 
Juris Canonici ejusque Historiam, 2.uni Jnstitationes, 3."™ Corpus Juris 
et Pontificum C on s t i tu t i o n es Extravagantes, 4.^°^ Ejusdem 
Commentarios, 5.^°^ Tractatus, 6.^^ Resolutiones practicas et 
Kesponsa Juris, 7.um Consulentes, S.um Decisiones complectitur. 

Prima duo Capita non habent peculiares Titulos, Auctorum vero distri- 
butio tempori accomodata est, quo scripserunt. 

Sed et in 3.^ editionum antiquitas maxime considerata fuit, additis eodem 
modo Pontificam Recentiorum BuUis et Constitutionibus. 

In 4.0 Titulorum Juris Canonici ordinem sequi decuit, ita ut ij, qui Uni- 
versum Corpus juris commentati sunt, alios, qui partem tantum attigerunt, 
antecedant; His vero Interpretes Regularum Cancellariae, Concor- 
datorum Gernianiae, Galliae aliarumque posteriorum Constitutionum 
subjuncti fuerint. Pro 5.o 6.o et 7.o pariter, quia ingens eorum est numerus, 
opportunior non fuit dispositio, quam raateriarum in Decretalibus corapilatione 
retenta, unde Judex, Judicium, Clerus, Sponsalia, Crimen, pro com- 
modo quaestionum omnium repertoris ordinem suggessit. In 8.vo Auctoritas 
earum Decisionum praecellere debuit, quae in judicando vim legis habent, 
ideöque ante omnes Ss: Congregationum Decreta, Rotae Romanae 
Decisiones, et de ejusdem Curiäe Stylo Tractatus recensentur, quibus 
in aliarum Nationum Germaniae, Italiae, Galliae etc. Ecclesiasticis Tribunalibus 
receptae praxes et Decisiones juxta alphabethum congestae famu- 
lantur. 

Jurisprudentia Civilis, prout a Canonica differt, alia est Civilis 
ßomana et stricte dicta, alia Feudalis, alia Criminaiis, alia Mili- 
taris, alia Mercatoria, aliaNautica, alia Forestalis, Septem propterea 
Oapitibus distincta. 

Quaelibet autera in totidem Titulos disponitur, quorum primum Historia 
Juris ejusdem ortum et progressum docens, 2."°i Compendia et Syn- 
tagmata, Institutiones , item communes opiniones, 3."ni Leges ipsae et 
varij earum Codices, 4."!" Commentarij, 5umTractatus, 6.uni Consilia 
et Responsa, 1.^^ Ordinationes et Statuta particularia constituunt. Herum 
iterum scriptores ordine superias in Jure Canonico memorato distributi sunt, 
nisi quod in ultimo primas teneant Camera Imperialis, Consiliirm 
Imperiale Aulicum et Judicium Rothwilense, Reliqua vero Provin- 
ciarum Germaniae statuta in suos quaeque Circulos, ad quos ex Maximilian! 
Iraperatoris divisione pertinent, relata fuerint. 

Sub Jurisprudentia non minus venit Jus Publicum, caeterarum 
partium Canonicae et Civilis non tarn appendix, quam caput, ultimo tarnen 



— 142 — 

loco positam, quia hodiernum in Imperio Romano Germanico tempore po- 
sterius est. 

Jus Publicum itaque 3 Capitibus constat, Jure Naturae, Gentium 
et Publico Imperij Romano-Germanici specialiter sie dicto; Primum 
Tractatus tum universales, tum particulares, secundum praeter hos 
1.0 foedera et pacta variorumEuropaePrincipum inter se, 2.o Exterorum 
cum Imperio, 3.o Siatuum Imperij inter se complectitur. 

Tertium Geimaniae proprium in 15 Titulos discerpitur, l.us est Scriptorum 
in Universum Jus Publicum, 2.^8 de Recessibus Imperij, 3.^8 de 
aurea Bulla, 4.Q8 de Capitulatione Caesarea, 5.^» de Pace Imperij 
publica, 6.^8 de Pace Religiosa, 7.u8, De Pace Monas teriensi et 
caeteris usque ad nostra tempora, S.us de Imperatore et Rege Romanorum 
9.US de Statibus Imperij in genere, lO.us de Electoribus, 11.°b de S. 
R. J. Principibus, 12.us de Civitatibus Imperialibus etNobilibus 
immediatis, 13.^8 de Juribus Majestaticis et non Majestaticis Impera- 
toria et Statuum', 14."^ de Comitijs, 15.^8 Miscellanea tractantium. 

Medicina. 

Transitum inde faciendo ad scientiam Medicam, hujus 10 sunt Capita 
praecipua, l.^un Historia Medicinae, 2.°^ Institutiones et vocabularia 
Medica, 3."°i Medici W. Graeci, Latini, et Arabes, 4.uni Medici Re- 
centiores qui totam Medicinam pertractarunt, b.^"^ qui de singularum 
Nationum, Provinciarum, ijsque iterum specialibus morbis, 6.um Anatomici 
. Corporis humani et brutorum, 7.u°i Cbirurgi, S.^m Chymici, 9,^^^ 
Pharmaceutici, lO.um Botanici vel de omnis generis plantis, vel 
de aromatis, aut fructibus tantura. 

Philosophia. 

Philosophiae Divisio facta est in duas Species subaltemas, Philoso- 
ph i a m stricte dictam , et Mathematicam; atque illa quidem per 8 
Capita disposita est; Primum Historiam Philosophiae, 2.iunLexica et 
locos communes, d.^^ Encyclopaedias Philosoph., 4.um Philosophos 
VV. Graecos et Latinos, 5."°i Scholasticos RecentioresThomistas, 
6.um Scotistas, 7.«°i Cartesianos, Nominales, 8.uni Arbitrarios 
continet, qui omnes in Logicos, Metaphysicos, Physicos, Ethicos 
4 titulis subdividuntar. 

Altera Species, quae Mathesis est, l.o Historia Mathematicae, 
2.0 Lexicis, 3.o Mathematicis W, qui totam Mathesin tractarunt, 4.o R. R. 
Mathematicis, 5.o Arithmeticis, 6.o Geometris, 7.o Astrologis, 
8.0 Opticis, 9.0 Musicis, lO.o Mechanicis, ll.o Architectonicis, 
12.0 Strategeticis, et 12 proinde Capitibus completa est. 

Literae humaniores. 

Literarum Humaniorum, quae subsequuntur, tres sunt principaliores, 
Grammatica, quae emendate, Pöetica, quae jucunde, Rhetorica, quae 
persuasive loquendi modum tradit. 



— 143 — 

Prima ia 8 Titalos relata est l.o Historiam artis Grammaticae, 
2.0 Tractatus de Grammatica in g euere, 3.o Grammaticam Hebrai- 
cam cum vocabularijs et Tractatibus, 4.o Graecam cumVoc. et Tract., 5.o 
Latinam cum ijsdem, 6.o Germanicam, 7.o Italicam, 8.o Gallicam et 
reliquorum idiomatum. Secunda ex 8 pariter constituitar , l.o Historia 
artis Poöticae, 2.o Lexicis, 3.P Poötis VV. Graecis cum Commen- 
tarijs, 4.0 Poötis VV. Latinis cum Commeut, 5.o Latinis Medij aevi, 6.o 
Latinis R. B , l.o Germauis, 8.o Italis, Gallis et caeterarumNatiouum. 

Tertia porro eodem Titulorum numero digesta fuit, l.o Historia artis 
Oratoriae, 2.o Lexica, 3.o lustitutiones, 4.o Oratores VV. Graeci, 
5.0 Graeci R. R., 6.o Latini VV., 7.o Latini R. R., 8.o Epistolares 
coutinentnr et bis denique tanquam appertinens 3plicis hujus artis Philologi, 
Polymathi, et Critici sub 3 Titulis annexi sunt. 

Historia. 

Ad finem perducit sexta Classis, Magistra vitae Historia, quae generali 
partitione Duplex est Ecclesiastica et Profana in duobus utraque prin- 
cipijs fundata, Geograpbia nimiram et Obren ologia. Illa 12 Gapitibus 
absoluta est, in l.o suntLexica Geograpbica Graeca etLatina, 2.o Scrip- 
tores VV. Geographiae Universal., 3.o Recentiores Universales 
Latini, 4.0 Recenti eres Uni Versal. Ger man ici , 5.0 Recentiores Galli 
et aliorum idiomatum, 6.o particulares Sacri, qui terras Sanctas, 
7.0 particulares prbfani, qui Provincias Europaeas, 8.o qui 
Urbes Europae, 9.o qui terras peregrinas, lO.o qui Itineraria sacra 
et profana, ll.o qui Hy d r o g r a phi am, 12.o qui Tabularum Geo- 
graphicarum collectiones ediderunt. Haec Chronologia videlicet pauci- 
oribus expedita est; l.o Principia Chronologiae, 2.o Chronograph! Uni- 
versales, qui res sub utroque Testamente, 3.o qui res subVeteri tantum, 
4.0 qui res sub Novo tantum ad sua tempora retuierunt. 

Historiae Ecclesiasticae scriptores sub 12 Titulis fuerunt com- 
pilati, suntque l.o Bibliöthecae Scriptorum Historiae Ecclesiasticae, 
2.0 Historia Ecclesiastica Veteris et Novi Testamenti, 3.o Historia 
Veteris Testamenti tantum, 4.o Historia Novi Testamenti tantum, 
5.0 Historia Conciliorum, 6.o Historia Haeresum, 7.o Historia 
Summorum Pontificum, 8.o Historia Cardinalium, 9.o Historia 
particularium EcclesiarumGermaniae, lO.o Ecclesiarum Italiae, 
Galliae etc. item Ecclesiae Graecae, ll.o Regularium et Monasteriorum, 
12.0 Historiae Sanctorum. 

Historia profana Scriptoribus feracissima , ne copia conf usionem 
pareret, dividi debuit in universalem et particularem. 

Universalem in 6 Titulos partiri, materia postulavit, l.o in Scriptores 
Historiae Universalis ab orbe condito in prima Mundi aetate, 2.o a 
Secunda Mundi aetate seu a diluvio, 3.o a Tertia Mundi aetate ad nos 
usque, 4.0 in eos, qui Compendia, 5.o qui Locos Gommunes Histor. 
Univers., 6.o qui de M oribus, Ritibus, religione etc. variarum Gentium simul 
scripserunt. 



— 144 — 

ParticulariS; quia particularium Monarchiarum et Nationum res gestas 
enarrat, primum in 10 Capita suis Titulis subdivisa distincta fuit, in Graecam 
nimirum^ Romanam, Germanicam, Belgicam, Italicam, Gallicam, 
Hispanicam, Portugallicam, Septentrionalem, Peregrinam. 

Tres primae Graeca, Roma na, et Germanica tri piici denuo divisione 
in totidem Titulos dispertiri oportuit; Graeca quippe est l.o Vetus cum primis 
Monarcbijs, 2.o Medij aevi seu ßyzantina, 3.o Nova siveTurcica et Sara- 
cenica; Romana vero alia est sub Regibus, alia in statu Reipublicae, 
alia sub Imperatoribus; Sicut et Germanica l.o Antiquam, 2.o Au- 
gustam, 8.0 Particularium Prineipatuum res gestas continet; Reliquae 
item omnes in duos singulae titulos, quorum primus Universi Regni aut 
Nation is, alter Specialium Provinciarum Historiam complectitur, 
redactae sunt. 

Demum ut ex omni parte perfecta sit Historiarum cognitio quatuor 
comites habeat, necesse est, Genealogiam, Historiam Literariam, 
Naturalem et Artificialem, quatuor appendicis hujus capita. Gene- 
alogia 2 composita est Titnlis, Universali videlicet et Particulari, 
quae postrema in 8 alios subdivisa est, in l.o qui de familijs Germaniae 
in genere, in 2.o qui de familijs lllustribus in specie, in 8.o qui de 
familijs Italiae, in 4.o qui de familijs Gallia e, in 5.o qui de familijs 
Hispaniae, in 6.o qui de familijs Britanniae, in 7.o qui de familijs 
Poloniae et Septentrionalium, in 8.o qui artem Heraldicam 
tractarunt. 

Historia Literaria 4 Titulis constat, in l.o qui B iblio th ecas, Ca- 
talogos et varia antiquaria coUegerunt, in 2.o qui Lapidaria, sive varias In- 
scriptiones, in 3.o qui Nummaria, in 4.^ qui de Viris lllustribus in 
Singulis scientiarum generibus scripserunt. 

Historia Naturalis in 6 Titulos distributa est, in l.o qui Univer- 
sam Historiam Naturalem congesserunt, uti Plinius etc., in 2.o qui de 
Elementis, in 3.o qui de Fossilibus, in 4.o qui de Plantis, in 5.o qui 
de animalibus, in 6.o qui de Spiritibus varijsque prodigijs. 

Historiae Artificialis quadruplex est Divisio ex quadruplici ho- 
minis consideratione, prout vel l.o quoad se spectatur, vel 2.o ut existens 
infamilia, vel 3.o ut in Societate imperfecta, vel 4.o ut in Societate 
perfecta, Civitate vel Regno positus est, desumpta. 

Denique quia in tanta Librorum multitudine plures sunt, quorum lectio 
a Sede Apostolica prohibita est, ijdem juxta ordinem Regularum primae 
classis in indice Librorum prohibitorum contentae, fuerunt dispositi relictis 
in propria sede ijs, qui in 2.^ classe a Germanis non recepta profligantur. 

Atque haec ex Catalogo Librorum Bibliothecae (Jniversitatis 
hoc modo ordinato, summariter ex tr acta, Revi^äo Celsitudinis Suae 
Glementissimae Censurae a Compilatore humillime submittuntur. 



Personen -Verzeichnis. 



Albrecht V., Herzog yon Bayern 19. 

Albrecht Achilles, Markgraf von Bran- 
denburg 62. 

Alexander VIIL, Papst 37. 

Andler, Franz Friedrich, Prof. 66. 

Antivari, G. T. y., kaiserl. Resident in 
Stockholm 38. 

Antoni, Carl Ignatius, Bibl. 93, 138 

Aschhausen, Johann Gottfried v., Fürst- 
bischof von Würzbarg und Bamberg 
11, 13, 18, 25, 27, 28, 43, 47, 48, 50. 

August Wilhelm, Herzog von Braun- 
schweig- Wolfenbüttel 89. 

Baader, Giern. Alo. 136. 

Barthel, Johann Kaspar, Prof. 75 A. 3, 93fif. 

Benkardt, Johann, Pedell 49. 

Berg, Franz, Prof. 108, 109 A. 2. 

Beringer, Johann Barth. Adam, Prof. 85. 

Bernhard, Herzog vonSachsen-Weimar29, 
38, 46. 

Bönicke, Christian, Prof. 59, 1G9 A. 2. 

Böttinger, Hofrat 106. 

Brand, Johann Andreas, Bibl. 73, 85, 

87, 92 f., 105, 138, 139. 
Braun, Karl, Schlossermeister 26. 
Braun, Philipp, Dechant zu Hang 41, 82 f. 
Brückner, ODerhofprediger 83. 
Carlier, Bernhard, Prof. 85. 
Christina, Königin von Schweden34,35,37. 
Clemens XIY., Papst 95. 

Cotel, Wilhelm S. J., Prof. 115. 

Cyprian, Ernst Salomon 83, 84, 182 A. 2. 

Daude, P. Adrian S. J., Prof. 59, 78. 

Dercum, Lorenz Adam, Prof. 85. 

Dernbach, Peter Philipp von, Fürst- 
bischof von Würzburg 48. 

Dieterich[s], Dr. 111. 

Echter von Mespelbrunn, Julius, Fürst- 
bischof von Würzburg 9—17, 18, 28, 
30, 34 ff., 38, 67, 126. 

Eck, J. 62 A. 3. 

Eckhart, Johann Georg yon, lUbl. 69, 
70, 71, 72. 74, 75, 7«, 79, 82, 85, 87, 

88, 89, 127 A. 1, 138, 139. 



Egloffstein, Johann von, Fürstbischof 
von Würzburg 9. 

Ehrenberg, Philipp Adolf yon, Fürst- 
bischof von Würzbnrg 12, 25 A. 1, 28. 

Ehret, Georg Dionysius, Maler 111. 

Eifelstadt, Johann, Kanonikus zu St. 
G umbrecht in Ansbach 63 A. 1. 

Endres, Johann Nep., Prof. 99. 

Engiga, Hans, Famulus 72, 102, 139. 

Erbermann, Veit S. J., Prof. 48. 

Ernst II., Herzog yon Sachsen-Gotha 38. 
Erthal, Franz Ludwig yon, Fürstbischof 
von Bamberg und Würzburg 90, 96, 

103 ff., 107, 109, 110 A. 3, 114, 116, 

117, 119, 122. 

Ettleber, Johann Sebastian, Prof. 82 f. 
Fabricius, Barbara Benedikta 57. 

— Franz, fürstl. Rat und Lehenpropst 55, 
56, 58. 

— Hieronymus, Arzt 55. 

— Johann Wilhelm, Lehensekretftr 56. 

— Johann Wolfgang, Lehensekretär 55, 
56, 58, 60, 61, 115, 132. 

Fahrmann, Andr. Jos., Regens 110. 

Falck, Johann Albert, Prof. 50. 

Faust von Stromberg, Franz Ernst, fürstl. 

Würzb. geh. Rat 52. 
Kranz Georg, Domherr zu 

Würzburg 52. 

Franz Ludwig, Dompropst zu 

Würzburg 52. 

— — — Friedrich Dietrich, fürstl. 
Würzb. geh. Rat 52. 

Johann Salentin, Assessor am 

Reicbskammergericht 52, 53, 55, ^2 
A. 3. 

Philipp Ludwig, Domherr zu 

Würzburg 52. 

Fechenbach, Georg Karl von, Fürst- 
bischof von Würzburg 67, 104, 109 
A. 1, 114, 116, 117, 123 A. 1. 125. 

Fechenbach, Joh. Phil. K. Ant., Frhr. v., 
Domherr u. Reicbstagsgesandter 111. 

10 



— 146 — 



Feder, Michael, Prof. u. Bibl., 59 flF., 100, 
102, 109, 112, lU, 117, 121, 122, 123, 
124 A. 3, 131, 131, 138. 

Fehr, Isak, Bibl. 36. 

Fesenmayer, Georg Joseph, Buchbinder 

65, 74, 84 A. 2, 103. 

Fichtel, Franz Ludwig von, Hofkanzler 

66, 71 A. 2, 75 A. 3, 77 A. 1, 84, 87. 
Flach, Georg, Weihbischof 22. 
Fuggart, Philipp Wilhelm Heinrich, 

Univ.-Buchhändler 74, 80 ff., 103, 106. 

Gabler, Eonrad, Domvikar 46. 

Garnier, J. 139. 

Gelchsheimer, Johann, Lehenpropst 46. 

Gercken, Phil. W. 135. 

Germershausen. Heinrich Willibald, Bibl. 
93, 94, 99, 118, 138. 

Gneisenau, Neithardt yon 98. 

Göbhard, Tobias, Buchhändler 106. 

Goldmayer, Johann Kaspar, Bibl. 102, 
109, 116, 127 A. 1, 138. 

Grebner, P. Thomas, S. J., Prof. 59, 114. 

Gregel, PhiUpp, Prof. u. Bibl. 99 f., 108, 
112, 114, 120 f., 124, 133, 138. 

Gregor XÜL, Papst 67. 

Greiffenclau, Johann Philipp von, Fürst- 
bischof von Wtirzburg 24, 51 flf., 57, 
61, 63, 64 A. 1, 65, 125. 

Greiffenclau, Karl Philipp von, Fürst- 
bischof von Würzburg 38, 104. 

Gustav Adolf, König von Schweden 
29 ff., 37, 46. 

Guttenberg, Johann Gottfried IL von, 
Fürstbischof von Würzburg 48. 

Habermann, Franz Ludwig von, Hof- 
kanzler 95. 

Hagen, Justus Jakob von, fränk. Kreis- 
kassier 106. 

Halberstädter, cand. med. 118. 

Hassenkamp, J. Matth., Prof. 135. 

Hatzfeld, Franz von, Fürstbischof von 
Bamberg und Würzburg 29, 46, 48. 

Heibig, J. L., Pfarrer 64. 

Herwig, Johann Justus, Bibl. 97 f, 118, 
139. 

Hess, Fr. Joa. W., Hofkammerdirektor 105. 

Hirsching, F. K. Glo. 113, 136. 

Hoeschel, David 21. 

Hof er» Stephan, Subregens 48. 

Holzhauser, Bartholomäus 48. 

Hörn, Johann, Domherr zu Augsburg, 
Propst zu Feucht wangen 62. 

— Kilian, Dechant zu St. Stephan in 
Bamberg 62, 63 A. 1. 

— Konrad 63 A. 1. 

— Mathias, Domherr zu Brixen 63 A.l, 2. 

— Nikolaus, Arzt 62, 63 A. 1. 
Howard, Thomas, Earl of Arundel 41. 



Huberti, Franz S. J., Prof. 108. 

Humbracht, Johann Max 56. 

Hütten, Christoph Franz von, Fürst- 
bischof von Würzburg 64, 65 A. 3, 
67, 69, 70, 79, 81, 84, 89. 

Hutter, Georg, Kanonikus zu St. Gam- 
brecht in Ansbach 62, 63. 

Jacob, Louys, P. 17. 

Jakob, geh. Rat 57. 

Ingelheim, Anselm Franz von, Fürst- 
bischof von Würzburg 74, 104. 

Josephine Maximiliane Eugenie, herz. 
Prmzessin von Leuchtenberg 31. 

Kahl, A. 39. 

Kant, Imm. 110. 

Keller, Georg, 0. Präm. 41. 

Killian, Moritz, Famulus 102, 139. 

Kirsinger, Martin, Rezeptor 44 f. 

Kleinschrod, G. A. K., Prof. 134. 

Kleyer, Johann Jakob Christoph, üniv.- 
Buchdrucker 74, 104. 

Klüber. J. Sam., Archivrat 31. 

Klüpfel, P. Engelbert, Prof. 106. 

Köl, Ad. Mich., Prof. 117. 

Kupetzky, Johann, Maler 67 A. 1. 

Landmann, Chr. Franz Joseph, Bibl. 

72 ff., 75, 83, 85, 87, 92, 105, 118, 
138, 139. 

Landmann, G. W. F., Kanzlist 139. 

Land, Erzbischof 39. 

Lilier, Jos. S. J. 93 A. 3, 134. 

Lindemayr, Pfarrer 17. 

Löhlein, Johann Baptist, Skribent 72, 

73 A. 1. 138. 

Löhlein, Johann Kaspar, Kanzlist 101, 

138. 
Lurz, Job. Bapt. Chr. Jos., Rezeptorats- 

Direktor 102. 
Mack, Kaspar, Schreinermeister 26. 
Marianus, Chr., Prof. 17. 
Martin, Philipp Joseph, Dechant zu 

Haug, Bibl. 94, 95, 99, 105 A. 4, 107, 

118, 138. 
Martinenengo, Reg.-Rat 54 A. 3. 
Matthiae, J., Bischof von Strengnäs 35. 
Maugörard, Jean-Baptiste 116. 
Maximilian Joseph , Kurfürst von 

Bayern 131. 
Mayer, Johann Bernard, Weihbischof 

51 ff., 57, 65 ff., 80, 85, 132 A, 2. 
Meckel, von, Reichsgerichtsassessor 106. 
Micka, G. Fr., Maler 67 A. 1. 
Müller, M. A., Oberstleutnant 98. 
Muggenthal zu Hechsenacker, Erh. v., 64. 
Nebel, S. I. 105. 
Nestfell (Nessfell), Georg 91. 
Neumann, Balthasar, Architekt 66, 78, 

85. 



— 147 — 



Nies» Georg, Vikar im Neumünster u. 
Bibl. 27.' 

Oberkamp, Joseph Franz, Prof. 104. 

Oberthür, Franz, Prof. 93 flf., 108, 110, 
132 A. 6, 133. 

Occo, Adolf 19, 21. 

Oskar, Kronprinz von Schweden 31. 

Penzel, Abr. Jac. 136 A. 3. 

Pfister, Johann, Famulus 102, 139. 

Plettenberg, Frhr. von, geh. Referendar 
75 A. 3. 

Rantzau, Heinrich 21. 

Reisenmacher, Chr., Buchbinder 47. 

Reuss, Maternus, Prof. HO. 

Reassner, Nikolaus 21. 

Rheede tot Draakenstein, H. Adr. van 111. 

Rienner, Franz Xaver, Buchführer 104. 

Riesing, Veit, Graveur 117 A 3. 

Rotenhan, Philipp Rudolf Hrch. Jos. 
Frhr. v., Rezeptorats-Präsident 75 A. 3. 

Rüeger, J. J. 20. 

Rummel, Michael, Domvikar 63 A. 1. 

Salver, Johann 53. 

Salver, Johann Oktavian, Lehen-Registra- 
tor 59 ff. 

Schild, Val. Raim. Plac, Hofrat, 75 A. 3. 

Schläger, Bibl. 84 A. 1. 

Schmidt, Mich. Ignaz, Prof. u. Bibl. 
95, 96, 97, 99, 114, 136 A. 3, 138. 

Scbneidt, Joseph Maria, Prof. 121. 

Schönborn, Friedrich Karl von, Fürst- 
bischof von Würzburg 65 A. 3, 75, 
77. 79, 80, 83, 85, 88, 89, 92, 117. 

— Johann Philipp von, Fürstbischof 
von Würzburg, Kurfürst von Mainz 48. 

— Johann Philipp Franz von, Fürst- 
bischof von Würzburg 65 A. 3, 67, 
70, 74, 84. 

Schöpflein, Adam Adolph, Fähnrich 87, 
139. 

Schott, Kaspar S. J., Prof. 115. 

Seinsheim, Adam Friedrich von, Fürst- 
bischof von Würzburg 79 A. 4, 91, 
94, 95, 97,. 104, 105. 111, 116. 

Seiz, Nikolaus Anton, Bibl. 72, 73, 75, 
81, 85, 86, 138, 139. 

Seiz, Christoph, Dompfarrer 48. 

Senft, Ad. Andr., Prof. 132 A. 6, 133. 

Seyfried, P. Johann S. J., Prof. 59, 69 ff., 
138 

Sieboid, Karl Kaspar, Prof. 108. 

Sigler, Georg Konrad, Bibl. 49, 56 ff., 
64, 65, 68, 69, 78, 82, 125, 127 A. 1, 
132 138 

Simon, Franz, Bibl. 99, 107, 138. 

Stadion, Friedrich Lothar Franz Graf von, 
Rezeptorats-Präsident 91 A.4, 107, 131, 
134. 



Stahel, Johann Jakob, Univ.-Buchhftnd- 
1er 104. 

— Johann Kaspar 104. 

— Margarete 104. 
Stahel, Veit Josenh 104. 
Stemberg. Bertold von, Bischof von 

Würzburg 9. 

Studach, von, apost. Vikar 31, 33 A. 2. 

Stumpf, Sebastian, Bibl.-Kanzlist 101 ff., 
11^ 127 A. 1, 138, 139. 

Sündermahler, J. J., Prof. 85. 

Sündermahler, Matth. Ant, Rezeptor 75 
A. 3. 

Trithemius, J. 132. 

Tschudi, General 111. 

Tucher, Johann. Kellerschreiber 23. 

Uffenbach, Zacharias Conrad von, 81. 

Upilio, Wolfgang, Prof. 45. 50. 

Veith, Martin, Buchführer 81, 103. 

Victorius, Fr. 64 A. 2. 

Vierheilig, Jakob, Buchbinder 103, 113 
A. 2. 

Vierheilig, Sebastian, Buchbinder 103. 

Vitale, Ant. 136 A. 3. 

Vogelmann, J. B., Prof. 100. 

von der Thann, Karl, Domherr 63. 

Wabelhost, Johann Heinr., Altgeselle 
66. 

Wagner, Michael, Prof. 45 A. 3, 50. 

Wahrendorff, H. von, schwed. Geschäfts- 
träger 31. 

Walther, J. C. 56 A. 3. 

Weinberger, Stephan, Regens 48. 

Weissensee, Kilian, Notar, acad. 49. 

Welser, Anton, Propst zu Spalt 23. 

— Johann Baptist 19, 23, 25. 

— Marcus, Stadtpfleger 21, 23. 

— Matthäus 23. 

Welz, Anton Aloysius, Kanzlist 99, 

101, 119, 121, 127 A. 1, 138. 
Wenger, Hadrianus 22. 

— Paul, Domvikar 19, 22, 24, 25. 

— Sixtus Volhardus, Domvikar 22. 
Wentzel, Johann Bapt., Rezeptor 69. 
Werdenstein, Adam von, Oberbau- 
meister 20. 

Werdenstein, Johann Georg von, Dom- 
herr zu Augsburg und Eicbstädt 19, 20, 
21, 22, 24, 25, 26, 28. 

Wiesner, Georg, Prof. 122. 

Wilhelm V., Herzog von Bayern 19, 20. 

Winter, J. W., Kupferstecher 70 A. 4. 

Wirsberg, Friedrich von, Fürstbischof 
von Würzburg 15. 

Ziegler, G. Ant , Rezeptor 48. 

Zipf, Christoph, Famulus 102, 139. 

zur Westen, Rezeptor 97 A. 1. 



10^ 



Lebenslauf. 



Ich, Otto Handwerker, katholischer Konfession, bin ge- 
boren am 23. August 1877 zu Würzburg als Sohn des f Taub- 
stummenlehrers Johann Wilhelm Handwerker. Nach drei- 
jährigem Besuche der Volksschule meiner Vaterstadt gehörte ich 
ein Jahr lang dem Fischer sehen Knabeningtitute an und trat 
sodann im Herbste 1887 in das neue Gymnasium zu Würzburg 
ein, das ich im Juli 1896 mit dem Zeugnis der Reife verliess. 
Hierauf widmete ich mich dem Studium der Philologie, Geschichte 
und Geographie und zwar fünf Semester hindurch an der Univer- 
sität Würzburg, ein Semester an der Universität München. Im 
Oktober 1899 unterzog ich mich der Lehramts-Prüfung für deutsche 
Sprache, Geschichte und Geographie und kehrte nach bestandenem 
Examen zur weiteren Ausbildung in den historisch-geographischen 
Disziplinen für die drei folgenden Semester an die Universitäii 
Würzburg zurück. 

Am 1. I. 1901 wurde ich zum H. Assistenten der k. Univer- 
sitäts-Bibliothek Würzburg ernannt, am 1. XII. 1902 zum I. Assis- 
tenten befordert. 

Meine Lehrer waren: in Würzburg die HH. Professoren 
Boveri, Brenner, Chroust, Grasberger f, Henner, Regel, 
Rötteken, M. v. Schanz, Sittl f, Stölzle, Unger, 
V. Wegele f; in München die HH. Professoren v. Christ, 
Furtwängler, v. Müller, Oberhummer, Paul, v. Wölfflin. 

Allen meinen Lehrern, vor allem den HH. Professoren Hennerj 
Chroust und Regel, auch an dieser Stelle meinen ergebensten 
Dank auszusprechen ist mir Herzensbedürfnis. 



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